Karneval im Süden Ecuadors

Der ursprüngliche Trip nur in die Provinz Loja zu fahren, hatte sich schnell geändert und so bereissten wir die drei südlichsten Provinzen Ecuadors, Zamora Chinchipe, Loja und El Oro. Aber von vorne; da wochenlange Regenfälle in ganz Ecuador das Straßennetz weitgehend lahm gelegt hatten, stand unser Trip bis zum letzten Moment in Frage. Großflächige Erdrutsche und Überflutungen hatten vor allem die Küstenstraßen unpassierbar gemacht. Als Kai am Donnerstag loszog um die Tickets für den Folgetag zu kaufen, hieß es; alles sei frei. Also setzten wir uns Freitag um halb 6 in den Bus der Panamericana und begannen unsere 15-stündige Busfahrt nach Süden. Total geschafft von der Arbeit, schliefen wir bis zum nächsten Morgen durch. Nur die einstündige Reifenpanne und Essenspause um 24 Uhr rissen uns aus dem Tiefschlaf. Nach einer halbstündigen Straßensperre kamen wir gegen 10 in Loja an und wollten noch am selben Tag weiter nach Süden, nach Vilcabamba. Aber zuerst fuhren wir voller Erwartungen ins Stadtzentrum Lojas, um die Stadt zu besichtigen. Die Erwartungen, der saubersten, schönsten und stilvollsten Stadt Ecuadors, wurden jedoch nicht ganz erfüllt. Viele der Museen und Kirchen waren geschlossen und aussergewöhnlich sauber war es ebenfals nicht. Zudem konnte man uns im Touristenbüro nichtmal Auskunft über Atraktionen der Stadt geben und als wir versuchten auf eigene Faust einen ausserhalb gelegenen botanischen Garten zu besichtigen, wurden wir auch nur vom Taxifahrer verarscht. Erster Eindruck – Minder! Nur für Loja wären es die Reisstrapazen nicht wert gewesen, aber es ging ja am Nachmittag weiter. Da die zwei Engländerinnen und Ex-Farmbewohner Lottie und Saffron ebenfalls nach Loja runterfuhren, trafen wir uns um 3 am Terminal und stiegen gemeinsam in den Bus nach Vilcabamba. In dem kleinen Dörfchen sollte es wohl die ältesten Menschen Ecuadors geben; ein halbes Dutzend sei angeblich über 100 Jahre. Von all dem sahen wir allerdings nichts, da wir uns ja in der Karnevalszeit befanden und die Straßen von nationalem Tourismus heimgesucht wurde. Kinder und Erwachsene waren mit Wassereimern und Schaum bewaffnet um sich gegenseitig oder vereint, erbittert Wasser- und Schaumschlachten zu liefern. Oftmals viel unsere kleine Gringotruppe diesen auswegslosen Attacken zum Opfer. Nach dem abendlichen Reis mit Fleisch und ein paar Bieren fielen wir völlig erschöpft in unsere Betten, da am nächsten Tag die Weiterfahrt nach Zamora, in der im Urwald gelegenen Provinz Zamora Chinchipe, bevorstand. Nachdem wir dann Sonntag um 12 in Zamora angekommen waren, stellte sich das gegenteilige Karnevalsbild dar, keine Touristen und fast niemand in den Straßen. Wir checkten in eines der zahlreichen Hotels, wo zur Frage stand ob sie sich überhaupt rentieren würden, und machten uns auf den Weg in den Nationalpark Podorcarpus. Auf der Laderfläche der Camionetta,  schlängelten wir uns bei Regen zum Bombuscaro-Zugang des Nationalparkes. Nachdem wir mit dem Parkwächter dann einen annehmbaren Eintrittspreis ausgehandelt hatten wanderten wir zu einem der höchsten Wasserfälle des Parkes. Schlüpften in unsere Badehosen und ließen uns die eiskalte Dusche über den Pelz laufen. Da der Regen ununterbrochen seinen Lauf nahm, behielten wir die Badesachen gleich an und stiegen zu einem Aussichtspunkt auf, wo wir aber auf Grund des Regens nichts sehen konnten, aber dennoch die Höhe und den Regen genießen konnten. Danach ging es zu einem der kleinen Wasserfälle, mit einem kleinen vorgelagerten Becken, worin wir ein paar Runden drehen konnten. Zurück im Hotel war die erhoffte warme Dusche dann doch nur kalt. Am nächsten Tag stiegen wir um 9 in den Bus und fuhren wieder zurück nach Loja, wo wir uns von den Mädels verabschiedeten, die ihre Reise nach Norden, Cuenca, vorsetzten. Kai und ich nahmen den nächsten Bus nach Zaruma, westlich von Loja und in der Küstenprovinz El Oro gelegen. Über eine Hangstraße, die von den Regenfällen ebenfalls aufgeweicht war und jeden Moment abzurutschen drohte, durch atemberaubende Landschaftszüge, ging es 4 Stunden des Bangens Richtung Westen nach Zaruma. Gegen Abend dort angekommen, tat sich eine wunderschöne, kleine Hangstadt auf. Verwinkelte Gassen, fabrige Fensterläden im Kolonialsstil und gediehlte Fusswege unter den überhängenden Wohnhäusern, ließen an eine Wildweststadt erinnen. Und auch hier – der Karneval in vollem Gange, auf allen Balkonen standen die Jugendlichen mit Wasserschläuchen und Wasserbomben, da waren Fussgänger schutzlos ausgeliefert. Da die Stadt Zaruma sehr bekannt für ihre reichen Goldvorkommen ist, wollten wir eine der Minen besichtigen und mehr über en Goldabbau erfahren. Zufällig stießen wir auf Don Tito, Geschichtslehrer und Hobby-„Goldologe“. Wir sprangen auf eine seiner Führungen des nächsten Tages auf, kümmerten uns um Abendessen und wollten uns dann noch ein paar Bierchen gönnen. Diese waren jedoch in der gesamten Stadt ausverkauft. Am nächsten Morgen machten wir zusammen mit ein paar Guayaquilenos die Minentour. Ungefähr 80% der Bevölkerung in Zaruma schürft Gold, hauptsächlich für ausländische Großbetriebe, die sich dort angesiedelt haben. Zusammen fördern sie so jeden Tag 20kg reines Rohgold. Damit ließ sich dann auch der Reichtum der Stadt erklären, der sich in den gepflegten Straßenzügen und Gassen wiederspiegelte. Am Nachmittag wollten wir dann unbedingt zum Wasserfall von Huaycichuma, 22km ausserhalb von Zaruma. Doch da es auf Grund des Karnevalsdienstags keine Busse gab, stellt sich das als Problem dar. Nach einigen Camionettas kamen wir dann am Fusse das 9km langen Aufstiegs zur Cascada an. Doch laufen wollten wir die 9km hin und zurück nicht, da ebenfalls mal wieder Regen bevorstand. Also besorgten wir uns jemanden der uns für 10 USD hin- und zurückfuhr. Der atemberaubende 120m Wasserfall war stufenweise geformt, laut unserem zufällig aufgegabeltem Führer würde die Cascada im Sommer wohl auch hinaufgeklettert werden. Das Tosen der Wassermassen und der verursachte Wind machten einen längeren Aufenthalt unmöglich, also zurück nach Zaruma, aber wie? Das angeheuerte Camionetta fuhr nur bis zur Hauptstraße, von dort aus mussten wir die 22km noch zurückkommen. Wir machten uns also zuerst zu Fuß auf den Weg. Dann aber hielt ein PickUp und wir sprangen auf die Ladefläche. Als leichtes Ziel für karnevalslustige Kindergruppen waren wir nach den ertsen 5km auch schon pitschnaß. Wir machten einen kurzen Zwischenstopp bei der Süßigkeitenherstellung der Dona Cleme, kauften ein paar der Bocadillos, tranken eine Café und zurück ging es nach Zaruma. Da es bereits Abed geworden war, wollten wir unsere Tickets nach Quito kaufen, doch wie wir erschrocken feststellten, war alles ausverkauft. Also fuhren wir um 5 in die nächst größere Küstenstadt, Machala und setzten uns dort in den Panamericanabus nach Quito. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommen, der immernoch schlechten Straßenbedingungen dauerte die Reise dann nochmal 16h, bis wir in Quito ankamen. Als ich dann gegen Mittag zur Farm runterlief, traf ich auch auf den Rest der Freiwilligen, die den Karneval im total überteuerten Küstenort Montanita verbracht hatten.

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