Archiv für Dezember, 2008

Endlich…..mein eigenes Zimmer!

Veröffentlicht in Up To Date am Dezember 22, 2008 von paulnaglatzki

Trotz des bereits vergangenen vierten Advents und krampfhaften Versuchen, sich endlich weihnachtlich einzustimmen, bleibt die vorweihnachtliche Gemütlichkeit völlig aus. Die Tage werden von Mal zu mal grauer und es regnet nun schon fast jeden Tag ab Mittag. Da hilft auch die Krone einer überdimensionalen Konifere aus dem Wald nicht, die wir niedergemacht haben und nun als Weihnachtsbaum im Haus von Stuart ihre Dienste leistet. Während der letzten Wochenende ist weniger spannendes passiert, hauptsächlich war ich in Quito und habe dort was mit den Leuten gemacht. Paintballspielen war da nur ein Highlight. Auf einem winzigen Platz mit aufblasbaren Hindernissen Paintball spielen. Für 17 Dollar konnten wir 2h spielen, bekamen 300 Schuss, jeder, und die Ausrüstung gestellt. In der brühtenden Hitze waren wir alle bis auf die Haut durchgeschwitzt. Mein langwirieger Zimmergefährte Alex ist nun auch nach Hause gefahren.  Er ist seine Familie für zwei Wochen in den Staaten besuchen und wird am zweiten Januar wieder zurückkehren. Aufgrund dessen, haben wir am vorletzten Sonntag einen Weihnachtsabend mit Stuart, seiner Lebensgefährtin und Carren, einer Freiwilligen aus England, die hier in der Schule für einen Monat unterrichtet, mit hausgeschlachtetem Hähnchen zum Abendessen gemacht. Das Spektakel begann bereits um 3; zuerst haben wir einen riesen Topf mit Wasser zum Kochen gebracht und das Messer geschärft. Dann wurde das zuvor gemässtet Hühnchen eingefangen und Alex hat den Kopf mit einem gekonnten Schnitt vom Körper getrennt. Nachdem es ausgeblutet war, tunkten wir es in kochendes Wasser um das Rupfen zu vereinfachen. Je mehr wir Charlotte, wie wir es schon Wochen zuvor getauft hatten, von ihrem Federkleid trennten, umso offensichtlicher wurde, wie dünn und abgemagert sie eigentlich war, trotz dem wir sie mit tonnenweise Mais und Quinua in den Wochen zuvor gefüttert hatten. Nichts desto trotz, kam sie, nachdem sie fertig gerupft und ausgenommen war, mit Kartoffeln, Zwiebeln und roter Beete in den Ofen und danach auf den Tisch. Etwas zäh trug sie so ihren Teil zum umfangreichen Weihnachtsessen bei. Die vorangegangene Arbeitswoche wurde von zwei Kerlen aus California aufgelockert, die für eine Woche die Farm und die vollorganische Kost genoßen. Ausserdem waren wir mal wieder in Peribuela, bei Stuarts Wiederauffortstungsprojekt zur CO2 Reduzierung, um den Wachstumsprozess der neu gepflanzten Erlen in der dortigen Baumschule einschätzen zu können. Leider hatten bis dahin nur 20% der 2000 gepflanzten Erlenstöcker neue Keime hervorgebracht. Wir machten uns als auf den Weg um Samen zu sammeln und somit die Ausbeute bei den Baumpflänzchen zu erhöhen. Nach einer einstündigen Autofahrt einen der Berghänge hinauf, einer einstündigen Wanderung durch Paramout, Hochgebirgsgrassland, gelangten wir an den Rand eines Nebelwaldes, den es zu durchgequeren galt. Mit Macheten bewaffnet schlugen wir uns unseren Weg durch des dichte feucht-morastige Unterholz zur einer kleinen Lichtung in Mitten des Nebelwaldes vor. Die Lichtung war übersäät mit jungen Erlen in voller Reife. Wir pflückten die Samen und machten uns auf den Rückweg durch den Wald. Die Orientierung in dem dichten Wald bereitete uns Schwierigkeiten, ohne einen der Einheimischen an unsere Seite wären wir noch heute ind dem Wald. Auf dem Rückweg sammelten wir einige kleine Bäumchen, die wir nach der Rückkehr in der Baumschule einpflanzten. Auf Grund der mickrigen Ausbeute bei den Erlenstöckern mussten wir uns was neues einfallen lassen, wie wir zu circa 2000 neuen Erlenbäumen kommen konnten, ohne sie für 25 ctvs. kaufen zu müssen. Wir besorgten uns als 800 Erlentriebe und während der vergangenen Arbeitswoche habe ich dann daraus 1600 Erlenstöcke geschnitten, die wir dann hier in der Baumschule auf der Farm gepflanzt haben. Am 10. Januar werden wir einen Arbeitseinsatz haben, in dem wir 1000 neue Erlen Pflanzen werden. Zur Unterstützung wird eine Studiengruppe aus England auf ihrer Rundreise durch Ecuador vorbeischauen und uns hilfeich zur Seite stehen. In dem Klima an den Berghängn herrschen perfekt Wachstumsbedingungen und der schnellwachsenden Baum kann die optimale Menge an CO2 in Kohlenstoff und Sauerstoff aufspalten.

Während des Wochenende, 5.,6. und 7. Dezember, waren die Fiestas de Quito, eine Art Stadtfest, bei dem angeblich die gesamte Stadt auf den Beinen sein soll. Also bin ich am Freitag nach Quito reingefahren, in voller Erwartung an den Umzügen, Paraden und Straßenfesten teilzunehmen. Doch da es wie aus Kannen goß, wurde der Großteil der Veranstaltungen abgesagt und auf eine Chifa konnten wir wegen des Regens ebenfalls nicht aufsteigen. Eine Chifa ist ein Doppelstockbus, mit Band und sehr viel Alkohol, der mit laueter typisch ecuadorianischer Musik die Straße beschalt, während sie duch die Altstadt von Quito tuckert. Also gingen wir, wie sonst auch üblich, nur abends aus, auf die Partymeile Quitos, der Mariscal. Neben einigen Lifestagebühnen und maßig Leuten war aber nichts anders, als an sonstigen Wochenenden in der Mariscal. Alles in allem habe ich nicht viel von den Fiestas mitbekommen, oder es waren einfach keine oder nur wenige.

Am folgenden Montag, dem 8.12., war es dann soweit, ich konnte endlich mein neues frisch gestrichenes Zimmer beziehen. Ich hab meine gesamten Sachen in den Wandschrank umverfrachtet und mein Bett, was überaus bequem ist, ebenfalls mitgenommen. Mein Eckzimmer hat zwei Fensterfronten, da die eine Front nach Osten gewandt ist, scheint hier jeden Morgen die Sonne in mein Zimmer. Während der nächsten Monate wird es einige Veränderungen im Freiwilligenhaus geben. Das dreigeteilte Haus wird nun in ein komplettes Freiwilligenhaus umgewandelt, da die letzte ecuadorianische Familie in diesem Haus auch ausgezogen ist. Da im nächsten Jahr ca. 8 weitere längerfristige Freiwillige kommen werden, muss die Kapazität unseres Hause unbedingt erweitert werden. Weitere Schlafräume und eine Küche müssen installiert werden. Da nun alle Freiwilligen abgreisst sind und auch der Alex nach Hause gefahren ist, bin ich alleine in dem großen Haus. Etwas unheimlich ist es dann von Zeit zu Zeit schon. Gestern waren der Kai H. Und der Jakob, aus Quito, da und haben mich hier besucht. Um den Sonntag nicht auf der Farm zu vergammeln sind wir nach Otavalo und nach Cuicocha, der Kraterlagune, gefahren.

Pläne für Weihnachten und den ersten Weihnachtsfeiertag gibt es noch nicht, aber ich werde wahrscheinlich hier in Tabacundo zu einem Freund, der auch eine Farm hat, fahren und mit seiner Familie feiern, da sonst keiner hier ist. Am 26. fahr  ich dann mit Kai aus Quito für zwei Wochen an die Küste und dort die gesamte Küstenlinie von der nördlichen kolumbianischen Grenze bis Guayaquil im Süden auf der Ruta del Sol hinunterfahren. Spontan werden wir uns dann für einen ansprechenden Küstenort für die Neujahrfeiern entscheiden.

Da dies nun vorraussichtlich mein letzter Blogeintrag vor Weihnachten sein wird, wünsch ich euch allen ein paar erholsame Weihnachtstage, mit viel Schnee und Gemütlichkeit und einen fleißigen Papa Noel. In diesem Sinne Feliz Navidad.