Neue Freiwillige, interkulturelle Kochexperimente und anstrengende Farmarbeit

So langsam habe ich mich an die neue Umgebung, den Arbeitsaltag, die Arbeiter und die Farmarbeit gewöhnt. Die Aussicht auf ein ständiges Kommen und Gehen neuer Freiwilliger macht den Alltag abwechselungsreich. Am Sonntag nach meinem letzten Eintrag hatte ich mir das Ziel gesetzt die Vulkanseen Lagos Mojandos zu erklimen. Ausgeruht, bei gutem Wetter machte ich mich gegen 9 auf den Weg. Man mag es kaum glauben aber die ganze Farm ruhte noch. Vorbei an riesigen Blumengewächshäusern aus Plastigfolie, umzäunt von 7m hohen Bambuswindfängen, Pferderanchen und Eukalyptuswäldern legte ich die erste Stunde zum Fuss des Berges zurück. Danach begann der ällmähliche Aufstieg entlang der sich in Serpentinen schlingenden Schotterstraße. Ab und zu flogen PickUps in Richtung Gipfel an mir vorbei. An beschwerlichen Stellen zögerte ich kurz, nicht doch bis hinauf zu trampen, denn nach knapp drei Stunden wurde jeder Schritt schwere. Die zunehmende Höhe machte mir ebenfalls zu schaffen, ich passierte einige Schilder auf denen die Höhen eingraviert waren. Als ich dann jedoch nach 4h mit zwei fuenfminuetigen Pausen am Kraterrand angelangt war, eröffnete sich ein ungeahnter Blick, der für alles entschädigte. Ein seelenruhiger See umzäunt von steil abstürzenden, beängstigenden Felswaenden zu zwei gegenüberliegenden Seiten, von dicht bewaldeten Abhängen zur anderen und in eine weit auslaufende Feuchtwiese zur vierten Seite. Abegschottet, zwischen den Felswänden hingen dichte Wolkenfetzen, die eine Art Mikroklima bildeten. In den 4000m Höhe war es mächtig kalt, nur mit einer dünnen Jacke bekleidet begann ich in dem eisigen Wind bald an zu frieren. So beschloss ich nicht die schmale Straße des Kraterinnenhangs zu nehmen um an den Rand des Sees zu gelangen, da ich genau diese Straße wieder bergaufnehmen hätte müssen. Nach einer Mittagspause trat ich den Rückweg an. Doch wirklich Lust auf den dreistündigen Abstieg hatte ich nicht. Also Daumen vor dem nächsten PickUp raus. Der recht junge Fahrer hielt und ich sprang auf die Ladefläche, durchgeschüttelt, aber denoch entspannter als nach einem Fussmarsch gelangten wir nach einer halbe Stunde ins Tal und ich fand meinen Weg nach Hause.

Am vergangenen Montag ist auch die letzte Australierinnin abgereist. Doch es waren ein Päärchen und ein 23-jähriger Engländer angekuendigt, die kurz nach Mittag eintrafen. Ich musste an diesem Tag das erste Mal für mich allein kochen, doch zum Glück fand sich ein junger Ecuadorianer auf der Farm, der fürs Probearbeiten gekommen war und stand mir beim Kochen von Reis und allerlei Gemüse zur Seite. Das Päärchen aus Australien und Simon aßen während dessen bei einer der Familien der Farm. Am Nachmittag hatten sie bereits ihre ersten vier Spanischstunden, ich verbrachte die Zeit weitaus sinnvoller im Gemüsegarten beim Herumkarren von Kuhscheiße. Dienstags ist Erntetag, doch leider gab es nicht allzuviel im Garten zu ernten. Neben ein paar Zuchinie fanden sich Radischen, Kopfsalat, Koriander, Rosenkohl, Rotkraut und Blumenkohl. Nach zwei endlosen Stunden im Erbsenfeld war dann auch endlich wieder Mittagspause in der Simon und ich uns um unser Essen Gedanken machen musst. Und was sollte es anderes geben als Reis und Gemüse. Also ab in den Garten. Nachmittags, während sich die anderen mal wieder mit Spanisch abquälten, machte ich mich auf den Weg nach Tabacundo um uns eine etwas abwechslungsreichere Kost zu bieten. Tomaten, Nudeln, verschiedenste Gewürze, Brötchen und tropische Früchte sollten die kommenden Mahlzeiten anreichern. Nach einem kurzen Stop im Internetcafé genemigte ich mir einen sogenannten Choclo, einem gegrillten Maiskolben mit indigener Soße und Butter, führte ein bischen Smalltalk mit den Indigenen. Da mich Stuart Tage zuvor schon in die wichtigsten Tante-Emma-Läden geführt und mich vorgestellt hatte, kannten mich einige Ladenbesitzer bereits. So auch der Obst- und Gemüsehändler Alonzo, das war mein letzter Stop in Tabacundo. Von ihm erfuhr ich ebenfalls welchen Bus ich in Richtung Picalqui Farm nehmen musste. Aufgrund von Bewässerungswasserengpässen im Moment galt es am Donnerstag den künstlich angelegten Bewässerungsgraben vom Fusse des Berges Mojando bishin zur Farm zu reinigen und freizulegen. Mit Machete, Spaten und Hacke bewaffnet machten wir, ein paar Indigene und ich, uns auf den Weg. Wir bahnten uns unseren Weg durch dichtes Unterholz und meterhohes Gras und schafften es letztendlich doch das ausgewaschene Bachbett freizulegen. Nach dem Mittag bereitete ich den Teig für Empanadas vor, die es zum Abend geben sollte. Danach arbeiteten wir in einem der riesigen Kartoffelfelder. Da es keine Maschinen gibt muss jede einzelne Pflanze mit Hilfe des Azadons, ein spatenähnliches Feldwerkeugs, mit Erde anghäufelt werden. In der knallenden Hitze, auf 3000m Höhe in steinhartem, ausgetrockenten Boden herum zu hacken, ging ziemlich auf den Rücken und verhalf uns zu Blasen an den Händen. Doch der Nachmittag sollte mit einem Ausflug in die Stadt belohnt werden. Wir stiegen gegen 4 in den Bus. Ich fragte den Busfahrer audrücklich ob der Bus nach Tabacundo fuhre. Er nuschelte etwas vor sich hin und nickte. Doch der Bus fuhr nicht nach Tabacundo sondern nur daran vorbei. Ich fragte erneut und er meinte das wir schon lange daran vorbei wären. Wir stiegen aus, nachdem er uns 50ctvs. abknöpfte, wo doch eine normale Busfahrt nur 15ctvs. kostet. Angenervt stiegen wir in einen Bus in die entgegengesetzte Richtung und ereichten doch noch unser Ziel. Ich zeigte den drei neuen Freiwilligen die Stadt bis wir im Internetcafé hängen blieben. Kurz vor Dunkelheitseinbruch, gegen kurz nach 6, waren wir dann Zuhause. Wir bereiteten die Empanadas, gefüllte Teigtaschen, mit Tomate-Brokkolli-Füllung als Hauptgang und zum Nachtisch Empanadas mit Bananen-Himbeer-Füllung zu. Ohne jegliches Rezept, mit Augenmaß und einigem rumexperimentieren gelangen sie recht gut.

Am Donnerstagmorgen stellte ich mir den Wecker bereits auf um halb sechs um etwas Milch fuer Muesli zu melken. Eigentlich ist es nicht schwer Milch zu melken, nur die gesamte Menge von bis zu 6l aus der Kuh herrauszuquetschen ist schon ein Kraftakt und bearf viel Uebung. Ohne die Hilfe von einer der Farmbewohnerinnen wuerde ich noch heute an der einen von sechs Kuehen sitzen. Waehrend der folgenden Arbeit in der Farmeigenen Baumschule, oder auch ‚Vivero’ genannt, erfuhr ich einiges Interessantes. Es gibt in der Baumschule ca. 120 000 junge Baeume aller Art. Von Zypressen, Palmen uber Linden, Eykalyptusbaeumen bis hin zu Agavenstraeuchern und Bambusarten ist alles dabei. Die Baumschule hat einen Vertrag mit der Kommune, nach dem  jedes Jahr im Dezember fast alle Pflanzen von der Stadt Tabacundo und Otavalo fuer durchschnittlich 25ctvs. pro Stueck aufgekauft werden. Ein Arbeiter ist vollzeitbeschaeftigt und ander Arbeiter werden aushilfsweise eingestellt. Es ist jedoch ein recht langweiliger Job, da jeder Handgriff der gemacht werden muss 120 000mal wiederholt werden muss – das fuehrt zu einer stupiden, endlosen Beschaeftigung.  Von Zeit zu Zeit springt mal ein Frosch zwischen den Pflanzen rum, aber das wars auch schon. Nach 2500 Baeumchen,soviel passen in eine Pflanzeinheit, fragt man sich dann schon, ob man seine Zeit nicht auch sinnvoller verbringen kann. Aber irgendwann gelangten wir auch da zum lang ersehnten Ende. Als ich  dann zum Volunteershouse zurueckkehrte, entdeckte ich mit entsetzen, das sich unsere hauseigene Maus, Chester, durch meinen Sportrucksack gefressen hatte, um an das darin, in Plastikfolie eingeschweisste Brot zu gelangen, welches ich am Tag zovor dort vergessen hatte. Das Resultat: ein fuenf Zentimeter grosses Loch in meinem Rucksack, ein 500g Brot verschwunden und eine wahrscheinlich zufriedene Maus.

Das Wochenende wollte ich dann in Quito, in der Traumvilla von Tato verbringen. Da die Busse in Richtung Quito Freitags jedoch uebermaessig voll sind, empfohl mir Stuart schon gegen halb 3 loszufahren. Gesagt, getan. Ich arbeitete bis zum Mittag noch im Garten. Es war unerwartet heiss, die Sonne knallte und ich habe mir einen Sonnenbrand, trotz Sonnencreme, geholt. Nach dem Mittag stieg ich in den Bus nach Quito, er war, entgegen meiner Erwartung, ziemlich leer. Nach 1,5h Busfahrt erreichte ich die Vortorte von Quito. Doch ich war noch lang nicht an meinem Ziel. Ich musst naemlich in einen andere Vorort auf die andere Seite von Quito, also steg ich um und fuhr zum Rio Coca, der Hauptanlaufstelle in Sachen Buss. Es war ein heimatliches Gefuehl, das mich dort ueberkam, als ich dort ankam. Ich sah auch seit langem mal wieder ein paar Weisse auf den Strassen rumlaufen. Endlich dann nach einer weitere Busfahrt in Cumbaya angekommen, quartierte ich mich in Tatos Haus ein. Wir bestellten Pizza, sassen, assen und erzaehlten. Spaeter stiess Jakob aus seinem verranzten Llano Chico zu uns. Spaeter trafen wir uns mit den anderen Volunteeren und fuhren auf Party in die Mariscal. Samstag schlief nach der anstrengenden Woche erstmal aus.

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