Archiv für März, 2009

Mit der Militärschule auf Dschungeltour – Reventador und San Rafael

Veröffentlicht in Up To Date am März 17, 2009 von paulnaglatzki

Die Wochenendtouren nehmen kein Ende – so rief mich Kai mitte letzter Woche an und meinte dass er am Wochenende Richtung Urwald, nach El Chaco, aufbrechen würde. Zusammen mit der Noventa (9. Klasse) des Colegio Militar (Militärschule) seiner beiden Gastcousinen wollte er eine Tagestour zu einer Ölpumpstation machen. Da ich sowieso geplannt hatte, dort in die Nähe zu fahren, sprang ich kurzer Hand auf die Tour mit auf. Also fuhr ich Freitag, nach der Arbeit – versteht sich, nach Lumbisi (Vorort von Quito), quartierte mich beim Kai ein, um am nächsten morgen pünktlich um 6 Uhr mit den zwei Cousinen an der Bushaltestelle zu stehen, wo wir von dem gemieteten Schulbus eingesammelt werden sollten. Gegen 7 saßen wir dann mit 50 uniformierten Schülern und Schülerinnnen zwischen 13 und 16 Jahren im Bus. Da es weder Sitz- noch Stehplätze gab, machten wir es uns auf der Motorklappe, so gut es ging, gemütlich, während 50 Augenpaare und ganz entgeistert musterten. Der Bus schlängelte sich im Schneckentempo nach Osten zum Pass von La Virgin auf 4000m hinauf. Wir konnten von dort aus einen kurzen Blick auf den schneebedeckten Vulkan Antisana erhaschen. Danach führte uns die Straße immer bergab in Richtung Amazonastiefland. Bei Baeza bogen wir links nach Norden ab und folgten der Straße eine weitere Stunde nach El Chaco. Das kleine verschlafen Nest dient als Zwischenstop für Tanklaster und Busse auf dem Weg in die Tiefen des Dschungels bei Lago Agrio und Coca. Viele kleine Comedors (billige Restaurants), Tankstellen und Vulcanizadores (Mechaniker, die LKW-/Busreifen komplett reparieren). Von dort aus machten wir uns zu einer Pumpstation der staatlichen Ölfirma Petroecuador. Dort angekommen, bewegten sich die Schüler in einer Zweierreihe marschierend über das Gelände der Station. Die Führung war langweilig, da alles vollautomatisch verlief und keiner der Arbeiter, vor Ort, wirklich Ahnung von dem Werk hatte. So wurden wir mit denn riesiegen Bildschirmen im Kontrollzentrum vertraut gemacht und mit Zahlen bombadiert. Im Grunde dient diese Station nur um das aus dem Oriente (Amazonasgebiert Ecuadors) Öl über den Bergpass nach Quito zu pumpen.Nach einer Sunde stiegen wir wieder in den Bus und wollten noch die Ölspuren des letzten Pipelinebruchs an den Flussufern besichtigen, aber dort wo wir zum Fluss Salado hinabstiegen, waren weit und breit keine schwarzen Ränder aufzufinden. Da der Bus, samt Schülern, noch am selben Tag die 4stündige Strecke zurückmusste, ging es zurück nach El Chaco und zum vorbestellten Mittagessen, für 50 Schüler. Danach verabschiedeten Kai und ich uns von den Lehern und Schülern und folgten im nächsten Camionetta (Taxi im PickUp Format) der Straße weiter bergab in Richtung Amazonastiefland. Nach 50min kamen wir an der Hosteria El Reventador an. Weit abgelegen von jeglicher Zivilisation erhofften wir uns problemfrei eine Habitación (Hotelzimmer) zu bekommen. Doch überraschender Weise war alles mit den Ingenieuren der Ölfirmen belegt. Da der Eigner nicht da war, mussten wir auf eine endgültige Zu- oder Absage warten, also machten wir uns in der Zwischenzeit zum angeblich größten Wasserfall Ecuadors San Rafael (140m). Vorbei an einer Siedlung der Ölarbeiter ging es auf einem matschigen Pfad hinunter zum Aussichtspunkt gegenüber des Wasserfalles am Fluss Salado. Das Fotoshooting blieb natürlich vor der beeindruckenden Kulisse nicht aus, doch da Regen und Nebel aufzog, machten wir uns schleunigst auf den Rückweg, in der Hoffnung doch noch zwei Schlafmöglichkeiten in der Hosteria zu finden. Glücklicher Weise war noch ein Zimmer frei und wir quartierten uns ein, aßen, hüpften noch in den mit flusswasser-bespeissten Pool und fielen erschöpft ins Bett. Am Abendbrotstisch hatten wir uns zuvor noch überlegt, wir am nächsten Tag am einfachsten und schnellsten auf den naheliegenden Vulkan Reventador (3572m) steigen konnten. Unser Kellner verhalf uns dann zu einem 17jährigen Führer, da Aussagen zufolge, eine Erkundungstour auf eigene Fast einem Himmelfahrtskommando gleichen würde. Also heuerten wir den 17jährigen Flo für 20 Dollar an um uns am nächsten morgen zum Fusse des Berges auf die immernoch warmen Lavaströme zu bringen. Wie geplannt trafen wir uns am nächsten Morgen um 6 um den Trek anzutretten. Zum Glück hatten wir nicht bei den 2 USD für die Gummistiefel gespart, da sich nach kurzer Zeit im tiefsten Unterholz des Nebelwaldes, vom Regen aufgeweichte Pfade und Schlammlöcher auftaten. Da der Pfad durch Flussbette führte und Regenfälle dies völlig zerstört und mit Bäumen übersät hatte, wäre es ohne Flo und seine Machete garnicht möglich gewesen, den Pfad zu finden, geschweige denn zu folgen. Nach 2 sehr feuchtwarmen Stunden durch die Täler und über die Kämme des Waldes kamen wir klitschnaß geschwitzt an den Lavafeldern des Ausbruches 2002 an. Sie waren bereits von Moos und kleineren Pflänzchen überwachsen. Tiefhängende Wolken versperrten die Sicht auf den sich kegelförmig aufbäumenden Vulkan. Nach einer weiteren halben Stunde auf den 7 Jahre alten Lavafeldern kamen wir an den 8 Monate jungen Geröllbergen aus Lavagesteinsbrocken an. Schon aus einiger Entfernung konnte man den Wasserdampf ausmachen, der aus dem schwarzen Gestein empor stieg. Als wir näher kamen, wurde es auch allmählich wärmer. Wir kletterten die 4m hohe Geröllwand hinauf und sprangen zwischen dem Dampf auf dem Gestein umher. Da wir hiermit das Ende unsere Wanderung erreicht hatten, ließen wir uns auf den scharfkantigen Vulkangestein nieder und aßen unser mitgebrachten Proviant. Flo zeigte uns einige Videos vom letztmaligen Ausbruch, wie sich die glühend rote 4m hohe Geröllwand gemächlich talwärts wälzte und alles was sich ihr in den Weg stellte, unter sich begrub. Zunehmende Nebelschwaden machten jegliche Sicht jenseits der 10m unmöglich. Gegen halb 10 traten wir den Rückweg an. Von dem endlosen Geröllhaufen herunter und über die Lavafelder zurück. Auf Grund des noch dichteren Nebels irrten wir eine halbe Stunde lang planlos durch die karge Vegetation um den Eingang zurück in den Dschungel zu finden. Wieder im dichten Unterholz angekommen, entschloss sich Flo auf unerklärliche Weise eine Verfolgungsjagd zu starten. Also begannen Kai und ich ebenfalls durch die Schlammlöcher, über die Baumstämme und die steilen Abhänge hinab und hinauf zu rennen. Das alles endet nach einem Viertel des Weges mit ein paar gedehnten Bändern in Kais Mittelfuss. Von dort an ging es dann etwas langsamer, aber dennoch zügig voran. Gegen dreiviertel 12 kamen wir wieder an unser Hosteria an, sprangen in den erfrischenden Pool und setzten uns in den nächsten Bus zurück nach Quito.

Mehr Bäume und zwei weitere Provinzen, Bolivar und Cotopaxi, abgehackt!

Veröffentlicht in Up To Date am März 10, 2009 von paulnaglatzki

Nach einem Tag Arbeit in der Karnevalswoche ging es am Morgen das folgenden Freitag auch schon wieder los. Eine weitere Minga in der Kommune von Peribuela im Bergmassiv des Vulkanes Cotacachis war geplant. Zusammen mit den lokalen Campesinos (Landarbeiter) der Kommune sollten 600 weitere Bäume in die Erde gebracht werden. Da Kai ebenfalls daran teilnahm, kam er bereits Donnerstagabend rauf zur Farm und am folgenden Morgen luden wir 500 junge Erlen in Luchos Camionetta (PickUp – Truck) und fuhren zusammen mit Stuart in das 60km entfernte Peribuela, unterwegs luden wir noch Getränke, Brot und Käse für den kommenden Arbeitseinsatz ein. Wir brachten die Pflanzen an ihren Bestimmungsort und quartierten uns mal wieder in das Gemeindehaus ein. Am Abend stießen dann noch Elin, Amy und Nick zu uns. Der Abend fand ein frühes Ende, da am nächsten Tag viel Arbeit auf uns wartete. Nur zu sechst, Stuart, Kai, die Genannten und meine Wenigkeit, hofften wir auf große Unterstützung aus der Kommune. Als wir allerdings am nächsten Morgen am Einsatzort ankamen, fanden sich nur 12 Paar helfenden Hände. Mit nur wenigen Werkzeugen ausgestattet, machten wir uns an die Arbeit. Die Löcher in die steinige Erde zu treiben, war mehr als nur frustrierend und blasenaufreibend. Nachdem etwa ¾ der Bäume in der Erde waren, war kein Plätzchen für die restlichen 150 Bäume mehr zu finden. Die umliegende Freifläche war von 3m hohen undurchdringlichen Dornenbüschen überwuchert. Mit Macheten bewaffnet schlugen wir uns einen Tunnel zu einer nahegelegenen Lichtung, wo die restlichen Bäume ihre neue Heimat fanden. Gegen 11.30 schlossen wir die Pflanzaktion mit Käsebroten und Cola, bevor es zurück zum Gemeindezentrum ging und es Mittag gab. Danach packten wir unsere Sachen und machten uns zurück in Richtung Panamericana. Dort stiegen Kai, Elin und ich in den nächsten Quitobus und auf ging es in das 3h entfernte Busterminal Terrestre Cumandá de Quito (Hauptanlaufpunkt aller nationalen Busse in Quito), während der Rest noch in Cotacachi bei Grillfleisch und Bier die gepflanzten Bäume feierten. Gegen 5 Uhr Nachmittags fanden wir uns auf dem Weg nach Latacunga, südlich von Quito gelegen. Die, laut Reiseführer, veranschlagten 2,5h für die Busfahrt erwiesen sich jedoch als sehr optimistisch. Gegen 9 kamen wir dann in Latacunga an, wo wir wieder auf die zwei Engländerinnen, Lottie und Safron, stießen. Zum Glück hatten sie bereits ein Hotel organisiert, das ersparte uns die lästige, zeitfressende Suche. Nach Pizza und Bier erkundeten wir noch das Nachtleben in Latacunga, und verbrachten den noch jungen Abend in einer typisch ecuadorianischen Bar. Am nächsten Morgen ging es dann bereits relativ früh wieder zum Busterminal in Latacunga und in den nächsten Bus in Richtung Westen, nach Zumbahua, nahe der Lagune von Quilotoa. Die Straße wund sich durch andine Höhenzüge, durch vereinzelte landwirtschaftende Gemeinden und vorbei an endlosen Weideflächen hinab zum einsamen Hangdörfchen Zumbahua. Dort quetschten wir uns dann aus dem Bus und sofort waren wir von zahlreichen Camionettafahrern umringt, die uns alle eine Fahrt zur 14km entfernten Laguna anboten. Als wir dann einen anehmbaren Preis von 20 USD ausgehandelt hatten, ging es weiter durch die gleiche Landschaft, vorbei an, von einsamen andinen Indigenas (Eingeborene) getriebenen, Schafsherden über einen Pass und hinab zum Kraterrand der türkisgrünen Laguna von Quilotoa. Die sehr touristisch abgerichtete Umgebung bot einige Restaurants, ein kleines Empfangshäuschen und zahlreiche lokale Stände mit Kleidung, Gemälden und Masken. Da es auf jedem Markt, egal wo in Ecuador, das gleich Zeug ist, machten wir uns unbeeindruckt auf den 25minütigen Abstieg, durch die sändigen Hänge hinab zum Lagunenrand. Ständig die sich im Wasser spiegelnden Wolken im Auge. Aufgrund des hohen Schwefelgehaltes, der immernoch aktiven Vulkangasquellen, erscheint die von grauem Fels umgebene Lagune im Sonnenschein türkisgrün. Unten, an der Lagune, liessen Kai und ich uns es nicht nehmen, einen kleine Runde in der eiskalten Lagune zu drehen. Da die Sonnen schien, hüpften wir kurzer Hand ins kühle Nass. Allzulange konnten wir jedoch nicht verweilen, da wir wieder hinauf zum Kraterrand mussten und noch am selben Tag zur Farm zurückkehren mussten. Der Aufstieg dauerte letztendlich doppelte so lange, im Vergleich zum Abstieg. Man hätte einen Pferd, Esel oder Maultier mieten können, aber Laufen war entlohnender und billiger. Unser Camionetta hatte gewartet und nahm uns wieder zurück nach Zumbahua. Dort trennten sich dann wieder die Wege. Die zwei Engländerinnen fuhren weiter nach Westen, in Richtung Küste nach Quevedo. Kai, Elin und ich machten uns in drei riesigen Muldenkipperen auf den Weg zurück nac h Latacunga, wo wir den nächsten Bus nach Quito und Tabacundo nahmen. Da Alex und Shane am Wochenende daheim geblieben waren und an unserem neuen Gewächshaus gearbeitet hatten, wurde der folgende Montag auch gleich mit der Auswertung des neuen Gebildes eingeleitet. Nach der Fertigstellung sollen dort einige dutzend Tomatenpflanzen ihre Arbeit tun und uns organische Tomaten liefern. Der Rest der Woche verlief relativ langatmig, bis auf die Fussballnachmittage und der Tag des heiligen St. Patrick. Da es Shanes, unserem gebürtigem Iren, letzte Woche auf der Farm war, entschlossen wir uns eine weiteren Kulturabend zum Anlass des St. Patricks Days zu veranstalten, mit typisch irischen Gerichten. Es gab Irish-Stew (irischer Eintopf), ein farmeigenes Huhn, Kartoffelbrei, Gemüsepfanne und Obstkuchen, irische Art, versteht sich und natürlich jede Menge Bier und Whiskey. Zum Glück begann unser Arbeitstag am Mittwoch eine Stunde später.

Am folgenden, zweiten Märzwochenende, steuerte ich breits das nächste Ziel an, diesmal zunächst auf eigene Faust. Ich hatte mir die Provinz Bolivar mit der Hauptstadt Guaranda und dem sehr interessant klingenden Dörfchen Salinas de Tombelas vorgenommen. Da die zwei Engländerinnen sich in der Gegend aufhielten, beschloss Lottie sich mir anzuschließen und so waren wir zu zweit. Zunächsten wollten wir uns am Freitagabend in Guaranda treffen und dann von dort aus die Reise nach Salinas fortsetzten. Ich saß also Punkt 5 im letzten Bus von Quito ins 5h entfernte, südllich gelegene, Guaranda. Lottie hatte weniger Glück und verpasste den letzten Bus von Guayaquil nach Guaranda. Nach einer kurzen Planänderung trafen wir uns dann in der nahgelegenen Stadt Riobamba, da es bis dorthin die ganze Nacht Busse gab. Von dort machten wir uns dann am nächsten Morgen in das 2h entfernte Guaranda. Die Straße führte über einen Pass am Fusse das höchsten inaktiven Vulkans Ecuadors, Chimborazo (6310m), auf 4800m. Nicht nur die Aussicht auf dem schneebedeckten Bergriesen war atemberaubend, sondern auch die zunehmend dünnere Luft mit zunehmender Höhe ließ das Herz schneller schlagen und die Atemfrequenz in die Höhe schnellen. Zurück auf ‚normalen‘ 2650m in Guaranda erkundeten wir in einem kleinen Stadtrundgang die sehr touristenarme Provinzhauptstadt. Schnell wurde auch klar, warum nur wenige Touristen diesen abgelegen Ort aufsuchten, es gab nicht viel interessantes zu begucken. Also saßen wir um 3 auch schon im Bus in Richtung Nordwesten, nach Salinas. Auf einer Schotterstraße ging es hinauf auf 3500m bis ans Ende eines Tales, wo sich das aufgeweckte, lebhafte Städtchen Salinas versteckte. Auch hier waren wir die einzigen Touristen, hatten also auch keine Probleme ein Zimmer im einzig offenen Hotel zu finden. Noch am selben Nachmittag stiegene wir zum Aussichtspunkt über der Stadt auf. Die Sicht wurde jedoch von ein paar tiefhängenden Wolkenschleiern getrübt, denoch ließ sich die schier endlose Ausdehnung der Weidelandschaften des Städtchen erahnen. Da es langsam dämmerte begaben wir uns auf Nahrungssuche, doch außer einer Panaderia (Bäkerei) und einer Tienda (Minikaufhalle) fand sich nix. Also kauften wir Brötchen, eine Dose Sardinen und ein Stück Käse und aßen im Hotel. Für den nächsten Tag hatten wir uns bereits eine Dorfführung durch die einzelnen Manufakturen organisiert. Folglich trafen wir uns, nach einem aussergewöhnlich gutem Frühstück mit Eiern, Käse, Wurst!!!!, ausreichend Bort und Marmelade und einer super Aussicht über das Städtchen bei besten Wetter, mit unserem Führer Don Victor. Salinas ist national bekannt für seine einfache, funktionierende Gemeindestruktur und für die Manufakturen in unterschiedlichsten Bereichen. Als die katholische Kirche auf Missionierungstour durch Ecuador zog, kamen horende Geldeträge der Gemeinda von Salinas zu Gute. Einer der Dorfvorsteher nutzte diese Geldquelle und investierte in einige grundlegende Maschinen und Technologien und kaufte schweizerische Käsereiaustattung und Schokoladenverarbeitungsgeräte. Aufgrund der hohen Milchproduktion in den 30 Kommunen der Gemeinde Salinas war nun die Verarbeitung und somit die Abnahme der Milch gesichert. Die bis zu 30kg schweren Käseblöcke werden national und international für bis zu 7,50 USD/kg verkauft . Die Käseproduktion der Marke „Salinerito“ gilt als der luktrativste Zweig des Städtchens. Dem Käse folgte die Schokolade, alle 3 Monate werden der Schokoladenfabrik 8t Rohkakao geliefert und zum einen zu roher Kakaomaße verarbeitet und nach Japan verschifft und zum anderen zum Endprodukt Schokolade, verschiedenster Geschmacksrichtungen und Formen, endverarbeitet. Des weiteren werden regelmäßig zur Regenzeit Pilze im Schatten der Pinienbäume geernte, tranchiert und getrocknet und nach Italien als Delicatessen verkauft. Des weiteren besitzt das 1200 Seelendorf eine Weberei und Scheiderei, die aus Schaffswolle warme Andenkleidung herstellt, eine Fussballmanufaktur, eine Fleischerei mit Fleischspezialitäten, ebenfalls der Marke „Salinerito“ und ein Marketingzentrum für den nationalen und internationalen Markt. Der Name Salinas rührt ursprünglich von jahrhundertalten Salzmine, auf der gegenüberliegenden Hangseite. Schon die Inkas nutzen diese Salzmine um das besonders klare jodhaltige Naturalz abzubauen. In aufwendigen Auswaschungsprozessen wurde Salzlacke gewonnen, die man abkochte und dann das Tafelsalz aus dem Bodensatz des Topfes kratzen konnte. In frühren Kulturen wurden so bis zu 8t Tafelsaz jährlich gefördert. Aufgrund de Langwierigkeit und Härte der Arbeit werden heutzutage in der jährlichen Trockenzeit nur noch 3t maximal gefördert. Diese Vielfältigkeit der Produkte auf so engem Raum hat mich besonders in Salinas sehr beeindruckt, wie jeder Einzelne der Gemeinde zum Funktionieren beträgt. Nachdem ich zwei Tafeln Schokolade und 500g Oreganokäse gekauft und den Preisschock von 10 USD überwunden hatte, ging es zurück nach Guaranda. Dort trennten sich dann wieder die Wege, ich machte mich zurück nach Norden, auf meine Farm und Lottie brach Richtung Süden, nach Guayaquil und dann Peru, auf. Bei klarsten Wetter konnte ich die andinen Höhenzüge in der Abendsonne auf meiner 7stündigen Heimreise genießen. Zurück auf der Farm machte ich einen Kringel um Guaranda und Salinas auf meiner Ecuadorkarte, markierte die Provinz Bolivar und fiel erschöpft ins Bett.

Karneval im Süden Ecuadors

Veröffentlicht in Up To Date am März 2, 2009 von paulnaglatzki

Der ursprüngliche Trip nur in die Provinz Loja zu fahren, hatte sich schnell geändert und so bereissten wir die drei südlichsten Provinzen Ecuadors, Zamora Chinchipe, Loja und El Oro. Aber von vorne; da wochenlange Regenfälle in ganz Ecuador das Straßennetz weitgehend lahm gelegt hatten, stand unser Trip bis zum letzten Moment in Frage. Großflächige Erdrutsche und Überflutungen hatten vor allem die Küstenstraßen unpassierbar gemacht. Als Kai am Donnerstag loszog um die Tickets für den Folgetag zu kaufen, hieß es; alles sei frei. Also setzten wir uns Freitag um halb 6 in den Bus der Panamericana und begannen unsere 15-stündige Busfahrt nach Süden. Total geschafft von der Arbeit, schliefen wir bis zum nächsten Morgen durch. Nur die einstündige Reifenpanne und Essenspause um 24 Uhr rissen uns aus dem Tiefschlaf. Nach einer halbstündigen Straßensperre kamen wir gegen 10 in Loja an und wollten noch am selben Tag weiter nach Süden, nach Vilcabamba. Aber zuerst fuhren wir voller Erwartungen ins Stadtzentrum Lojas, um die Stadt zu besichtigen. Die Erwartungen, der saubersten, schönsten und stilvollsten Stadt Ecuadors, wurden jedoch nicht ganz erfüllt. Viele der Museen und Kirchen waren geschlossen und aussergewöhnlich sauber war es ebenfals nicht. Zudem konnte man uns im Touristenbüro nichtmal Auskunft über Atraktionen der Stadt geben und als wir versuchten auf eigene Faust einen ausserhalb gelegenen botanischen Garten zu besichtigen, wurden wir auch nur vom Taxifahrer verarscht. Erster Eindruck – Minder! Nur für Loja wären es die Reisstrapazen nicht wert gewesen, aber es ging ja am Nachmittag weiter. Da die zwei Engländerinnen und Ex-Farmbewohner Lottie und Saffron ebenfalls nach Loja runterfuhren, trafen wir uns um 3 am Terminal und stiegen gemeinsam in den Bus nach Vilcabamba. In dem kleinen Dörfchen sollte es wohl die ältesten Menschen Ecuadors geben; ein halbes Dutzend sei angeblich über 100 Jahre. Von all dem sahen wir allerdings nichts, da wir uns ja in der Karnevalszeit befanden und die Straßen von nationalem Tourismus heimgesucht wurde. Kinder und Erwachsene waren mit Wassereimern und Schaum bewaffnet um sich gegenseitig oder vereint, erbittert Wasser- und Schaumschlachten zu liefern. Oftmals viel unsere kleine Gringotruppe diesen auswegslosen Attacken zum Opfer. Nach dem abendlichen Reis mit Fleisch und ein paar Bieren fielen wir völlig erschöpft in unsere Betten, da am nächsten Tag die Weiterfahrt nach Zamora, in der im Urwald gelegenen Provinz Zamora Chinchipe, bevorstand. Nachdem wir dann Sonntag um 12 in Zamora angekommen waren, stellte sich das gegenteilige Karnevalsbild dar, keine Touristen und fast niemand in den Straßen. Wir checkten in eines der zahlreichen Hotels, wo zur Frage stand ob sie sich überhaupt rentieren würden, und machten uns auf den Weg in den Nationalpark Podorcarpus. Auf der Laderfläche der Camionetta,  schlängelten wir uns bei Regen zum Bombuscaro-Zugang des Nationalparkes. Nachdem wir mit dem Parkwächter dann einen annehmbaren Eintrittspreis ausgehandelt hatten wanderten wir zu einem der höchsten Wasserfälle des Parkes. Schlüpften in unsere Badehosen und ließen uns die eiskalte Dusche über den Pelz laufen. Da der Regen ununterbrochen seinen Lauf nahm, behielten wir die Badesachen gleich an und stiegen zu einem Aussichtspunkt auf, wo wir aber auf Grund des Regens nichts sehen konnten, aber dennoch die Höhe und den Regen genießen konnten. Danach ging es zu einem der kleinen Wasserfälle, mit einem kleinen vorgelagerten Becken, worin wir ein paar Runden drehen konnten. Zurück im Hotel war die erhoffte warme Dusche dann doch nur kalt. Am nächsten Tag stiegen wir um 9 in den Bus und fuhren wieder zurück nach Loja, wo wir uns von den Mädels verabschiedeten, die ihre Reise nach Norden, Cuenca, vorsetzten. Kai und ich nahmen den nächsten Bus nach Zaruma, westlich von Loja und in der Küstenprovinz El Oro gelegen. Über eine Hangstraße, die von den Regenfällen ebenfalls aufgeweicht war und jeden Moment abzurutschen drohte, durch atemberaubende Landschaftszüge, ging es 4 Stunden des Bangens Richtung Westen nach Zaruma. Gegen Abend dort angekommen, tat sich eine wunderschöne, kleine Hangstadt auf. Verwinkelte Gassen, fabrige Fensterläden im Kolonialsstil und gediehlte Fusswege unter den überhängenden Wohnhäusern, ließen an eine Wildweststadt erinnen. Und auch hier – der Karneval in vollem Gange, auf allen Balkonen standen die Jugendlichen mit Wasserschläuchen und Wasserbomben, da waren Fussgänger schutzlos ausgeliefert. Da die Stadt Zaruma sehr bekannt für ihre reichen Goldvorkommen ist, wollten wir eine der Minen besichtigen und mehr über en Goldabbau erfahren. Zufällig stießen wir auf Don Tito, Geschichtslehrer und Hobby-„Goldologe“. Wir sprangen auf eine seiner Führungen des nächsten Tages auf, kümmerten uns um Abendessen und wollten uns dann noch ein paar Bierchen gönnen. Diese waren jedoch in der gesamten Stadt ausverkauft. Am nächsten Morgen machten wir zusammen mit ein paar Guayaquilenos die Minentour. Ungefähr 80% der Bevölkerung in Zaruma schürft Gold, hauptsächlich für ausländische Großbetriebe, die sich dort angesiedelt haben. Zusammen fördern sie so jeden Tag 20kg reines Rohgold. Damit ließ sich dann auch der Reichtum der Stadt erklären, der sich in den gepflegten Straßenzügen und Gassen wiederspiegelte. Am Nachmittag wollten wir dann unbedingt zum Wasserfall von Huaycichuma, 22km ausserhalb von Zaruma. Doch da es auf Grund des Karnevalsdienstags keine Busse gab, stellt sich das als Problem dar. Nach einigen Camionettas kamen wir dann am Fusse das 9km langen Aufstiegs zur Cascada an. Doch laufen wollten wir die 9km hin und zurück nicht, da ebenfalls mal wieder Regen bevorstand. Also besorgten wir uns jemanden der uns für 10 USD hin- und zurückfuhr. Der atemberaubende 120m Wasserfall war stufenweise geformt, laut unserem zufällig aufgegabeltem Führer würde die Cascada im Sommer wohl auch hinaufgeklettert werden. Das Tosen der Wassermassen und der verursachte Wind machten einen längeren Aufenthalt unmöglich, also zurück nach Zaruma, aber wie? Das angeheuerte Camionetta fuhr nur bis zur Hauptstraße, von dort aus mussten wir die 22km noch zurückkommen. Wir machten uns also zuerst zu Fuß auf den Weg. Dann aber hielt ein PickUp und wir sprangen auf die Ladefläche. Als leichtes Ziel für karnevalslustige Kindergruppen waren wir nach den ertsen 5km auch schon pitschnaß. Wir machten einen kurzen Zwischenstopp bei der Süßigkeitenherstellung der Dona Cleme, kauften ein paar der Bocadillos, tranken eine Café und zurück ging es nach Zaruma. Da es bereits Abed geworden war, wollten wir unsere Tickets nach Quito kaufen, doch wie wir erschrocken feststellten, war alles ausverkauft. Also fuhren wir um 5 in die nächst größere Küstenstadt, Machala und setzten uns dort in den Panamericanabus nach Quito. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommen, der immernoch schlechten Straßenbedingungen dauerte die Reise dann nochmal 16h, bis wir in Quito ankamen. Als ich dann gegen Mittag zur Farm runterlief, traf ich auch auf den Rest der Freiwilligen, die den Karneval im total überteuerten Küstenort Montanita verbracht hatten.