Letzte Tage in meiner liebgewonnen Heimat

Veröffentlicht in Up To Date am Juli 14, 2009 von paulnaglatzki

Einen Monat ist es nun her, seit dem ich aus Kolumbien wieder zurück bin. Die letzten sechs Wochen die mir da noch blieben sind nun auch fast vorbei und bald heißt es Abschied nehmen, von der Farm, den Projekten, den Leuten und von Ecuador. Kai N. Und Jakob haben das Land bereits verlassen, Kai H. ist auf Kuba und ich bin hier mitten im vollgepackten Freiwilligenhaus am Genießen meiner letzten Tage. Dennoch waren die letzten Wochen voll mit Fiestas und Arbeit. Da Stuart sich ebenfalls eine Auszeit gönnte und für 14 Tage nach Kanada flog, hieß es für die verbliebenen Freiwilligen, den Garten und das Freiwilligenprogramm alleine schmeißen. Viel Organisatorisches und Finanzielles lastete so auf unseren Schultern. Doch letztendlich hatten wir alles gut im Griff, auch wenn während Stuarts Abwesenheit 15 Hühner geklaut wurden. Auf Grund der anlaufenden ‚Temporada de Fiestas‘ (Festzeiten) kommt es gehäuft zum Diebstahl von Vieh, Hühnern und Meerschweinchen. So wurden auch wir zum Opfer und dies zog einige Änderungen nach sich; neue Schlösser vor den Meerschweinchenställen, nächtliche Wachschichten nahe der Ställe und ein verschlossenes Eingangstor. Des weiteren stand das Abschlussseminar mit unser gesamten Freiwilligengruppe bevor. Schon lang im Vorraus geplant, sollte es auf der Farm stattfinden. So fanden sich die insgesamt 30 Freiwilligen am Freitag, dem 19. Juni, auf der Farm ein und es folgte ein Wochenende vollgepackt mit reflektierenden, einschätzenden und zukunftsblickenden Workshop. Es war beeindruckend die meisten Freiwilligen, die ich meist nur auf Seminaren traf, ein letztes Mal zu sehen und mit ihnen Erlebnisse auszutauschen und immer wieder festzustellen, dass wir doch irgendwie alle ähnliche Erlebnisse durchgemacht hatten. Das folgende Wochenende waren wir ein letztes Mal alle gemeinsam in der Mariscal in Quito aus und verabschiedeten Kai, der nach seiner Abschlussfeier mit seiner Familie am Sonntag nach Deutschland flog. Am selben Wochenende wurden ebenfalls die Fiestas von San Pedro in Gang gebracht. San Pedro sind Festzeiten, die jedes Jahr am 28. Juni im Landkreis um Tabacundo beginnen. Die Tradition fordert jede Gemeinde des Kreises eine Tanzgruppe auf die Beine zu stellen, Gitarren- und Flötenbegleitete Gesänge zu komponieren und in der Nacht des 28. diese tanzend vorzustellen. Natürlich traditionel mit ‚Samarros‘ (Hosen aus Kuhfell) und ‚Faldas‘ (traditionelle Trachten der weiblichen einheimischen Bevölkerung) gekleidet. Gegen 6 Uhr abends beginnen dann die Umzüge der kleinen Grüppchen über die Hauptstraßen Tabacundos, alle die nicht tanzen, stehen am Straßenrand und bewundern und bewerten die auf einander folgenden Züge. Ein wichtiger Teil der Tradition ist der überdimensioniert Alkoholkonsum. In jeder Gruppe sind mindestens zwei sehr traditionel gekleidete Mitglieder stetig mit Wein, Bier, Schnaps, Whisky und ‚Puntas‘ (typischer Schnaps der Region aus Zuckerrohr) am Verteilen von Kurzen, entweder an die Gruppe selbst oder das umstehende Publikum. Am Marktplatz marschiert so jede Gruppe nacheinander ein und wird von einer ausgewählten Jury bewertet. Die beste Gemeinde bekommt so jedes Jahr eine Finanzspritze von $5000 für kommunale Arbeiten. Die Umzüge dauern so meist in die späten Morgenstunden. Für die meisten Sänger, Tänzer und Gitarrenspieler endet der Morgen dann besoffen am Straßenrand oder in den Armen der nüchternen Ehefrauen. Ursprünglich sollte unsere Farm ebenfalls eine eigene Gruppe auf die Beine stellen, aber da sich keiner kümmerte blieb es bei dem Plan. So fuhren wir am Sonntagabend gegen 9 mit den Familienmüttern und –vätern und den Freiwilligen hoch ins Pueblo um dem Spektakel beizuwohnen. Die ersten Biere waren schnell geleert und die vorbeiziehenden Gruppen füllten unsere kleine Gringogruppe schnell mit ‚Puntas‘ ab. Gegen 11 schlossen wir uns dann einer der größeren Gruppen an und zogen mit ihnen tanzend und trinkend die Straßen hinunter, über den Marktplatz und durch Tabacundo. So wurden wir zum noch leichteren Opfer für die schier endlosen Liter ‚Puntas‘, Bier und Wein. Doch mit jedem Schluck tanzten und sangen wir besser und wurden so zur Atraktion der gesamten Gruppe. Wir zogen an bekannten und belustigten Zuschauergesichtern vorbei, bis dann nach und nach einer nach dem anderen resegnierte. So fuhr ich mit der nächsten ‚Camionette‘ (Taxi) und den restlichen ecuadorianischen Farmbewohnern gegen 2 zurück auf die Farm. Stuart und ein paar andere hielten angeblich bis 5 Uhr morgens durch. Da wir zur gleichen Zeit eine 50köpfige Studentengruppe aus den Staaten auf der Farm hatten und diese bekocht werden mussten, hieß es bereits um 5 wieder aus den Federn und in die Großraumküche und des Frühstück bereiten. Völlig am Boden und verkatert wurde aber der Rest des Tages als allgemeiner Ruhetag ausgerufen. Nach der Rückkehr aus unseren Kolumbienurlaub hatte sich da Freiwilligenhaus schlagartig geleert,nur Rachel aus Massechusetts und ich waren verblieben. Doch Woche für Woche kamen nun neue Freiwillige. Schlagartig herschte ein dichtes Gedränge aus 10 Freiwilligen in unserem Hause. Ohne Zwischenfälle war ein abwechslungsreiches Zusammenleben möglich. Über mehrere Monate wäre es jedoch nicht auszuhalten, die Kocheinrichtungen sind zu klein und Schlafmöglichkeiten sind auch nur begrenzt verfügbar, obgleich wir einen weiteren Raum des Hauses bewohnbar gemacht haben. In der ersten Juliwoche wollten wir dann endlich unser Ofenprojekt in Angriff nehmen. Rachel hatte die Idee von einem Lehmofen auf die Farm gebracht. Die Anleitung war einfach, ein Lehmiglu, in dem ein Feuer entfacht wird und danach das Brot gebacken wird. Doch das war nicht genug, wir wollten einen richtigen Ofen, mit Holzfeuerung, Bratfach und Schornstein. An Stuarts Pizzaofen angelehnt entworfen wir unseren groben Plan. Das Fundament war gelegt, der Alu-Schornstein von unserem Bewässerungssystem, die Ziegelsteine aus unserer alten Brennerei und mehrere Schubkarren Erde aus dem Umland zusammengetragen. Das einzige was noch fehlte, war das eigentliche Ofenfach. Dieses sollte aus 2mm starkem Blech, halbmondförmig über dem Feuer ruhen. Endlich stießen wir auf eine alte Blechtonne, die auf der Farm schon abgeschrieben war und ein Blech welches den Anforderungen entsprachen. Es konnte also losgehen; Freitagmorgen begannen wir Erde mit Wasser zu mixen und einen zementähnlichen Brei herzustellen. Die ersten Grundsteine waren schnell gelegt und das Feuerblech eingezogen. Zusammen mit dem Kanadier Julien zog ich die Außenwände hoch, während der Rest mit dem Herstellen von Lehm beschäftigt war. Alsbald wurde der Schornstein eingesetzt und fixiert und das Bratfach fand seinen Platz und wurde von einer Doppellage Ziegelsteine ummauert. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit fand das Projekt sein Ende. Der Ofen mit einer Bratfläche von 50 cm x 50 cm war an seinem Platz, nun musst er nur noch trocknen, was einige Zeit in Anspruch nehmen sollte. Damit der Lehm bei Regen nicht ausgewaschen wurde, musst der Ofen stetig mit einer Plane abgedeckt werden, was den Anblick des Meisterwerkes natürlich erheblich trübte. Also musste ein Dach her – doch Plastikfolie? – würde bei der Hitzte schmelzen. Stroh? – Brennt. Also Dachziegel im guten alten Mönch-Nonnen-Stil. Also schnell vier Pfeile gesetzt, einen Dachstuhl drauf und mit Ziegeln von einfallenden umliegenden Gebäuden eingedeckt. Nach zwei Tagen und der Hilfe Eladios bot das völlig überdimensionierte Dach unserem Ofen Schutz. Doch trocken war er immernoch nicht. Völlig ungedulig weihten wir ihn dann am Donnerstag, genau eine Woche vor meiner Abreise, ein. Mit gebratenen Kartoffelecken, Brokkoli und Rote Beete. Am Nachmittag war ich zum Fussballspiel La Liga vs. Puerto Alegro in Quito eingeladen. La Liga, heimisch in Quito, ist Tabellenfüherer der ecuadorianischen Bundesliga. An dem besagten Donnerstag spielten sie gegen den Tabellenführer der brasilianischen Premierleague. Anpfiff: 20.00 Uhr. Da rechtzeitiges Kommen gute Plätz sichert fanden wir unser bereits um 5 im Stadium ein und die erste Biere floßen. Als dann endlich das Spiel begann, gröllten Stuart und ich bereits schon leicht angetrunken mit den ecuadorianischen Fans die etwas stumpfen Fangesänge. Ein sehr gutes, schnelles Spiel unserer Heimmannschaft verhalf zu einem schnellen 1:0. Völlig überannt bekam Puerto Alegro dann auch noch zwei weitere Tore und des Spiel endet gegen 10.00 mit einem 3:0 und einer Siegerzeremonie. Die Stadiumsbeleuchtung wurde gedimmt und das gesamte Stadium entzündete kleine Leuchtfakeln, sodass die gesamten Tribühnen vor Funken nur so blinkten – ein wirklich einmaliges Fussballerlebnis. Gegen 11 Uhr abends saßen wir dann im Bus nach Hause und kamen gegen halb 1 auf der Farm ein. Da ich am Folgetag bereits um 3 Uhr auf den Beinen sein musste, begab ich mich baldmöglichst ins Bett. Die frühen Morgenstunden des Freitags verbrachte ich mal wieder mit Edwin und Alonzo in Ibarra beim Gemüsekaufen. Da am Samstag meine große Abschlussfeier bevor stand und noch einiges zu erledigen war, war am Nachmittag auch nicht viel mit Arbeit. Für den kommenden Grillabend zu meiner Abschlussfeier waren 50 Leute geplant. 6 Hühner und 6 Meerschweinchen mussten geschlachtet, gerupft, ausgenommen, zerteilt und eingelegt werden. Der ruhige Nachmittag wurde von einem tragischen Unfall unterbrochen. Die größeren Kinder der Farm waren in einem der Kartoffelfelder mit Benzin am rumspielen. Der auf unserer Farm leicht aufzufindene Grillanzünder war offensichtlich ein fazinierendes Spielzeug. Da keiner von uns, weder die Eltern davon mitbekamen, waren sie ungehindert mit dem Benzinfeuer zu Gange. Als plötzlich eines der Kinder über das, mit Benzin gefüllte, Behälterchen stolpert und sein Gegenüber mit der hochentzündlichen Flüssigkeit tränkte. Ein Funken genügte und der 8 Jährige stand in Flammen, der schreckliche Anblick des umherrlaufenden Feuerballs zog Simons Aufmerksamkeit auf sich und reflexartig schnappte er den Jungen riss ihm die bereits geschmolzene Kleidung vom Leib und wir setzten ihn in die Badewanne und übergossen ihn mit kaltem Wasser. Beide Beine und seine gesamt Seite waren verbrannt, die oberste Hautschicht hatte sich gelöst und hing in Fetzten von seinem Körper. Nach seiner Mutter schreiend traf sie kurz darauf ein. Es stand fest – ins nächstgelegene Krankenhaus. Rein zufällig war Edwin mit seinem PickUp gerade auf der Farm und lieferte ihn im nächsten Krankenhaus in Cayambe ein – wo er nach einer ersten Notfallversorgung dann sofort ins Kinderspital Baca Ortiz nach Quito überführt wurde. Am Abend setzten wir etwas in Schock versetzt dann die Einweihung des Ofens mit hausgemachten Pizzen fort. Da am Folgetag die große Abscheidsfeier bevorstand, gingen wir zeitig zu Bett. Es sollte nicht nut meine Abschiedsfeier werden, da 5 weitere Freiwillige die Farm in den nächsten Tagen verlassen sollten, war es mehr ein letztes Mal an dem alle zusammen waren. Ausserdem holten wir am sonnigen Samstagnachmittag den lang versäumten Karneval, typisch als Wasserschlacht mit viel Wasser, Mehl und Eiern, zusammen mit den gesamten Farmbewohnern nach. Gegen 5 entfachten wir das Feuer für die Grillplatte, brachten Fleisch, Kartoffeln und Besteck herbei und so nach und nach versammelten sich alle um den Grill. Angefangen von der gesamten Farmbevölkerung, über Stuart und den Freiwilligen, bis hin zu Edwin, seiner Familie und Alonzo mit zwei seiner Kumpanen waren es ingesamt um die 60 Leute. Bis spät in die Dunkelheit grillten wir Hühnerbeine, Meerschweincheschenkel und Schweinesteaks. Nach dem alle Mägen gefüllt und die Kälte über uns hereinbrach, verzogen wir uns nach drinnen, in den großräumigen Speisesaal der Farm. Dort begann die eigentliche Fiesta, die ersten 5 Kisten Bier waren bereits geleert, doch für Nachschub war gesorgt. Wir setzten den ‚Naranjillazo‘ (Punsch aus Zuckerrohrschnaps und einer ecuadorianischen Frucht) auf und holten den Wein und Whisky aus der Vorratskammer. An Musik fehlte es ebenfalls nicht, da Eladio dankbarer Weise seine Anlage zur Verfügung gestellt hatte. Alternierend wurde zu ecuadorianischer Folklore, Salsa, Cumbia, Bachatta, Pop, Rock, Klassikern und Electro getanzt. Mit zunehmendem Alkoholkonsum wurden die Tanzbeine lokerer und es interessierte keinen mehr, welche Musik spielte und wie man wohl tanze. Als bald forderte es erste Opfer, die sich auf ihr Zimmer zurückzogen. Doch der harte Kern aus geübten ecuadorianischen Alkoholikern und einigen Freiwilligen zechte und tanzte bis um 4. Gegen halb 5 schmiss ich die verbliebenen vier aus dem Speisesaal, verriegelte die Tür und ließ die vier tanz- und sauflustigen Partymacher mit einer Kiste Bier zurück. Der nächste Morgen verlief sehr sehr langsam und schleppend. Gegen 10 wirkte die Farm noch wie ausgestorben, gegen 11 wurden die ersten Köpfe aus den Türen gesteckt und die Aufräumarbeiten in der eingeschworenen Putzkolone begannen. Als dann auch um zwei der letzte mehr oder weniger auf den Beinen war, lungerte man in der Mittagssonner vor unserem Haus und wertete noch leicht angetrunken den Vorabend bei Tee und ein wenig leichter Kost aus. Doch viel Zeit blieb nicht, da wir am Nachmittag ein letztes Mal Brot backen wollten. Also versammelten sich Lucia, Ruth und ich gegen 4 in der Küche und begannen erst die Masse zu kneten, gehen zu lassen, Brötchen zu formen und bis in die frühen Abendstunden zu backen. Mit 400 Brötchen ging mein letztes Wochenende auf der Farm zu Ende. Fünf der Freiwilligen verabschiedeten sich noch am selben Tag und zwei Weitere folgten am Folgetag. Während meiner letzten Woche kamen dann auch noch 60 Kinder aus Quito, die hier ein einwöchiges Ferienlager verbrachten, auf die Farm. So verbringe ich die letzten Tage kochend in unserer Großküche und mache noch letzte Besorgungen. Am Donnerstag, dem 16.7. geht es dann um 23.30 mit Kai nach Atlanta. Dort werde ich hoffentlich auf meinen Gastbruder von meiner Aufenthalt in den Staaten und seine Verlobte treffen und mit ihnen die 12h bis zu meinem Weiterflug nach Paris totschlagen. Am Samstag wird dann hoffentlich mein Flieger pünktlich um 3 in Berlin landen und nach einer Nacht in meinem richtigen Zuhause geht es wieder nach Berlin zum Abchlussseminar. Da dies wahrscheinlich der letzte Eintrag aus Ecuador sein wird, möchte ich hiermit allen danken, die mir diese Tür geöffnet haben und dieses erlebnissreiche Jahr ermöglicht haben. Vor allem meiner Familie in Deutschland, meinen Freunden und natürlich auch den gesamten Farmbewohnern, die den interkulturellen Austausch überhaupt erst möglich gemacht haben und mich so herzlich in ihrer kleinen Gemeinschaft aufgenommen haben. Nicht zu letzt möchte ich auch ICJA, VASE und ICYE für ihre Organisation und ihr Engagement danken und natürlich Stuart, der neben seiner Führungstätigkeit auch sonst immer für einen da war. DANKE

Bogotá / Karibikkueste – erste Tage in Kolumbien

Veröffentlicht in Up To Date am Mai 28, 2009 von paulnaglatzki

Für die vorletzte Maiwoche hatten sich dann 18 Studenten aus Michigan bei uns auf der Farm eingeniste. Es war die erste Freiwilligengruppe, die während meiner Zeit die Farm aufsuchte. Sie sollten im Garten helfen, Bäume auf der Farm pflanzen und im Stall zur Hand gehen. Da das Freiwilligenhaus nicht solche Kapazitäten aufweist, schliefen sie in den Schlafräumen der grösseren Gebäude, wo sonst die Schüler aus Quito unterkommen. Die Idee war ein möglichst authentisches Bild der Farm in Versorgung und Lebenstil rüberzubringen. Deshalb machten wir unseren eigenen Käse, eigene Marmelade und aßen alles was möglich war aus dem Garten.  Diese Idee war allerdings mit viel Aufwand verbunden, jeden Tag vor jeder Mahlzeit ernten, waschen und zubreiten. Da wir die zwei Familienmütter der Farm, Lucia und Ruth, als Köchinnen engagiert, hatten hilf ich die ganze Zeit in der Küche und dem Essensraum aus. Es war einen angenehme Abwechslung zur sonst öden  Gartenarbeit. Die gesamte Woche war jedoch anstrengender als jede andere Arbeitswoche zuvor. Umsomehr freute ich mich auf den anschliessenden langgeplannten Urlaub mit den Jungs. Unsere Zivigruppe, bestehend aus den beiden Kais und Jakob, hatte es nun endlich geschafft den Abschlussurlaub nach Kolumbien anzutreten. Also saßen wir allesamt am Morgen des 23. Juni im Ormeno Bus nach Bogotà. Gegen Mittag erreichten wir dann die Grenze zu Kolumbien, holten uns Aus- und Einreisestempel und weitergings nach Norden, über Pasto und Cali nach Bogotà. Zwischen Grenze und Bogotà sind wir dann 5mal von Polizei und Militär angehalten und kontrolliet worden. Die verschärften Kontrollen waren angeblich notwendig, da der komplette Sueden Kolumbien noch bis vor einigen Jahren von Guerilla und FARC besetzt war. Erst durch strikte Sicherheitsvorkehren und Militäraufkommen wurden die nationalen Straßen sicherer und befahrbar. Völlig ausgelaugt kamen wir am Mittag des 24. Juni in Bogota an und setzten uns ins Taxi in das historische Zentrum von Bogotà. Völlig überrascht von dem Standard auf Busbahnhof und Taxistand. Der Terminal ähnelte einem Flughafen und um ein Taxi zu nehmen musste man sich ein Ticket ziehen, alles etwas professioneller, als wir es von Ecuador gewohnt waren. Der Taxifahrer bracht uns zu einem der Hostals, wir checkten ein und ging zunächst einmal auf Nahrungssuche. Da wir noch immer fast ohne Geld wahren, mussten auch ertsmal kolumbianische Pesos abheben. Da ein US-Dollar 2200 Pesos entspricht, fuehlten wir uns fast wir Millionäre. Denn wann hebt man denn schonmal 400 000 von seinem Konto ab. Effektiv waren es jedoch grade mal 130 Euro. Es war sehr ungewohnt 50 000 COP (kolumbianische Pesos) und 20 000 COP Scheine in den Händen zu halten. Nach einem reichlichen Mittagessen, erkundigten wir noch ein wenig die Stadt; kauften Spaghetti, Tomaten und Soße und kochten in der Hostaleigenen Küche Spaghetti Bolognese zum Abend. Das Nightlife in Bogotà danach noch zu erkunden erwies sich, mit der Busfahrt noch in den Knochen, als dumme Idee. Zum einen war die Partyzone einige Kilometer vom Hostal ernfernt, zum anderen war Sonntag und nicht zu letzt waren wir alle unglaublich muede. Also kurz ein Bier gezischt und dann wieder ins Taxi und zurueck.

Montag – Sightseeing in Bogota

Da der erste Abend in Bogotà bereits einen guten Eindruck vermittelt hatte, beschlossen wir in der sehr modernen südamerikanischen Hauptstadt nicht länger zu verweilen, da sie mit ihren Preisen und Standards sehr an europäische Städte erinnerte. Nur das Sicherheitsaufgebot war merklich höher, doch lieferte es nicht ein Gefühl von Sicherheit. Nach einem selbstgemachten Frühstück im Hostal führen wir mit einer einer Zugähnlichen Seilbahn hinauf auf den nahegelegenen Aussichtspunkt über die Stadt. Unser Glück mit dem Wetter verhielf uns zu einem aussergewöhnlichen Blick über die Hauptstadt. Um nicht allzu unwissend aus Bogotà am späten Nachmittag wieder abzureisen, statteten wir der Altstadt noch einen Besuch ab und sassen dann nach 2stündigen Verhandlungen mit den Busgesellschaften für 60 000 COP im Bus ins 1000km erntfernte Santa Martha an der karibischen See. Die 18h im Bus wurden durch seinen Komfort, Klima und 4 Filmen annehmbar gemacht.

Dienstag – das versteckte  Backpackerparadis Taganga

Gegen Mittag kamen wir in Santa Martha an und fragten uns unseren Weg ins 5km östlich gelegene Taganga. Eine 2400 Seelengemeinde in einer ruhigen Bucht der karibischen See. Überschwemmt von PADI Tauchschulen und Hostals – das kolumbianische Montanita. Wir quartierten uns in einem komfortablen Hostal mit Klima und Kabelfernsehen ein. Nach einem ersten Bad in der der Karibik waren wir jedoch von der Kulisse etwas enttäuscht – wenige Palmen, dreckiges Wasser und harter grauer Strand. Am Abend enttäuschte dann auch noch das Nachtleben von Santa Martha, was aber an einem Montag nicht weiter verwunderlich war.

Mittwoch – Manchester vs. Barcelona

Endlich im Uraub angekommen – konnten wir das erste Mal so richtig ausschlafen und fanden uns auch erst kruz vor Mittag beim Frühstück einer Strandbar. Die Kellnergestalt war jedoch sehr speziell, ein kleiner dicker Koumbianer, der mit wenigen Brocken Englisch und einer sehr unhöfflichen Art der Bedienung glänzte. Völlig entrüstet von der schlechten Bedienung verließen wir kopfschütteln das Restaurant. Den Rest des Tages bis zum Finalspiel der UEFA Championsleague verbrachten wir ganz entspannt in den Hängematten unseres Hotels. Am späteren Nachmittag fuhr ich dann noch mit Kai in die total ueberfuellte Großstadt Santa Martha um für das kommende Abendbrot und Frühstück Brot und Zutaten zu besorgen. Da Taganga als der Tauchspot Kolumbiens gilt und die Preise verhältnissmässig billig waren, erkundigten wir uns um eine billige Tauchtour. Da ich glücklicher Weise meinen Tauchschein dabei hatte, war es kein Problem einen Tour aus 2 Tauchgaengen für 100 000  COP (33 Euro) zu organisieren. Da Kai jedoch noch nie getaucht war, und er es auch einemal ausprobieren wollte, meldete er sich für einen Einführungskurs (120 000 COP – 40 Euro) für den folgenden Tag an. Den Abend ließen wir dann bei deutschem TV und home-made Sandwiches ausklingen.

Donnerstag – Tauchen vor der kolumbianischen Steilkueste

Um 8  in der Tauchschule schaute sich Kai ersteinmal ein Einführungsvideo an, wir bekamen unsere Ausruestung (Anzug, Blei, Automat, Druckluftflasche, Weste, Flossen, Brille), verluden alles ins Boot und fuhren mit 4 Tauchgefährten auf See. An einem einsamen Strand, nur mit dem Boot erreichbar, wollten 3 von unserer Gruppe übernachten, also luden wir ihre Sachen ab und die Gruppe teilte sich. Anfänger blieben am Strand um mit Trockenübungen zu beginnen und sich im seichten Wasser an die ungewöhnliche Weise des Atmens zu gewöhnen.Wir, die restlichen 3 fuhren mit einem erfahrenen Taucher weiter raus, vor eine Insel. Wir bauten unsere Ausrüstung zusammen, checkten die Ausrüstung und begaben uns ins Wasser. Nach einer kruzen Besprechung stiegen wir auf 10m ab. Das türkisblaue Wasser wurde von dem strahlenden Sonneschein erhellt und die zahllosen Fische strahlten in ihrer vollen Farbenpracht. Von mikroskopisch kleinem Plangton bis hin zu einer 100cm langen Moräne war alles dabei; Clownfisch, Neons, Kugelfische, Kraben, Flundern, blaue Hornhechte, Langusten und allerlei ander Fischarten. Wir tauchten einen seichten Abhang bis auf 20m ab und verbrachten dort, von der leichten Strömung getragen, den Rest des Tauchgangs. Kurz vor dem Aufstieg war dann auch einem Flasche leer und ich musste bei unserem Profitauchen am Notapperat nuckeln. 5m vor der Wasseroberfläche legten wir dann noch den 3minütigen obligatorischen Sicherheitsstop ein und tauchten nach 40min wieder an der Oberfläche auf. Danach ging es mit dem Boot zum Mittag zurück zur einsamen Hütte am Strand. Nach einer einstündigen Ruhepause tauschten wir die leeren Druckluftflaschen gegen Volle aus und machten uns auf den Weg an einen anderen Tauchspot. Und stiegen ein zweites Mal in die Fluten hinab. Tauchten durch ein paar Steinhöhlen und zu einer 15m Kante, die senkrecht nach unten führte. Da an dieser Klippe kalte und warme Strömungen aufeinander trafen sammelte sich ein noch größeres Spektrum an Fischen und Getier, deren Treiben lustig anzusehen war. Da eine unserer Tauchgefährten Druckprobleme hatte, verharrten der Neuseeländer und ich am Boden der Klippe und setzten alsbald unseren Weg stromaufwärts fort. Der steinige Untergrund bot hervorragenden Unterschlupf für Kraken, Oktopusse und Langusten. Riesige Korallenbäume, Schwämme, farbenfrohe Tentakeltierchen und tellergrosse Muscheln bedeckten die Steinflächen. Als mein Tauchbuddy dann Probleme mit seinem Automaten bekam und wir am Ende unserer Luft waren, begannen wir den Aufstieg – natürlich mit Sicherheitsstop. Danach stiegen wir zurück ins Boot und erreichten gegen 3 den Strand von Taganga. Am Nachmittag trafen wir dann auch auf Jakob und Kai, die sich keinen Tauchkurs gegönt hatten, sondern  den Tag an einem einsamen Strand im Nationalpark Tayrona verbracht hatten.

Freitag – Cartagena, die erhoffte Partystadt

Da Taganga außer Tauchen, Kiffen und einem Haufen Backpackern nichts zu bieten hatte, verließen wir am Morgen unseres 6. Reisetages das Küstendörflein. Mit dem Taxi ging es zum Busterminal der nahegelegenen Großstadt Santa Marta – von dort aus auch direkt weiter nach Baranquilla und unser vorerst naechstes Reiseziel Cartagena. Die sehr schön aufgearbeitete Kolonialstadt war bekannt für schöne Latinas, zauberhafte Strände und ein sehr lebhaftes Nightlife. Nachdem wir 10km ausserhalb angekomme waren, bestätigte sich jedoch das Gegenteil – dreckig stickige und versüffte Vorstadtviertel, die nicht zu einem Aufenthalt einluden. Wir nahmen ein Taxi und bahnten uns den Weg durch den Freitagnachmittagsverkehr zum Stadtzentrum, das das völlige Gegenteil bot. Doch kaum aus dem Taxi ausgestiegen, wurden wir auch schon von Prostituierten, Kokainverkäufern, Geldwechslern und Bettlern belästigt. Schwerlich konnten wir sie abschütteln und unsere Suche nach einem Hostal fortsetzten. An fast jeder Straßenecke lungerten Verkäufer und Prostituierte. Im hostirschen Zentrum, ganz nach kolonialem Schachbrettmuster, zogen wir dann widerwillig zu viert in zwei Zimmer mit Doppelbetten. Das erste Mal in diesem Urlaub hatten wir begründete Hoffnung auf ein aktives Nachtleben. Wir schmissen uns in Schale um dann nach 15min Fussmarsch wieder enttäuscht zu werden. Die Partyzone war wie ausgestorben und die Clubs leer.  Nach ein paar Bier zogen wir nocheinmal ein paar Runden im Stadtzentrum und landeten in einem Club, der von aussen mit guter Musik lockte, sich aber dann als Puff herrausstellte. Zum Glück konnten wir von dort aus direkt ins gegenüberliegende Hard Rock Café flüchten. Der Lifeauftritt einer kolumbianischen Rockband brachte dann doch noch etwas Spannung in den Abend. Schließlich fanden wir dann auch noch einen Schuppe der genau unseren Musikgeschmack traf. Von Reggeaton, über Salsa bis hin zu Elektro, war alles dabei. Dort verbrachten wir denn Rest der Nacht. Doch noch zufrieden fielen wir dann um 4 ins Ehebett.

Samstag – Playa Blanca, weißer Karibikstrand

Eine weitere Nacht wollten wir nicht in diesem Hotel bleiben, doch einen Plan B gab es noch nicht. Da wir aber noch an den Playa Blanca (weißer Strand) wollten, zogen wir den Ausflug dahin, einer weiteren Nacht in Cartagena vor. Nach einem Stadtrundgang, durch das historische Zentrum und an der Strandpromende entlang, setzten wir uns ins Taxi und fuhren in ein Dorf, namens Pasacaballos, dort setzten wir mit einer Fährer auf einen Insel über und ließen uns dann 1h durch eine karge Sandlandschaft mit dem Moped zum angeblich schönsten Karibikstrand Kolumbiens schoffieren. Dort angekommen, offenbarte sich ein Anblick von weißem Sand, Kokospalmen und türkisklarem Wasser – ein Traum. Doch waren wir leider nicht die ersten, die diesen Ort entdeckt hatten. Scharen von nationalen Turisten übersähten den schmalen Strand. Weiterhin hatten sich zahllose Buden etabliert, die Hängematten, Mahlzeiten und Lebensmittel anboten. Suchend nach einem etwas ruhigeren, abgelgerenen Abschnitt schlenderten wir am Strand entlang und trafen auf Hugo. Einem Geschäftsmann, der eine Strohhütte direkt am Strand hatte, Mahlzeiten, Zimmer und Hängematten anbot. Wir quartierten uns für eine Nacht in seiner Hütte für 10 000 COP (5 USD) ein, und sprangen erstmal in das badewannenwarme Wasser. Einfachmal nichts tun – das war die Divise des restlichen Tages. Da nach dem klaren Sonnenuntergang kein Licht gab, blieb auch nichts weiter übrig als sich auf die vorstehende Nacht in der Hängematte vorzubereiten. Fehlende Mückennetze machten die Nacht jedoch zur Qual. Auch die Hängematte als solche bietet nicht die ideale Schlafmöglichkeit. So verbrachten wir die hälfte der Nacht, uns umherzuwälzen und Mücken zu bekämpfen.

Sonntag – Rückfahrt im Speedboot mit 375PS

Völlig übermüdet schliefen wir den folgenden Tag erstmal ein paar Stunden am Strand. Da wir nicht schonwieder die überteuerte Kost essen wollten, die Hugo anbot, suchten wir nach einer günstigeren Altrnative. Gillberts Finca am Strand war da gerade richtig. Ein paar Strandspaziergänge und Badeausflüge später saßen wir um 4 in einem der lanchas rapidas (Schnellboote) zurück nach Cartagena, da wir nicht wieder die ewig lange Zuckelei mit Moped, Fähre und Taxi durchmachen wollten. Wir holten unser Gepäck ab, duschten uns nocheinmal im Hostal und saßen im Restaurant nebenan um zu Abend zu essen. Bereits beim Betreten, wurden wir von einer Gruppe junger Damen angelächelt, angemacht und bekamen „Mi Amor“, und „Mi Carino“ hinterhergerufen. Schnell war klar, dass es ‚freischaffende Künstlerinnen‘ waren. Da ich noch völlig verschwitzt war, verzog ich mich ins Bad um mir das Salz des Vortages von den Händen und aus dem Gesicht zu waschen. Völlig in Gedanken zog ich die Klotür nur hinter mir zu, ohne sie zu verriegeln. Eine der Prostitierten nutzt diese Gelegenheit jedoch schamlos aus und stand innerhalb von Sekunden in dem kleinen Bad. Ich völlig erschrocken, bat sie draußen zu warten. Doch schnell wurde klar, dass sie nicht aufs Klo musste, da sie das Klo nicht verlassen wollte, versuchte ich sie erst leicht hinaus zu schieben. Doch sie ließ sich davon wenig beeindrucken und laberte auf mich ein, dass sie ja nicht teuer wär und wir es schnell erledigen könnten und keiner davon mitbekäme. Das war dann genug – kraftvoller bugsierte ich sie aus der Tür und trocknete mir die Händ und das Gesicht. Als ich dann auch noch (entschuldigt meinen Wortlaut) ‚hija de puta‘ leise vor mich hinmurmelte, war vor der Tür die Hölle los. Offensichtlich hatte die junge Dame diesen Auspruch mitbekommen und spielte sich tierisch auf und drohte ihren Zuhälter zu holen und mir die Mafia auf den Hals zu hetzten. Ich schlängelte mich an ihr vorbei und setzte mich zu den Jungs an den Tisch zu meinem Pollo à la Plancha (Hühnerbein). Ohne weitere Zwischenfälle saßen wir im Taxi zum Busterminal und waren an den Verhandlungsschaltern der Busunternehmen nach Medellín angekommen – schon saß der nächste Schock in unseren Knochen 98 000  COP (45 USD) sollte die 12h Fahrt kosten. Doch da nur zwei Unternehmen diese Route fuhren, konnten wir diesen hoffnungslos überteuerten Preis nicht drücken und mussten in den sauren Apfel beißen und saßen um 19 Uhr im Bus Richtung Süden, die Karibik hinter uns lassend.

Montag – das Highlight der Reise, Medellín

Gegen 7 stiegen wir bereits am nächsten Morgen im Nordterminal Medellíns aus dem Bus. Das nächste Taxi brachte uns in das Stadtviertel Patio Bonito, eine Urbanization, die mit ihrem Baustil und ihrer Sauber- und Sicherheit an ein amerikanisches Vorstadtviertel erinnerte. Dicke Autos waren vor der Haustür geparkt und Kinder rannten spielend auf der Straße herum. In mitten dieser Ubanization befand sic das Hostal Black Sheep, des neuseeländischen Besitzters Kelvin. Da das gesamte Hostal um 8 jedoch noch schlief, gab es noch keine freien Betten. Wir luden unser Zeug ab und nutzten erstmal das hostaleigene HighSpeed Internet. Im nahegelegenen Supermarkt deckten wir uns dann mit Füchten und Zutaten wir Spaghetti Bolognese ein und machten uns das beste Frühstück seit Tagen. Obstsalat mit Yogurt und Müsli, soviel wir essen konnten und natürlich die Brötchen mit Marmelade. Da der Großteil unserer Reisegruppe fast garnicht geschlafen hatte, verbrachten wir den ganzen Tag im Hostal, schlafend, mit den Backpackern schnackend, im Internet und bei DW – TV (Deutsche Welle). Mal wieder deutsches Fernsehen mit aktuellen Themen. Des weiteren konnte ich mich um die UNI Bewerbungen in Deutschland kümmern. Medellín, die Stadt an sich, kam an diesem Tag allerdings etwas zu kurz, da wir ausser den Weg zum nächsten Supermarkt nichts sahen.

Dienstag – Metrofahren in Medellín

Dies sollte sich jedoch am nächsten Tag ändern. Nach dem Reste-Frühstück vom Vortag begaben wir uns zur nächsten S-Bahn Station und wollten die Stadt auf diese Weise erkunden. Das gesamte Ambiente, die Leute und Sauberkeit wirkten sehr zivilisiert und organisiert – ganz anders als in Ecuador. Die Leute warteten vor dem Einsteigen, bis alle ausgestiegen waren, man drängelte und schubste nicht. Da dem S-Bahn System ein Seilbahnsystem angeschlossen war. Fuhren wir zunächst zur Talstation der Seilbahn und stiegen dann in die Gondeln um, in denen wir dann über die ärmeren Hangviertel der Randstadt schwebten. Danach ging es zur nächsten Seilbahn, die andere Hangseite hinauf – und alles für 1500 COP (0,80 USD). Als Bilderbuchturisten, mit Flip Flops, Blümchenbadehose und Hemd fielen wir in der 2Mio. Metropole ziemlich auf und ernteten entrüstete Blicke der Einheimischen. Am Universitätspark verließen wir das S-Bahn System und schlenderten durch die Innenstadt und es ging zurück zum Hostal. Da wir noch am selben Abend in den nächste Bus nach Calí sitzten wollten, packten wir unsere Sachen, und hingen den restlichen Nachmittag noch vor dem Internet und Flachbildplasma. Noch schnell Pizza gegessen und schon standen wir vorm Schalter der Cooperativa Galaxia, die uns über Nacht ins 12h entfernte Cali bringen sollte. Es war eine sehr ermüdende Art des Reisens. Eine Nacht im Hostal, die nächste im Bus. Trotz der Geräumigkeit war ein Duchschlafen im Bus fast unmöglich, da die Fahrt im rollenden Eisschrank von Entschleunigungs Hubbeln und Polizeikontrollen gestört wurde. Allerdings war es eine sehr effiziente Art zu reisen, da man nicht tagsüber im Bus saß und Hostalkosten sparte.

Mittwoch – letztes Reiseziel, Cali

Da die Busfahrt schneller als geplant verlief saßen wir bereits um 4 Uhr morgens am Terminal der südlichsten Großstadt Kolumbiens. Was nun? Ins nächste Hostal – da berechnete man uns vielleicht noch die vergangene Nacht. Direkt weiter nach Süden – einstimmig abgelehnt. Also verharrten wir bis um 5 im Terminal und begaben uns dann im Taxi auf Hostalsuche. Die ersten beiden waren voll. Glücklicher Weise bekamen wir von unserem Taxifahrer einen Tipp auf ein neu eröffnetes Hostal im Stadtzentrum. Nach einigem Suchen fanden wir das Hostal Pelikan Larry von dem Stuttgarter Günter. Er hatte auch noch vier Betten im 8ter Schlafsaal und wir legten uns erstmal wieder schlafen. Günter hatte vor sieben Monaten das Wohnhaus in ein Hostal verwandelt und fehlt deshalb in jeglichen Reisführern. Nach dem wir ausgeschlafen hatten, zogen Jakob und ich los um den nächsten Supermark zu finden und für das Frühstück einzu kaufen. Ach einer halben Stunde stießen wir auf einen kleinen Tante Emma Laden, der alles bot was wir brauchten. Am Nachmittag fuhren wir dann noch in den Zoo der Stadt, der angeblich bekannt als bester Zoo Kolumbiens war. Er hatte auch alles zu bieten, was ein Zoo zu bieten haben muss – Aquarium, Anthilopen, Krokodile, Raubkatzen, Bären, Vögel und und und….. Auch wenn mal wieder klar wurde, wie schrecklich die Tierhaltung, vor allem von Raubkatzen und Bären in den kleinsten Gehegen, eigentlich ist. Am Nachmittag suchten wir noch das Stadtzentrum auf und schlenderten über die Avenida Sexta (6. Querstraße), die bekannt für ihr Nachtleben und die zahlreichen Restaurants war. Pünktlich zum typisch deutschen Grillabend kamen wir um 6 im Hostal an und der Grill lockte mit saftigem Schweinebauch, zarten Steaks, Hühnerbeinen und Würstchen nach deutschem Rezept. Dazu eisgekühltes Club Colombia, das einheimische Bier, Kartoffel-, Gurken- und Tomatensalat. Da wurde die Vorfreude auf Grillabende in Deutschland umso größer. Vollgefressen schafften wir es dann auch nicht mehr den nahegelegenen Salsaclubs einen Besuch abzustatten.

Donnerstag – das Naturbad des Rio Pance

Da wir an unserem letzten Urlaubstag noch einmal raus aus Cali wollten und uns Günter die Naturbäder des Rio Pance ans Herz gelegt hatte, fuhren wir für 20 000 COP nach Pance, einem Dörfchen ausserhalb der Metropole Cali und mussten dann noch 1h bergauf zum Wasserfall Chorreo Indio laufen. Dort erwartete uns dann ein Hotel, dem das Naturbad angeschlossen war. Obwohl völlig ausgestorben, verlangten sie einen Eintritt von 5000 COP. Nach ein paar Runden im natürlichen Teich um den Wasserfall waren wir allerdings auch schon zu Eiszapfen geworden, da das eiskalte Quellwasser aus den den umliegenden Andenzügen direkt ins Tal plätschert. Etwas enttäuscht von diesem Ausflug kehrten wir zum Hostal zurück und klagten Günter unser Leid. Da wir bis hier hin noch nicht die typisch kolumbianische Kost probiert hatten, wollten wir es dann doch noch am letzten Tag doch noch tun. Nach halbstündiger Suche fanden wir ein Restaurant das um 4Uhr nach Mittag noch Mittagstisch anbot, das sich allerdings vom ecuadorianischen Hähnchen in keinster Weise unterschied. Da wir noch eine Nachtfahrt zurück zur Grenze hatten, ging es zurück zum Hotel, unter die Dusche und zum Busterminal. Dort kratzten wir unsere letzten Pesos zusammen um noch die 32 000 COP für die Fahrt in die Grenzstadt Ipiales zu bezahlen. So saßen wir im letzten Bus auf unserer kolumbianischen Reise.

Freitag – Rückfahrt zur Farm

Zwei Polizekontrollen später kamen wir dann in Ipaliales an, sprangen ins Taxi und kamen an der kolumbianischen Emmigrationsbehörde an. Stempelten unsere Ausreis ab und liefen über den Grenzfluss nach Ecuador. Dort bekamen wir unseren Einreisestempel und fuhren weiter nach Tulcán, der nördlichsten ecuadorianischen Stadt. Wie erwartet wurden wir von den aufdringlichen Busfahrern belagert, die uns eine Fahrt nach Quito andrehen wollten. Letztendlich nahmen wir eine der seriöseren Cooperativas Flota Imbabura. Nach 3h kamen wir dann mit Jakob und Kai auf der Farm an, wo uns Stuart und die restlichen Freiwilligen schon empfingen. Der Nachmittag war auch schon mit Fussball und anschließendem Pizzaessen ausgeplant, da Alex, Simon und Jack den nächsten Tag die Farm in Richtung Norden verließen und Kolumbien bereisten. Es war also wieder eine der Nächt an dem wir uns von Langzeitfreiwilligen verabschieden mussten.

Jakob und Kai blieben dann noch eine Nacht auf der Farm und wir fuhren am Samstagmorgen auf den Indigenenmarkt nach Otavalo um uns mit Geschenke für die Verwandten und Bekannten zu Hause einzudecken. Viel Zeit bleibt den beiden Kais und Jakob nicht mehr. Der eine Kai fährt noch nach Kuba für zwei Wochen, der andere vorzeitig nach Hause um sich um seine UNI – Bewerbungen zu kümmern und Jakob fliegt noch aufs Besuchsreise in die Staaten. Ich werde ausser meinem Aufstieg auf den nahegelegenen Cayambe Vulkan keine weiteren Reisen unternehmen und die letzten Wochen noch auf der Farm genießen.

Land und Leute

Veröffentlicht in Up To Date am Mai 14, 2009 von paulnaglatzki

Nun geht das Jahr langsam dem Ende zu, die letzten Monate sind vorbeigezogen, als wären sie nie dagewesen. Ich wollte es erst nicht wahr haben, aber wie mein einjähriger Mitbewohner Alex zu sagen pflegt: „Es ist die Routine, die die Zeit verfliegen lässt!“ Und da frag ich mich wirklich: Wo sind die letzten 8 Monate geblieben? Die 10 Wochen die mir hier in Ecuador noch bleiben sind gezählt und fast restlos ausgeplannt. In zwei Wochen geht es mit unserer langeingesessenen Zivitruppe, bestehend aus Kai N., Jakob und Kai H., auf zweiwöchige Kolumbienreise. Aus diesem und anderen Anlässen sah ich es für angebracht mal einen kleinen Einblick in das eigentliche Farmleben, die Menschen hier und die Mentalität zu geben.

Von Haferschleim bis Wäschewaschen – die Farm, ihre Bewohner und das Leben

Ich hatte nach den ersten Tagen meines Aufenthaltes hier ja schon ein bisschen was zur Farm mitgeteilt, doch über die Zeit haben sich die Dinge etwas geändert und ich habe einen tieferen Einblick in die Zusammenhänge bekommen. Inzwischen leben hier auf der Farm vier Familien, jede mit ihrem eigenen Haus und je mit 2-6 Kindern. Hinzu kommt Stuart, der einzige festangestellte ‚Gringo‘ (meist weiß und Nichtecuadorianer) aus England mit seiner kanadischen Freundin aus Kanada. Stuart, Leiter des gesamten Freiwilligenprogrammes, wohnt bereits seit sieben Jahren in Ecuador und lebt seid knapp vier Jahren hier auf der Farm. Er hat das Freiwilligenprogramm initiiert und leitet den organischen Gemüsegarten. Weiterhin übernimmt er administrative Aufgaben und greift somit dem Administrator Gebriel unter die Arme. Gabriel wohnt mit seiner Frau Narzissa schon mehre Jahre hier auf der Farm, gemeinsam haben sie drei Kinder und ein Baby, das vor einem Monat das Licht der Welt erblickte und auf Jimmy Sebastien getauft wurde. Er kümmert sich hauptsächlich um die Anleitung der anderen Arbeiter, der Organisation der Arbeit (Aussaat/Feldarbeit/Ernte) und kümmert sich um die finanziellen Ein- und Ausgänge. Sein Nachbar, Aladio und seine Frau Ruth sind für die Tiere der Farm verantwortlich. Diese jungen Eltern, um die 30, füttern bereits 6 Kinder durch. Aladios Tag beginnt bereits um halb 6 im Stall, da die Kühe aus ihren Verschlägen geholt werden müssen und gemolken werden. Sein ältester Sohn Manolo (11) hilft ihm dabei so gut er kann. Das Melken und auf die Weide treiben dauert meistens bis um 7, danach muss Manolo in die Schule und der ‚Lechero‘ (Milchmann) kommt mit seinem Kühltransporter angerast und lädt die frisch gemolkene Milch und die Milch des Nachmittags des Vortages auf. Zwischen 40l und 50l liefern die aktuell sechs Milchkühe, die für 30cts. pro Liter an den Molkereibetrieb verkauft wird. Danach muss der Stall gesäubert, die 200 Meerschweinchen gefüttert und ausgemistet werden und gegen 3 ist es meist schon wieder Zeit die Kühe von der Weide zu holen und erneut zu melken. Da Aladio studierter Veterinär ist, sagt er zumindest, ist er der beste Mann für diesen Job. Da die Kühe geimpft werden und Geburtshilfe bei Geburtstkomplikationen geleistet werden muss. So sind bereits vier Kälbchen, seit meiner Ankunft, zur Welt gekommen. Unsere vereinzelten Kühe sind mittlerweile zu einer stolzen Herde von 20 herangewachsen. Neben dem Freiwilligenhaus befindet sich das Wohnhaus der Familie von Lucia und Fredermann, sie haben ebenfalls sechs Kinder. Fredermann war bei meiner Ankunft noch Administrator, doch da er für 3 Monate nicht aufzufinden war und seine ganzen Pflichten auf der Farm vernachlässigt hat, musste er diesen Job abgeben. Angeblich soll er eine andere, besserbezahlte Arbeit im Norden des Landes gefunden haben und dort für gutes Geld Bäum geschlagen und transportiert haben. Im Moment ist er wieder zurück und baut das zukünftige Haus der Familie ausserhalb der Farm. Lucia, eine sehr eigene und spezielle Mutter, ist Kopf der Küchenbrigade, wenn Schülergruppen auf die Farm kommen. Sie weiß es für 100 Leute zu kochen und die Unterkunft zu organisieren. Nichtsdestotrotz hat sie der Farm schon so einige Probleme mit ihrer Art bescherrt und viel Geld in den Sand gesetzt. Da weder sie noch ihr Mann auf der Farm arbeiten ist es unverständlich, dass sie hier noch kostenlos wohnen dürfen. Aber dafür soll bald eine Lösung gefunden werden. Alle drei Familien stammen ursprünglich aus der Intagregionen und kannten sich bereits vorher. Vertraglich ist das Arbeitgeber–Arbeitnehmer–Verhältnis geregelt; die Familien können hier kostenlos leben, Strom und Wasser bekommen sie bezahlt und bekommen obendrauf noch einen Lohn von $220 im Monat, das liegt sogar noch über dem Mindestlohn von $200. Die Familie um Jesus und seine Frau Elsa wird nicht von der Fundacion angestellt. Sie sind verantwortlich für die Brombeerfelder der Farm. Ein externer Auftraggeber bezahlt Jesus für die Arbeit mit den kostbaren Beeren. Die 1000 organische Pflanzen der Sorte ‚Castilla‘ müssen gepflegt, veredelt, bewässert und geunkrautet werden. Wöchentlich, meist Dienstags, werden dann bis zu 40kg der reifen Beeren geerntet und von uns mit zum Verkauf genommen, wo wir sie dann für $3 das Kilo an den Mann bringen. Neben dem Gemüsegarten, den Feldern, dem Vieh und den Brombeeren gibt es dann noch eine Baumschule, die Kapazitäten für 300 000 Bäume liefert. Im Moment wachsen die Bäum ohne Pflege vor sich hin, da es keinen gibt der sich um diese kümmert. Doch lange wird das nicht gut gehen. Es müssen mindestens zwei vollzeitbeschäftigte Leute die Bäume unkrautfrei und feucht halten um maximalen Ertrag zu gewährleisten. Bei richtiger Handhabung können wir so bis zu 100 000 Bäumchen im Jahr produzieren. Regelmäßig kommen Clienten und kaufen zwisch 400 und 2000 Bäumen am Stück. Das Sortiment reicht von Erlen, Eukalyptus und allerlei heimischen Bäumen über Sträucher bis hin zu Früchtebäumen, wie Zitrone und ähnlichem. Zwischen dem ganzen Gewusel stecken wir, die Freiwilligen. Mit unserem eigenen Haus und der Länge unseres Aufenthaltes haben wir uns eine Art Status und Zuverlässigkeit erarbeitet und werden von den Arbeitern mehr als Mitarbeiter, als Touristen gesehen. Unsere Arbeit beschränkt sich hauptsächlich auf den Gemüsegarten, die Pflege der 50 Hühner und die erst kürzlich wieder in Gang gebrachten Bienenstöcke. Selten helfen wir bei größeren Projekten auf der Farm aus und arbeiten mal mit den Arbeitern zusammen, dennoch grüßt man sich, redet, tauscht Neuigkeiten aus und spielt Fussball – ein sehr entspanntes angenehmes Verhältnis. Mein gewöhnlicher Wochentag beginnt um viertel 7 mit einer kleinen Frühsporteinheit und dem Gang zum Stall um 2l frische Milche zu holen. Danach mach ich mich daran, das Frühstück zu machen, während der Rest im Haus meist noch schläft. Das normale Frühstück besteht meist aus Haferschleim, Brötchen, hausgemachter Brombeermarmelade, heißer Milch, frischgepresstem Saft und Honig. Ab und zu gibt es auch mal Rüherei, Kochbananen, Käse oder Milchreis um dem öden Haferschleim eine Abwechslung zu bieten. Um 7 wird dann der Rest des Haus aufgeweckt, je nach dem wieviele Freiwillige sich gerade im Haus befinden. Die allmorgentliche Gesprächsfreudigkeit hält sich jedoch in Grenzen, da die meisten Neulinge den frühen Start in den Tag nicht gewöhnt sind. Gegen halb acht werden die Gummistiefel angelegt und Richtung Garten gestiefelt. Die gesamte Farm ist zu dieser Zeit bereits seit einer Stunde auf den Beinen. Man grüsst die Kinder, die sich auf den Weg hinunter in die 30min entfernte Schule machen. Die erste Tat am Morgen widmet sich den Hühner, diese erwarten einen bereits hungrig am Eingangstor des Freiluftverschlages. Füttern, Wasser auffüllern und Eier einsammeln steht auf dem Plan. Des weiteren muss darauf geachtet werden, dass alles in Ordnung ist; die Hühner gesund, vollzählig und an ihrem Platz, keiner Löcher im Zaun und ähnliches. Da wir vor kurzem erst 35 neue Hühner bekommen haben, ist die Eierkapazität noch nicht kompletausgeschöpft. Im Moment legen sie in der Woche ca. 40 – 50 Eier gelegt, hinzu kommen alle 6-7 Wochen ein neuer Satz Kücken. Nachdem die Hühner versorgt sind beginnt die eigentlich Arbeit im Garten. Zusammen mit der unserer ecuadorianischen festangestellten Aushilf Gimena geht es an die Arbeit. Die 35 Jahre alte Gimena ist Bewohnerinn der Kommune Guillero Grande, nahe der Farm, und kommt jeden Tag um im Garten auzuhelfen. Sie hat allerlei Erfahrung in der organischen Landwirtschaft, weiß es mit Tieren umzugehen und kann dir für jede x-biliebige Krankheit eine Heilpflanze zubereiten. Die Arbeiten belaufen sich meist auf Unkraut jeten, Beete mit Kompost anreichern und umgraben, verpflanzen, Saatbeete anlegen, Schnecken fangen und anderes was anfällt. Da wir mit dem Mondzyklus säen, kann nur zu bestimmter Zeit ein Saatbeet angelegt und verpflanzt werden. Um Kontrolle über Erde und Wasser bei den neuen Keimlingen zu haben, säen wir die Samen zuerst in Holzkisten und verpflanzen sie mit einer gewissen Größe in die Beete des Gartens. Um maximalen Ertrag bei unseren Pflanzen zu bekommen, versuchen wir jede Gemüseart nur einmal aller 4 Jahre in das gleiche Beet zu pflanzen. Da jede Gemüsefamilie andere Nährstoffe aus dem Boden bezieht, kann sich so die Erde mit der Zeit regnerieren und wird nicht zu sehr ausgelaugt. Das Sortiment unseres 1600m² Garten ist groß:

Brokkoli Blumenkohl Romanesko Zwiebeln Frühlingszwiebeln Knoblauch Chilli Koriander Petersilie Bohnen 10 versch. Salate Porée Zucchini Grünkohl Weiskohl Rotkohl Rosenkohl Mohrrüben Rote Beete Radisschen Kohlrübe Fenchel Dill Pfefferminze Zitronenmelisse Kartoffeln Selerie Spinat Mangold Roter Mangold Erbsen Mais Feigen Passionsfrucht Baumtomate Zitronen Ruckula Mashua Krauskohl Avocado

Da wir seid kurzem auch ein neues Gewächshaus (12m X 6m) haben, sind die ersten Tomatenpflanzen in der Erde und bereits 15cm groß. Hoffentlich kann ich noch in meiner Zeit hier die erste organische Tomate aus unserem Garten essen. Des weiteren sind Paprika und Chillipflanzen im Gewächshaus zu finden. Unsere Chillis, der Sorte ‚Ricotta‘, sind die schärfsten, die ich jemals probiert habe. Bereits ein stecknadelkopfgroßes Stück führt zu atemnot und brennenden Lippen. Gegen 11 beginnt Alex dann meist Gemüse für das bevorstehende Mittagessen zusammenzusammeln. Um 12 geht dann der Rest ebenfalls zum Mittag und nach einer einstündigen Pause geht es weiter, nocheinmal drei Stunden. Am Ende des Tages wird der ganze Garten und die Saatbeete bewässert und um 4 ist Feierabend. Danach geht dann jeder seiner eigenen Wege, Alex gibt unserem Kumpel Alonzo in Tabacundo eine Stunde täglich Englisch. Ich bin meistens in Cayambe dem Nachbarort im Internet und danach im Fitnessstudio zu finden. Gegen 8 treffen wir uns dann wieder zuhause und es gibt meistens Hackfleisch oder Würstchen, um unsern Proteinhaushalt zu stärken. Um das Haus sauber und ordentlich zu halten, wird jeden Montagmorgen eine Putzeinheit eingelegt, in der geputzt, gefegt und aufgeräumt wird. Da Montag meistens neue Freiwillige kommen müssen die Betten hergerichtet werden und ausserdem sollen sie ein ordentliches Haus vorfinden. Dienstag ist dann der große Tag der Ernte. Alles was reif zum Verkauf ist, wird geerntet, gewaschen und in Kisten verladen und gegen Mittag kommt der blaue PickUp Truck von Edwin und es geht nach Cayambe zum Verkaufen. Eine willkomme Abwechslung im öden Gartenalltag. Da wir direkt an Familien und Restaurants liefern, hat es nicht wirklich Marktschreierqualitäten, aber man tritt direkt mit dem Endverbraucher in Kontakt und bei lockerer Atmosphere werden die Salate, Brokkolis, Brombeeren und Co. unter die Leute gebracht. Da wir mit unseren organischen Produkten zwischen kommerziellen Markt- und Supermarktpreisen liegen, bieten wir ein relativ günstiges Angebot, direkt nach Hause. (zB. ein Brokkoli mittlerer Größe kostet 50cts, ein Pfund Möhren 35cts.). Nachdem dann hoffentlich gegen Ende des Tages die Ladefläche leer ist, wird abgerechnet. Pro Woche nehmen wir, ohne die Brombeeren, also nur aus dem Garten zwischen $40 und $50 ein. Manchmal, wenn Stuart nicht da ist, schmeißen Edwin und ich den Laden auf Rädern, das endet dann schonmal gerne im Chaos, aber irgendwie stimmt dann am Ende alles doch überein. Es ist ein anderes Erlebnis mal auf der anderen Seite der Verkaufsverhandlungen zu stehen und um den Preis zu feilschen. Mittwochs kommen meist einige unserer Kunden aus Cayambe und wir spielen auf Kleinfeld 5 gg. 5 bis der Ball kaum noch zu sehen ist. Da dann der Abend aber meist noch jung ist, bleibt Zeit um Marmelade zu kochen. Das Pfund Brombeeren, dass wir wöchentlich pro Kopf erhalten, wird alle zwei Wochen zu dem köstlich süßen Brotaufstrich verarbeitet. Abhängig von Anzahl der Freiwilligen kochen wir so zwischen 3 und 7 Pfund Marmelade. Das organische Produkt hat es sogar schon bis nach Quito in das Haus einiger befreundeter Frewilliger geschafft; marktreif ist es allerdings noch nicht. Bei Bedarf und viel übriger Milch machen wir auch Käse. Mit Hilfe eines langwierigen, fragilen Prozesses der Erhitzung und Abkühlung und dem ‚Cuajo‘ (Laab) entstehen so aus 4l Milche 600g gewöhnlicher Eci-Käse, den man im Laden für 1,50 kaufen kann. Da wir ohne Thermometer die Temperatur auf 36°C (+/- 2°C) abschätzenmüssen, gingen einigen Käsen zahlreiche Missversuche voran. Aber es werden weniger – Missversuche. So hat fast jeder Tag seine Vormittags- und Nachmittagsaktivitäten. Alle zwei Wochen muss ich dann auch einen Waschtag einlegen, wo Socken, Unterwäsche, Hosen, T-Shirts und Ähnliches erst im Eimer zum Einweichen und dann auf dem Waschstein landen. Jede Woche graut es mich vor der einstüdigen Prozedur, das macht die Vorfreude auf eine Waschmaschine und einen Trockner wenigstens noch größer. Meistens trifft man am Waschstein auf einige der anderen Frauen, die gerade vor den Waschbergen ihrer gesamten Familie stehen. So vergeht die Zeit schnellerund man kommt mal zum Spanisch sprechen. Nach den nachmittaglichen Aktivitäten und dem Abendbrot fallen wir dann spätestens um 10 ins Bett; schauen vielleicht noch den einen oder anderen Film oder sitzten am Feuer. Doch nach einem vollem Tag harter Arbeit bleibt auch kein Elan mehr für späte Nächte. An regnerischen Vor- oder Nachmittag ist es meist unmöglich im garten zu arbeiten ohne innerhalb von Minuten durch zu sein. Entweder verlagert sich die Arbeit ins Gewächshaus oder wir ziehen uns ins Haus zurück und ich übersetzte die Website der Fundacion ins Deutsche um noch mehr potenzielle Interessenten anzusprechen. Bald werden auch die ersten Teile auf www.fbu.com.ec zu finden sein.

Nie pünktlich und unzuverlässig – die Ecis und ihre Busse!

Schon während meiner ersten Tage in Quito und Llano Chico wurde mir bewusst, dass man es hier mit der Pünktlichkeit nicht so genau nimmt. Angefangen bei Verabredungen, die 30min zu spät kommen, bis hin zu Bussen, die, wenn sie denn nach Plan fahren, generell eine halbe Stunde zu spät kommen. Anscheinend interessiert es aber auch keinen ob der Bus nun halb vier oder halb fünf, oder überhaupt kommt. Egal, wie lange gewartet wird, man stellt sich in Reihe und Glied an und wartet bis man an der Reihe ist in den Bus einzusteigen. Generelle Faustregel bei der Hauptverkehrslinie Ecovia in Quito – stehen mehr als 30 Leute vor einem in der Reihe, muss man später im Bus stehen. Der Ecovia ist eine der Hauptbusadern durch Quito und bringt einen vom Norden der Stadt innerhalb einer halben bis dreiviertel Stunde in den Süden Quitos. Egal wieviele Stationen man fährt, ob eine oder alle, kostet es immer 25cts. Da man als großer weißer Ausänder aka ‚Gringo‘ unter der maximal 1,70 großen Ecis ziemlich aufhält, wird man nicht selten mit einem gebrochenen ‚hello!‘ oder ‚how are you?‘ gegrüßt. Auch die weibliche Fraktion werten die ‚Gringos‘ meist tuschelnd und kichernd aus. Gringo-Sein ist somit nicht nur nervend, sondern lässt einen auch automatisch zum Ziel von Taschendiebstählen werden. Bei einem Tageslohn von durchschnittlichen $10 ist ein kleiner Nebenverdienst meist verlockend. Unbeachtet verschwindet so das sichergeglaubte Handy oder Portmonnaie aus der Hosentasche. Man glaubt es nicht, aber bei einem unerwarteten Bremsmanöver in dem chaotischen Verkehr fallen die eingänglich überfreundlichen Passagiere völlig überraschend in die Gringos und lassen dabei blitzschnell das Diebesgut mitgehen. Wer seine Wertsachen im Rucksack auf dem Rücken im Bus mitsich führt, ist diese unter Garantie los. So verlor ich meinen iPod in den ersten Wochen in Quito. Mit einem Skalpell wird die Tasche geöffnet und in Ruhe nach Brauchbarem gesucht. Den Rucksack auf er Brust, entgegen seinem Sinn (siehe Wortlaut) zu tragen, ist zum einen sehr offensichtlich, das man es zu verbergen hat, verängstigt ist und zum andern sieht es einfach bekloppt aus. Deshalb den Rucksack immer seitlich über die Schulterhängen und im Auge behalten. Bei Überlandbussen, vor allem nachts, sollte größeres Gepäck in die Stauräume unter der Passagierkabine genutzt werden, was nur unter eigener Aufsicht von den Busbegleitern dort verstaut wird. Bei seriösen Busunternehmen bekommt die Tasche einen Aufkleber mit Nummer und man selbst den Abriss. Am Ende der Fahrt – ohne Abriss kein Gepäck. 100% habe ich das Vertrauen in die ‚Bodegas‘ (Stauräume unterm Bus) noch nicht gewonnen, da bei einem vermeintlichem Halt schnell die Klappe geöffnet ist und die Tasche unaffindbar wird, aber passiert ist nach meinem Wissen noch nichts. Kleines Handgepäck sollte auch immer auf dem Schoß oder dem freien Nebensitz abgelegt und stetig im Auge behalten werden. Taschen von ehemaligen Freiwilligen die unterm Sitz verstaut waren, wurden vom Hinterplatz aufgeschnitten und ausgeräumt. Auch über dem Sitz sind sie vor keinem sicher, schnell ist die Tasche entwendet, durchwühlt und wieder an ihrem Platz. Vor allem beim vermeintlichen wegnicken oder der Dunkelheit. Doch mit etwas Vorsicht ist man relativ gut gerüstet. Da Ecuador relativ klein ist, kann man innerhalb von 24h das gesamte Land von Norden nach Süden durchqueren. Das perfekt ausgebaute Bussystem bringt einen überall hin, wo es eine Straße gibt. Daumenregel –eine Stunde Busfahren – $1, bei seriöseren Unternehmen etwas mehr. Der halbstündige Bus der mich fast täglich von der Farm über Tabacundo ins das 10km entfernte Cayambe bringt kostet 22cts.; fährt aber dementsprechendes Schneckentempo. Der pure indigenen Bus ist meist überfüllt und dröhnt mit Reggeaton, Cumbia oder anderer Ecimusik. Aufrecht stehen oder angenehm Sitzen ist meist ebenfalls nicht möglich. Da ich hier in einer ziemlich ländlichen Region lebe, bekommt man das Stadt-Land-Gefälle des Bildungsstandarts zu spüren. Jugendliche in Quito und andere Großstädte gehen nach der ‚Escuela‘ (Grundschule) meist noch zum ‚Colegio‘ (weiterführende Schule). Ich glaube, es gibt sogar eine Schulpflicht, die entweder wenig oder garnicht durchgestetzt wird. Die ländliche Bevölkerung schickt ihre Kinder meist in die kleinen, meist 30 Kinder starken, Schulen. Diese werden von einem Lehrer geführt. In den Altersgruppen von 6 bis 10 wird alles zusammen unterrichtet. Das bei dem 5stündigen da nicht allzuviel zu Stande kommt, erklärt sich von selbst. Nach der 6. Klasse gehen die Kinder dann entweder ins lokale ‚Colegio‘, in die etwas teureren ‚Colegios‘ in die Großstadt oder aufs Feld um zu arbeiten und Geld zu verdienen. Da in Großteil der anderen Freiwilligen in Quito an ‚Colegios‘ arbeitet und ich so einen Einblick in das gesamte Bildungssystem bekommen konnte, war schnell festzustellen, dass es nicht mit einem westeuropäischen Standart zu vergleichen ist; angefangen bei den unmotivierten, unterbezahlten Lehrern über die dürfitgen Lehrpläne, bis hinzu den langweiligen Unterrichtsgestaltungen. Wenn Englisch gelehrt wird, dann ebenfalls dürftig. So können ein Großteil der Colegioabsolventen sich nicht mal ordentlich auf englisch vorstellen, geschweige den ein Gespräch führen. Das führt vor allem bei den Freiwilligen zu Frustration und Ratlosigkeit, da, wenn es Fortschritte gibt, sie nur sehr langsam zu erkennen sind und man bei Lehrern auch wenig auf hilfreiche Unterstützung trifft. Auf Grund der unzureichendenen Bildung mangelt es den Ecis (wie wir die Ecuadorianer liebervoll getauft haben) an Konfliktfähigkeit und an fehlendem Wissen für profunde Konversationen. Unvermeindlich trifft man ständig auf neue Leute, sie stellen sich vor, man selbst stellt sich vor und es folgen meist die gleichen Fragen; Woher? Warum? Wie gefällts? Was machst du hier? Was machst du zu Hause? Und Fragen die sich darauf aufbauen. An der Länge des Gesprächs lässt sich meist der Bildungsstand und das Interesse des Gegenüber ablesen. Das wiederum zeichnet sich auch im Wortschatz ab, der bei den meisten, vor allen ländlichen Bewohnern, sehr beschränkt ist. Ein und das selbe Wort hat so zahlreiche Bedeutungen, je nach dem in welchem Zusammenhang es gebraucht wird. Fachbegriff sind meist unbekannt oder werden nicht gebraucht. Dennoch sind die Ecis immer nett und zuvorkommen, sowohl Gringos gegenüber als auch untereinander. So reden sich bereits die Arbeiter untereinander immernoch mit ‚Sie‘ an, obwohl sie schon jahrelang zusammen arbeiten. Es sei eben so hier auf dem Land, sagen sie selbst.

Abwrackurlaub in Tena und Puyo

Veröffentlicht in Up To Date am Mai 7, 2009 von paulnaglatzki

Nach einem erneuten Wochenende, dem letzten des verregneten Aprils, auf der Farm stand nun der 1. Mai bevor. Da dieser hier ebenfalls als ‚Tag des Arbeiters‘ begangen wird und glücklicherweise auf einen Freiag fiel, stand wiedermal fest – weg! Nach einigen Diskusionen mit Stuart, dass ich denn nie im Garten am Arbeiten sei, entließ er mich dann aber doch zum langen Wochenende. Doch Wohin? Nach langem hin und her entschieden sich Kai und ich für das Gebiet am Rande des Amazonasbecken. Die Stadt Tena, in der Provinz Napo, und die etwas südlich gelegenen Stadt Puyo, Provinzhautstadt der Provinz Pastaza, waren dabei die Hauptziele des dreitägigen Ausflugs. Um eine Übernachtung zu sparen, saß ich erst am Freitagmorgen um 5 im Bus nach Quito, dort traf ich auf Kai und um 8 saßen wir im Bus nach Tena. Da die altbekannte Route über den Andenpass von ‚La Virgin‘ führte, verschliefen wir einen Großteil der Fahrt. Auf 300 Höhenmetern in Tena angekommen, empfing uns das unter der drückend schwülen Hitze leidende Tena mit verdreckten Straßen und stinkenden brennenden Müllhaufen. Hier wollten wir nicht bleiben. Laut unserm Reiseführer gab es hier auch nicht allzuviel zu sehen. Doch wir waren am Verhungern, also in den nächsten ‚Comedor‘ (billiges Restaurant) und das ‚quarto de pollo con arroz‘ (viertel Hühnchen mit Reis) war schnell bestellt. Schließlich konnte ich Kai noch überreden, in den ‚Parqué Amazonico‘ (Amazonaspark) auf einer Halbinsel im Rio Pano zu gehen. Der eine Dollar wurde schon auf der Überquerung der Hängebrücke in den Park gerecht, als uns ein Kapuzineräffchen zum Anfassen nahe begrüsst. Auf der anderen Seite des Flusses waren kleinen Lehrpfade angelegt, die an einem Vogelstrauß, einigen Affengehegen, Anakondaterrarien mit herumspringenden Hühnern und viel Grün vorbeiführten. Unter anderem gab es auch ein freilebendes Tapir, das sich aber von Kais Anwesenheit gestört fühlte und ihm das auch deutlich zur Kenntniss gab. Wir bestiegen eine 4stöckige Aussichtsplattform, Kais und meine Höhenschätzungen varrierten dabei von 10 und 25m. Das wacklige Dinge, was beim leisesten Windhauch umzufallen droht, ragte gerade so über die Spitzen der Baumriesen emport und bot eine Sicht auf die sich aufbäumenden Anden im Westen und das flache, sich im Dunst verlaufende Amazonasbecken, im Osten. Nach langen Experimenten und Diskusionen über die Höhe stiegen wir die 97 Stufen wieder hinab und setzten unseren Weg begeitet von Affen aller Art durch den Park fort und verließen ihn dann schließlich über die selbe Hängebrücke, auf der wir gekommen waren. Kurze Zeit später saßen wir in einem Gefährt, dass uns ins nahegelegene Misahualli bringen sollte, da wir nicht in Tena bleiben wollten. Von dem stinkenden, angeblichen Bus, blätterte die Farbe ab und die Sitze waren so schmal, dass nicht mal zwei für einen Durchschnittsdeutschen gereicht hätten. Aber die Landschaft und die kleine Dörfchen und Hängebrückchen entlang des Rio Napos entschädigten für die Strapazen. In Misahualli angekommen wurde einem gleich bewusst, dass man sich in einem ‚Feriado‘ (Feiertag) befand. Das ganze Dorf war im Park am saufen und tanzen. Eine Band spielte und die Straßenverkäufer drehten ihre Runden. Nach einer kurzen Runde durch die wenig vorhandenen Hostal, erwies sich, dass das sehr touristische Dörfchen bis auf das letzte Bett ausgebucht war. Nur einige Bruchbuden zu überteurten Preis waren noch zu finden. Also entschieden wir uns, dass was Misahualli zu bieten hat – einen schönen Strand an der Flussmündung des Rio Napo und des Rio Misahualli – zu erkunden und verbrachten da den ganzen Nachmittag. Die reißende Strömung machte ein Gegenanschwimmen unmöglich und konnte einem schnell zum Verhängniss werden. Den Strandtag rundeten wir dann noch mit einem Fussballspiel gegen drei unterernäherte Ecibrüder ab. Gegen Einbruch der Dunkelheit setzten wir uns den letzten Bus zurück nach Tena und quartierten uns in einem 5 Dollarhotel ein. Hellwach wussten wir nicht so recht, was wir mit dem angebrochenen Abend anstellen sollten, völlig unüberlegt endeten wir mit einer Flasche ‚Zhumir‘ (Billigalkohol) in unserem Hotelzimmer. Angetrunken zogen wir dann los um zu sehen, ob das Nachtleben in Tena den ersten Eindruck ablöste. Doch ein paar Discoschuppen und Biere später landeten wir doch wieder im Hotel und schliefen unseren Rausch aus. Diese Aktion rächte sich am nächsten Tag, als wir völlig verkatert aufwachten und einfach nur aus Tena verschwinden wollten. Mit voller Rechtfertigung hatten wir auf unseren vorherigen Touren die Finger vom Alkohol gelassen. Der gesamte Tag war nun im Eimer. Nach 4 weiteren Stunde im Bus kamen wir in Puyo an und es machte einen besseren Eindruck. Wir stiegen zwar in einem Vorort aus dem Bus, fanden aber schnell ins Zentrum und quartierten uns im 4. Stock eines günstigen Hostals ein. Der Blick vom Balkon und das Kabelfernsehn war genau was wir an diesem Vormittag brauchten. Da wir uns kaum auf den Beinen halten konnten, dösten wir bei ecuadorianischem Fernsehen, was keinesfalls stimmungshebend ist, 3h vor uns hin. Aber alsbald zwang uns der Tatendrang wieder auf die Straßen Puyos und seine Rundwanderwege, entlang des Rio Puyo. Da es zum Samstag viele ‚Quiteños’ und ‘Guayaquileños’ (Bewohner Quitos und Guayaquils) in die touristischen Orte des Landes zieht, waren diese Pfade mit nationalen Touristen  übersäät. Je länger wir doch am Fluss entlangliefen, umso verlassener wurde es und wir endeten bei der Feststellung, dass wir so langsam genug von Ecuador und von den Menschen hier hatten und uns nach der Heimat, unseren Leuten, heimischem Bier und Grillparties sehenten. Wieder zurück an der Uferpromenade des Rio Puyo verbrachten wir den Rest des Nachmittags ‚El Comercio‘ (Ecuadorianische Zeitung) zu studieren und die vorbeieilenden Leute zu beobachteten, die in Taxis und ihre Autos sprangen, um den bevorstehenden Regenschauen zu entfliehen. Der Himmel zog sich dunkel zu und die Blitz zuckten über dem Blätterdach des umliegenden Regenwaldes, doch mehr als eine Hand voll Tropfen ließen sich nicht blicken. Auf unserem Rückweg zum Hostal aßen wir noch ein ausgezeichnetes ‚pollo asadero‘ (gegrilltes Hähnchen) und so fand der Abend auch ein schnelles Ende. Am nächsten Morgen wollten wir schon früh im 5stündigen Bus nach Hause sitzten, doch völlig pleite kann man natürlich auch kein Ticket kaufen. Wir liefen in ganz Puyo umher, auf der Suche nach einem Geldautomaten, der mit Geld befüllt war. Da es Monatsbeginn war und die Lohnüberweisung gerade stattgefunden hatten, gab es an keinem Automaten Geld. Nach verzweifeltem Suchen fanden wir eine Bank, an der wir nach langem Warten dann endlich an Geld kamen und unser Ticket kaufen konnten. Doch damit sollte das Abendteuer noch nicht zu Ende sein. Als wir am Busbahnhof in Puyo ankamen und unser Ticket nach Quito gelöst hatten, mussten wir eine weiter Stunde warten, bis unser Bus kam. Dieser war nur auf der Durchreise und schon mit Passagieren aus den vorherigen Städten, die ebenfallls Tickets hatten, besetzt. Wie es sich dann herrausstellte, wurden dabei Sitze doppelt verkauft und der Bus war somit mit mindestens 10 Passagieren überbelegt. Auch Kais und mein Sitz waren bereits belegt. Da wir jedoch als erstes in den halbvoll Bus stiegen, sicherten wir uns zwei andere Sitze und bewegten uns nicht vom Fleck. Die Diskusionen zwischen Busbegleiter, Fahrer und den Passiegeren ohne Sitze endete in Beleidigungen, Beschimpfungen und fast in Handgreiflichkeiten, da diese auf ihre bezahlten Sitze bestanden. Nach einer guten Stunde wilden Diskutierens ohne Ergebniss lösste sich das Gedränge auf, da einige Passagiere freiwillige auf ihren Sitzanspruch verzichteten und den nächsten Bus nahmen. Mit guter Verspätung begab sich der Bus auf den Weg durch die Touristenstadt Baños, der Provinz Tungurahua und durch die Andenkordilleren nach Norden in die Landeshauptstadt und auf die Farm.

Kaffeepflanzen in Pucará – Intag

Veröffentlicht in Up To Date am April 19, 2009 von paulnaglatzki

Nach einer kurzen Arbeitswoche und einigen Fussballspielen mit den Quitoschülern ging es Freitag auch schon wieder auf Reisen. Kai, Alex und ich wollten Stuarts langjährigem Kumpel Pete auf seinem neu gekauftem Land beim Pflanzen von 1000 Kaffeepflanzen helfen. Also saßen wir um 12 Uhr im Bus in Otavalo der uns in das 3h entfernte Pucará bringen sollte. Pucará ist eine kleinen 100 Seelengemeinde in der Intagregion, westlich von der Farm. Die holpgrige 60km Schuttstraße führt über einen 4000m Pass hinab in das Intagtal auf 2000m, doch die unübliche Ausrichtung lässt die Temperaturen und Regenfälle in diesem Andenausläufer ungewöhnlich hoch ansteigen. So können Bananen, Zuckerrohr, Avocados, Zitronen, Granadillas und natürlich auch Kaffee mit höchstmöglichem Ertrag angebaut werden. Pete, gebürtiger Ami, wohnt seit 12 Jahren in Ecuador und leitet die Organisation Inti Chinkani (Sonnenpfad). Mit Hilfe von Freiwilligen aus den Staaten und Europa hilft er kleinen Gemeinden Wohnhäuser, Schulen und kleine Manufakturen und Einkommenmöglichkeiten zu etablieren. So auch in der Gemeinde von Pucará. Seit 4 Monaten ist er nun stolzer Landbesitzer von 10ha. Mit diesem Glückstreffer, hat er ein Stück Erde mit einem beeindruckenden 360° Rundblick auf die Andenausläufer und die Vulkanfront, zahlreichen Früchtbäumen und besten Boden für Kaffee erworben. Der Kaffeeanbau ist in der Intagregion ist zur Haupteinnahmequelle geworden. Rund 400 Kaffeefarmer bauen organischen Kaffee an und das getrockenete und gemahlenen Endprodukt wird für Feinschmecker nach Europa und Japan verschifft und für umgerechnete 20USD verkauft. Da Pete nun auch Socio (Mitlied) dieser fairtrade (gerechte gehandelt) Vereinigung ist, muss er seinen Beitrag zur Kaffeeproduktion liefern. Der Anfang sollte dann am Samstag mit den ersten Pflänzchen geleistet werden. Wir kamen am Freitag im größeren Nachbarort Apuela an, und luden die 7-10cm großen Pflänzchen in einen LKW. Ursprüglich sollten 2000 neue Kaffeebüsche in die Erde kommen, doch mehr als 1000 passten beim besten Willen nicht auf die Ladefläche. Wir fuhren zurück nach Pucará und luden mit Hilfe der Gemeinde die Pflanzen am Eingang zu Petes Land ab. Nachdem wir eine kleine Tour über das Land bekamen, quartierten wir uns bei einer Familie der Gemeinde ein. Nach einer geräuschvollen Nacht ging es bereits um 7 an die Arbeit. Mit 8 Gemeindemitgliedern mussten die 1000 Pfanzen ersteinmal in Kiepen und Taschen 900m über Petes Land zum Pflanzort gebracht werden. Der Pfad war steil und glibbschig und führte durch knöcheltiefen Matsch. So konnten maximal 20 Pflanzen pro Person und Tour transportiert werden. Irgendwann waren dann aber alle Pflanzen an ihrem Bestimmungsort und wir begannen am 45° steilen Hang im Abstand von 2m Löcher zu graben und die Pflanzen in die Erde zu setzten. Die Sonne brannte und es schien gar nicht mit der Knochenarbeit voran zu gehen. Gegen 12 aßen wir kurz zu Mittag und kehrten dann mit der Vorstellung zurück bereits die Hälfte gepflanzt zu haben. Da dann auch kein Platz mehr zum Pflanzen war, mussten wir die restlichen Pflanzen zu einem anderen Hang transportieren. Dort waren wir dann noch 3 weitere Stunden zu Gange, bis auch endlich die 1000ste Pflanze im Erdloch angedrückt war. Gegen halb 5 kehrten wir völlig erschöpft zum Dorf zurück, schnappten unser Zeug und fuhren in die heißen Quellen von Nangulvi. Dort quartierten wir uns fuer die folgende Nacht ein und verbrachten den restlichen Abend unsere müden Muskeln in dem heißen Wasser zuentspannen und den Brand mit einem kühlen Bier zu stillen. Am nächsten Morgen hüpften wir nochmal in die heißen und kalten Pools und saßen um 9 im Bus zurück nach Otavalo und auf die Farm.
Das Leben auf der Farm ist im Moment ziemlich ruhig, da Alex und ich die einzigen Freiwilligen auf der Farm sind und am Montag wahrscheinlich nur eine weitere Freiwillige zu erwarten ist. Das macht das gesamte Haus etwas einsam und still. Doch es ist mal etwas anderes, zu dem sonst lebhaften und hektischen Kommen und Gehen der Leute aus aller Welt.

Cuyabeno – wo Flüsse Straßen ersetzten

Veröffentlicht in Up To Date am April 19, 2009 von paulnaglatzki

Aufgrund mangelnder Ausflugsmotivation waren die letzten Wochen eher weniger von wochendlichen Trips geprägt. Deshalb blieb etwas Zeit in Cayambe, dem Nachbarort, Party zu machen und sich einfach mal zu entspannen. Doch da nun Ostern bevorstand, und dies zwei Feiertage einschloss, entschlossen sich Kai und ich unsere lang geplante Dschungeltour Wirklichkeit werden zu lassen. Wir hatten uns in verschiedenen Agenturen nach günstigen Touren erkundigt. 35 USD pro Tag und Person für eine 5 Tagestour erwies sich als annehmbar. Da Kai sich um die komplette Organisation gekümmert hatte, wusste ich nicht was mich in Cuyabeno erwartet.
Das Naturschutzgebiet Cuyabeno befindetet sich in der Provinz Sucumbíos im Nordosten des Landes. Es umfasst 600.000ha und gilt als die beste und naturbelassenste Regenwaldregion des Landes. Typisch sind das ausgepräte Flusssystem des Rio Cuyabeno und Rio Aguarico mit seinen zahlreichen Süßwasserlagunen. Straßen gibt es keine, alles wird mit den bis zu 12m langen Einbäumen beschifft. Vereinzelt sind an den Ufern des Flusses Cuyabeno einige sogenannte „Lodges“ aus dem Bodengewachsen. Strohgedeckte Bambushotels die von Touragenturen unterhalten werden und Touristen im Naturreservat aufnehmen. Einheimische Pueblos (Dörfer) finden sich ebenfalls an den Flussufern, zB. die Kommune Puerto Bolivar. Eine funktionierende Gemeinde die vom Kakaoanbau und den interessierten Touristen lebt.
Aufbruch nach Osten – Mittwoch, 8.4.09
Nach einem halben Arbeitstag auf der Farm fuhr ich am frühen Nachmittag nach Quito, lies mir nochmal einen neuen Haarschnitt vor dem Dschungelabenteuer verpassen. Traf mich mit Kai und Jakob auf ein Bier. Da ich die beiden lange nicht gesehen hatte, gab es viel zu erzählen und wir planten unsere Abschlusstour nach Kolumbien. Gegen 21 Uhr stießen wir dann auf die restlichen 3 Dschungelabenteurer, Franziska (Schweiz), Madli (Estland) und Juliane (BRD) – ebenfalls aus unser Zivitruppe. Wir ließen Jakob zurück und nahmen den letzten Bus zu Terminal Terrestre (Busbahnhof) und saßen halb 11 im Bus der Cooperativa Trans Esmeraldas nach Osten hinab ins Amazonasbecken. Der Nachtbus sollte uns über den Andenpass La Virgin in 8h nach Lago Agrio, der größten Stadt in Sucumbíos bringen. Die Provinzhauptstadt gilt als Tor zum Cuyabeno- und nehegelegenen Yasuni Reservat.
Ankunft im Lager – Donnerstag, 9.4.09
Gegen 7 Uhr morgens kamen wir in der vor Hitze brühtenden Stadt an und ließen uns am vereinbarten Treffpunkt Hotel D’Mario absetzten. Dort wartete auch schon der Eigner Luis unserer Lodge, die eigentlich nicht diese Bezeichnung verdient. Er stellte sich kurz vor, etwas nervös wirkend. Wir bezahlten die zweite Hälfte des vereinbarten Preises, da wir bereits ein Anzahlung geleistet hatten. Daraufhin machte sich Luis auf den Weg Lebensmittel und Diesel zu besorgen, da die Einfuhr von Diesel ins Reservat limitiert ist, brauchte er die Bestätigung, dass wir wirklich vor Ort waren und die Tour antraten. Während den 3 Wartestunden wurden wir von dem Cuyabenobiologen Mario über das Cuyabenoreservat, seine Probleme und die Artenvielfalt, aufgeklärt. Unser Treffpunkt, das Hotel D’Mario, schien Ausgangspunkt für verschiedenen Agenturen zu sein. Den bald fuhren Fuhrparks der verschiedenen Lodges vor und profesionelle englischsprechende Führer, mit Shirts auf denen das Emblem und der Name der Lodge abgedruckt war, sammelten ihre Tourkandidaten ein und machten sich auf den Weg. Bereits da wurde uns bewusst, warum unsere Tour vergleichsweise billig war und es aufgrund dessen an Professionalität mangelte. Doch wir waren guter Dinge und stiegen voller Erwartung in die Bussetta (Kleinbus), denn endlich ging es los. Noch schnell die fast vergessenen Lebensmittel eingeladen. Nach weiteren 3h Holpestraße, weitläufiger Sekundärvegetation und der stetigen Ölpipeline am Straßenrand kamen wir um 2 an der Puente Cuyabeno, dem Ausgangspunkt einer jeden Cuyabenotour, an. Dort trafen wir auch wieder auf die Fuhrparks der anderen Lodges. Wir besorgten uns die 5USD teuren Eintrittskarten zum Park, die normalerweise 20 kosten. Aber da wir den Censo (Ausländerausweis) haben, bezahlten wir wie üblich nur den Preis, den auch Ecuadorianer bezahlen. Anschließend aßen wir im Comedor (sehr einfach Restaurant) zum Mittag, trafen auf unsere eingeborene Führerinn und unseren Motorista (Steuermann) Victor, verluden unser Gepäck, Treibstoff, Lebensmittel und Trinkwasser in den Einbaum und machten uns auf den Weg zum 3h entfernten Lager. Der Fluss bahnte sich seinen Weg in zahllosen Schlenkern unter den Baumkronen durch das schier undurchdringlichen Unterholz. Hin und wieder mussten wir über umgekippte Bäume gleiten. Es verlangte Feinfühligkeit und Erfahrung den 40PS Motor mit sammt Einbaum um die engen Kurven zu dirigieren. Nach einer Stunde sahen wir auch schon die erste Gruppe kleiner Monos ardillas (Kapuzinaaeffchen), völlig beeindurckt beobachteten wir die sich von Ast zu Ast hangelnden Äffchen. Doch wir hatten noch einen langen Weg vor uns, also ging es weiter – am Eingang der größten Lagune vorbei, ein paar modernen Urwaldlodges links liegen lassend – hin zum Bootssteg unseres Lagers. Wir entluden das Boot und betraten die Lichtung, in mitten 30m hoher Baumriesen, die unser neues Quartier für die nächsten 5 Tage werden sollte. Eine handvoll strohgedeckter Schilfhütten waren auf der Lichtung verstreut. Victor führte uns auf dem Holzbretter Steg zu unserer Unterkunft. Ein erhöhtes Bretterpodest mit Schilfdach, ohne jegliche Wände oder sonstige Ausstattung. Für jeden von uns war je ein Zelt aufgespannt, ein Würfel aus Moskitonetz mit einer Matraze, also –ohne Loch- 100% moskitosicher. Nach der ersten Erkundungstour waren wir alle sehr zu frieden, es gab ein WC, eine Küche mit Essbereich, Wassertanks, ein Solarpanel und ein Notstromagregat. Meine Erwartungen waren damit schon übertroffen. Beim anschließenden Abendessen stellte sich herraus, dass wir die erste Touristen in diesem Lager waren und der Schlafbereich erst um 3Uhr nachts am Vortag fertig gestellt wurde. Das erklärte auch die eingängliche Nervosität des Eigeners und ein weitere Umstände der folgenden Tage. Bei den Mahlzeite konnte man jedoch nie Abtriche machen, wenn auch nicht immer ausreichend und pünktlich, war es immer sehr lecker. Darauf ging auch schon auf die erste nächtlich Wanderung. Mit Taschenlampe bewaffnet, erkundeten wir die Insektenwelt der Umgebung. Handtellergroße giftige Spinnen, riesige Raupen und Tausendfüssler und einige Frösche kreuzten den Lichtkegel der Taschenlampe. Erschöpft fielen wir dann auf unseren Matrazen und verbrachten die erste Nacht im Dschungel.
Caminatta und Pan de Yuca – Freitag, 10.4.09
Der angenehm sonnige Folgetag begann mit einem Bad im Piranha und Kaiman verseuchten schlammig braunen Fluss. Etwas skeptisch sprangen Kai und ich nach langem Zureden Victors in den Fluss. Allerdings nichts für Schwimmschwache, der seichte Fluss entpuppte sich als Strom mit starker Strömung, die jegliches Gegenanschwimmen fast unmöglich machte. Ohne Piranhabisse saßen wir halb 8 am Frühstückstisch bei Yogurt, Granola, Obstsalat und Rüherei. Kurz darauf brachen wir zur 3h stündigen Caminatta (Regenwaldwanderung) auf. Zurerst ein halbe Stunde im Boot, stromabwärts. Dort wurden wir abgesetzt und machten uns auf den Weg, der uns zurück zum Lager führte – voran Victor, mit Machete bewaffnet. Vorbei an Cebos, Baumriesen mit den typischen Bretterwurzeln, die früher als Kommunikationsmittel benutzt wurden. Mit einem schweren Ast auf die Wurzeln schlagend ertönt ein weithörbarer dumpfer Ton. Das Erspähen von Tieren, die über die Größe von Spinnen und Raupen hinausging blieb aber auf einen Papageien und einen Geko beschränkt. Ein paar nützliche Überlebenstips für den Dschungel entschädigten jedoch dafür. So baute Victor aus ein paar Ästen eine Falle für Kleingetier. Unterwegs wurden wir dann auch noch von einem Regenschauer überrascht. Zwischen den Brettwurzeln des Cebobaumes fanden wir Unterschlupf. Rasch brachte Victor ein paar Palmenwedel heran und überdachte den kleinen Unterschlupf. So verharten wir eine halbe Stunde. Da Regen ebenfalls Wind mit sich bringt, und einige morsche Äste herunterfallen, ist es nicht ratsam bei Wind im Urwald umherzu wandern. Da sich aber weder Regen noch Wind legten, beschlossen wir unseren Marsch fortzusetzen. Unglücklicher Weise hatten wir auch unsere Ponchos de Agua (Regenmäntel) vergessen, aber das dichte Blätterdach der Baumkronen bot guten Regenschutz. Dennoch kamen wir völlig durchnäßt, pünktlich zum Mittagessen, am Lager an. Am Nachmittag ging es dann weiter stromabwärts zur Gemeinde von Puerto Bolivar. Dort trafen wir auf eine Dorfbewohnerin, die mit uns Pan de Yuca (Yuccabrot) machte. Zu erst bahnten wir uns den Weg zu einer Lichtung, gruben die Yuccawurzel aus, schälten sie und gingen zurück zum Gemeindepavailon, wo schon das Feuer knisterte. Die Yuccawurzeln wurden zu einem feinen Brei gerieben und in Band aus Palmenblättern eingewickelt. Durch verdrehen der Palmenblätter wurde die gesamte Feuchtigkeit aus dem Brei gepresst und übrig blieb halbtrockenes Yuccamehl. Dieses verteilte die geschickte Dorfbewohnerin auf einer Tonplatte in mitten des Glutbettes, drückte es an und fertig war die millimeterdünne Brotscheibe, mit etwas Marmelade und Zuckersirup ein willkommener Nachmittagssnack. Da die Dorfbewohner die Komerzialität in dieser Demonstration entdeckt hatten und wir ja nicht die ersten Touristen dort waren, bezahlten wir den obligatorischen Preis von 2 USD pro Person. Mit vollem Magen keehrten wir zum Lager zurück. Da die Sonne noch nicht am Horizont verschwunden war, entschieden Kai und ich noch eine kleine Paddeltour zu starten. Neben dem Motoreinbaum, der eigentlich kein Einbaum war, gab es noch zwei weitere kleinere Einbäume. Eines für 3-4 Personen und einen Einmanneinbaum. Kai entschied sich für das Größere, welches schon keine Spitze mehr hatte und bei leichtem Wellengang volllief. Ich versucht mich an dem kleinen, welches gerademal 30cm breit war. Etwas wacklig paddelte ich in die Mitte des Flusses und merkt das Boot auf einmal volllief. Ich hatte mich zu weit hinten hingesetzt. Und beginnend am hinteren Ende lief das gesamte Boot voll und kippte um. Die Strömung tat ihr übriges. Völlig erschöpft, das gekennterte Boot ziehend, kam ich jedoch am rettenden Steg an. Kai wäre vor Lachen fast ebenfalls in seinem Äppelkahn umgekippt. Am Abendbrotstisch begann dann jeder die unzähligen Mückenstiche wundzukratzen. Glücklicherweise war ich größtenteils verschohnt geblieben. Nachdem wir Victor nach einem Mittel gegen den Juckreiz gefragt hatten, holte er uns eine Brennnessel aus dem dichten Unterholz und begann zu erst Kais Knöchel und dann seine Schulter damit „auszupeitschen“, angeblich klang der Juckreiz ab und wurde durch das Brennen der Brennnessel abgelöst. Doch wenigsten konnten so alle nach einer Brennnesselbehandlung ruhig schlafen.
Die Lagune Cuyabeno – Samstag 11.4.09
Nach dem Frühstück brachen wir zur Tagestour stromaufwärts in Richtung Lagune Cuyabeno auf. Dort angekommen, kurvte wir zwischen den Mangrovenbäumen und anderen im Wasser wachsenden, von Bromelien besetzten, Bäumen umher. Auf der Suche nach Anacondas inspizierten wir einige Baumhöhlen, in denen die Riesenreptilien wohnten, doch da es sehr heiß war, waren sie auf Nahrungssuche – unterwegs in den Tiefen des Mangrovensumpfes. Also fuhren wir an eines der nahegelegenen Ufer und machten ein Wanderung die unter dem Titel Heilpflanzen laufen sollte. Doch viel erklärte unsere einheimische Führerinn zu den magisch heilenden Tees und Früchten nicht. Doch geschickt flocht sie, innerhlab von Minuten , einen 100% ökologischen Rucksack aus einer der Palmpflanzen. Es folgten weitere Tips und Kniffe zum Urwaldüberleben; Wasser aus einer Liane und Angelsehne aus einem Kaktus. Nach einer erfrischenden Badepause, in mitten des Sees – trotz Angst vor Anacondas – legten wir an einer Insel an einer verlassenen Siedlung aus Cabañas (kleine strohgedeckte Bungalows) an und verzehrten unseren mitgebrachten Arroz Relleno (Reis mit Gemüse und Hühnchen). Angeblich hatte Victor in dieser Cabañas Siedlung zuvor gearbeitet, musste aber auf Grund der Schließung einen neuen Job finden. Gesättigt verließen wir die Insel und die Lagune und folgten dem Rio Cuyabeno weit stromaufwärts in einen kleinen Nebenarm der in einer weiteren Lagune mündet, von dort aus mussten wir dann paddeln, da motoren verboten um die dort lebenenden Seekühe und Flussdelphine zu schützen. Also paddelten wir am Rande der Lagune entlang, zu einem Seegrasfeld. Dort packten wir dann die Stöcker aus, an denen vorne 2m Sehne und ein Hack befestigt war. Die mitgebrachte Hühnerbrust wurde zerteilt und auf gespiesst. Nach guten 10 Minuten hatte Madli auch schon den ersten Piranha am Hacken. Der 15cm große Raubfisch hatte sich mit seinen messerscharfen Zähne im Fleisch verbissen. Es folgte ein weiterer, kleinerer Piranha, den wir kleinschnitten und ebenfalls als Köder benutzten. Doch leider fingen wir für eine Weile nichts. Wir probierten noch ein paar andere Stellen in der Lagune, aber bei der brennenden Sonne wollte einfach nichts anbeißen. Also paddelten wir zurück und probierten unser Glück erneut in den seichteren Bereichen des Flusses. Dort ging es dann nocheinmal heiß her, wir zogen einen Piranha nach dem anderen aus dem Fluss, zwischen drinn fanden sich auch noch ein paar Welse. Da es bereits spät war und der Sonnenuntergang bevorstand, fuhren wir zurück zur Lagune und auf den Caido del Sol (Sonnenuntergang) wartend schwammen wir noch ein paar Runden ums Boot. Der zuerst tiefblaue Himmel hatte seine Farbe zu violett gewechselt und ist dann mit zunehmender Dämmerung in ein tiefes Rot übrgegangen. Ein paar unbeschreibliche Augenblicke in der Mitte des Sees, bei spiegelglattem Wasser die Abendsonne in ein einem Einbaum genießen. Diese Erlebniss wollt auch die Touristen der anderen Lodges nicht missen, so versammelten sich während des Sonnenuntergangs ca. 10 weitere Boote in der Lagune. Auf dem Rückweg führen wir noch an einer Insel vorbei, auf der sich tausende von Vögeln umherjagten und keine Ruhe fanden. Da die Dunkelheit sich über das Urwalddickicht legte und wir noch 1h zurück zum Lager mussten, blieb es unumgänglich durch die stockdunkle Nacht auf den engen Wasserstraßen entlang zu gleiten. Bis auf einen kleinen Zusammenstoß mit einem im wasserschwimmenden Baumstumpf gab es aber überraschenderweise keine weiteren Zwischenfälle. Unversehrt und völlig erschöpft kamen wir am Lager an wo uns dann unter anderem die gefangenen Piranhas zubereitet wurden. Es war zwar ausser den Greten nicht viel drann, aber dennoch sehr schmackhaft.
Schamane und Paddeltour – Sonntag, 12.4.09
Der Morgen begann total bewölkt und verregnet. Es sollte kein schöner Tag werden, das war dem Wetter bereits da anzumerken. Beim Frühstück waren alle von Mücken zerfressen und die Stimmung war auf dem Tiefpunkt, hinzukam das es Ostersonntag war und alle an die Heimat und die Familie dachten. Nichts desto trotz ging es nach dem Frühstück mit Regenponchos ausgestattet, stromabwärts, das Pueblo Puerto Bolivar links liegen lassend zu dem Schamanen Alberto. Unterwegs überraschte uns noch ein Regenschauer und die Ponchos kamen das erste Mal zum Einsatz. Um zum Schamanen zu gelangen mussten wir noch eine Stunde durch durchweichten Urwaldboden waaten. Völlig durchnäßt kamen wir beim Schamanen an. Wir betraten seinen Zeremonieraum, er trat aus seinem Zimmerchen und nahm uns in Empfang. Sein Kleidung war Bilderbuchtauglich – bunte Feder um den Hals, auf dem Kopf und durch die Nase. Stolz berichtete der 70jährige uns von seiner bisherigen Karriere als Heilpraktiker. Er hat angeblich schon einer Amerikanerin zum Laufen verholfen, bei der herrkömmliche Medizin versagt hätte. Am Ende vollzog er noch ein Reinigungsritual an unserem Versuchskanichen Kai. Dazu fuchtelte er wild mit einem Blätterbusch hinter Kais Rücken herum und murmelte ein paar Laute vor sich hin. Doch nachdem die gesamte Vorstellung schon nach 15min vorbei war und er dann von jedem von uns 2 USD verlangte, kamen wir doch etwas auf den Arm genommen vor. Da auch schon die nächste Gruppe auf die Vorstellung wartete, mussten wir uns auch wieder verziehen. Auf dem Rückweg legten wir noch einen Zwischenstopp in der Kommune Puerto Bolivar ein. Dort waren gerade die allsonntäglichen Fussballmeisterschaften in vollem Gange. Da es jedoch wie aus Kannen goß war es eher eine Mischung aus Schlammketschen und Balltreten. Es kam kein wirkliches Spiel zu stande, doch es war amüsant anzuschauen. Als wir zurück im Lager am Mittagstisch saßen klarte der Himmel auf einmal auf und wir bereiteten uns auf die geplannte Paddeltour stromaufwärts vor. Badehose, Remo (Stechpaddel) und der Einbaum. Gegen den Strom zu paddeln war ermüdend und dazu noch das Gleichgewicht im Boot zu halten, war nicht ganz einfach. Nach ein paar giftigen Raupen und Fröschen konnten wir dann auf einem Seitenarm auf Grund umgekippter Bäume nicht passieren. Also kehrten wir um und es ging stromabwärts zum vertrauten Steg zurück. Singend und kaum paddelnd trug uns die Strömung innerhalb kurzer Zeit zurück. Am Abend bestanden wir dann noch auf eine nächtliche Ausfahrt um Kaimane zu sehen. Doch da wir uns in der Regenzeit befanden, de Flüss angeschwollen waren, hatte sich die Kaiman tief in die flacheren unzugänglichen Bereiche verzogen. Ausser einigen Spinnen und Fröschen gab es mal wieder nichts zu sehen. In einem Seitenarm bahnten wir uns den Weg über und unter umgekippte Bäume mussten schließlich umkehren da ein Baumriese den Weg versperrte. Abenteuer pur!
Rückkehr nach Lago Agrio – Montag 13.4.09
Die geplante Vogelwanderung in der Morgendämmerung des letzten Morgens fiel leider sprichwörtlich ins Wasser, das erste Mal, dass uns das Wetter ein Strich durch die Rechnung machte. Also packten wir unsere sieben Sachen und ließen das Lager zurück, unsere Köchin und Führerin ebenfalls an Board. Kaum hatten wir abgelegt, klarte der Himmel auf und wir fuhren unter drückender Hitze und strahlend blauem Himmel die 3h flussaufwärts zurück zur Puente Cuyabeno, wo unsere Reise auch begonnen hatte. Unterwegs sahen wir neben den Eichhörnchenäffchen noch allerhand buschiger schwarzer Affen, deren Name ich leider vergessen habe. Gegen 1 kamen wir dann am Ausgangspunkt an, aßen zu Mittag und hofften bald in die Privatbussetta der Veranstalter zu steigen, anstatt dessen saßen wir in der nächsten Eci-Klapper-Kiste von Bus. Doch da wir uns die Sitze in der ersten Reihe gesichert hatten, wurde auch diese 3stündige Busfahrt etwas interessanter. Zurück in Lago Agrio verabschiedeten wir noch von unserem Veranstalter und verbrachten die verbleibenden Stunden im Internetcafé und Mr.Pollo (Hühnchen Restaurant), bis wir dann um 8 im Nachtbus nach Hause saßen. Die nächtliche Fahrt wurde allerdings von zwei halbstündigen Polizeidrogenkontrollen unterbrochen.
Etwas ausgelaugt kam ich pünktlich zum Ernten am Dienstagmorgen um 8 auf der Farm an. Außerdem hatten wir in dieser Woche 93 Schüler aus Quito auf der Farm. Dies brachte weitere Abwechslung, da ich in der Küche aushilf und Gemüse schnibbelte, Sandwiches machte und Essen verteilte. Am Mittwoch fuhren wir mit den Schülern in den nahegelegenen Bosque Protector de Jerusalen (Naturreservat) und forsteten dort weite Grassflächen mit dem dort heimischen Trockenbaum Campeche auf. Das Naturreservat um Jerusalen ist in einem Tal mit ganz eigenem Klima gelegen. Die niedrige Niederschlagsrate und hohen Temperaturen auf 2400m haben die Flora und Faune in einen Wald verwandelt, der in Ecuador und Südamerika einzigartig ist.Das Naturreservat wurde nach Erklärung als Nationalpark zu Erholungszentrum für Familien und Schulklassen aufgerüstet. Mit Camping, Naturlehrpfaden, seltenen Vogelarten und dem einzigartigen Ambiente locken die Veranstalter. Des weiteren sollen weite Teile des gerodeten Waldes mit natürlichen Bäumen wieder aufgeforstet werden. Die Stiftung unserer Farm ist Teil dieser Wiederaufforstung und so werden mit jeder Schulklasse die auf die Farm kommt zwischen 500 und 1000 neue Bäume gepflanzt. Das bringt Abwechslung in den Gartenalltag und verbessert die Spanischkenntnisse.

Mit der Militärschule auf Dschungeltour – Reventador und San Rafael

Veröffentlicht in Up To Date am März 17, 2009 von paulnaglatzki

Die Wochenendtouren nehmen kein Ende – so rief mich Kai mitte letzter Woche an und meinte dass er am Wochenende Richtung Urwald, nach El Chaco, aufbrechen würde. Zusammen mit der Noventa (9. Klasse) des Colegio Militar (Militärschule) seiner beiden Gastcousinen wollte er eine Tagestour zu einer Ölpumpstation machen. Da ich sowieso geplannt hatte, dort in die Nähe zu fahren, sprang ich kurzer Hand auf die Tour mit auf. Also fuhr ich Freitag, nach der Arbeit – versteht sich, nach Lumbisi (Vorort von Quito), quartierte mich beim Kai ein, um am nächsten morgen pünktlich um 6 Uhr mit den zwei Cousinen an der Bushaltestelle zu stehen, wo wir von dem gemieteten Schulbus eingesammelt werden sollten. Gegen 7 saßen wir dann mit 50 uniformierten Schülern und Schülerinnnen zwischen 13 und 16 Jahren im Bus. Da es weder Sitz- noch Stehplätze gab, machten wir es uns auf der Motorklappe, so gut es ging, gemütlich, während 50 Augenpaare und ganz entgeistert musterten. Der Bus schlängelte sich im Schneckentempo nach Osten zum Pass von La Virgin auf 4000m hinauf. Wir konnten von dort aus einen kurzen Blick auf den schneebedeckten Vulkan Antisana erhaschen. Danach führte uns die Straße immer bergab in Richtung Amazonastiefland. Bei Baeza bogen wir links nach Norden ab und folgten der Straße eine weitere Stunde nach El Chaco. Das kleine verschlafen Nest dient als Zwischenstop für Tanklaster und Busse auf dem Weg in die Tiefen des Dschungels bei Lago Agrio und Coca. Viele kleine Comedors (billige Restaurants), Tankstellen und Vulcanizadores (Mechaniker, die LKW-/Busreifen komplett reparieren). Von dort aus machten wir uns zu einer Pumpstation der staatlichen Ölfirma Petroecuador. Dort angekommen, bewegten sich die Schüler in einer Zweierreihe marschierend über das Gelände der Station. Die Führung war langweilig, da alles vollautomatisch verlief und keiner der Arbeiter, vor Ort, wirklich Ahnung von dem Werk hatte. So wurden wir mit denn riesiegen Bildschirmen im Kontrollzentrum vertraut gemacht und mit Zahlen bombadiert. Im Grunde dient diese Station nur um das aus dem Oriente (Amazonasgebiert Ecuadors) Öl über den Bergpass nach Quito zu pumpen.Nach einer Sunde stiegen wir wieder in den Bus und wollten noch die Ölspuren des letzten Pipelinebruchs an den Flussufern besichtigen, aber dort wo wir zum Fluss Salado hinabstiegen, waren weit und breit keine schwarzen Ränder aufzufinden. Da der Bus, samt Schülern, noch am selben Tag die 4stündige Strecke zurückmusste, ging es zurück nach El Chaco und zum vorbestellten Mittagessen, für 50 Schüler. Danach verabschiedeten Kai und ich uns von den Lehern und Schülern und folgten im nächsten Camionetta (Taxi im PickUp Format) der Straße weiter bergab in Richtung Amazonastiefland. Nach 50min kamen wir an der Hosteria El Reventador an. Weit abgelegen von jeglicher Zivilisation erhofften wir uns problemfrei eine Habitación (Hotelzimmer) zu bekommen. Doch überraschender Weise war alles mit den Ingenieuren der Ölfirmen belegt. Da der Eigner nicht da war, mussten wir auf eine endgültige Zu- oder Absage warten, also machten wir uns in der Zwischenzeit zum angeblich größten Wasserfall Ecuadors San Rafael (140m). Vorbei an einer Siedlung der Ölarbeiter ging es auf einem matschigen Pfad hinunter zum Aussichtspunkt gegenüber des Wasserfalles am Fluss Salado. Das Fotoshooting blieb natürlich vor der beeindruckenden Kulisse nicht aus, doch da Regen und Nebel aufzog, machten wir uns schleunigst auf den Rückweg, in der Hoffnung doch noch zwei Schlafmöglichkeiten in der Hosteria zu finden. Glücklicher Weise war noch ein Zimmer frei und wir quartierten uns ein, aßen, hüpften noch in den mit flusswasser-bespeissten Pool und fielen erschöpft ins Bett. Am Abendbrotstisch hatten wir uns zuvor noch überlegt, wir am nächsten Tag am einfachsten und schnellsten auf den naheliegenden Vulkan Reventador (3572m) steigen konnten. Unser Kellner verhalf uns dann zu einem 17jährigen Führer, da Aussagen zufolge, eine Erkundungstour auf eigene Fast einem Himmelfahrtskommando gleichen würde. Also heuerten wir den 17jährigen Flo für 20 Dollar an um uns am nächsten morgen zum Fusse des Berges auf die immernoch warmen Lavaströme zu bringen. Wie geplannt trafen wir uns am nächsten Morgen um 6 um den Trek anzutretten. Zum Glück hatten wir nicht bei den 2 USD für die Gummistiefel gespart, da sich nach kurzer Zeit im tiefsten Unterholz des Nebelwaldes, vom Regen aufgeweichte Pfade und Schlammlöcher auftaten. Da der Pfad durch Flussbette führte und Regenfälle dies völlig zerstört und mit Bäumen übersät hatte, wäre es ohne Flo und seine Machete garnicht möglich gewesen, den Pfad zu finden, geschweige denn zu folgen. Nach 2 sehr feuchtwarmen Stunden durch die Täler und über die Kämme des Waldes kamen wir klitschnaß geschwitzt an den Lavafeldern des Ausbruches 2002 an. Sie waren bereits von Moos und kleineren Pflänzchen überwachsen. Tiefhängende Wolken versperrten die Sicht auf den sich kegelförmig aufbäumenden Vulkan. Nach einer weiteren halben Stunde auf den 7 Jahre alten Lavafeldern kamen wir an den 8 Monate jungen Geröllbergen aus Lavagesteinsbrocken an. Schon aus einiger Entfernung konnte man den Wasserdampf ausmachen, der aus dem schwarzen Gestein empor stieg. Als wir näher kamen, wurde es auch allmählich wärmer. Wir kletterten die 4m hohe Geröllwand hinauf und sprangen zwischen dem Dampf auf dem Gestein umher. Da wir hiermit das Ende unsere Wanderung erreicht hatten, ließen wir uns auf den scharfkantigen Vulkangestein nieder und aßen unser mitgebrachten Proviant. Flo zeigte uns einige Videos vom letztmaligen Ausbruch, wie sich die glühend rote 4m hohe Geröllwand gemächlich talwärts wälzte und alles was sich ihr in den Weg stellte, unter sich begrub. Zunehmende Nebelschwaden machten jegliche Sicht jenseits der 10m unmöglich. Gegen halb 10 traten wir den Rückweg an. Von dem endlosen Geröllhaufen herunter und über die Lavafelder zurück. Auf Grund des noch dichteren Nebels irrten wir eine halbe Stunde lang planlos durch die karge Vegetation um den Eingang zurück in den Dschungel zu finden. Wieder im dichten Unterholz angekommen, entschloss sich Flo auf unerklärliche Weise eine Verfolgungsjagd zu starten. Also begannen Kai und ich ebenfalls durch die Schlammlöcher, über die Baumstämme und die steilen Abhänge hinab und hinauf zu rennen. Das alles endet nach einem Viertel des Weges mit ein paar gedehnten Bändern in Kais Mittelfuss. Von dort an ging es dann etwas langsamer, aber dennoch zügig voran. Gegen dreiviertel 12 kamen wir wieder an unser Hosteria an, sprangen in den erfrischenden Pool und setzten uns in den nächsten Bus zurück nach Quito.

Mehr Bäume und zwei weitere Provinzen, Bolivar und Cotopaxi, abgehackt!

Veröffentlicht in Up To Date am März 10, 2009 von paulnaglatzki

Nach einem Tag Arbeit in der Karnevalswoche ging es am Morgen das folgenden Freitag auch schon wieder los. Eine weitere Minga in der Kommune von Peribuela im Bergmassiv des Vulkanes Cotacachis war geplant. Zusammen mit den lokalen Campesinos (Landarbeiter) der Kommune sollten 600 weitere Bäume in die Erde gebracht werden. Da Kai ebenfalls daran teilnahm, kam er bereits Donnerstagabend rauf zur Farm und am folgenden Morgen luden wir 500 junge Erlen in Luchos Camionetta (PickUp – Truck) und fuhren zusammen mit Stuart in das 60km entfernte Peribuela, unterwegs luden wir noch Getränke, Brot und Käse für den kommenden Arbeitseinsatz ein. Wir brachten die Pflanzen an ihren Bestimmungsort und quartierten uns mal wieder in das Gemeindehaus ein. Am Abend stießen dann noch Elin, Amy und Nick zu uns. Der Abend fand ein frühes Ende, da am nächsten Tag viel Arbeit auf uns wartete. Nur zu sechst, Stuart, Kai, die Genannten und meine Wenigkeit, hofften wir auf große Unterstützung aus der Kommune. Als wir allerdings am nächsten Morgen am Einsatzort ankamen, fanden sich nur 12 Paar helfenden Hände. Mit nur wenigen Werkzeugen ausgestattet, machten wir uns an die Arbeit. Die Löcher in die steinige Erde zu treiben, war mehr als nur frustrierend und blasenaufreibend. Nachdem etwa ¾ der Bäume in der Erde waren, war kein Plätzchen für die restlichen 150 Bäume mehr zu finden. Die umliegende Freifläche war von 3m hohen undurchdringlichen Dornenbüschen überwuchert. Mit Macheten bewaffnet schlugen wir uns einen Tunnel zu einer nahegelegenen Lichtung, wo die restlichen Bäume ihre neue Heimat fanden. Gegen 11.30 schlossen wir die Pflanzaktion mit Käsebroten und Cola, bevor es zurück zum Gemeindezentrum ging und es Mittag gab. Danach packten wir unsere Sachen und machten uns zurück in Richtung Panamericana. Dort stiegen Kai, Elin und ich in den nächsten Quitobus und auf ging es in das 3h entfernte Busterminal Terrestre Cumandá de Quito (Hauptanlaufpunkt aller nationalen Busse in Quito), während der Rest noch in Cotacachi bei Grillfleisch und Bier die gepflanzten Bäume feierten. Gegen 5 Uhr Nachmittags fanden wir uns auf dem Weg nach Latacunga, südlich von Quito gelegen. Die, laut Reiseführer, veranschlagten 2,5h für die Busfahrt erwiesen sich jedoch als sehr optimistisch. Gegen 9 kamen wir dann in Latacunga an, wo wir wieder auf die zwei Engländerinnen, Lottie und Safron, stießen. Zum Glück hatten sie bereits ein Hotel organisiert, das ersparte uns die lästige, zeitfressende Suche. Nach Pizza und Bier erkundeten wir noch das Nachtleben in Latacunga, und verbrachten den noch jungen Abend in einer typisch ecuadorianischen Bar. Am nächsten Morgen ging es dann bereits relativ früh wieder zum Busterminal in Latacunga und in den nächsten Bus in Richtung Westen, nach Zumbahua, nahe der Lagune von Quilotoa. Die Straße wund sich durch andine Höhenzüge, durch vereinzelte landwirtschaftende Gemeinden und vorbei an endlosen Weideflächen hinab zum einsamen Hangdörfchen Zumbahua. Dort quetschten wir uns dann aus dem Bus und sofort waren wir von zahlreichen Camionettafahrern umringt, die uns alle eine Fahrt zur 14km entfernten Laguna anboten. Als wir dann einen anehmbaren Preis von 20 USD ausgehandelt hatten, ging es weiter durch die gleiche Landschaft, vorbei an, von einsamen andinen Indigenas (Eingeborene) getriebenen, Schafsherden über einen Pass und hinab zum Kraterrand der türkisgrünen Laguna von Quilotoa. Die sehr touristisch abgerichtete Umgebung bot einige Restaurants, ein kleines Empfangshäuschen und zahlreiche lokale Stände mit Kleidung, Gemälden und Masken. Da es auf jedem Markt, egal wo in Ecuador, das gleich Zeug ist, machten wir uns unbeeindruckt auf den 25minütigen Abstieg, durch die sändigen Hänge hinab zum Lagunenrand. Ständig die sich im Wasser spiegelnden Wolken im Auge. Aufgrund des hohen Schwefelgehaltes, der immernoch aktiven Vulkangasquellen, erscheint die von grauem Fels umgebene Lagune im Sonnenschein türkisgrün. Unten, an der Lagune, liessen Kai und ich uns es nicht nehmen, einen kleine Runde in der eiskalten Lagune zu drehen. Da die Sonnen schien, hüpften wir kurzer Hand ins kühle Nass. Allzulange konnten wir jedoch nicht verweilen, da wir wieder hinauf zum Kraterrand mussten und noch am selben Tag zur Farm zurückkehren mussten. Der Aufstieg dauerte letztendlich doppelte so lange, im Vergleich zum Abstieg. Man hätte einen Pferd, Esel oder Maultier mieten können, aber Laufen war entlohnender und billiger. Unser Camionetta hatte gewartet und nahm uns wieder zurück nach Zumbahua. Dort trennten sich dann wieder die Wege. Die zwei Engländerinnen fuhren weiter nach Westen, in Richtung Küste nach Quevedo. Kai, Elin und ich machten uns in drei riesigen Muldenkipperen auf den Weg zurück nac h Latacunga, wo wir den nächsten Bus nach Quito und Tabacundo nahmen. Da Alex und Shane am Wochenende daheim geblieben waren und an unserem neuen Gewächshaus gearbeitet hatten, wurde der folgende Montag auch gleich mit der Auswertung des neuen Gebildes eingeleitet. Nach der Fertigstellung sollen dort einige dutzend Tomatenpflanzen ihre Arbeit tun und uns organische Tomaten liefern. Der Rest der Woche verlief relativ langatmig, bis auf die Fussballnachmittage und der Tag des heiligen St. Patrick. Da es Shanes, unserem gebürtigem Iren, letzte Woche auf der Farm war, entschlossen wir uns eine weiteren Kulturabend zum Anlass des St. Patricks Days zu veranstalten, mit typisch irischen Gerichten. Es gab Irish-Stew (irischer Eintopf), ein farmeigenes Huhn, Kartoffelbrei, Gemüsepfanne und Obstkuchen, irische Art, versteht sich und natürlich jede Menge Bier und Whiskey. Zum Glück begann unser Arbeitstag am Mittwoch eine Stunde später.

Am folgenden, zweiten Märzwochenende, steuerte ich breits das nächste Ziel an, diesmal zunächst auf eigene Faust. Ich hatte mir die Provinz Bolivar mit der Hauptstadt Guaranda und dem sehr interessant klingenden Dörfchen Salinas de Tombelas vorgenommen. Da die zwei Engländerinnen sich in der Gegend aufhielten, beschloss Lottie sich mir anzuschließen und so waren wir zu zweit. Zunächsten wollten wir uns am Freitagabend in Guaranda treffen und dann von dort aus die Reise nach Salinas fortsetzten. Ich saß also Punkt 5 im letzten Bus von Quito ins 5h entfernte, südllich gelegene, Guaranda. Lottie hatte weniger Glück und verpasste den letzten Bus von Guayaquil nach Guaranda. Nach einer kurzen Planänderung trafen wir uns dann in der nahgelegenen Stadt Riobamba, da es bis dorthin die ganze Nacht Busse gab. Von dort machten wir uns dann am nächsten Morgen in das 2h entfernte Guaranda. Die Straße führte über einen Pass am Fusse das höchsten inaktiven Vulkans Ecuadors, Chimborazo (6310m), auf 4800m. Nicht nur die Aussicht auf dem schneebedeckten Bergriesen war atemberaubend, sondern auch die zunehmend dünnere Luft mit zunehmender Höhe ließ das Herz schneller schlagen und die Atemfrequenz in die Höhe schnellen. Zurück auf ‚normalen‘ 2650m in Guaranda erkundeten wir in einem kleinen Stadtrundgang die sehr touristenarme Provinzhauptstadt. Schnell wurde auch klar, warum nur wenige Touristen diesen abgelegen Ort aufsuchten, es gab nicht viel interessantes zu begucken. Also saßen wir um 3 auch schon im Bus in Richtung Nordwesten, nach Salinas. Auf einer Schotterstraße ging es hinauf auf 3500m bis ans Ende eines Tales, wo sich das aufgeweckte, lebhafte Städtchen Salinas versteckte. Auch hier waren wir die einzigen Touristen, hatten also auch keine Probleme ein Zimmer im einzig offenen Hotel zu finden. Noch am selben Nachmittag stiegene wir zum Aussichtspunkt über der Stadt auf. Die Sicht wurde jedoch von ein paar tiefhängenden Wolkenschleiern getrübt, denoch ließ sich die schier endlose Ausdehnung der Weidelandschaften des Städtchen erahnen. Da es langsam dämmerte begaben wir uns auf Nahrungssuche, doch außer einer Panaderia (Bäkerei) und einer Tienda (Minikaufhalle) fand sich nix. Also kauften wir Brötchen, eine Dose Sardinen und ein Stück Käse und aßen im Hotel. Für den nächsten Tag hatten wir uns bereits eine Dorfführung durch die einzelnen Manufakturen organisiert. Folglich trafen wir uns, nach einem aussergewöhnlich gutem Frühstück mit Eiern, Käse, Wurst!!!!, ausreichend Bort und Marmelade und einer super Aussicht über das Städtchen bei besten Wetter, mit unserem Führer Don Victor. Salinas ist national bekannt für seine einfache, funktionierende Gemeindestruktur und für die Manufakturen in unterschiedlichsten Bereichen. Als die katholische Kirche auf Missionierungstour durch Ecuador zog, kamen horende Geldeträge der Gemeinda von Salinas zu Gute. Einer der Dorfvorsteher nutzte diese Geldquelle und investierte in einige grundlegende Maschinen und Technologien und kaufte schweizerische Käsereiaustattung und Schokoladenverarbeitungsgeräte. Aufgrund der hohen Milchproduktion in den 30 Kommunen der Gemeinde Salinas war nun die Verarbeitung und somit die Abnahme der Milch gesichert. Die bis zu 30kg schweren Käseblöcke werden national und international für bis zu 7,50 USD/kg verkauft . Die Käseproduktion der Marke „Salinerito“ gilt als der luktrativste Zweig des Städtchens. Dem Käse folgte die Schokolade, alle 3 Monate werden der Schokoladenfabrik 8t Rohkakao geliefert und zum einen zu roher Kakaomaße verarbeitet und nach Japan verschifft und zum anderen zum Endprodukt Schokolade, verschiedenster Geschmacksrichtungen und Formen, endverarbeitet. Des weiteren werden regelmäßig zur Regenzeit Pilze im Schatten der Pinienbäume geernte, tranchiert und getrocknet und nach Italien als Delicatessen verkauft. Des weiteren besitzt das 1200 Seelendorf eine Weberei und Scheiderei, die aus Schaffswolle warme Andenkleidung herstellt, eine Fussballmanufaktur, eine Fleischerei mit Fleischspezialitäten, ebenfalls der Marke „Salinerito“ und ein Marketingzentrum für den nationalen und internationalen Markt. Der Name Salinas rührt ursprünglich von jahrhundertalten Salzmine, auf der gegenüberliegenden Hangseite. Schon die Inkas nutzen diese Salzmine um das besonders klare jodhaltige Naturalz abzubauen. In aufwendigen Auswaschungsprozessen wurde Salzlacke gewonnen, die man abkochte und dann das Tafelsalz aus dem Bodensatz des Topfes kratzen konnte. In frühren Kulturen wurden so bis zu 8t Tafelsaz jährlich gefördert. Aufgrund de Langwierigkeit und Härte der Arbeit werden heutzutage in der jährlichen Trockenzeit nur noch 3t maximal gefördert. Diese Vielfältigkeit der Produkte auf so engem Raum hat mich besonders in Salinas sehr beeindruckt, wie jeder Einzelne der Gemeinde zum Funktionieren beträgt. Nachdem ich zwei Tafeln Schokolade und 500g Oreganokäse gekauft und den Preisschock von 10 USD überwunden hatte, ging es zurück nach Guaranda. Dort trennten sich dann wieder die Wege, ich machte mich zurück nach Norden, auf meine Farm und Lottie brach Richtung Süden, nach Guayaquil und dann Peru, auf. Bei klarsten Wetter konnte ich die andinen Höhenzüge in der Abendsonne auf meiner 7stündigen Heimreise genießen. Zurück auf der Farm machte ich einen Kringel um Guaranda und Salinas auf meiner Ecuadorkarte, markierte die Provinz Bolivar und fiel erschöpft ins Bett.

Karneval im Süden Ecuadors

Veröffentlicht in Up To Date am März 2, 2009 von paulnaglatzki

Der ursprüngliche Trip nur in die Provinz Loja zu fahren, hatte sich schnell geändert und so bereissten wir die drei südlichsten Provinzen Ecuadors, Zamora Chinchipe, Loja und El Oro. Aber von vorne; da wochenlange Regenfälle in ganz Ecuador das Straßennetz weitgehend lahm gelegt hatten, stand unser Trip bis zum letzten Moment in Frage. Großflächige Erdrutsche und Überflutungen hatten vor allem die Küstenstraßen unpassierbar gemacht. Als Kai am Donnerstag loszog um die Tickets für den Folgetag zu kaufen, hieß es; alles sei frei. Also setzten wir uns Freitag um halb 6 in den Bus der Panamericana und begannen unsere 15-stündige Busfahrt nach Süden. Total geschafft von der Arbeit, schliefen wir bis zum nächsten Morgen durch. Nur die einstündige Reifenpanne und Essenspause um 24 Uhr rissen uns aus dem Tiefschlaf. Nach einer halbstündigen Straßensperre kamen wir gegen 10 in Loja an und wollten noch am selben Tag weiter nach Süden, nach Vilcabamba. Aber zuerst fuhren wir voller Erwartungen ins Stadtzentrum Lojas, um die Stadt zu besichtigen. Die Erwartungen, der saubersten, schönsten und stilvollsten Stadt Ecuadors, wurden jedoch nicht ganz erfüllt. Viele der Museen und Kirchen waren geschlossen und aussergewöhnlich sauber war es ebenfals nicht. Zudem konnte man uns im Touristenbüro nichtmal Auskunft über Atraktionen der Stadt geben und als wir versuchten auf eigene Faust einen ausserhalb gelegenen botanischen Garten zu besichtigen, wurden wir auch nur vom Taxifahrer verarscht. Erster Eindruck – Minder! Nur für Loja wären es die Reisstrapazen nicht wert gewesen, aber es ging ja am Nachmittag weiter. Da die zwei Engländerinnen und Ex-Farmbewohner Lottie und Saffron ebenfalls nach Loja runterfuhren, trafen wir uns um 3 am Terminal und stiegen gemeinsam in den Bus nach Vilcabamba. In dem kleinen Dörfchen sollte es wohl die ältesten Menschen Ecuadors geben; ein halbes Dutzend sei angeblich über 100 Jahre. Von all dem sahen wir allerdings nichts, da wir uns ja in der Karnevalszeit befanden und die Straßen von nationalem Tourismus heimgesucht wurde. Kinder und Erwachsene waren mit Wassereimern und Schaum bewaffnet um sich gegenseitig oder vereint, erbittert Wasser- und Schaumschlachten zu liefern. Oftmals viel unsere kleine Gringotruppe diesen auswegslosen Attacken zum Opfer. Nach dem abendlichen Reis mit Fleisch und ein paar Bieren fielen wir völlig erschöpft in unsere Betten, da am nächsten Tag die Weiterfahrt nach Zamora, in der im Urwald gelegenen Provinz Zamora Chinchipe, bevorstand. Nachdem wir dann Sonntag um 12 in Zamora angekommen waren, stellte sich das gegenteilige Karnevalsbild dar, keine Touristen und fast niemand in den Straßen. Wir checkten in eines der zahlreichen Hotels, wo zur Frage stand ob sie sich überhaupt rentieren würden, und machten uns auf den Weg in den Nationalpark Podorcarpus. Auf der Laderfläche der Camionetta,  schlängelten wir uns bei Regen zum Bombuscaro-Zugang des Nationalparkes. Nachdem wir mit dem Parkwächter dann einen annehmbaren Eintrittspreis ausgehandelt hatten wanderten wir zu einem der höchsten Wasserfälle des Parkes. Schlüpften in unsere Badehosen und ließen uns die eiskalte Dusche über den Pelz laufen. Da der Regen ununterbrochen seinen Lauf nahm, behielten wir die Badesachen gleich an und stiegen zu einem Aussichtspunkt auf, wo wir aber auf Grund des Regens nichts sehen konnten, aber dennoch die Höhe und den Regen genießen konnten. Danach ging es zu einem der kleinen Wasserfälle, mit einem kleinen vorgelagerten Becken, worin wir ein paar Runden drehen konnten. Zurück im Hotel war die erhoffte warme Dusche dann doch nur kalt. Am nächsten Tag stiegen wir um 9 in den Bus und fuhren wieder zurück nach Loja, wo wir uns von den Mädels verabschiedeten, die ihre Reise nach Norden, Cuenca, vorsetzten. Kai und ich nahmen den nächsten Bus nach Zaruma, westlich von Loja und in der Küstenprovinz El Oro gelegen. Über eine Hangstraße, die von den Regenfällen ebenfalls aufgeweicht war und jeden Moment abzurutschen drohte, durch atemberaubende Landschaftszüge, ging es 4 Stunden des Bangens Richtung Westen nach Zaruma. Gegen Abend dort angekommen, tat sich eine wunderschöne, kleine Hangstadt auf. Verwinkelte Gassen, fabrige Fensterläden im Kolonialsstil und gediehlte Fusswege unter den überhängenden Wohnhäusern, ließen an eine Wildweststadt erinnen. Und auch hier – der Karneval in vollem Gange, auf allen Balkonen standen die Jugendlichen mit Wasserschläuchen und Wasserbomben, da waren Fussgänger schutzlos ausgeliefert. Da die Stadt Zaruma sehr bekannt für ihre reichen Goldvorkommen ist, wollten wir eine der Minen besichtigen und mehr über en Goldabbau erfahren. Zufällig stießen wir auf Don Tito, Geschichtslehrer und Hobby-„Goldologe“. Wir sprangen auf eine seiner Führungen des nächsten Tages auf, kümmerten uns um Abendessen und wollten uns dann noch ein paar Bierchen gönnen. Diese waren jedoch in der gesamten Stadt ausverkauft. Am nächsten Morgen machten wir zusammen mit ein paar Guayaquilenos die Minentour. Ungefähr 80% der Bevölkerung in Zaruma schürft Gold, hauptsächlich für ausländische Großbetriebe, die sich dort angesiedelt haben. Zusammen fördern sie so jeden Tag 20kg reines Rohgold. Damit ließ sich dann auch der Reichtum der Stadt erklären, der sich in den gepflegten Straßenzügen und Gassen wiederspiegelte. Am Nachmittag wollten wir dann unbedingt zum Wasserfall von Huaycichuma, 22km ausserhalb von Zaruma. Doch da es auf Grund des Karnevalsdienstags keine Busse gab, stellt sich das als Problem dar. Nach einigen Camionettas kamen wir dann am Fusse das 9km langen Aufstiegs zur Cascada an. Doch laufen wollten wir die 9km hin und zurück nicht, da ebenfalls mal wieder Regen bevorstand. Also besorgten wir uns jemanden der uns für 10 USD hin- und zurückfuhr. Der atemberaubende 120m Wasserfall war stufenweise geformt, laut unserem zufällig aufgegabeltem Führer würde die Cascada im Sommer wohl auch hinaufgeklettert werden. Das Tosen der Wassermassen und der verursachte Wind machten einen längeren Aufenthalt unmöglich, also zurück nach Zaruma, aber wie? Das angeheuerte Camionetta fuhr nur bis zur Hauptstraße, von dort aus mussten wir die 22km noch zurückkommen. Wir machten uns also zuerst zu Fuß auf den Weg. Dann aber hielt ein PickUp und wir sprangen auf die Ladefläche. Als leichtes Ziel für karnevalslustige Kindergruppen waren wir nach den ertsen 5km auch schon pitschnaß. Wir machten einen kurzen Zwischenstopp bei der Süßigkeitenherstellung der Dona Cleme, kauften ein paar der Bocadillos, tranken eine Café und zurück ging es nach Zaruma. Da es bereits Abed geworden war, wollten wir unsere Tickets nach Quito kaufen, doch wie wir erschrocken feststellten, war alles ausverkauft. Also fuhren wir um 5 in die nächst größere Küstenstadt, Machala und setzten uns dort in den Panamericanabus nach Quito. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommen, der immernoch schlechten Straßenbedingungen dauerte die Reise dann nochmal 16h, bis wir in Quito ankamen. Als ich dann gegen Mittag zur Farm runterlief, traf ich auch auf den Rest der Freiwilligen, die den Karneval im total überteuerten Küstenort Montanita verbracht hatten.

Kurzbericht bei Regen – Rückblick auf die Woche

Veröffentlicht in Up To Date am Februar 17, 2009 von paulnaglatzki

Es ist nun Sonntagabend, es regnet – mal wieder! Und es bleibt ein wenig Zeit vom Wochenende zu erholen und Kraft für die kommenden Tage zu schöpfen. Die vergange Woche war mal wieder ausstaunlich abwechslungsreich. Da von jetzt an Montag immer Putztag ist, waren wir denn ganzen Vormittag damit beschäftigt das Haus zu säubern. Als bald kamen auch die nächsten neuen Freiwilligen an; Lottie und Saffron (England – 1 Woche). Zwei 19jährige frischgebackenen „Abiturientinnen“, die hier, in Picalqui, ihre Südamerikarundreise starteten. Am Nachmittag haben wir dann unser Kartoffelexperiment beendet. Die Tonnen, in denen wir über 3 Monate Kartoffeln haben wachsen lassen, haben wir voller Erwartung geleert um die angeblichen Unmengen von Kartoffeln zu ernten. Doch es folgte eine derbe Ernüchterung, aus den zwei Tonnen, die jeweils um die 15Kg Kartoffeln liefern sollten, kamen maximal 2Kg winziger Kartöffelchen. Das Problem ist noch fraglich, aber eine Ursache ist ein Überschuss von Wasser. Kommenden Woche werden wir das Experiment aufs Neue starten und hoffentlich aus der Vergangenheit lernen.
Harvestday … hey, hey … hey, hey, hey … harvestday! Unser Lied, womit jeder Dienstag, Erntetag, eingeleitet wird. Also alles was reif und groß genug ist, wird geerntet, gewaschen, in Kisten geladen und in den blauen PickUp Truck von Edwin, Stuarts Kumpel, gepackt. Nach dem Mittagessen geht es dann zum Verkauf, zu erst werden die 10 Familien mit ihren Bestellungen beliefert, danach wird alles Übriggebliebene zum Verkauf auf den Straßen Cayambes, einer der nächst gelegenen Städte, angeboten. Gegen halb 6 mach ich mich dann meistens vom Acker und verzieh mich ins Fitnesssudio, welches sich ebenfalls in Cayambe befindet. Da gegen viertel 8 bereits die letzten Busse fahren, heißt es Pumpen auf Zeit, zum Bus hetzten und nach Hause. Mittwoch mussten wir dann in die Baumschule und 2000 Pflanztüten mit Erde füllen, was den ganzen Morgen ausfüllte. Eine ziemlich langweilige Arbeit, die aber durch die Gesellshaft dreier junger Ecuadorianer erträglicher wurde. Nach dem wir nach dem Mittag noch ein paar Bäumchen umverfrachtet haben, kamen auch schon einige unsere Gemüseklienten um mit uns nach der Arbeit Fussball zu spielen. Mit 6 gegen 6 kam so ein ordentliches Spiel bis in die Nacht zu stande. Da der Garten nun langsam soweit ist, dass wir nicht mehr soviel Arbeit investieren müssen, es bleibt nun mehr Zeit für andere Dinge auf und ausserhalb der Farm. Um unsere lokale Gemeinde zu unterstützen, werden ein paar Freiwillige einmal die Woche dort aushelfen. In der vergangenen Woche, waren Elin, Shane und ich bei einer der Familien ungefähr 20min Fussmarsch von der Farm, um in deren Gemüsegarten auszuhelfen. Im Grunde keine andere Arbeit als bei uns im Gemüsegarten; Beete herrichten, Unkrauten und Komposten. So können wir das Gelernte aus unserem Garten auf andere Gärten übertragen und gleichzeitig auch noch Spanisch lernen. Rein zufällig hatten wir herrausbekommen, dass Donnerstag auch noch Shanes 30. Geburtstag war, also planten wir eine Art Überraschungsparty; luden Stuart und ein paar Freunde ein, besorgten einen Kuchen, Bier und Puntas. Da am Nachmittag noch Heather (USA – 2 Monate) angekommen war, war es gleichzeitig auch noch eine Willkommensparty. Nach einem ausgiebigem Abendbrot gesellten wir uns dann ums Feuer und spielten Karten. Gegen halb 4 waren wir dann alle im Bett und genossen unsere 3h Schlaf. Der nächste Tag zog sich nur so dahin, total verkatert und bei regnerischem Wetter wollter keiner so richtig arbeiten. Aber irgendwann war es dann auch um 4, ich wechselte in meine Sportsachen und machte mich ins Fitness. Samstag konnten wir dann alle einmal auschlafen und gegen Mittag trennten sich dann die Wege der Freiwilligen. Die zwei jungen Enländerinnen machten sich auf den Weg in ihr nächstes Projekt. Elin, die Schwedin und Heather fuhren nach Ibarra, um dort das Wochenende zu verbringen und Shane und Ich fuhren nach Quito um uns mit ein paar Ex-Freiwilligen zu treffen. Nach einem 4stündigen Abendessen, bei All-you-can-eat-and-drink für 12,50, einem Esswettbewerb, einigen Bieren und Cocktails endeten wir dann wie immer in den Discoschuppen der Mariscal im Zentrum Quitos. Sonntag fuhr ich dann zurück zur Farm, während Shane noch in Quito blieb und seine Flug umbuchen wollte. Für die kommende Woche werden zwei weiter Freiwillige erwartet und da am nächsten Wochenende der Karneval vor der Tür steht und wir den 23. Und 24. ebenfalls frei haben, planen Kai und ich schon unsere nächste Tour. Wahrscheinlich in die 17h entfernte Provinz Loja.

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.