Mit der Militärschule auf Dschungeltour – Reventador und San Rafael

Die Wochenendtouren nehmen kein Ende – so rief mich Kai mitte letzter Woche an und meinte dass er am Wochenende Richtung Urwald, nach El Chaco, aufbrechen würde. Zusammen mit der Noventa (9. Klasse) des Colegio Militar (Militärschule) seiner beiden Gastcousinen wollte er eine Tagestour zu einer Ölpumpstation machen. Da ich sowieso geplannt hatte, dort in die Nähe zu fahren, sprang ich kurzer Hand auf die Tour mit auf. Also fuhr ich Freitag, nach der Arbeit – versteht sich, nach Lumbisi (Vorort von Quito), quartierte mich beim Kai ein, um am nächsten morgen pünktlich um 6 Uhr mit den zwei Cousinen an der Bushaltestelle zu stehen, wo wir von dem gemieteten Schulbus eingesammelt werden sollten. Gegen 7 saßen wir dann mit 50 uniformierten Schülern und Schülerinnnen zwischen 13 und 16 Jahren im Bus. Da es weder Sitz- noch Stehplätze gab, machten wir es uns auf der Motorklappe, so gut es ging, gemütlich, während 50 Augenpaare und ganz entgeistert musterten. Der Bus schlängelte sich im Schneckentempo nach Osten zum Pass von La Virgin auf 4000m hinauf. Wir konnten von dort aus einen kurzen Blick auf den schneebedeckten Vulkan Antisana erhaschen. Danach führte uns die Straße immer bergab in Richtung Amazonastiefland. Bei Baeza bogen wir links nach Norden ab und folgten der Straße eine weitere Stunde nach El Chaco. Das kleine verschlafen Nest dient als Zwischenstop für Tanklaster und Busse auf dem Weg in die Tiefen des Dschungels bei Lago Agrio und Coca. Viele kleine Comedors (billige Restaurants), Tankstellen und Vulcanizadores (Mechaniker, die LKW-/Busreifen komplett reparieren). Von dort aus machten wir uns zu einer Pumpstation der staatlichen Ölfirma Petroecuador. Dort angekommen, bewegten sich die Schüler in einer Zweierreihe marschierend über das Gelände der Station. Die Führung war langweilig, da alles vollautomatisch verlief und keiner der Arbeiter, vor Ort, wirklich Ahnung von dem Werk hatte. So wurden wir mit denn riesiegen Bildschirmen im Kontrollzentrum vertraut gemacht und mit Zahlen bombadiert. Im Grunde dient diese Station nur um das aus dem Oriente (Amazonasgebiert Ecuadors) Öl über den Bergpass nach Quito zu pumpen.Nach einer Sunde stiegen wir wieder in den Bus und wollten noch die Ölspuren des letzten Pipelinebruchs an den Flussufern besichtigen, aber dort wo wir zum Fluss Salado hinabstiegen, waren weit und breit keine schwarzen Ränder aufzufinden. Da der Bus, samt Schülern, noch am selben Tag die 4stündige Strecke zurückmusste, ging es zurück nach El Chaco und zum vorbestellten Mittagessen, für 50 Schüler. Danach verabschiedeten Kai und ich uns von den Lehern und Schülern und folgten im nächsten Camionetta (Taxi im PickUp Format) der Straße weiter bergab in Richtung Amazonastiefland. Nach 50min kamen wir an der Hosteria El Reventador an. Weit abgelegen von jeglicher Zivilisation erhofften wir uns problemfrei eine Habitación (Hotelzimmer) zu bekommen. Doch überraschender Weise war alles mit den Ingenieuren der Ölfirmen belegt. Da der Eigner nicht da war, mussten wir auf eine endgültige Zu- oder Absage warten, also machten wir uns in der Zwischenzeit zum angeblich größten Wasserfall Ecuadors San Rafael (140m). Vorbei an einer Siedlung der Ölarbeiter ging es auf einem matschigen Pfad hinunter zum Aussichtspunkt gegenüber des Wasserfalles am Fluss Salado. Das Fotoshooting blieb natürlich vor der beeindruckenden Kulisse nicht aus, doch da Regen und Nebel aufzog, machten wir uns schleunigst auf den Rückweg, in der Hoffnung doch noch zwei Schlafmöglichkeiten in der Hosteria zu finden. Glücklicher Weise war noch ein Zimmer frei und wir quartierten uns ein, aßen, hüpften noch in den mit flusswasser-bespeissten Pool und fielen erschöpft ins Bett. Am Abendbrotstisch hatten wir uns zuvor noch überlegt, wir am nächsten Tag am einfachsten und schnellsten auf den naheliegenden Vulkan Reventador (3572m) steigen konnten. Unser Kellner verhalf uns dann zu einem 17jährigen Führer, da Aussagen zufolge, eine Erkundungstour auf eigene Fast einem Himmelfahrtskommando gleichen würde. Also heuerten wir den 17jährigen Flo für 20 Dollar an um uns am nächsten morgen zum Fusse des Berges auf die immernoch warmen Lavaströme zu bringen. Wie geplannt trafen wir uns am nächsten Morgen um 6 um den Trek anzutretten. Zum Glück hatten wir nicht bei den 2 USD für die Gummistiefel gespart, da sich nach kurzer Zeit im tiefsten Unterholz des Nebelwaldes, vom Regen aufgeweichte Pfade und Schlammlöcher auftaten. Da der Pfad durch Flussbette führte und Regenfälle dies völlig zerstört und mit Bäumen übersät hatte, wäre es ohne Flo und seine Machete garnicht möglich gewesen, den Pfad zu finden, geschweige denn zu folgen. Nach 2 sehr feuchtwarmen Stunden durch die Täler und über die Kämme des Waldes kamen wir klitschnaß geschwitzt an den Lavafeldern des Ausbruches 2002 an. Sie waren bereits von Moos und kleineren Pflänzchen überwachsen. Tiefhängende Wolken versperrten die Sicht auf den sich kegelförmig aufbäumenden Vulkan. Nach einer weiteren halben Stunde auf den 7 Jahre alten Lavafeldern kamen wir an den 8 Monate jungen Geröllbergen aus Lavagesteinsbrocken an. Schon aus einiger Entfernung konnte man den Wasserdampf ausmachen, der aus dem schwarzen Gestein empor stieg. Als wir näher kamen, wurde es auch allmählich wärmer. Wir kletterten die 4m hohe Geröllwand hinauf und sprangen zwischen dem Dampf auf dem Gestein umher. Da wir hiermit das Ende unsere Wanderung erreicht hatten, ließen wir uns auf den scharfkantigen Vulkangestein nieder und aßen unser mitgebrachten Proviant. Flo zeigte uns einige Videos vom letztmaligen Ausbruch, wie sich die glühend rote 4m hohe Geröllwand gemächlich talwärts wälzte und alles was sich ihr in den Weg stellte, unter sich begrub. Zunehmende Nebelschwaden machten jegliche Sicht jenseits der 10m unmöglich. Gegen halb 10 traten wir den Rückweg an. Von dem endlosen Geröllhaufen herunter und über die Lavafelder zurück. Auf Grund des noch dichteren Nebels irrten wir eine halbe Stunde lang planlos durch die karge Vegetation um den Eingang zurück in den Dschungel zu finden. Wieder im dichten Unterholz angekommen, entschloss sich Flo auf unerklärliche Weise eine Verfolgungsjagd zu starten. Also begannen Kai und ich ebenfalls durch die Schlammlöcher, über die Baumstämme und die steilen Abhänge hinab und hinauf zu rennen. Das alles endet nach einem Viertel des Weges mit ein paar gedehnten Bändern in Kais Mittelfuss. Von dort an ging es dann etwas langsamer, aber dennoch zügig voran. Gegen dreiviertel 12 kamen wir wieder an unser Hosteria an, sprangen in den erfrischenden Pool und setzten uns in den nächsten Bus zurück nach Quito.

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