Archiv für April, 2009

Kaffeepflanzen in Pucará – Intag

Veröffentlicht in Up To Date am April 19, 2009 von paulnaglatzki

Nach einer kurzen Arbeitswoche und einigen Fussballspielen mit den Quitoschülern ging es Freitag auch schon wieder auf Reisen. Kai, Alex und ich wollten Stuarts langjährigem Kumpel Pete auf seinem neu gekauftem Land beim Pflanzen von 1000 Kaffeepflanzen helfen. Also saßen wir um 12 Uhr im Bus in Otavalo der uns in das 3h entfernte Pucará bringen sollte. Pucará ist eine kleinen 100 Seelengemeinde in der Intagregion, westlich von der Farm. Die holpgrige 60km Schuttstraße führt über einen 4000m Pass hinab in das Intagtal auf 2000m, doch die unübliche Ausrichtung lässt die Temperaturen und Regenfälle in diesem Andenausläufer ungewöhnlich hoch ansteigen. So können Bananen, Zuckerrohr, Avocados, Zitronen, Granadillas und natürlich auch Kaffee mit höchstmöglichem Ertrag angebaut werden. Pete, gebürtiger Ami, wohnt seit 12 Jahren in Ecuador und leitet die Organisation Inti Chinkani (Sonnenpfad). Mit Hilfe von Freiwilligen aus den Staaten und Europa hilft er kleinen Gemeinden Wohnhäuser, Schulen und kleine Manufakturen und Einkommenmöglichkeiten zu etablieren. So auch in der Gemeinde von Pucará. Seit 4 Monaten ist er nun stolzer Landbesitzer von 10ha. Mit diesem Glückstreffer, hat er ein Stück Erde mit einem beeindruckenden 360° Rundblick auf die Andenausläufer und die Vulkanfront, zahlreichen Früchtbäumen und besten Boden für Kaffee erworben. Der Kaffeeanbau ist in der Intagregion ist zur Haupteinnahmequelle geworden. Rund 400 Kaffeefarmer bauen organischen Kaffee an und das getrockenete und gemahlenen Endprodukt wird für Feinschmecker nach Europa und Japan verschifft und für umgerechnete 20USD verkauft. Da Pete nun auch Socio (Mitlied) dieser fairtrade (gerechte gehandelt) Vereinigung ist, muss er seinen Beitrag zur Kaffeeproduktion liefern. Der Anfang sollte dann am Samstag mit den ersten Pflänzchen geleistet werden. Wir kamen am Freitag im größeren Nachbarort Apuela an, und luden die 7-10cm großen Pflänzchen in einen LKW. Ursprüglich sollten 2000 neue Kaffeebüsche in die Erde kommen, doch mehr als 1000 passten beim besten Willen nicht auf die Ladefläche. Wir fuhren zurück nach Pucará und luden mit Hilfe der Gemeinde die Pflanzen am Eingang zu Petes Land ab. Nachdem wir eine kleine Tour über das Land bekamen, quartierten wir uns bei einer Familie der Gemeinde ein. Nach einer geräuschvollen Nacht ging es bereits um 7 an die Arbeit. Mit 8 Gemeindemitgliedern mussten die 1000 Pfanzen ersteinmal in Kiepen und Taschen 900m über Petes Land zum Pflanzort gebracht werden. Der Pfad war steil und glibbschig und führte durch knöcheltiefen Matsch. So konnten maximal 20 Pflanzen pro Person und Tour transportiert werden. Irgendwann waren dann aber alle Pflanzen an ihrem Bestimmungsort und wir begannen am 45° steilen Hang im Abstand von 2m Löcher zu graben und die Pflanzen in die Erde zu setzten. Die Sonne brannte und es schien gar nicht mit der Knochenarbeit voran zu gehen. Gegen 12 aßen wir kurz zu Mittag und kehrten dann mit der Vorstellung zurück bereits die Hälfte gepflanzt zu haben. Da dann auch kein Platz mehr zum Pflanzen war, mussten wir die restlichen Pflanzen zu einem anderen Hang transportieren. Dort waren wir dann noch 3 weitere Stunden zu Gange, bis auch endlich die 1000ste Pflanze im Erdloch angedrückt war. Gegen halb 5 kehrten wir völlig erschöpft zum Dorf zurück, schnappten unser Zeug und fuhren in die heißen Quellen von Nangulvi. Dort quartierten wir uns fuer die folgende Nacht ein und verbrachten den restlichen Abend unsere müden Muskeln in dem heißen Wasser zuentspannen und den Brand mit einem kühlen Bier zu stillen. Am nächsten Morgen hüpften wir nochmal in die heißen und kalten Pools und saßen um 9 im Bus zurück nach Otavalo und auf die Farm.
Das Leben auf der Farm ist im Moment ziemlich ruhig, da Alex und ich die einzigen Freiwilligen auf der Farm sind und am Montag wahrscheinlich nur eine weitere Freiwillige zu erwarten ist. Das macht das gesamte Haus etwas einsam und still. Doch es ist mal etwas anderes, zu dem sonst lebhaften und hektischen Kommen und Gehen der Leute aus aller Welt.

Cuyabeno – wo Flüsse Straßen ersetzten

Veröffentlicht in Up To Date am April 19, 2009 von paulnaglatzki

Aufgrund mangelnder Ausflugsmotivation waren die letzten Wochen eher weniger von wochendlichen Trips geprägt. Deshalb blieb etwas Zeit in Cayambe, dem Nachbarort, Party zu machen und sich einfach mal zu entspannen. Doch da nun Ostern bevorstand, und dies zwei Feiertage einschloss, entschlossen sich Kai und ich unsere lang geplante Dschungeltour Wirklichkeit werden zu lassen. Wir hatten uns in verschiedenen Agenturen nach günstigen Touren erkundigt. 35 USD pro Tag und Person für eine 5 Tagestour erwies sich als annehmbar. Da Kai sich um die komplette Organisation gekümmert hatte, wusste ich nicht was mich in Cuyabeno erwartet.
Das Naturschutzgebiet Cuyabeno befindetet sich in der Provinz Sucumbíos im Nordosten des Landes. Es umfasst 600.000ha und gilt als die beste und naturbelassenste Regenwaldregion des Landes. Typisch sind das ausgepräte Flusssystem des Rio Cuyabeno und Rio Aguarico mit seinen zahlreichen Süßwasserlagunen. Straßen gibt es keine, alles wird mit den bis zu 12m langen Einbäumen beschifft. Vereinzelt sind an den Ufern des Flusses Cuyabeno einige sogenannte „Lodges“ aus dem Bodengewachsen. Strohgedeckte Bambushotels die von Touragenturen unterhalten werden und Touristen im Naturreservat aufnehmen. Einheimische Pueblos (Dörfer) finden sich ebenfalls an den Flussufern, zB. die Kommune Puerto Bolivar. Eine funktionierende Gemeinde die vom Kakaoanbau und den interessierten Touristen lebt.
Aufbruch nach Osten – Mittwoch, 8.4.09
Nach einem halben Arbeitstag auf der Farm fuhr ich am frühen Nachmittag nach Quito, lies mir nochmal einen neuen Haarschnitt vor dem Dschungelabenteuer verpassen. Traf mich mit Kai und Jakob auf ein Bier. Da ich die beiden lange nicht gesehen hatte, gab es viel zu erzählen und wir planten unsere Abschlusstour nach Kolumbien. Gegen 21 Uhr stießen wir dann auf die restlichen 3 Dschungelabenteurer, Franziska (Schweiz), Madli (Estland) und Juliane (BRD) – ebenfalls aus unser Zivitruppe. Wir ließen Jakob zurück und nahmen den letzten Bus zu Terminal Terrestre (Busbahnhof) und saßen halb 11 im Bus der Cooperativa Trans Esmeraldas nach Osten hinab ins Amazonasbecken. Der Nachtbus sollte uns über den Andenpass La Virgin in 8h nach Lago Agrio, der größten Stadt in Sucumbíos bringen. Die Provinzhauptstadt gilt als Tor zum Cuyabeno- und nehegelegenen Yasuni Reservat.
Ankunft im Lager – Donnerstag, 9.4.09
Gegen 7 Uhr morgens kamen wir in der vor Hitze brühtenden Stadt an und ließen uns am vereinbarten Treffpunkt Hotel D’Mario absetzten. Dort wartete auch schon der Eigner Luis unserer Lodge, die eigentlich nicht diese Bezeichnung verdient. Er stellte sich kurz vor, etwas nervös wirkend. Wir bezahlten die zweite Hälfte des vereinbarten Preises, da wir bereits ein Anzahlung geleistet hatten. Daraufhin machte sich Luis auf den Weg Lebensmittel und Diesel zu besorgen, da die Einfuhr von Diesel ins Reservat limitiert ist, brauchte er die Bestätigung, dass wir wirklich vor Ort waren und die Tour antraten. Während den 3 Wartestunden wurden wir von dem Cuyabenobiologen Mario über das Cuyabenoreservat, seine Probleme und die Artenvielfalt, aufgeklärt. Unser Treffpunkt, das Hotel D’Mario, schien Ausgangspunkt für verschiedenen Agenturen zu sein. Den bald fuhren Fuhrparks der verschiedenen Lodges vor und profesionelle englischsprechende Führer, mit Shirts auf denen das Emblem und der Name der Lodge abgedruckt war, sammelten ihre Tourkandidaten ein und machten sich auf den Weg. Bereits da wurde uns bewusst, warum unsere Tour vergleichsweise billig war und es aufgrund dessen an Professionalität mangelte. Doch wir waren guter Dinge und stiegen voller Erwartung in die Bussetta (Kleinbus), denn endlich ging es los. Noch schnell die fast vergessenen Lebensmittel eingeladen. Nach weiteren 3h Holpestraße, weitläufiger Sekundärvegetation und der stetigen Ölpipeline am Straßenrand kamen wir um 2 an der Puente Cuyabeno, dem Ausgangspunkt einer jeden Cuyabenotour, an. Dort trafen wir auch wieder auf die Fuhrparks der anderen Lodges. Wir besorgten uns die 5USD teuren Eintrittskarten zum Park, die normalerweise 20 kosten. Aber da wir den Censo (Ausländerausweis) haben, bezahlten wir wie üblich nur den Preis, den auch Ecuadorianer bezahlen. Anschließend aßen wir im Comedor (sehr einfach Restaurant) zum Mittag, trafen auf unsere eingeborene Führerinn und unseren Motorista (Steuermann) Victor, verluden unser Gepäck, Treibstoff, Lebensmittel und Trinkwasser in den Einbaum und machten uns auf den Weg zum 3h entfernten Lager. Der Fluss bahnte sich seinen Weg in zahllosen Schlenkern unter den Baumkronen durch das schier undurchdringlichen Unterholz. Hin und wieder mussten wir über umgekippte Bäume gleiten. Es verlangte Feinfühligkeit und Erfahrung den 40PS Motor mit sammt Einbaum um die engen Kurven zu dirigieren. Nach einer Stunde sahen wir auch schon die erste Gruppe kleiner Monos ardillas (Kapuzinaaeffchen), völlig beeindurckt beobachteten wir die sich von Ast zu Ast hangelnden Äffchen. Doch wir hatten noch einen langen Weg vor uns, also ging es weiter – am Eingang der größten Lagune vorbei, ein paar modernen Urwaldlodges links liegen lassend – hin zum Bootssteg unseres Lagers. Wir entluden das Boot und betraten die Lichtung, in mitten 30m hoher Baumriesen, die unser neues Quartier für die nächsten 5 Tage werden sollte. Eine handvoll strohgedeckter Schilfhütten waren auf der Lichtung verstreut. Victor führte uns auf dem Holzbretter Steg zu unserer Unterkunft. Ein erhöhtes Bretterpodest mit Schilfdach, ohne jegliche Wände oder sonstige Ausstattung. Für jeden von uns war je ein Zelt aufgespannt, ein Würfel aus Moskitonetz mit einer Matraze, also –ohne Loch- 100% moskitosicher. Nach der ersten Erkundungstour waren wir alle sehr zu frieden, es gab ein WC, eine Küche mit Essbereich, Wassertanks, ein Solarpanel und ein Notstromagregat. Meine Erwartungen waren damit schon übertroffen. Beim anschließenden Abendessen stellte sich herraus, dass wir die erste Touristen in diesem Lager waren und der Schlafbereich erst um 3Uhr nachts am Vortag fertig gestellt wurde. Das erklärte auch die eingängliche Nervosität des Eigeners und ein weitere Umstände der folgenden Tage. Bei den Mahlzeite konnte man jedoch nie Abtriche machen, wenn auch nicht immer ausreichend und pünktlich, war es immer sehr lecker. Darauf ging auch schon auf die erste nächtlich Wanderung. Mit Taschenlampe bewaffnet, erkundeten wir die Insektenwelt der Umgebung. Handtellergroße giftige Spinnen, riesige Raupen und Tausendfüssler und einige Frösche kreuzten den Lichtkegel der Taschenlampe. Erschöpft fielen wir dann auf unseren Matrazen und verbrachten die erste Nacht im Dschungel.
Caminatta und Pan de Yuca – Freitag, 10.4.09
Der angenehm sonnige Folgetag begann mit einem Bad im Piranha und Kaiman verseuchten schlammig braunen Fluss. Etwas skeptisch sprangen Kai und ich nach langem Zureden Victors in den Fluss. Allerdings nichts für Schwimmschwache, der seichte Fluss entpuppte sich als Strom mit starker Strömung, die jegliches Gegenanschwimmen fast unmöglich machte. Ohne Piranhabisse saßen wir halb 8 am Frühstückstisch bei Yogurt, Granola, Obstsalat und Rüherei. Kurz darauf brachen wir zur 3h stündigen Caminatta (Regenwaldwanderung) auf. Zurerst ein halbe Stunde im Boot, stromabwärts. Dort wurden wir abgesetzt und machten uns auf den Weg, der uns zurück zum Lager führte – voran Victor, mit Machete bewaffnet. Vorbei an Cebos, Baumriesen mit den typischen Bretterwurzeln, die früher als Kommunikationsmittel benutzt wurden. Mit einem schweren Ast auf die Wurzeln schlagend ertönt ein weithörbarer dumpfer Ton. Das Erspähen von Tieren, die über die Größe von Spinnen und Raupen hinausging blieb aber auf einen Papageien und einen Geko beschränkt. Ein paar nützliche Überlebenstips für den Dschungel entschädigten jedoch dafür. So baute Victor aus ein paar Ästen eine Falle für Kleingetier. Unterwegs wurden wir dann auch noch von einem Regenschauer überrascht. Zwischen den Brettwurzeln des Cebobaumes fanden wir Unterschlupf. Rasch brachte Victor ein paar Palmenwedel heran und überdachte den kleinen Unterschlupf. So verharten wir eine halbe Stunde. Da Regen ebenfalls Wind mit sich bringt, und einige morsche Äste herunterfallen, ist es nicht ratsam bei Wind im Urwald umherzu wandern. Da sich aber weder Regen noch Wind legten, beschlossen wir unseren Marsch fortzusetzen. Unglücklicher Weise hatten wir auch unsere Ponchos de Agua (Regenmäntel) vergessen, aber das dichte Blätterdach der Baumkronen bot guten Regenschutz. Dennoch kamen wir völlig durchnäßt, pünktlich zum Mittagessen, am Lager an. Am Nachmittag ging es dann weiter stromabwärts zur Gemeinde von Puerto Bolivar. Dort trafen wir auf eine Dorfbewohnerin, die mit uns Pan de Yuca (Yuccabrot) machte. Zu erst bahnten wir uns den Weg zu einer Lichtung, gruben die Yuccawurzel aus, schälten sie und gingen zurück zum Gemeindepavailon, wo schon das Feuer knisterte. Die Yuccawurzeln wurden zu einem feinen Brei gerieben und in Band aus Palmenblättern eingewickelt. Durch verdrehen der Palmenblätter wurde die gesamte Feuchtigkeit aus dem Brei gepresst und übrig blieb halbtrockenes Yuccamehl. Dieses verteilte die geschickte Dorfbewohnerin auf einer Tonplatte in mitten des Glutbettes, drückte es an und fertig war die millimeterdünne Brotscheibe, mit etwas Marmelade und Zuckersirup ein willkommener Nachmittagssnack. Da die Dorfbewohner die Komerzialität in dieser Demonstration entdeckt hatten und wir ja nicht die ersten Touristen dort waren, bezahlten wir den obligatorischen Preis von 2 USD pro Person. Mit vollem Magen keehrten wir zum Lager zurück. Da die Sonne noch nicht am Horizont verschwunden war, entschieden Kai und ich noch eine kleine Paddeltour zu starten. Neben dem Motoreinbaum, der eigentlich kein Einbaum war, gab es noch zwei weitere kleinere Einbäume. Eines für 3-4 Personen und einen Einmanneinbaum. Kai entschied sich für das Größere, welches schon keine Spitze mehr hatte und bei leichtem Wellengang volllief. Ich versucht mich an dem kleinen, welches gerademal 30cm breit war. Etwas wacklig paddelte ich in die Mitte des Flusses und merkt das Boot auf einmal volllief. Ich hatte mich zu weit hinten hingesetzt. Und beginnend am hinteren Ende lief das gesamte Boot voll und kippte um. Die Strömung tat ihr übriges. Völlig erschöpft, das gekennterte Boot ziehend, kam ich jedoch am rettenden Steg an. Kai wäre vor Lachen fast ebenfalls in seinem Äppelkahn umgekippt. Am Abendbrotstisch begann dann jeder die unzähligen Mückenstiche wundzukratzen. Glücklicherweise war ich größtenteils verschohnt geblieben. Nachdem wir Victor nach einem Mittel gegen den Juckreiz gefragt hatten, holte er uns eine Brennnessel aus dem dichten Unterholz und begann zu erst Kais Knöchel und dann seine Schulter damit „auszupeitschen“, angeblich klang der Juckreiz ab und wurde durch das Brennen der Brennnessel abgelöst. Doch wenigsten konnten so alle nach einer Brennnesselbehandlung ruhig schlafen.
Die Lagune Cuyabeno – Samstag 11.4.09
Nach dem Frühstück brachen wir zur Tagestour stromaufwärts in Richtung Lagune Cuyabeno auf. Dort angekommen, kurvte wir zwischen den Mangrovenbäumen und anderen im Wasser wachsenden, von Bromelien besetzten, Bäumen umher. Auf der Suche nach Anacondas inspizierten wir einige Baumhöhlen, in denen die Riesenreptilien wohnten, doch da es sehr heiß war, waren sie auf Nahrungssuche – unterwegs in den Tiefen des Mangrovensumpfes. Also fuhren wir an eines der nahegelegenen Ufer und machten ein Wanderung die unter dem Titel Heilpflanzen laufen sollte. Doch viel erklärte unsere einheimische Führerinn zu den magisch heilenden Tees und Früchten nicht. Doch geschickt flocht sie, innerhlab von Minuten , einen 100% ökologischen Rucksack aus einer der Palmpflanzen. Es folgten weitere Tips und Kniffe zum Urwaldüberleben; Wasser aus einer Liane und Angelsehne aus einem Kaktus. Nach einer erfrischenden Badepause, in mitten des Sees – trotz Angst vor Anacondas – legten wir an einer Insel an einer verlassenen Siedlung aus Cabañas (kleine strohgedeckte Bungalows) an und verzehrten unseren mitgebrachten Arroz Relleno (Reis mit Gemüse und Hühnchen). Angeblich hatte Victor in dieser Cabañas Siedlung zuvor gearbeitet, musste aber auf Grund der Schließung einen neuen Job finden. Gesättigt verließen wir die Insel und die Lagune und folgten dem Rio Cuyabeno weit stromaufwärts in einen kleinen Nebenarm der in einer weiteren Lagune mündet, von dort aus mussten wir dann paddeln, da motoren verboten um die dort lebenenden Seekühe und Flussdelphine zu schützen. Also paddelten wir am Rande der Lagune entlang, zu einem Seegrasfeld. Dort packten wir dann die Stöcker aus, an denen vorne 2m Sehne und ein Hack befestigt war. Die mitgebrachte Hühnerbrust wurde zerteilt und auf gespiesst. Nach guten 10 Minuten hatte Madli auch schon den ersten Piranha am Hacken. Der 15cm große Raubfisch hatte sich mit seinen messerscharfen Zähne im Fleisch verbissen. Es folgte ein weiterer, kleinerer Piranha, den wir kleinschnitten und ebenfalls als Köder benutzten. Doch leider fingen wir für eine Weile nichts. Wir probierten noch ein paar andere Stellen in der Lagune, aber bei der brennenden Sonne wollte einfach nichts anbeißen. Also paddelten wir zurück und probierten unser Glück erneut in den seichteren Bereichen des Flusses. Dort ging es dann nocheinmal heiß her, wir zogen einen Piranha nach dem anderen aus dem Fluss, zwischen drinn fanden sich auch noch ein paar Welse. Da es bereits spät war und der Sonnenuntergang bevorstand, fuhren wir zurück zur Lagune und auf den Caido del Sol (Sonnenuntergang) wartend schwammen wir noch ein paar Runden ums Boot. Der zuerst tiefblaue Himmel hatte seine Farbe zu violett gewechselt und ist dann mit zunehmender Dämmerung in ein tiefes Rot übrgegangen. Ein paar unbeschreibliche Augenblicke in der Mitte des Sees, bei spiegelglattem Wasser die Abendsonne in ein einem Einbaum genießen. Diese Erlebniss wollt auch die Touristen der anderen Lodges nicht missen, so versammelten sich während des Sonnenuntergangs ca. 10 weitere Boote in der Lagune. Auf dem Rückweg führen wir noch an einer Insel vorbei, auf der sich tausende von Vögeln umherjagten und keine Ruhe fanden. Da die Dunkelheit sich über das Urwalddickicht legte und wir noch 1h zurück zum Lager mussten, blieb es unumgänglich durch die stockdunkle Nacht auf den engen Wasserstraßen entlang zu gleiten. Bis auf einen kleinen Zusammenstoß mit einem im wasserschwimmenden Baumstumpf gab es aber überraschenderweise keine weiteren Zwischenfälle. Unversehrt und völlig erschöpft kamen wir am Lager an wo uns dann unter anderem die gefangenen Piranhas zubereitet wurden. Es war zwar ausser den Greten nicht viel drann, aber dennoch sehr schmackhaft.
Schamane und Paddeltour – Sonntag, 12.4.09
Der Morgen begann total bewölkt und verregnet. Es sollte kein schöner Tag werden, das war dem Wetter bereits da anzumerken. Beim Frühstück waren alle von Mücken zerfressen und die Stimmung war auf dem Tiefpunkt, hinzukam das es Ostersonntag war und alle an die Heimat und die Familie dachten. Nichts desto trotz ging es nach dem Frühstück mit Regenponchos ausgestattet, stromabwärts, das Pueblo Puerto Bolivar links liegen lassend zu dem Schamanen Alberto. Unterwegs überraschte uns noch ein Regenschauer und die Ponchos kamen das erste Mal zum Einsatz. Um zum Schamanen zu gelangen mussten wir noch eine Stunde durch durchweichten Urwaldboden waaten. Völlig durchnäßt kamen wir beim Schamanen an. Wir betraten seinen Zeremonieraum, er trat aus seinem Zimmerchen und nahm uns in Empfang. Sein Kleidung war Bilderbuchtauglich – bunte Feder um den Hals, auf dem Kopf und durch die Nase. Stolz berichtete der 70jährige uns von seiner bisherigen Karriere als Heilpraktiker. Er hat angeblich schon einer Amerikanerin zum Laufen verholfen, bei der herrkömmliche Medizin versagt hätte. Am Ende vollzog er noch ein Reinigungsritual an unserem Versuchskanichen Kai. Dazu fuchtelte er wild mit einem Blätterbusch hinter Kais Rücken herum und murmelte ein paar Laute vor sich hin. Doch nachdem die gesamte Vorstellung schon nach 15min vorbei war und er dann von jedem von uns 2 USD verlangte, kamen wir doch etwas auf den Arm genommen vor. Da auch schon die nächste Gruppe auf die Vorstellung wartete, mussten wir uns auch wieder verziehen. Auf dem Rückweg legten wir noch einen Zwischenstopp in der Kommune Puerto Bolivar ein. Dort waren gerade die allsonntäglichen Fussballmeisterschaften in vollem Gange. Da es jedoch wie aus Kannen goß war es eher eine Mischung aus Schlammketschen und Balltreten. Es kam kein wirkliches Spiel zu stande, doch es war amüsant anzuschauen. Als wir zurück im Lager am Mittagstisch saßen klarte der Himmel auf einmal auf und wir bereiteten uns auf die geplannte Paddeltour stromaufwärts vor. Badehose, Remo (Stechpaddel) und der Einbaum. Gegen den Strom zu paddeln war ermüdend und dazu noch das Gleichgewicht im Boot zu halten, war nicht ganz einfach. Nach ein paar giftigen Raupen und Fröschen konnten wir dann auf einem Seitenarm auf Grund umgekippter Bäume nicht passieren. Also kehrten wir um und es ging stromabwärts zum vertrauten Steg zurück. Singend und kaum paddelnd trug uns die Strömung innerhalb kurzer Zeit zurück. Am Abend bestanden wir dann noch auf eine nächtliche Ausfahrt um Kaimane zu sehen. Doch da wir uns in der Regenzeit befanden, de Flüss angeschwollen waren, hatte sich die Kaiman tief in die flacheren unzugänglichen Bereiche verzogen. Ausser einigen Spinnen und Fröschen gab es mal wieder nichts zu sehen. In einem Seitenarm bahnten wir uns den Weg über und unter umgekippte Bäume mussten schließlich umkehren da ein Baumriese den Weg versperrte. Abenteuer pur!
Rückkehr nach Lago Agrio – Montag 13.4.09
Die geplante Vogelwanderung in der Morgendämmerung des letzten Morgens fiel leider sprichwörtlich ins Wasser, das erste Mal, dass uns das Wetter ein Strich durch die Rechnung machte. Also packten wir unsere sieben Sachen und ließen das Lager zurück, unsere Köchin und Führerin ebenfalls an Board. Kaum hatten wir abgelegt, klarte der Himmel auf und wir fuhren unter drückender Hitze und strahlend blauem Himmel die 3h flussaufwärts zurück zur Puente Cuyabeno, wo unsere Reise auch begonnen hatte. Unterwegs sahen wir neben den Eichhörnchenäffchen noch allerhand buschiger schwarzer Affen, deren Name ich leider vergessen habe. Gegen 1 kamen wir dann am Ausgangspunkt an, aßen zu Mittag und hofften bald in die Privatbussetta der Veranstalter zu steigen, anstatt dessen saßen wir in der nächsten Eci-Klapper-Kiste von Bus. Doch da wir uns die Sitze in der ersten Reihe gesichert hatten, wurde auch diese 3stündige Busfahrt etwas interessanter. Zurück in Lago Agrio verabschiedeten wir noch von unserem Veranstalter und verbrachten die verbleibenden Stunden im Internetcafé und Mr.Pollo (Hühnchen Restaurant), bis wir dann um 8 im Nachtbus nach Hause saßen. Die nächtliche Fahrt wurde allerdings von zwei halbstündigen Polizeidrogenkontrollen unterbrochen.
Etwas ausgelaugt kam ich pünktlich zum Ernten am Dienstagmorgen um 8 auf der Farm an. Außerdem hatten wir in dieser Woche 93 Schüler aus Quito auf der Farm. Dies brachte weitere Abwechslung, da ich in der Küche aushilf und Gemüse schnibbelte, Sandwiches machte und Essen verteilte. Am Mittwoch fuhren wir mit den Schülern in den nahegelegenen Bosque Protector de Jerusalen (Naturreservat) und forsteten dort weite Grassflächen mit dem dort heimischen Trockenbaum Campeche auf. Das Naturreservat um Jerusalen ist in einem Tal mit ganz eigenem Klima gelegen. Die niedrige Niederschlagsrate und hohen Temperaturen auf 2400m haben die Flora und Faune in einen Wald verwandelt, der in Ecuador und Südamerika einzigartig ist.Das Naturreservat wurde nach Erklärung als Nationalpark zu Erholungszentrum für Familien und Schulklassen aufgerüstet. Mit Camping, Naturlehrpfaden, seltenen Vogelarten und dem einzigartigen Ambiente locken die Veranstalter. Des weiteren sollen weite Teile des gerodeten Waldes mit natürlichen Bäumen wieder aufgeforstet werden. Die Stiftung unserer Farm ist Teil dieser Wiederaufforstung und so werden mit jeder Schulklasse die auf die Farm kommt zwischen 500 und 1000 neue Bäume gepflanzt. Das bringt Abwechslung in den Gartenalltag und verbessert die Spanischkenntnisse.