Das letzte Wochenende war weniger aufregende, den ganzen Samstag hab ich mit Jakob in Cumbaya verbracht, weil wir nichts besseres zu tun hatten und in Llano Chico wars echt zu langweilig. Also sind wir gegen Mittag nach Cumbaya und wollten in der Uni dann ins Internet. Wie gewohnt passierten wir die bewaffneten Officer, doch diesmal hielten sie uns an und fragten was wir denn hier wollten. Wir taten auf totale Uni-Neulinge, seien Austauschstudenten aus Deutschland und sprächen kein Wort Spanisch. Nach dieser überzeugenden Einlage ließen sie uns passieren, doch die Räume der Uni waren geschlossen. Geknickt verließen wir die Uni und gingen ins Internetcafé, was zwar auch nur 1 USD kostet, aber halt irgendwie scheiße war. Den Rest des Tages verbrachten wir durch die Einkaufspassage schlendernd in Cumbaya und trafen uns abends mit den anderen und fuhren mit einem nicht registrierten Taxi, was man eigentlich sein lassen sollte, zur Mariscal. Aber da unsere Verhandlungstaktik so erfolgreich war und wir einen Spotpreis von 6 USD aushandelten, war uns das letztendlich egal und wir blendeten die ganzen Horrorstories in nichtregistrierten Taxis von Überfällen über Vergewaltigungen bis hin zu Waffendrohungen aus. Wohl auf und in strömendem Regen chillten wir uns ins Winers, die Bar mit den Superpreisen und gingen später wieder mal in Bungalow. Der Barkeeper im Winers kennt uns bereits und wir werden jedes Mal mit Handschlag und einem kurzen Smalltalk begrüßt. Der von Weißen völlig überlaufene Bungalow ist mittlerweile echt stink langweilig geworden, zumal die Musik auch immer die gleiche ist. Dieses Wochenende geht es hoffenlich wo anders hin. Nach dem Abend setzten wir uns wie gewöhnlich ins Taxi, handelten zuvor einen Preis von 8 USD aus und fuhren Richtung nach Hause. Doch anscheind wusste der Taxifahrer den Weg nicht recht, wir jedoch auch nicht und da ja bekanntlich alle Wege nach Rom führen, ließen wir die sonst 30 minutige Fahrt etwas länger über uns ergehen. Als wir dann jedoch eine Stunde im Taxi saßen war uns das nicht mehr geheuer und wir fuhren durch Vororte Quitos, die uns total unbekannt waren. Der Taxifahrer hatte auch keinen Plan und wir fragten uns nachts um 4 bei besoffenen Partygängern durch und fanden nach 1,5h letztendlich doch nach Hause. Doch der Taxifahrer wollte nun 15 USD haben, weil er so lange gefahren wäre und wir doch den Weg wissen müssten. Eher uneinsichtig handelten wir ihn auf einen Preis von 12 USD runter und verließen das Taxi.
Für Sonntag hatte uns Kai aus Cumbaya Tickets für ein Fussballspiel besorgt. Es spielte die Truppe aus Quito, La Liga, im Vereinseigenen Stadion. La Liga ist die wohl bekannteste Mannschaft Ecuadors, da sie auch schon einmal beim Südamerikas Cup den ersten Platz gemacht hat. Mein erstes Fussballstadionerlebnis war also in Quito, bei einer Mannschaft die das Niveau einer 2. oder 3. Bundesligatruppe hat. Aber es war ein gutes Spiel, mit guter Stimmung und einem finalen Sieg von 2:1. Der Hinweg zum Stadion legten wir mit dem Taxi zurück, das war einfach und unkompliziert. Als dann nach dem Spiel alle aus dem Stadion drängten waren alle Taxis besetzt und wir beschlossen den Bus zu nehmen, doch in diesem Stadtteil kannten wir uns leider nicht mit dem Busnetz aus also zwängten wir uns mit den unzähligen weiteren Fans in einen der Trole-Busse und fuhren Richtung Heimtbusnetz und nach mehreren Umstiegen gelangten wir auch zum langersehnten Rio Coca, unserer Hauptanlaufstelle in Sachen Transport. Da Quito sehr schmal, aber jedoch unendlich lang ist gibt es 3 Hauptbuslinien von Nord nach Süd, die nach dem Prinzip der überirdischen U-Bahn fungieren. Die Querstraßen werden von unzähligen Bussen angefahren und es ist sehr schwer da noch den Überblick zu wahren. Aber man hat ja Zeit und ein Vermögen kostet eine Busfahrt ebenfalls nicht. Nach drei Stunden Busfahrt, für ungefähr 40km Luftlinie, erreichten wir dann Llano Chico. Da in der Woche zuvor mein iPod gestollen wurde, hatte ich auch keine Möglichkeit Musik zu hören.
Montag hatten wir dann unsere letzte Spanischstunde mit Spanischtest. Ich denke unsere Leherin war echt entäuscht von uns, da wir ziemlich schlecht abschnitten und jeder nur 40% richtig hatten, da keiner gelernt hatte. Trotz allem hatten wir viel aus em Unterricht mitgenommen, es war halt nur zu kompakt und ohne viel Zeit es anzuwenden. Die kommende Woche war ebenfalls neuen Freiwilligen, die ankamen und dem folgenden Infoseminar gewidmet. Da wir vier (Kai, Kai, Jakob und ich) schon vor einem Monat ausreisen mussten, zwecks Vorbereitungsseminar in Berlin und Bestimmungen des BAZ, waren wir völlig auf uns gestellt. Nach und nach flogen die 14 weiteren Freiwilligen am Anfang vergangener Woche ein; acht weitere Deutsch, zwei Schweizer, ein Belgier, eine Dänin, ein Ami und eine Finnin. Alle versammelten sich in einem Seminarhaus und auch wir vier alteingesessenen Zivis zogen für zwei Nächte ins Seminarhaus. Dort waren dann weitere Seminareinheiten hinsichtlich Sicherheit in Quito, Fortbewegung in Quito, politische und economische Situation Ecuadors, Reisen in Ecuador, Verhalten in den Familien und in den Projekten. Letzendlich war viel für uns vier überflüssig , da wir ja schon einen Monat hier lebten, aber naja. Einen Abend sollten die Freiwilligen selber gestalten und jeder sein Land in kleinen Gruppen vorstellen. Es war interessant, lehrreich und sehr lustig. Das ganze wurde auch von einer Tanzeinlage einer indigenen Ecuadorgruppe aufgepeppt und alle wurden animiert mitzumachen. Jakob und ich zogen ins Seminarhaus mit der Aussicht, endlich mal warm duschen zu können, doch auch dort wurden wir enttäuscht. Donnerstag wurden dann alle von ihren Gastfamilien abgeholt und wir vier fuhren jeder in sein Zuhause zurück. Es war die erste Nacht für die neuen Freiwillgen in ihren Gastfamilien. Freitag fuhren wir dann ins historische Zentrum von Quito und besichtigten ein paar der zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Unter anderem gingen wir auch in den Präsidenten Palast. Vor dem Palast fanden sich eine Demonstrantengruppe von geringer Zahl. Der am 28. September Wahlen anstehen und es einer Abstimmung zu einer neuer Verfassung mit mehreren 100 Gesetzen bedarf, gibt es groß Zerrissenheit im Volk Ecuadors. Der aktuelle Präsident Correa ist jung und will das kriselende Ecuador wieder in einen Aufwind bringen. Die Dollareinführung 2000 hat den sehr schwachen Sucre abgelöst, doch die Armut und die Schuldennberge nicht gelöst. Doch ob diese neue Verfassung es schaffen wird, ist ebenfalls fraglich. Zumal Gesetze in letzter Zeit auch ohne Volksabstimmung verabschiedet wurden. Um eine Wahlbetiligung zu garantieren gibt es eine indirekte Wahlpflicht. Denn ohne die Wahlbescheinigung der letzten Wahl kann man kein Konto eröffnen, keinen Rechtsanspruch erheben und auch sonst keine öffentliche Abwicklung machen.
Unglücklicher Weise hatte mich auch ein Virus meinen Notebook heimgesucht, nichts ging mehr. Nur ein blauer Bildschirm. Ich besorgte mir neues Windows und muss mich jetzt auf Spanisch durch meine neue Oberfläche klicken, was nur etwas gewöhnungsbedürftig ist, aber wenig geht alles wieder.
Am Samstag brachen alle Freiwilligen dann zu einer Tagestour nach Otavalo auf, einer Stadt 3h nördlich von Quito, wo jeden Samstag die indigene Bevölkerung aus ihren Andendörfchen kommen um dort ihr Sachen zum Verkauf anzubieten. Es sind unzählige kleine Ständchen, und wir schafften es nicht, innerhalb von 2h alles zubesichtigen. Die gesamte Innenstadt von Otavalo ist zugebaut mit Ständen. Verkauft werden handmade Ponchos, Hosen, Pullovers, Schals, Decken, Töpferwaren, Ketten, Hüte, Dekoartikel aus Materialen der Anden, landestypisches Essen und allerlei Kleinkram. Kai und ich wollten uns zwei waschecht Panamahüte „Jipijapas“ kaufen. Wir übten uns im Handeln, da sonst schnell Abzocke droht. So konnte ich den anfangs vorgeschlagenen Preis von 12 USD auf 7 USD schmälern. Andere kauften sich Taschen, Ponchos und Pullover und beherrschten das Handeln weniger gut. Nach dem Indigenenmarkt fuhren wir zu einem kleinen Ort mit einem Wasserwald in mitten eines Eukalyptuswaldes. Wir setzten uns in ein Restaurant aßen und tranken für 3 USD und machten uns danach auf den Fussmarsch zum Wasserfall. Schon von weitem hörte man das Rauschen, der herabstürzenden Wassermassen. Einige der Freiwilligen schlüpften in ihre Badekleidung und wir arbeiteten uns in dem angenehm kalten Wasser in Richtung Wasserfall vor. Es war vergleichbar mit einem Sturm aus Wasser, unheimlich laut. Doch es war unbeschreiblich, wie aus einem der Indiana Jonesfilme. Über uns fanden sich sogar ein paar Bergsteiger die sich in mitten der Wassermaßen abseilten. Bibbernd siegen wir aus den Wassermaßen und erkundeten die Umgebung, es war wie im Urwald. Gegen 4 saßen wir dann wieder im Bus und traten die 3h Heimreise an, zuvo kauften wir noch zwei Flaschen Zhumir, ein landestypisches alkoholische Getränk mit 22%, diese waren im nu während der Busfahrt leer. Also stoppten wir erneut und holten zwei weitere Flaschen, die ebenfalls nach kurzer Zeit leer waren. Gut angeheitert und mit viel Spaß verlief die weitere Busfahrt. Soviel zum Tripp nach Otavalo, Bilder gibts natürlich auch.
Mein endgültiges Abreisedatum nach Tabacundo, auf meine Farm steht nun ebenfalls fest. AM 2. September um 11:30 werde ich in Llano Chico abgeholt und fahr dann mit Gina, meiner lokalen Koordinatorin auch die etwas weiter entfernte Farm. Vorher brauch ich aber noch Gummistiefel und meinen Ausländerausweis. Aber das besorg ich Montag. Meine jetzige Gastfamilie und ich blicken diesem vorläufigen Abschied mit Trauer entgegen, da ich hier auf herzlichste empfangen wude und wir uns suoergut verstehen. Aber ich werde sicherlich öfters hier zu Besuch kommen.
Das wars erstmal von mir. Ich hoffe euch gehts auch gut!