Cuicocha, Cayambe, Lagunas Mojanda und Halbjahres Seminar

Da 4 weitere Freiwillige am Montag der letzten Januarwoche ankamen, mussten noch mehr Betten besorgen und auf die Zimmer verteilen. Gegen Mittag trafen dann Martino (Italien -2 Wochen), Andrew und Rebecca (Alaska – 1 Woche) und Lucy (England – 1 Woche) ein. Nach ein paar einführenden Worten von Stuart ging die Arbeit dann auch schon für uns alle los. Da viele der letzten Freiwilligen das Spanischangebot nutzten, war unser Spanischlehrer Tito die gesamte Woche auf der Farm vollzeitbeschäftigt. Demzufolge hatten wir eine Person mehr am Mittagstisch zu füttern. Zu Spitzenzeiten in dieser Woche waren wir 12 Personen aus 6 verschiedenen Ländern, was zum einen sprachlichen und kulturellen Austausch mit sich brachte. Am Mittwoch machte ich mich dann auf den Weg nach Quito um mich Donnerstagfrüh mit Elin (Schweden – 6 Monate) zu treffen und sie auf die Farm zu bringen. Sie ist eine Langzeitfreiwillige der selben Organisation, wie auch Alex und ich; eben „nur“ für ein halbes Jahr. Abwechslung brachte mal wieder die Baumschule, da wir am Freitag ein Inspektion hatten, mussten wir diese in Schuss bringen. Dies stellte sich aber alsbald als Problem raus, da 120 000 Bäumchen reorganisiert und von Unkraut befreit werden mussten. Folglich machten wir nur das nötigste, soviel wir halt konnten. Zwischenzeitlich beluden wir noch einen LKW mit 2000 Bäumchen. Am Wochenende machten wir mit den neuen Freiwilligen eine Tour nach Otavalo und zu dem nahegelegenen Vulkansee Cuicocha. Nach eine Tour über den mal wieder überfüllten Markt von Otavalo brachen wir über Quiroga nach Cuicocha, zur Kraterlagune, auf. Da das Wetter super war und ich meine Badehose dabei hatte, sprangen wir ins kühle Nass auf 3000m und erkundeten die Umgebung um die Lagune. Am Abend fuhren wir dann nach Cayambe verbrachten den Abend tanzend in der Discothek ‚La Choza‘. Da der Sonntag der letzte Tag für den Großteil der derzeit Kurzzeitfreiwilligen war, wollten wir noch etwas machen und nicht völlig verkatert im Bett verbringen. Also beschlossen wir, zu den nahegelegenen Kraterlagunen Lagunas Mojanda hinaufzusteigen. Der ursprüngliche Plan bestand darin, eines der vorbeifahrende Trucks anzuhalten und bis zu den Kraterseen hinauf zu trampen, das Problem war nur, das es keine Trucks gab. Nach 2h mühsamsten Aufsteigens riefen wir ein Camionetta, das uns bis ganz oben bringen sollte. Unglücklicher Weise wollte unser Fahrer nur ¾ des Weges nach oben fahren. Also mussten wir die letzten 4km und 400 Höhenmeter zu Fuss überwinden. Am größten See angekommen, schwamen wir im superkalten Wasser auf 4000m. Doch alsbald machten wir uns Sorgen um unseren Rückweg, da es bereits 4 Uhr Nachmittags war und der Abstieg mindestens 3h dauerte. Zum Glück kam ein PickUp vorbei und nahmen uns mit. Am folgenden Tag machten sich Alex und ich auf den Weg nach Quito, da wir die folgende Woche Halbjahresseminar mit den ganzen anderen Freiwilligen hatten. Um halb 10 Uhr morgens trafen wir uns allesamt in Cumbaya und fuhren mit dem Taxi in das Seminarhaus von San Patricio in Lumbisi. Es folgten 3 Tage intensivstes Auswertungsseminar mit unserer Freiwilligengruppe. Jeder musste zunächst sein Projekt und seine Arbeit in einer Präsentation darstellen, was aber nach der dritten Präsentation über Colegiós ziemlich langweillig wurde. Zum Glück war unsere ueber die Farm etwas auflockernd. Weiterhin folgten Einschätzungen der bisherigen Erlebnisse in der Familie und im Projekt, Erwartungen an das kommende Halbjahr und was verbessert werden kann. Der ein Großteil der Freiwilligen in Schulen arbeitet, lagen die Schwerpunkte auf der Lerneinstellung der Schüler. Fast keiner der Freiwilligen konnte von einem wirklich merklich sichtbaren Erfolg oder Fortschritt seiner Schüler berichten. Es gab hier und da Ansätze die Umstände zu bessern, doch letztendlich ist das gesamte Schulsystem mehr oder weniger ein Disaster, viel zu ändern gibt es da, seitens der Freiwilligen, nicht. Am 4. und letzen Tag wurde dann über die Zukunft der Fundación VASE gesprochen. Unter anderem ging es um die Ausdehnung der Fundación, ein Werbevideo und einige soziale Gruppenprojekte. Alles in allem ein relativ positives Seminar, da die langgezogenen Phasen mit kleinen Zwischenaktivitäten aufgelockert wurden. Da wir das ursprünglich 5-tägige Seminar durch zügiges Arbeiten auf 4 Tage verkürzen konnten, bekamen wir den Freitag frei. Doch was tun, mit einem langen Wochenende?! – Reisen! Nur die Frage – Wohin? Nach längerem hin und her fiel Kai’s und meine Wahl auf Baños, Touristenhochburg Ecuadors 4h südlich von Quito, auf 1800m. Bekannt für seinen zahlreichen Wasserfälle und heißen Quellen, wie der Name Baños (Bäder) ja schon sagt. Ich rief also Elin und Shane auf der Farm an, ob sie nicht auch mit kommen wollten und schon waren wir Freitagmorgen zu 5. unterwegs, da Alex auch noch kurzfristig mitkam. Gegen Mittag bezogen wir unser Hostal und wollten die ersten Quellen besuchen, die jedoch geschlossen waren. Also stiegen wir den 768 treppenstuffenhohe Berggrat hinauf, zur Jungfrau von Baños. Da die steinerne Statue wie eine Schutzheilige über die Stadt wacht, hat man einen perfekten Ausblick auf das im Tal von Nebelwald liegende Städtchen. Am Abend, nach einigen Mojitos ging es dann in einen der zahllosen Clubs. Dort trafen wir dann auf die 15 englischen Schüler mit denen wir Mitte Januar bereits 1000 Bäume in Peribuela gepflanzt hatten. So waren wir einen Gruppe von 20 Gringos, die Baños unsicher machten. Nach stundenlangem tanzen zu Reggeaton ging es dann auch nach Hause, da wir am nächten Tag Fahrräder ausleihen wollten und die Wasserfallroute abfahren wolllten. Gegen Samstagmitag saßen wir dann auf unseren Drahteseln auf dem Weg nach Westen, immer bergab, in Richtung Puyo. Doch bereits nach den ersten 500m hatten wir die erste Panne, ein Nagle im Reifen. Zum Glück hatte uns der Fahrradverleih zwei Ersatzreifen mitgegeben, sodass wir das kaputte Rad schnellstens reparieren konnten, und unsere 12 personenstarke Gruppe die Fahrt wieder aufnehmen konnte. Es ging an zahllosen und unterschiedlichsten Wasserfällen vorbei, bis dann auch ich ein Loch im Reifen hatte, und wir den letzten Ersatzschlauch dafür verwendeten. Eine weiter Panne konnten wir uns nicht leisten, da es weder Flickzeug, noch Erssatzreifgen gab. Doch nach einer weiteren halben Stunde die Serpentinenstraße hinab war der nächste Reifen platt. Da es zu allem Übel auch noch wie aus Kannen goß, blieben drei Weitere in einer Schützhütte zurueck. Wir nahmen jedoch die letzten 5Km in Angriff, der Regen stoppte, die Wolken rissen auf und die Sonne begleitete uns für den Rest des Tages. Am Wasserfall Pailón del Diablo angekommen, war das Ende unserer Radtour gekommen, wir ließen unsere Räder stehen und machten uns zu Fuss hinab zum Wasserfall des Rio Pastaz, dort führte eine wacklige Hängebrücke über die reißenden Wassermassen, die nur 5 Leute zur gleichen Zeit tragen konnte. Von dort bekam man einen überwältigenden Eindruck über den 100m hohen Wasserfall. Danach stiegen wir zum oberen Teil des Wasserfalles auf. Auf Grund der unzähligen Touristen, aus Ecuador und aller Welt, konnte man den Wasserfall von verschiedenen kuenstlich angelegten Balkons aus bewundern. Des weitern führte ein kleiner Tunnel in der Felswand, hinauf, direkt hinter den Wasserfall, wo man nach Sekunden bereits total durchnäßt war. Das Rauschen und der dichte Nebel machten sehen und hören fast unmöglich. Nach dieser Dusche im Wasserfall machten wir uns auf den Rückweg, zurück zu unseren Fahrrädern und nach einem ausgiebiegem Mittagessen ging es dann zusammen mit unseren Fahrrädern in einem LKW zurück nach Baños. Da das klare Wetter immernoch anhielt, konnten wir Blicke auf den aktiven, qualmenden Vulkan Tungurahua (5029m) erhaschen. Den Abend verbrachten wir dann in einer der typischen Eci-Discos. Gegen 4 Uhr morgens entschlossen wir uns dann noch einen Abstecher in die heißen Quellen zu machen. Also Badesachen an und ab ins Taxi. Zu aller Überraschung waren die Bäder sehr voll, um nicht zu sagen überfüllt. Wir gesellten uns zu der Menschenmaße und schliefen fast in dem angenehm warmen Wasser ein. Der Plan sah vor, den Sonnenaufgang in den heißen Quellen zu verbringen, doch als bis halb 6 noch immer kein Licht am Horizont zu sehen war, verließen wir die Bäder und kehrten ins Hostal zurück. Am nächsten Tag stand die Rückreise bevor, wir quälten uns aus dem Bett, besichtigten noch ein Museum, welches Geschenke an die Jungfrau von Baños ausstellte und fuhren am Nachmittag zurück auf die Farm.

Eine Antwort schreiben