Archiv für November, 2008

Schneeballschlacht im Eci-Land!? Am Äquator?!

Veröffentlicht in Up To Date am November 24, 2008 von paulnaglatzki

Voller Enthusiasmus bin ich nach Quito gefahren um mir das Spiel, England gegen Deutschland anzuschauen. Zusammen mit Stuart suchten wir eine Bar auf, und trafen ein paar von Stuarts Englandkumpels. Leider löste sich der anfängliche Enthusiasmus auf und wandelte sich in Gliechgültigkeit um, da es ja eher unglücklich für die Schwarz-Weißen ausging. Schnell noch zum Frisör, was sich als Disaster herrausstellte. Während des 3-Dollar-Schnittes schaute die Tante fleißig TeleNovela als ihr angebliches Kunstwerk fertig war und ich nach etwas Gél fragte, klatschte sie mir die Dose vors Gesicht und ich konnte das Schlimmste mit etwas Gél kaschieren. Am Freitagmittag brachen wir, via Quito, nach Riobamba auf. Gegen 8 angekommen und im Hotel eingecheckt, trafen wir uns mit Simon, Hayley, einer Ex-Freiwilligen von der Farm aus Guayaquil, und ihren anderen Freunden. Simon war die vorangegangene Woche an der Küste umhergereist, nachdem er die Farm endgültig verlassen hatte. Abends gingen wir auf Erkundungstour der 160.000 Einwohnergroßen Stadt. Unglücklicher Weise war die Polizei gerade auf der Jagd auf Jungendliche ohne Ausweis. Willkürlich wurden zwei von uns ahnungslosen Opfern geschnappt und in einen Bullenbus gesteckt, nachdem der ganze Rest der Gruppe auf die Uniformierten einredeten, lenkten sie ein und gaben den Weg aus dem Bus frei.

Am nächsten Tag, wollten wir zum höchsten Berges Ecuadors, Chimborazo, 6310m. Ein Taxistunde von Riobamba entfernt und nur mit einem Taxi erreichbar, stellten allerdings für unsere 13köpfige Gruppe ein Problem dar, da wir uns in einem Camionetta, PickUp-Taxi, uns zum Fuss des Riesen schofieren lassen wollten. Nach einstuendigem Suchen fanden wir einen beplankten PickUp mit 3 Schweinen auf der Ladefläche, diese wurden kurz verladen, etwas ausefegt und wir sprangen auf und machten uns auf den Weg. Hinaus aus Riobamba, durch Paramo Landschaft und allmaehlich bekamen wir auch die Höhe zu spüren. Der wolkenverhangen Himmel gab nur ab und zu den Blick auf den schneebedeckten Gipfel frei. Die Graslandschaft wurde von Geröll- und Steinwüste abgelöst und unser Fahrer setzte uns beim ersten Basislager auf 4900m ab. Leichte Schwindelgefühle und wacklige Beine machten mir anfangs zu schaffen, doch schnell hatte ich mich daran gewöhnt und wir machten uns auf den Weg zur Scheegrenze auf 5100m. Nach einer Schneeballschlacht und rutschten wir auf unseren Schuhsolen die vereisten Hänge zurück zum Basislager. Der Rückweg war weniger spaßig, da wir alle durchnäßt und durchforen waren und der eisige Fahrtwind uns auf der Ladefläche ins Gesicht bließ. Am Sonntag ging es bereits um 6 mit dem Bus weiter Richtung Süden. Nach 2h Fahrt erreichten wir den Bahnhof in Alausi, eine der letzten Eisenbahnstrecken in Ecuador, die nur noch touristisch-historischen Wert hat und sich durch das Tal des Rio Bamba bis zu einem Felsen, der Teufelsnase, schlängelt. Die Fahrt auf dem Dach der Diesellok ist alles andere als langweilig. Die ursprüngliche Strecke wurde von Eloy Alfaro ins Leben gerufen und begann in Quito, schlängelte sich Richtung Süden über Riobamba, bis an die Küste. Es war ein Fortschritt in Technik, der viele Arbeiter beim Bau das Leben kostete. Die 8-Dollar teure Fahrt wird jedoch nur noch von Touristen genutzt, und dementsprechend hoch ist die Abzockrate. Nach der zwei-stündigen Fahrt bummelten wir über den Markt und macheten uns allmählich auf den Rückweg nach Riobamba und via Quito, wieder auf die Farm.

Urlaubsfeeling trotz Wolken und Regen an der Küste

Veröffentlicht in Up To Date mit Tags am November 20, 2008 von paulnaglatzki

Der letzte Blogeintrag liegt nun schon eine Weile zurück, 2? 3? Wochen? Der letzte Eintrag endete mit einer Vorschau auf den Trip nach Cuenca. Wie geplant fuhren wir am Donnerstagnacht mit einer der besten Busgesellschaften Ecuadors, Panamericana, 10h in den Süden Ecuadors nach Cuenca. Kein Problem bei der Beinfreiheit und den Sitzen, die Betten ähnelten. Bei strömendem Regen am nächsten Morgen angekommen, bezogen wir das zuvor gebuchte Hotel. Da dieses Wochenende, auf Grund der Fiestas, gerade Hochsaison war, wurden die Preise auf das Doppelte angezogen. Für ein Zimmer für uns 5 bezahlten wir horende 60 USD pro Nacht. Tagesüber machten wir Trips in die Umgebung und sahen uns die Stadt an, besuchten den berühmtesten Hutmacher Ecuadors mit einem angschlossenen Hutmuseum, dort werden die berühmten, in mühseeliger Handarbeit gefertigten, Panamahüte für bis zu 120USD verkauft. Abends wollten wir dann an den „Festivos“ teilnehmen, doch so richtig gab es weder Umzüge noch Paraden noch Staßenparties. Auf Grund von Regen wurde dann auch noch die Hauptparade abgeblasen. Trotz dessen liessen wir uns das Wochenende nicht vermiesen und besuchten die zahlreichen Bars und Discotheken mit guter europäischer House- und Dancemusik, zu ebenfalls stolzen europäischen Eintritts- und Barpreisen. Nach einem partyreichen Wochenende trennte sich unsere Gruppe aus 5 Deutschen. Parviz und Ich machten uns auf den Weg nach Montanita, einer kleinen Küstenstadt, berühmt für die Wellen und den schönen Strand. Die andern 3 wollten keine kostbaren Urlaubstage verschwenden und machten sich auf den Weg zurück nach Quito. Wir machten uns ein paar schön Tage in dem ausgestorbenen, sonst lebhaften, Touristenort, mieteten uns ein Surfboard und versuchten auf eigene Faust für 3 Tage die 3m hohen Wellen zu bezwingen. Einige Male klappte es auch, aber es ist unglaublich anstrengend und man bekommt die wirkliche Power der Welle zu spüren. Donnerstag Abend verließen wir die Küste und machten uns mit einem weiteren Nachtbus auf den Heimweg nach Quito. Freitag erledigte ich ein paar organistorische Dinge, brachte meine Kamera zur Reperatur, traf mich mit meiner Koordinatorin und genoß das schnelle Internet in Quito. Am Abend gingen ein paar Freunde und ich ins Kino und sahen uns den neuen Bond, Quantum of Solace, an. Am Samstag fuhr ich dann wieder nach Hause und genoß die Ruhe für den Rest des Wochenendes, da alle anderen der Freiwilligen von unserer Farm in Quito waren. Die folgende Woche war unerwartet Abwechslungsreich, da zusätzlich zu zwei Italienerinnen und eine Japanerin, ein weiteres Ehepaar aus Australien die Farm für eine Woche aufsuchten. Zu 8 erledigten wir Dinge schneller und hatten mehr Zeit, weitere kleine Gewächshäuser zu bauen und einen mobilen Hühnerkäfig zu konstruiren. Am Mittwoch fuhren Alex, Simon und ich mit Stuart in eine Kommune, Peribuela, in der Nähe von dem Berg Cotacachi und besuchten Stuarts Freiwilligenprojekt für CO2 Reduzieren. Mit Hilfe von Spendengelder hat er in mitten von dichtem Urwald eine Baumschule etabliert und bepflanzt nun gerodete Fläche mit Bäumen um den Urzustand wieder herzustellen. Wir wanderten in den endlosen Urwäldern umherr, bahnten unseren Pfad mit Macheten durch das Unterholz und gelangten zu einem Wasserfall. Weiterhin pflanzten wir neue Bäume und nahmen Maß an den bereits gepflanzten Bäumen. Am folgenden Tag war Stuart mal wieder in Quito um allerlei Papierkram für unsere Organisation zu erledigen und wir arbeiteten im Garten mit einer Ecuadorianerin und stellten BIOL, einen natürlichen Flüssigdünger, her. Wir mixten allerlei Kuhscheiße mit kleingehackten Pflanzen, Hefe, Zucker und ein paar Sulfate. In ein paar Tagen ist die Mixture fertig und kann im Garten verteilt werden. Das folgende Wochenende war das letzte für Simon, während seines 10wöchigen Aufenthalt waren wir sehr gute Freunde geworden, haben sehr viel unternommen und es war schon etwas traurig, Abschied von ihm zu nehmen. Als Abschiedsparty machten wir eine italienisch Nacht, mit typischer italienischer Musik und typischer Kleidung, soweit es ging. Wir luden ein paar Freunde ein und waren am Ende 13 Personen. Jeder sollte ein italienisch typisches Gericht zubereiten. Dies Idee führte dazu, dass wir soviel Zuessen, dass wir aus allen Nähten platzten. Wir begannen mit Lasagne, gingen über in vegetarische Lasagne und darauf Pasta, Simon und ich machten Risotto. Alex versuchte sich an der Zubereitung von Gnokki, was sich als sehr langwierig und nicht ganz leicht herrausstellte. Nach 3h hatte er dann eine Hand voll für jeden zubereite. Nach zwei weiteren Pizzas wurde alles dann von einem Tiramisu auf Himbeer-Sorbée gekrönt. Alles in allem ein gelungener Abschied für Simon, zufrieden rollten wir in unsere Betten, da wir alle am nächsten Tag um 6 aufstehen wollten und ein Teil von uns das Wochenende in Otavalo verbringen wollten, und Simon und ich eine Ex-Freiwillige, Jenny, von der Farm in Intag besuchen wollten. Intag ist eine Provinzregion in einem Andenausläufer nördlich von meiner Farm der zur Küste hinab abfällt. Nach einer 2h Busfahrt durch tiefsten Hochwald gelangten wir in die 300 Seelengemeinde Pucara auf 2000m Höhe. Jenny hatte für uns eine Familie gefunden, bei der wir übernachten konnten uns fütterten und uns auf herzlichste Willkommen hießen. Nachdem wir kurz eingecheckt hatten, machten wir uns auf den Weg in die Zuckerrohrfelder, wo die Rohzuckerherstellung vom landestypischen „Panela“ gerade in vollem Gange war. Die geernteten Zuckerrohrstangen werden ausgepresst und der Saft solange aufgekocht, bis der größte Teil des enthaltenen Wassers verdampft und einen zähflüssige Maße entsteht. Diese wird in Halbkugeln gegossen und kühlt aus.Danach in Rohzuckerblättern eingewickelt, und ist fertig zum Verkauf. Die Herrstellung von circa 40 Halbkugen dauerte den ganzen Tag, während des langwierigen Abkochens werden immerwieder Proben genommen und mit Puntas, einem 80% Schnaps, angemischt und abgeschmeckt. Die 5 Brüder, Besitzer der Manufaktur, waren bereits seit um 4 auf den Beinen und ziemlich Gut im Strom mit ihren halbstündlichen Kurzen. Am Abend besuchten wir dann das Dorfspektakel der Hahnenkämpfe. Ein buntes Treiben, bei dem die bis zu 1000USD teuren Hähne bis zum bitteren Ende gegen einander kämpfen und der Sieger mit den Gewinnen der Bieter zufrieden nach Hause gehen. Die meist blutigen Ausgänge der Kämpfe, sind oftmals weniger schön anzusehen, aber die Begeisterung bei den Ecuadorianern umso größer. Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg in die nahegelegenen heißen Quellen, Nangulvi. Bei 65°C heißen Wasser ließen wir uns die Sonne auf den Pelz scheinen und sprangen zur Abkühlung ins eiskalte Flusswasser. Gegen Mittag mussten wir das Dörfchen auch schon wieder verlassen, da es gute 3h dauerte um wieder nach Hause zu kommen. Da der Hinweg, aufgrund des überfüllten Buses, weniger interessant war, entschlossen wir uns zurück zu trampen. Als bald fanden wir einen LKW mit leerer Ladefläche, der uns anbot bis nach Otavalo, Ausgangspunkt für den Nachhausweg, mitzunehmen. Der Weg schlängelte sich durch Hochwälder, vorbei an Wasserfällen und kleinen einzelnen Hütten. Das Wetter schlug, wie in Ecuador üblich, schlagartig von strahlendem Sonnenschein in strömenden Regen um, was nicht weiter störte, da der LKW mit einer Plane abgedeck war.nach guten 3h Fahrt kamen wir in Otavalo an. Da es Simons letzte Tage waren, verabschiedeten wir uns, da er in Richtung Norden aufbrach und ich runter nach Süden, zurück auf meine Farm, fuhr. Die folgende Arbeitswoche begann gleich mit einem Kraftakt ->Kartoffelernte<-. Es galt 4 Reihen zu ernten und diese dann in den 250m entfernte und 20m höher gelegenen Schuppen zu verfrachten. Ausbuddeln und Eintüten – kein Problem. Aber dann die 50kg schweren Säcke auf dem Rücken hinaufzutragen, war weniger entspannend. Nach 2h schweißtreibenden Schleppens befanden sich alle 12 Säcke dann an ihrem Betsimmungsort.

In den kommenden Wochen ist das Freiwilligenhaus nun etwas dünn mit Freiwilligen besiedelt. Dies gibt etwas Zeit sich mehr mit den Farmarbeitern anzufreunden und das Spanisch zu verbessern. Trotz allem bleibt der Wille, jeden Abend etwas Spanisch zu lernen, eine Ilusion. Morgen fahren Alex, Stuart und Ich dann nach Quito um uns das Freundschaftsspiel: England vs. Deutschland anzuschauen.