Kaffeepflanzen in Pucará – Intag
Nach einer kurzen Arbeitswoche und einigen Fussballspielen mit den Quitoschülern ging es Freitag auch schon wieder auf Reisen. Kai, Alex und ich wollten Stuarts langjährigem Kumpel Pete auf seinem neu gekauftem Land beim Pflanzen von 1000 Kaffeepflanzen helfen. Also saßen wir um 12 Uhr im Bus in Otavalo der uns in das 3h entfernte Pucará bringen sollte. Pucará ist eine kleinen 100 Seelengemeinde in der Intagregion, westlich von der Farm. Die holpgrige 60km Schuttstraße führt über einen 4000m Pass hinab in das Intagtal auf 2000m, doch die unübliche Ausrichtung lässt die Temperaturen und Regenfälle in diesem Andenausläufer ungewöhnlich hoch ansteigen. So können Bananen, Zuckerrohr, Avocados, Zitronen, Granadillas und natürlich auch Kaffee mit höchstmöglichem Ertrag angebaut werden. Pete, gebürtiger Ami, wohnt seit 12 Jahren in Ecuador und leitet die Organisation Inti Chinkani (Sonnenpfad). Mit Hilfe von Freiwilligen aus den Staaten und Europa hilft er kleinen Gemeinden Wohnhäuser, Schulen und kleine Manufakturen und Einkommenmöglichkeiten zu etablieren. So auch in der Gemeinde von Pucará. Seit 4 Monaten ist er nun stolzer Landbesitzer von 10ha. Mit diesem Glückstreffer, hat er ein Stück Erde mit einem beeindruckenden 360° Rundblick auf die Andenausläufer und die Vulkanfront, zahlreichen Früchtbäumen und besten Boden für Kaffee erworben. Der Kaffeeanbau ist in der Intagregion ist zur Haupteinnahmequelle geworden. Rund 400 Kaffeefarmer bauen organischen Kaffee an und das getrockenete und gemahlenen Endprodukt wird für Feinschmecker nach Europa und Japan verschifft und für umgerechnete 20USD verkauft. Da Pete nun auch Socio (Mitlied) dieser fairtrade (gerechte gehandelt) Vereinigung ist, muss er seinen Beitrag zur Kaffeeproduktion liefern. Der Anfang sollte dann am Samstag mit den ersten Pflänzchen geleistet werden. Wir kamen am Freitag im größeren Nachbarort Apuela an, und luden die 7-10cm großen Pflänzchen in einen LKW. Ursprüglich sollten 2000 neue Kaffeebüsche in die Erde kommen, doch mehr als 1000 passten beim besten Willen nicht auf die Ladefläche. Wir fuhren zurück nach Pucará und luden mit Hilfe der Gemeinde die Pflanzen am Eingang zu Petes Land ab. Nachdem wir eine kleine Tour über das Land bekamen, quartierten wir uns bei einer Familie der Gemeinde ein. Nach einer geräuschvollen Nacht ging es bereits um 7 an die Arbeit. Mit 8 Gemeindemitgliedern mussten die 1000 Pfanzen ersteinmal in Kiepen und Taschen 900m über Petes Land zum Pflanzort gebracht werden. Der Pfad war steil und glibbschig und führte durch knöcheltiefen Matsch. So konnten maximal 20 Pflanzen pro Person und Tour transportiert werden. Irgendwann waren dann aber alle Pflanzen an ihrem Bestimmungsort und wir begannen am 45° steilen Hang im Abstand von 2m Löcher zu graben und die Pflanzen in die Erde zu setzten. Die Sonne brannte und es schien gar nicht mit der Knochenarbeit voran zu gehen. Gegen 12 aßen wir kurz zu Mittag und kehrten dann mit der Vorstellung zurück bereits die Hälfte gepflanzt zu haben. Da dann auch kein Platz mehr zum Pflanzen war, mussten wir die restlichen Pflanzen zu einem anderen Hang transportieren. Dort waren wir dann noch 3 weitere Stunden zu Gange, bis auch endlich die 1000ste Pflanze im Erdloch angedrückt war. Gegen halb 5 kehrten wir völlig erschöpft zum Dorf zurück, schnappten unser Zeug und fuhren in die heißen Quellen von Nangulvi. Dort quartierten wir uns fuer die folgende Nacht ein und verbrachten den restlichen Abend unsere müden Muskeln in dem heißen Wasser zuentspannen und den Brand mit einem kühlen Bier zu stillen. Am nächsten Morgen hüpften wir nochmal in die heißen und kalten Pools und saßen um 9 im Bus zurück nach Otavalo und auf die Farm.
Das Leben auf der Farm ist im Moment ziemlich ruhig, da Alex und ich die einzigen Freiwilligen auf der Farm sind und am Montag wahrscheinlich nur eine weitere Freiwillige zu erwarten ist. Das macht das gesamte Haus etwas einsam und still. Doch es ist mal etwas anderes, zu dem sonst lebhaften und hektischen Kommen und Gehen der Leute aus aller Welt.