Archiv für August, 2008

Die Seminare nehmen kein Ende…oder doch? – letzte Tage in Quito

Veröffentlicht in Up To Date am August 31, 2008 von paulnaglatzki

Das letzte Wochenende war weniger aufregende, den ganzen Samstag hab ich mit Jakob in Cumbaya verbracht, weil wir nichts besseres zu tun hatten und in Llano Chico wars echt zu langweilig. Also sind wir gegen Mittag nach Cumbaya und wollten in der Uni dann ins Internet. Wie gewohnt passierten wir die bewaffneten Officer, doch diesmal hielten sie uns an und fragten was wir denn hier wollten. Wir taten auf totale Uni-Neulinge, seien Austauschstudenten aus Deutschland und sprächen kein Wort Spanisch. Nach dieser überzeugenden Einlage ließen sie uns passieren, doch die Räume der Uni waren geschlossen. Geknickt verließen wir die Uni und gingen ins Internetcafé, was zwar auch nur 1 USD kostet, aber halt irgendwie scheiße war. Den Rest des Tages verbrachten wir durch die Einkaufspassage schlendernd in Cumbaya und trafen uns abends mit den anderen und fuhren mit einem nicht registrierten Taxi, was man eigentlich sein lassen sollte, zur Mariscal. Aber da unsere Verhandlungstaktik so erfolgreich war und wir einen Spotpreis von 6 USD aushandelten, war uns das letztendlich egal und wir blendeten die ganzen Horrorstories in nichtregistrierten Taxis von Überfällen über Vergewaltigungen bis hin zu Waffendrohungen aus. Wohl auf und in strömendem Regen chillten wir uns ins Winers, die Bar mit den Superpreisen und gingen später wieder mal in Bungalow. Der Barkeeper im Winers kennt uns bereits und wir werden jedes Mal mit Handschlag und einem kurzen Smalltalk begrüßt. Der von Weißen völlig überlaufene Bungalow ist mittlerweile echt stink langweilig geworden, zumal die Musik auch immer die gleiche ist. Dieses Wochenende geht es hoffenlich wo anders hin. Nach dem Abend setzten wir uns wie gewöhnlich ins Taxi, handelten zuvor einen Preis von 8 USD aus und fuhren Richtung nach Hause. Doch anscheind wusste der Taxifahrer den Weg nicht recht, wir jedoch auch nicht und da ja bekanntlich alle Wege nach Rom führen, ließen wir die sonst 30 minutige Fahrt etwas länger über uns ergehen. Als wir dann jedoch eine Stunde im Taxi saßen war uns das nicht mehr geheuer und wir fuhren durch Vororte Quitos, die uns total unbekannt waren. Der Taxifahrer hatte auch keinen Plan und wir fragten uns nachts um 4 bei besoffenen Partygängern durch und fanden nach 1,5h letztendlich doch nach Hause. Doch der Taxifahrer wollte nun 15 USD haben, weil er so lange gefahren wäre und wir doch den Weg wissen müssten. Eher uneinsichtig handelten wir ihn auf einen Preis von 12 USD runter und verließen das Taxi.

Für Sonntag hatte uns Kai aus Cumbaya Tickets für ein Fussballspiel besorgt. Es spielte die Truppe aus Quito, La Liga, im Vereinseigenen Stadion. La Liga ist die wohl bekannteste Mannschaft Ecuadors, da sie auch schon einmal beim Südamerikas Cup den ersten Platz gemacht hat. Mein erstes Fussballstadionerlebnis war also in Quito, bei einer Mannschaft die das Niveau einer 2. oder 3. Bundesligatruppe hat. Aber es war ein gutes Spiel, mit guter Stimmung und einem finalen Sieg von 2:1. Der Hinweg zum Stadion legten wir mit dem Taxi zurück, das war einfach und unkompliziert. Als dann nach dem Spiel alle aus dem Stadion drängten waren alle Taxis besetzt und wir beschlossen den Bus zu nehmen, doch in diesem Stadtteil kannten wir uns leider nicht mit dem Busnetz aus also zwängten wir uns mit den unzähligen weiteren Fans in einen der Trole-Busse und fuhren Richtung Heimtbusnetz und nach mehreren Umstiegen gelangten wir auch zum langersehnten Rio Coca, unserer Hauptanlaufstelle in Sachen Transport. Da Quito sehr schmal, aber jedoch unendlich lang ist gibt es 3 Hauptbuslinien von Nord nach Süd, die nach dem Prinzip der überirdischen U-Bahn fungieren. Die Querstraßen werden von unzähligen Bussen angefahren und es ist sehr schwer da noch den Überblick zu wahren. Aber man hat ja Zeit und ein Vermögen kostet eine Busfahrt ebenfalls nicht. Nach drei Stunden Busfahrt, für ungefähr 40km Luftlinie, erreichten wir dann Llano Chico. Da in der Woche zuvor mein iPod gestollen wurde, hatte ich auch keine Möglichkeit Musik zu hören.

Montag hatten wir dann unsere letzte Spanischstunde mit Spanischtest. Ich denke unsere Leherin war echt entäuscht von uns, da wir ziemlich schlecht abschnitten und jeder nur 40% richtig hatten, da keiner gelernt hatte. Trotz allem hatten wir viel aus em Unterricht mitgenommen, es war halt nur zu kompakt und ohne viel Zeit es anzuwenden. Die kommende Woche war ebenfalls neuen Freiwilligen, die ankamen und dem folgenden Infoseminar gewidmet. Da wir vier (Kai, Kai, Jakob und ich) schon vor einem Monat ausreisen mussten, zwecks Vorbereitungsseminar in Berlin und Bestimmungen des BAZ, waren wir völlig auf uns gestellt. Nach und nach flogen die 14 weiteren Freiwilligen am Anfang vergangener Woche ein; acht weitere Deutsch, zwei Schweizer, ein Belgier, eine Dänin, ein Ami und eine Finnin. Alle versammelten sich in einem Seminarhaus und auch wir vier alteingesessenen Zivis zogen für zwei Nächte ins Seminarhaus. Dort waren dann weitere Seminareinheiten hinsichtlich Sicherheit in Quito, Fortbewegung in Quito, politische und economische Situation Ecuadors, Reisen in Ecuador, Verhalten in den Familien und in den Projekten. Letzendlich war viel für uns vier überflüssig , da wir ja schon einen Monat hier lebten, aber naja. Einen Abend sollten die Freiwilligen selber gestalten und jeder sein Land in kleinen Gruppen vorstellen. Es war interessant, lehrreich und sehr lustig. Das ganze wurde auch von einer Tanzeinlage einer indigenen Ecuadorgruppe aufgepeppt und alle wurden animiert mitzumachen. Jakob und ich zogen ins Seminarhaus mit der Aussicht, endlich mal warm duschen zu können, doch auch dort wurden wir enttäuscht. Donnerstag wurden dann alle von ihren Gastfamilien abgeholt und wir vier fuhren jeder in sein Zuhause zurück. Es war die erste Nacht für die neuen Freiwillgen in ihren Gastfamilien. Freitag fuhren wir dann ins historische Zentrum von Quito und besichtigten ein paar der zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Unter anderem gingen wir auch in den Präsidenten Palast. Vor dem Palast fanden sich eine Demonstrantengruppe von geringer Zahl. Der am 28. September Wahlen anstehen und es einer Abstimmung zu einer neuer Verfassung mit mehreren 100 Gesetzen bedarf, gibt es groß Zerrissenheit im Volk Ecuadors. Der aktuelle Präsident Correa ist jung und will das kriselende Ecuador wieder in einen Aufwind bringen. Die Dollareinführung 2000 hat den sehr schwachen Sucre abgelöst, doch die Armut und die Schuldennberge nicht gelöst. Doch ob diese neue Verfassung es schaffen wird, ist ebenfalls fraglich. Zumal Gesetze in letzter Zeit auch ohne Volksabstimmung verabschiedet wurden. Um eine Wahlbetiligung zu garantieren gibt es eine indirekte Wahlpflicht. Denn ohne die Wahlbescheinigung der letzten Wahl kann man kein Konto eröffnen, keinen Rechtsanspruch erheben und auch sonst keine öffentliche Abwicklung machen.

Unglücklicher Weise hatte mich auch ein Virus meinen Notebook heimgesucht, nichts ging mehr. Nur ein blauer Bildschirm. Ich besorgte mir neues Windows und muss mich jetzt auf Spanisch durch meine neue Oberfläche klicken, was nur etwas gewöhnungsbedürftig ist, aber wenig geht alles wieder.

Am Samstag brachen alle Freiwilligen dann zu einer Tagestour nach Otavalo auf, einer Stadt 3h nördlich von Quito, wo jeden Samstag die indigene Bevölkerung aus ihren Andendörfchen kommen um dort ihr Sachen zum Verkauf anzubieten. Es sind unzählige kleine Ständchen, und wir schafften es nicht, innerhalb von 2h alles zubesichtigen. Die gesamte Innenstadt von Otavalo ist zugebaut mit Ständen. Verkauft werden handmade Ponchos, Hosen, Pullovers, Schals, Decken, Töpferwaren, Ketten, Hüte, Dekoartikel aus Materialen der Anden, landestypisches Essen und allerlei Kleinkram. Kai und ich wollten uns zwei waschecht Panamahüte „Jipijapas“ kaufen. Wir übten uns im Handeln, da sonst schnell Abzocke droht. So konnte ich den anfangs vorgeschlagenen Preis von 12 USD auf 7 USD schmälern. Andere kauften sich Taschen, Ponchos und Pullover und beherrschten das Handeln weniger gut. Nach dem Indigenenmarkt fuhren wir zu einem kleinen Ort mit einem Wasserwald in mitten eines Eukalyptuswaldes. Wir setzten uns in ein Restaurant aßen und tranken für 3 USD und machten uns danach auf den Fussmarsch zum Wasserfall. Schon von weitem hörte man das Rauschen, der herabstürzenden Wassermassen. Einige der Freiwilligen schlüpften in ihre Badekleidung und wir arbeiteten uns in dem angenehm kalten Wasser in Richtung Wasserfall vor. Es war vergleichbar mit einem Sturm aus Wasser, unheimlich laut. Doch es war unbeschreiblich, wie aus einem der Indiana Jonesfilme. Über uns fanden sich sogar ein paar Bergsteiger die sich in mitten der Wassermaßen abseilten. Bibbernd siegen wir aus den Wassermaßen und erkundeten die Umgebung, es war wie im Urwald. Gegen 4 saßen wir dann wieder im Bus und traten die 3h Heimreise an, zuvo kauften wir noch zwei Flaschen Zhumir, ein landestypisches alkoholische Getränk mit 22%, diese waren im nu während der Busfahrt leer. Also stoppten wir erneut und holten zwei weitere Flaschen, die ebenfalls nach kurzer Zeit leer waren. Gut angeheitert und mit viel Spaß verlief die weitere Busfahrt. Soviel zum Tripp nach Otavalo, Bilder gibts natürlich auch.

Mein endgültiges Abreisedatum nach Tabacundo, auf meine Farm steht nun ebenfalls fest. AM 2. September um 11:30 werde ich in Llano Chico abgeholt und fahr dann mit Gina, meiner lokalen Koordinatorin auch die etwas weiter entfernte Farm. Vorher brauch ich aber noch Gummistiefel und meinen Ausländerausweis. Aber das besorg ich Montag. Meine jetzige Gastfamilie und ich blicken diesem vorläufigen Abschied mit Trauer entgegen, da ich hier auf herzlichste empfangen wude und wir uns suoergut verstehen. Aber ich werde sicherlich öfters hier zu Besuch kommen.

Das wars erstmal von mir. Ich hoffe euch gehts auch gut!

Endlich Wochenende!

Veröffentlicht in Up To Date am August 23, 2008 von paulnaglatzki

So langsam geht meine Zeit in der Umgebung von Quito und bei meiner sehr liebgewonnenen Gastfamilie zu Ende. Der letzte Arbeitstag im Heim in Quito ist geschafft und die letzten Spanischstunden stehen am Montag ebenfalls vor der Tür. 30h Spanisch innerhalb zwei Wochen, ist echt viel, denn es fällt täglich sehr schwer in der letzten der drei Stunden noch die nötige Konzentration aufzubringen, um Subjunktiv, Vergangenheitsformen und Feinheiten des Sprachgebrauchs zu verinnerlichen. Am Montag wird alles mit einem allumfassenden Test abgeschlossen. Unsere Spanischlehrerin meinte, dass wir nun 70% der spanischen Grammatik beherrschen, doch daran zweifel ich noch stark.

Die vergangene Woche war ebenfalls sehr durchwachsen, was die Arbeit im Kinderheim der Fundación REMAR anging. Da wir als Freiwillige mehr oder weniger überraschend in das Überbrückungsprojekt reingerutscht sind, war nicht wirklich klar, was wir da eigentlich machen sollten. Es stellte sich herraus, dass vier weitere Freiwillige aus den Staaten, Kanada und Deutschland, unabhängig von uns, dort tätig waren und die sich schon ziemlich langweilten. Doch endlich schien eine Arbeit für uns gefunden zu sein….streichen. Das Ende der Sommerferien steht bevor und die Schulräume des Heims müssen hergerichtet und frisch gestrichen werden, da kamen die zahlreichen Freiwilligen genau richtig. Am Montag wurde beschlossen in der bevorstehenden Woche zu streichen, es wurde die nötige Farbe besorgt und wir sollten am nächsten Tag um halb 9 zum Streichen da sein. Wir waren halb 9 da, doch das ganze Heim schlief noch und die Chefin selbst kam erst gegen halb 10 und bis dann alles organisiert war, fingen wir um 11 an mit streichen. Doch es hat niemanden bis auf uns gestört, dass sich alles so hinzog. Es ist eben so in Ecuador und man sollte sich besser dran gewöhnen. In den nächsten Tagen versuchten wir, nur spärlich ausgestattet, zweifelt eine gerade Linie in Brusthöhe an der Wand des Raumes endlang zu ziehen. Es stellte sich die Frage: „How many Volunteers does it take to draw a straight line?“ Irgendwie schafften wir es dann zu sechst, doch hatten dann keine Farbe mehr, so verstrich Tag um Tag ohne das wir mehr tun konnten, als mit den Kindern zu spielen und unser Spanisch zu verbessern.

Das vergangene Wochenende verbrachten wir teils in der Umgebung von Quito, Cumbaya, und im Andendorf Papallacta. Freitag waren wir in der Uni von Cumbaya, da es dort PC-Räume mit kostenlosem DSL gibt. Eigentlich sind die Einrichtungen der San Francisco University der Öffentlichkeit nicht zugänglich, aber da wir wie ausländische Studenten aussehen und eine fremde Sprache sprechen, können wir an den Kontrollen ungehindert vorbei, die Uni betreten und uns frei übers Unigelände bewegen, theoretisch Vorlesungen besuchen und die PC-Räume nutzen.

Samstag hatten wir einen Trip in die heißen Quellen der Papallactas geplant. Ich lief früh um 9 runter zu Jakobs Haus und wir fuhren gemeinsam mit dem Bus nach Cumbaya und trafen uns mit den drei anderen FSJ’lern, den beiden Kais und Parviz. Parviz, ein FSJ’ler, der bereits ein halbes Jahr hier ist, ist mit der Zeit zu unserem Tour- und Partyguide geworden. Doch so richtig hatte er keine Ahnung welcher Bus nun in das ca. 150km entfernte Bergdorf fuhr. So stiegen wir in einen Bus der in die ungefähre Richtung unterwegswar, fuhren darin eine Stunde, bis er irgendwo im Niemandsland endete und wir 70km vor unserem Ziel ausstiegen und dann einen Shuttelbus erwarteten, wo niemand wusste ob es überhaupt einen solchen gäbe. Nach einer halbe Stunde kam er endlich, völlig überfüllt. Wir zwängten uns noch mit hinein. Die eineihalbstündige Busfahrt für $1.50 führte uns durch verschlungene Täler, an Landschaften und Bergzügen vorbei, die an Herr der Ringe erinnerten. Die Besiedelung wurde dünner und die Asphaltstraßen wechselten zu vom Regen aufgeweichte Schotterpisten. In der Nähe der heißen Quellen angekommen, stiegen wir aus dem Bus und überlegten, wie wir die letzten 5km zurücklegen sollten. Prompt bot sich ein PickUp an, uns für 50ctvs. mitzunehmen. Wir sprangen auf die Ladefläche und holperten über die steile Bergpiste im niesligen dunstigen Wetter den Wolken entgegen. Unterdessen kauten wir genüsslich supersüßes Gana, zu Würfeln geschnittenes Zuckerrohr. Endlich angekommen, zahlten wir $7 Eintritt und uns eröffnete sich eine Welt von tropischen Bäumen, vielen Quellbecken unterschiedlicher Größe und unterschiedlicher Temperatur. Dass alle sehr heiß waren, erschloß sich aus dem Dampf der aus allen empor stieg. Wir zogen uns um und nahmen eines der heißeren Becken in Angriff. Es war unbeschreiblich: der kühle Regen von oben, die Hitze aus dem Quellwasser von unten, die zum Greifen nache tiefhängende Wolken, die steilen unsumgebenden buschigen Felshänge auf denen Kühe grasten und das Rauschen des 4° kalte Fluss. Nach einer Stunde in den verschiedensten Becken kühlten wir uns in dem Sturzbach ab und kletterten, so gut es ging stromaufwärts, wobei unsere Füss im eisigen Flusswasser schnell blau anliefen und taub wurden. Nach dieser wechselwarmen Kur setzen wir uns ins Restaurant vor Ort und staunten nicht schlecht über die günstigen Preise. Wir schlugen unsere Mägen voll, doch als wir unsere Rechnung bekamen, fand sich das Essen fast auf unseren Tellern wieder, da die Preise der Speisekarte ohne Mehrwertsteuer (IVA) und ohne Servickosten aufgelistet waren und das ingesamt 30% ausmachte. Naja, etwas angenervt nahmen wir nach dem Essen die heißeste Quelle in angriff, in der wir vier Leute gerade mal Platz fanden. Länger als 30sek hielt es keiner darin bis zum Hals eingetaucht aus. Das schätzungsweise 60° heiße Wasser sprudelte direkt aus dem Berg ins mit Steinen eingefasste Becken. Nach zahlreichen weiteren Badegängen konnte ich endlich mal fast in Kopfhöhe richtig heiß duschen, ich glaube das war das erste Mal, hier in Ecuador. Gegen 4 traten wir völlig träge vom heißen Wasser den Rückweg an, fuhren auf der Ladefläche des PickUps zurück ins Dorf und stellten dort mit Erschrecken mit, dass kein Shuttelbus mehr fuhr. Nach einer Weile hielten wir einen Van-ähnlichen Transporter an und zwängten uns mit 12 anderen Badegästen ins Auto. Nach anfänglichen Anfahrtsschwierigkeiten am Berg kam der mit 16 Leuten belegt 12-Sitzer ins Rollen und wir wurden bis nach Quito mitgenommen. Am Abend besuchten wir eine der teuersten Discotheken der Stadt, das Van Gogh. Als wir dort ankamen, reihten wir uns in die ewig lange Schlange Einheimische ein. Einer der Türsteher schlendert kurz darauf zu uns herüber, wir redeten kurz auf ihn ein, er öffnete uns die Absperrung und wir traten an der Schlange vorbei in den Schuppen ein. Drinnen fing die Security ein belebtes Gespräch mit an, wo wir den herkämen, was wir hier machten und so weiter. Die $15 Eintritt sollten für den gesamten Abend genügen, das es an den Bars All-you-can-drink for free gab. Hier trafen sich nur die ecuadorianische Oberschicht und die besserbestückten Ausländer. Der gesamte Abend wurde von nervigem spanischen Reaggeton bestimmt. Es ist fast untanzbar und abwechslungsreich ebenfalls nicht, aber darauf stehen die Ecis halt. Gegen zwei setzten Jakob und ich uns in ein Taxi und fuhren für $6 nach Hause. Die anderen drei ebenfalls. Den Sonntag verbrachte ich in Llano Chico, bei einem der allwöchenendlichen Dorffesten. Die familiäre Stimmung wurde von indigenen Tänzen, viel Bier und Volleyballspielen angeheitert. Am späteren Nachmittag ging ich noch zu einem der vielen Fussballspiele. Die immer sehr angeheizte Stimmung auf dem Ascheplatz führt nicht selten zu Handgreiflichkeiten und ganzen Kloppereien.

Vergangenen Donnerstag waren wir dann bei Tato, einem der Mitarbeiter von unserer Organisation, eingeladen, er hat ein eine Pension in Cumbaya zusammen mit seiner Frau. Das Haus ist eine riesige supernoble Mansion in spanischem Stil, mit Innenhof, Indoorpool, riesigen offenen Wohnbereichen und vier Gästezimmern. Da dort im Moment keine Gäste wohnen konnten wir das gesamte Anwesen bestauenen und haben anschließend bei ausreichend Bier, das übrigens Pilsener heißt, die vergangenen Wochen ausgewertet und weiteres Interessantes über Land und Leute in Ecuador erfahren. Die Nacht schliefen wir in den Gästbetten und wurden dann am nächsten Morgen von Tato auf Arbeit gebracht. Falls ihr mal nach Ecuador, Quito kommen solltet, dann ist dort der beste Platz zu leben.

Abends dann wieder im heimischen Llano Chico angekommen, bekam ich eine regelrechte Festmalzeit vorgesetzt; Kartoffeln mit Hühnchen mit richtig viel Knoblauch und Curry. Es war einen willkommene Abwechslung, denn der tägliche Reis am Morgen und zum Abendbrot lässt einem den Appetit vergehen und sehr nahhaft ist das ebenfalls nicht, aber man gewöhnt sich dran. Ebenso wie man sich an die ecuadorianische Art gewöhnt, nach allem doppelt und dreifach gefragen zu werden. Aber das trainiert wenigstens meine Spanischkenntniss, alles doppelt und dreifach beim allabendlichen Zusammensitzen zu erzählen.

Irgendwie ist es schon komisch, jetzt die Familie die einen für einen Monat aufgenommen hat und die einem über die ersten Startschwierigkeiten hinweg geholfen hat, verlassen zu müssen. Da am Sonntag, Montag und Dienstag 14 weitere Volunteers eintrefen und werde ich dann, ab Dienstag in Quito beim Vorbereitungsseminar sein, dort auch schlafen und dann nur noch mal für vier Nächte zurück zu meiner Gastfamilie kommen und dann ab dem 2. September nach Tabacundo auf die Hacienda ziehen.

Morgen, Samstag, 23.8., wollen wir nach Lumbisi aka Dogtown, weil dort der aktuelle President Korea anlässlich einer neuen zur Debatte stehenden Verfassung eine Rede hält. Lumbisi ist bekannt für seine unzähligen aggressiven Hunde, denen man nachts ohne einen Stein in der Hand besser nicht begnegen sollte.

So, dass wars erstmal, etwas ausführlicher!

Viel Grüße nach daheim und an die anderen FSJ’ler, da draußen.

 

Ein „normaler“ Tag mit meiner Gastfamilie und auf Arbeit

Veröffentlicht in Up To Date am August 14, 2008 von paulnaglatzki

So langsam schleicht sich die Routine in mein Leben hier ein. Morgens zwischen 7 und 8 Uhr aufstehen, länger schlafen ist garnicht drinn da meine jüngste Gastschwester Gabi (7) bereits im Haus rumspringt. Aber man gewöhnt sich daran keine Tür zu haben und jeden morgen geweckt zu werden. Nach einer kleinen allmorgendlichen Frühsporteinheit, die einem in der Höhe ziemlich zu schaffen macht, gesell ich mich zu meiner Gastmutter, Martha (36), die bereits fleißig in der Küche das Frühstück bereitet. Zum Frühstück gehören Brötchen mit Käse, Marmelade, Mortadella, Milche und natürlich dem Jugo. Jugo ist ein Fruchtsaft der aus frischen Früchten ( Papayas, Ananas, Maracuja oder Tomates) zusammen mit Vollkornflocken, Wasser und Zucker im Mixer zu einer dickflüssigen, leckeren Vitaminbombe verarbeitet wird. Während des Frühstücks stoßen meist meine andere Gastschwester, Deyssi (14), mein Gastbruder, Marco (18), und mein Gastvater, Marco, dazu. Da bis zum 1. September Ferien sind, sind meine beiden Gastschwestern zu Hause. Doch in knapp zwei Wochen geht Deyssi in Collegio Technico, hier in unserm Dorf Llano Chico. Bei angeregter Unterhaltung am Frühstückstisch, komm ich meist mit meinen noch in den kinderschuh steckenden Spanischkenntnissen nicht mit. Oft kommen auch noch Verwandte und Freunde auf einen Smalltalk vorbei. Gegen halb 9 genieße ich dann beim Zähneputzen den Ausblick über die Vororte Quitos in der aufgehenden Sonne. Da die Temperaturen in den Nächten bis auf 10 Grad fallen, ist es morgens auch reltiv kühl. In der Kälte dann noch duschen kostet meist Überwindung. Wir haben zwar an unserm, in schulterhöhe angebrachten, Duschkopf direkt eine Heizspirale um das durchlaufende Wasser zu erhitzen, doch diese sehr fragile Kombination von Stromkabeln im Duschkopf mit Isolierband abgeklebt ist eher besorgnisseregend als erwärmend. Da das Ding sowieso kaputt ist, bleibt mir sowieso nix anderes übrig als jeden Morgen kalt zu duschen. Gegen kurz vor 9 laufe ich dann die Nebenstraße runter zu Hauptstraße wo die ganzen Busse fahren. Meist etwas früher verlassen mein Gastvater und mein Gastbruder, Marco und Marco, das Haus um auf Arbeit zu fahren. Beide arbeiten in Quito in einer Lackierei. Nach fünf Minuten Fussweg erreiche ich die Hauptstraße und halte einen der Busse, die im Minutenabstand über die löchrigen Straßen brettern, per Handzeichen an, steige ein und suche mir unter erstaunten Blicken der Indigenen, einen Gringo im Bus zu sehen, eine Platz um die 40-minütige Fahrt zum Busbahnhof Rio Coca in Quito anzutreten. Dort steige ich dann in den Ecovia, eine Art U-Bahn auf der Straße mit eigener Fahrspur und speziell angelegten Haltstellen, fahre weitere 20 Minuten, steige wieder um und fahre eine weitere halbe Stunde und laufe dann noch 500m zu meiner jetzigen Arbeitsstelle, einem Wohnheim mit angeschlossener Schule für Waisenkinder, ausgesetzte Kinder und teilweise ganze Familie. Dort treffe ich auch auf die anderen FSJ’ler aus Deutschland und wir helfen dort in den Einrichtungen und spielen mit den Kindern. Trotz der verschiedenen und meisten dunklen Vergangenheiten der Kinder bauen sie schnell Vertrauen auf und sind unermüdlich. Unsere Arbeit dort geht meist bis um 1, danach ist man körperlich total ausgelaugt und hungrig. Meist setzen wir uns in den nächsten Bus, fahren irgendwo hin um gut, hygienisch und billig für maximal 4 USD zu essen und fahren dann ins Büro unserer Organisation um dann um 3 mit dem Spanischunterricht zu beginnen. Oft sind Gina und Blanca, unsere Programmkoordinatoren von ICYE Ecuador VASE dort und gemeinsam werden dort Erlebnisse ausgewertet und Organisatorisches geklärt. Es ist ein sehr freundschaftliches und entspanntes Verhältniss zwischen FSJ’lern und Koordinatoren. Die anschließenden drei Stunden Spanisch sind zwar hart, aber wir lernen echt schnell und viel, vor allem Grammatikalisches. Man merkt regelrecht wie man täglich Fortschritte macht. Da es sehr sehr ähnlich zur französischen Grammatik ist, fällt es leichter sich die Zeitformen und Strukturen einzutrichtern. Ein weiterer Vorteil bietet die Gruppenstärke von nur vier Leuten. Gegen 6 schleppen wir uns dann mit brummenden Schädel in unsern Bus und fahren jeder zu sich nach Hause.

Während ich den gesamten Tag in der Stadt verbringe ist meine Gastmutter zu Hause, versorgt die Kinder, füttert unsere Tiere, geht einkaufen und schmeißt den Haushalt. Das Grundstück, auf dem das Haus steht, ist nur provisorisch abgezäunt, wie groß das wirklich ist, weiß keiner. Dort leben an Bäume angeleint drei ausgewachsene Schweine, mehrere Ferkel, einige Hühner, einige Hunde, eine Katze und mehrere karnichengroße Meerschweinchen. Letzten Sonntag gab es sogar Meerschweinchen zum Mittag. Frisch geschlachtet, ausgenommen, enthaart kam es gekocht und gebraten mit Kartoffel und Salat auf den Tisch. Schmeckt in etwa wie Karnickel. Nur zu empfehlen!

Wenn die Steinhäuser, Holzhütten und Müllberge im Bus auf der Nachhausefahrt an einem vorbeiziehen, geht man nocheinmal das neugelernt Spanisch durch um es nicht zu vergessen. Mit einem Gracias bedankt man sich am Zielort beim Busfahrer, drückt dem Kerl, der den Bus begleitet, 25 cent in die Hand und der Bus hält. Meist schon in der Einfahrt riecht man schon die Abendsuppe auf dem Gasherd köcheln. Zusammengemixt aus Kartoffeln, Linsen, Oregano und Hühnchen kommt sie dann kochendheiß auf den Tisch. Da die beiden Marcos erst später von Arbeit kommen, essen Martha, Deyssi, Gabi und ich meist schon vorher und ich versuche mit meinem gebrochenen Spanisch vom Tag zu berichten, was ich mit den Kindern gemacht habe, was es neues von den anderen FSJ’lern gibt und was wir neues beim Spanisch gelernt haben. Weiterhin sind sie oft sehr an Deutschland interessiert, wie ich dort lebe, wie unsere Kultur dort ist und was wir so essen. Durch das ständige Nachschlagen der Wörter habe ich bereites eine sehr enge Beziehung zu meinem Wörterbuch aufgebaut.

Da wir drei Schlafzimmer für sechs Leute haben und mein Gastbruder und ich jeweils ein Zimmer für uns haben, schlafen die Eltern und die beiden jüngsten Geschwister in einem Bett. Abends wird dort noch fern geschaut und ich versuche entweder die meist hirnlosen Witze der Novelas auf TeleAmzonas zu verstehen, schau mir eine der zahllosen schwarzgebrantes DVDs für je 1,50 USD aus dem Laden an der Ecke an oder lerne noch ein wenig Spanisch. Gegen halb um 10 schlaf ich dann meist in meinem Bett ein.

Da ich nur noch diese und nächste Woche in dem Wohnheim arbeite, werde ich auch nur noch drei Wochen hier in Llano Chico bei meiner jetzigen Gastfamilie wohnen. Ab dem 25. August kommen weitere Freiwillige aus den USA, der Schweiz und anderen Ländern. Dann haben wir fünf Tage Vorbereitungsseminar, in denen wir Quito und Umgebung erneut erkunden werden und ab dem 2. September werde ich dann in mein endgültiges Projekt auf die Hacienda, eineinhalb Stunden von Quito, ins Hochland nach Tabacundo ziehen.

Klingt vielleicht, als wär es jeden Tag gleich, aber irgendwie ist alles jeden Tag anders und man lernt neue Leute kennen und ist jeden Tag aufs neue von den Eci’s erstaunt.

Liebe Grüße,

-Paul

meine aktuelle Position

Veröffentlicht in Up To Date am August 11, 2008 von paulnaglatzki

Falls es wen interessiert, meine Position im Moment, bei Google Earth

Latitude. 0° 8′10.67″S

Longitude. 78°26′41.49″W

Gruss

Wusstet ihr, dass es am Äqutor keine Tornados gibt?!

Veröffentlicht in Up To Date am August 10, 2008 von paulnaglatzki

Da sich die Coriliskraft am Äquator aufhebt, entstehen keine Tornados, keine Hoch- und Tiefdruckgebiete und keine Strudel im Klo. Weiterhin ist man am Äqautor um circa ein Kilo leichter, auf Grund der steigenden Fliehkräfte und es ist der einzige Ort wo es Punkt 12 keinen Schatten gibt, da die Sonne genau senkrecht steht. Der Ausflug nach ‚Mitat del Mundo’ (‚Mitte der Welt’) brachte interessante Experimente mit sich.

Am Tag zuvor machten wir einen Ausflug auf einen Berg der Umgebung ‚El Teleferico’ auf 4051m. Da Quito bereits auf 2800m liegt fuhren wir mit der Seilbahn die restlichen 1200m mit der Seilbahn und stiegen dann nochmals auf eine Höhe von 4200m auf. Die smogreiche Luft in Quito macht einem bereits zu schaffen, aber in der Höhe ist jeder Schritt eine Qual. Man könnte denken, dass in dieser Höhe bereits Schnee läge, doch auf Grund der Nähe zum Äquator ist es nur ‚pulloverkalt’. Nach unserem Ausflug fuhren wir mit dem Taxi, nach Quito und schlugen uns die Mägen für angesetzte 7 USD am all-you-can-eat Buffet voll. Doch die veranschlagten 7 USD stellten sich schnell als Betrug heraus, das sollten wir da ganz besonders zu spüren bekommen. Da wir, als ‚Gringos’ (‚Weiße’) nur wenig Spanisch können, werden wir schnell zum Opfer gaunerhafter Abzocke. So wurden aus 7 USD schnell mal 11 USD, da sich die Konditionen wohl angeblich geändert hätten. Da blieb uns nix anderes übrig als einzulenken und einen Rausschmiss von den bewaffneten Türstehern zu umgehen. Ein anderes Mal, wo wir Abzocke zu spüren kamen war im Bus auf dem Weg nach Hause. Eine Busfahrt, egal wie lange und wohin kostet ohne umsteigen 25 cent, doch an diesem Abend verlangte der Fahrer 40 weil ich angeblich scho zu lange im Bus säße und dann der Preis stiege. Kein großer Verlust, aber trotzdem ärgerlich.

Endlich war auch nun mein zweites Gepäckstück angekommen und ich konnte endlich die Adapter benutzten und meine Cam aufladen. Als ich mein Laptop rausholte, konnte meine Gastfamilie garnix damit anfangen, sie wussten garnicht was das ist und auch die Digitalkamera kannten sie nicht und waren total erstaunt. Als ich dann auch noch meine Spielkarten auspackte war die 8 jährige Gabi total erstaunt und kam garnicht davon los.

Abends fuhren wir dann nach Quito, auf die Partymeile ‚Plaza de la Forche’. Mit Hilfe unseres alteingesessenen Freiwilligen Parviz suchten wir eine unscheinbare Hinterhofbar auf, die die beste Bar der Umgebung sein sollte. Wir schauten auf die Preisliste an, dann einander und fingen an zu lachen.

 

0,3l Cuba Libre          $1

0,3l Vodka Cola         $1

0,3l Caipirinhia           $1.50

0,4l Bier                      $1

 

Die Musik wechselte von spanischer Salsa, über Lloret de Mare – Fetenhits zu Elektro und House. Später erfuhren wir, das indigene Ecuadorianer 3$ Eintritt in die Bar zahlten und wir Gringos nix davon mitbekamen. Nach ein paar guten Cocktails machten wir uns auf den Weg in einen Club, der aber schon voll war. Es hatte sich bereits eine Schlange vor dem Club gebildet, wir liefen einfach an der Schlange vorbei, zahlten $4 Eintritt und waren drinn.

Um dann gegen 2 nach Hause zu kommen, handelten wir mit den Taxifahrern einen passablen Preis von $8 aus. Wir stiegn ins Taxi und für die Strecke vom ‚Plaza de la Forche’ bis zu uns nach Hause braucht man tagsüber circa 1h, da nachts jedoch keine Verkehrsregeln, keine Geschwindigkeitsbegrenzung (falls vorhanden), keine Ampeln gelten, waren wir bereits nach 30 min zu Hause.

Das wars soweit erstmal….

Liebe Grüße in die Heimat

-Paul

PS: neue Bilder sind jetzt auch hochgeladen

Adios Alemania!

Veröffentlicht in Uncategorized am August 6, 2008 von paulnaglatzki

Auch der letzte Seminartag der generelles Aufräumen, Restessen, Auswertung und die Verabschiedung von einander beinhaltete war dann überstanden. Da mein Flug wie auch einige andere Flüge jedoch erst auf den Folgetag gebucht wurden, habe ich mit fünf ‚Honduranern’, zwei ‚Brasilianern’ und einem ‚USA’ler’ noch für eine Nacht ein Hostel in Berlin bezogen.

Am Abend kamen meine Eltern und wir ging noch etwas essen und brachten den Nachmittag und Abend gemeinsam. Danach verabschiedeten wir uns, und obwohl es für mich nichts Neues mehr war, viel es mir letztendlich doch nicht allzuleicht mich für ein weiteres Jahr von meiner Familie zu verabschieden. Sie meinten auch eventuell mich um Weihnachten zu besuchen, aber ob das so klappt ist noch fraglich, *grins*.

Der letzte Abend auf deutschem Boden verlief vergleichswise ruhig und wir nahmen uns vor zeitig zu schlafen, doch ständiges Handypiepen und die Aufregung machte das Einschlafen fast unmöglich. 3.30, der Wecker klingelte, das Licht ging an und jedem Einzelnen im Zimmer war sofort bewusst was das bedeutete. Alles worauf wir die letzten Monate, Wochen, Tage und Stunden hingearbeitet hatten, nahm ab heute seinen Lauf. Gemeinsam mit den Honduraner puckelten wir unser Gepäck zur S-Bahnstation. Mit meinen 2x 22Kg und 10 Kg Handgepäck kamen mir die paar Meter wie eine halbe Ewigkeit vor. Doch letztendlich erreichten wir den Terminal in Tegel und ich verabschiedete mich von den Hondurasleuten und stieg um 6.30 in die Maschine. In Düsseldorf angekommen traf ich zufällig auf Moritz und Volker, die zuvor mit mir auf dem Vorbereitungsseminar waren und wir stiegen gemeinsam in den Delta Flug in Richtung Atlanta. In Atlanta hatten wir mehrer Stunden Aufenthalt und soltlen dann in unsere Reise in Richtung Quito fortsetzen. Doch der Flug wurde dann kurzfristig wegen Vulkanasche ueber Quito abgesagt und wir mussten nach langen Diskusionen an den Delta Lines Schaltern die Nacht im Hotel in Atlanta verbringen, da unser Weiterflug erst fuer 4 Tage spaeter angesetzt war. Ohne Gepaeck und voellig uebermuedet checkten wir im Hotel ein und wollten am naechsten Tag die Lage auf dem Airport checken und nach unserem Gepaeck sehen. Wir reihten uns am Folgetag um 9:50 an einen Schalter ein und es ging eine Ersatzmaschine um 10:00 und wir wurden alle 4 sofort auf diesen Flug gebucht, rannten durch die Kontrollen zu unserm weitentfernten Gate und sassen 10:10 im Flieger, so einen schnellen Check-In habe ich noch nicht erlebt. Da niemand von der Ersatzmaschine wusste, war sie fast komplett leer, die fuer 300 Leute ausgelegte Maschine war mit maximal 40 Leuten besetzt. In Quito, nach Customs und Imigration wollten wir unser Gepaeck abholen, doch es kam von uns 4 Leuten nicht einmal die haelfte des Gepaecks an. Auch ich hielt nur eine meiner zwei Taschen in den Haenden, wir gaben eine Suchanfrage auf, doch bis jetzt hab ich noch keine Tasche. Aber ich ich bin zuversichtlich dass sie morgen kommt. Von unseren Gastfamilien abgeholt und aufs herzlichste begruesst fuhr jeder fuer sich in sein neues Zuhause. Da meine Familie und Jakobs Familie kein Auto besitzt wurden wir von einem Mitarbeiter von der Organisation in unsere neue Heimat gefahren. Das Auto war von der Groesse eines VW Golf und wir sassen zu 12 darin, 8 auf der Rueckbank und 3 Personen vorne, ich dachte mich trifft der Schlag. Der naechste Schock folgte auf den Fuss als wir das Haus erreichten, dass sich in dem Slumaehnlichen Vorrort LLano Chico befand. Es ist ein Bungalow grosses Haus mit extra Klo/Duschzelle, fliessend Wasser gibt es nur von Zeit zu Zeit und der Strom faellt jedes Mal aus wenn der Kuehlschrank angeht. Schon ziemlich gewoehnungsbeduerftige Umstaende. Ein weiteres Problem stellt die Sprache da, den meine Familie kann kein Wort Englisch und ich kein Wort Spanisch spricht, hilft nur die Haende und Fuesse einzusetzten. Aber es geht…..irgendwie!

Okaz dass wars erstmal…hoffe euch allen geht es gut!

Liebe Gruesse

Mit gemischten Gefühls in die weite Welt…

Veröffentlicht in Up To Date am August 3, 2008 von paulnaglatzki

Der letzte gemeinsame Abend mit den Jungs geht nun zu Ende, er bestand aus einem sehr abwechslungsreichen Programm, die Krönung bildete jedoch das Länderessen, das von den einzelnen Ländergruppen zubereitet wurde. Es waren hauptsächlich Nationalgerichte, die jeden Geschmacksnerv trafen. Die Palette reichte von superscharfem Reis aus Singapur, Fufu, bestehend aus zerstampften Manjok, aus Togo, Junkfood aus den USA bis hin zu Köyvät Ritarit, das als eine Art Nachspeise fungierte, aus Finnland. Doch unser top-of-the-line Produkt, die Empanadas, waren am beliebtesten und einfach nur der Wahnsinn. Empanadas sind mit Hackfleisch gefüllte, fritierte, Teigtaschen. Während der Kochzeit waren keine Teamer anwesend und in den drei Küchen herrschte ein heilloses Durcheinander, dass zu Will Smith und anderen Hip Hop Giganten ihre Künste auslebten. Ich glaube soviel Spaß am Kochen werden wir so, selten wieder haben. Der Abend klang mit einem Videomitschnitt unserer World of Trade Welthandelssimulation aus. Einige verabschiedeten sich bereits, da sie bereits heute oder in der Frühe morgen abreisen werden. Es war ein erleichterndes Gefühl noch nicht dazuzugehören, doch die Stunden sind gezählt und ich freu mich riesig.

Wie im voherigen Blog erwähnt erwartete uns Donnerstag ein Experiment, das darauf zielte uns in unserer Arbeit als Freiwilliger auf unentgeltliche Arbeit einzustellen. Die Aufgabe bestand darin eine Stunde ehrenamtlich irgendwo in Berlin zu arbeiten. Einige wurden von auf Grund fragwürdiger Ausreden sofort abgelehnt. Der Felix, der Michi und ich fragten uns jedoch bis einem Freizeitzentrum durch und spielten mit mehreren kleinen Kindern auf einem Spielplatz. Die Betreuer waren total perplex und wollten uns partout nicht abnehmen dass wir so unentgeltlich machen, freute sich jedoch letzendlich doch darüber.

Gestern, Freitag, hatten wir den gesamten Vormittag frei. Der freie Tag war extra zum Wäsche waschen geplant und so stümten ca. 40 Kerle mit der Wäsche einer Woche den SB-Waschsalon um die Ecke und verbrachten da beinahe den gesamtn Vormittag. Ein Autounfall direkt for den Türen des Salons ließ die Zeit jedoch wie im Flug vergehen. Da das Wetter in den letzten Tage eher kühler wurde, entschlossen wir uns den heutigen Nachmittag im Park zu verbringen. In einem Hinterhof einer Schule spielten wir Fussball, Baskettball und Bad Minton.

Over all hat sich das Seminar als positver als anfangs Gedacht herraus gestellt. Ich hätte nicht gedacht das 60 Kerle so gut klarkommen, aber es wahr einfach ein klasse Teilnehmerfeld und ein klasse Team. Es war eine super entspannte und vertraute Atmosphere während des gesamten Seminar. Der Tag war anstrengend heute und die nächsten Tage werden wohl ähnlich. Ich hoffe es geht alles glatt und alle kommen gut in ihren Gastländern an und dann wünsch ich uns alles ein schönes Jahr.

Da das jetzt hier der wahrscheinlich letzte Eintrag vor meiner Abreise sein wird will ich mich nochmal bei allen bedanken die mir diese Tür zu einer neuen Welt geöffnet haben, insbesondere meiner Familie und meiner Freunde. Viel Glück in eurem kommenden Jahr wo auch immer ihr sein werdet.