Archiv für Mai, 2009

Bogotá / Karibikkueste – erste Tage in Kolumbien

Veröffentlicht in Up To Date am Mai 28, 2009 von paulnaglatzki

Für die vorletzte Maiwoche hatten sich dann 18 Studenten aus Michigan bei uns auf der Farm eingeniste. Es war die erste Freiwilligengruppe, die während meiner Zeit die Farm aufsuchte. Sie sollten im Garten helfen, Bäume auf der Farm pflanzen und im Stall zur Hand gehen. Da das Freiwilligenhaus nicht solche Kapazitäten aufweist, schliefen sie in den Schlafräumen der grösseren Gebäude, wo sonst die Schüler aus Quito unterkommen. Die Idee war ein möglichst authentisches Bild der Farm in Versorgung und Lebenstil rüberzubringen. Deshalb machten wir unseren eigenen Käse, eigene Marmelade und aßen alles was möglich war aus dem Garten.  Diese Idee war allerdings mit viel Aufwand verbunden, jeden Tag vor jeder Mahlzeit ernten, waschen und zubreiten. Da wir die zwei Familienmütter der Farm, Lucia und Ruth, als Köchinnen engagiert, hatten hilf ich die ganze Zeit in der Küche und dem Essensraum aus. Es war einen angenehme Abwechslung zur sonst öden  Gartenarbeit. Die gesamte Woche war jedoch anstrengender als jede andere Arbeitswoche zuvor. Umsomehr freute ich mich auf den anschliessenden langgeplannten Urlaub mit den Jungs. Unsere Zivigruppe, bestehend aus den beiden Kais und Jakob, hatte es nun endlich geschafft den Abschlussurlaub nach Kolumbien anzutreten. Also saßen wir allesamt am Morgen des 23. Juni im Ormeno Bus nach Bogotà. Gegen Mittag erreichten wir dann die Grenze zu Kolumbien, holten uns Aus- und Einreisestempel und weitergings nach Norden, über Pasto und Cali nach Bogotà. Zwischen Grenze und Bogotà sind wir dann 5mal von Polizei und Militär angehalten und kontrolliet worden. Die verschärften Kontrollen waren angeblich notwendig, da der komplette Sueden Kolumbien noch bis vor einigen Jahren von Guerilla und FARC besetzt war. Erst durch strikte Sicherheitsvorkehren und Militäraufkommen wurden die nationalen Straßen sicherer und befahrbar. Völlig ausgelaugt kamen wir am Mittag des 24. Juni in Bogota an und setzten uns ins Taxi in das historische Zentrum von Bogotà. Völlig überrascht von dem Standard auf Busbahnhof und Taxistand. Der Terminal ähnelte einem Flughafen und um ein Taxi zu nehmen musste man sich ein Ticket ziehen, alles etwas professioneller, als wir es von Ecuador gewohnt waren. Der Taxifahrer bracht uns zu einem der Hostals, wir checkten ein und ging zunächst einmal auf Nahrungssuche. Da wir noch immer fast ohne Geld wahren, mussten auch ertsmal kolumbianische Pesos abheben. Da ein US-Dollar 2200 Pesos entspricht, fuehlten wir uns fast wir Millionäre. Denn wann hebt man denn schonmal 400 000 von seinem Konto ab. Effektiv waren es jedoch grade mal 130 Euro. Es war sehr ungewohnt 50 000 COP (kolumbianische Pesos) und 20 000 COP Scheine in den Händen zu halten. Nach einem reichlichen Mittagessen, erkundigten wir noch ein wenig die Stadt; kauften Spaghetti, Tomaten und Soße und kochten in der Hostaleigenen Küche Spaghetti Bolognese zum Abend. Das Nightlife in Bogotà danach noch zu erkunden erwies sich, mit der Busfahrt noch in den Knochen, als dumme Idee. Zum einen war die Partyzone einige Kilometer vom Hostal ernfernt, zum anderen war Sonntag und nicht zu letzt waren wir alle unglaublich muede. Also kurz ein Bier gezischt und dann wieder ins Taxi und zurueck.

Montag – Sightseeing in Bogota

Da der erste Abend in Bogotà bereits einen guten Eindruck vermittelt hatte, beschlossen wir in der sehr modernen südamerikanischen Hauptstadt nicht länger zu verweilen, da sie mit ihren Preisen und Standards sehr an europäische Städte erinnerte. Nur das Sicherheitsaufgebot war merklich höher, doch lieferte es nicht ein Gefühl von Sicherheit. Nach einem selbstgemachten Frühstück im Hostal führen wir mit einer einer Zugähnlichen Seilbahn hinauf auf den nahegelegenen Aussichtspunkt über die Stadt. Unser Glück mit dem Wetter verhielf uns zu einem aussergewöhnlichen Blick über die Hauptstadt. Um nicht allzu unwissend aus Bogotà am späten Nachmittag wieder abzureisen, statteten wir der Altstadt noch einen Besuch ab und sassen dann nach 2stündigen Verhandlungen mit den Busgesellschaften für 60 000 COP im Bus ins 1000km erntfernte Santa Martha an der karibischen See. Die 18h im Bus wurden durch seinen Komfort, Klima und 4 Filmen annehmbar gemacht.

Dienstag – das versteckte  Backpackerparadis Taganga

Gegen Mittag kamen wir in Santa Martha an und fragten uns unseren Weg ins 5km östlich gelegene Taganga. Eine 2400 Seelengemeinde in einer ruhigen Bucht der karibischen See. Überschwemmt von PADI Tauchschulen und Hostals – das kolumbianische Montanita. Wir quartierten uns in einem komfortablen Hostal mit Klima und Kabelfernsehen ein. Nach einem ersten Bad in der der Karibik waren wir jedoch von der Kulisse etwas enttäuscht – wenige Palmen, dreckiges Wasser und harter grauer Strand. Am Abend enttäuschte dann auch noch das Nachtleben von Santa Martha, was aber an einem Montag nicht weiter verwunderlich war.

Mittwoch – Manchester vs. Barcelona

Endlich im Uraub angekommen – konnten wir das erste Mal so richtig ausschlafen und fanden uns auch erst kruz vor Mittag beim Frühstück einer Strandbar. Die Kellnergestalt war jedoch sehr speziell, ein kleiner dicker Koumbianer, der mit wenigen Brocken Englisch und einer sehr unhöfflichen Art der Bedienung glänzte. Völlig entrüstet von der schlechten Bedienung verließen wir kopfschütteln das Restaurant. Den Rest des Tages bis zum Finalspiel der UEFA Championsleague verbrachten wir ganz entspannt in den Hängematten unseres Hotels. Am späteren Nachmittag fuhr ich dann noch mit Kai in die total ueberfuellte Großstadt Santa Martha um für das kommende Abendbrot und Frühstück Brot und Zutaten zu besorgen. Da Taganga als der Tauchspot Kolumbiens gilt und die Preise verhältnissmässig billig waren, erkundigten wir uns um eine billige Tauchtour. Da ich glücklicher Weise meinen Tauchschein dabei hatte, war es kein Problem einen Tour aus 2 Tauchgaengen für 100 000  COP (33 Euro) zu organisieren. Da Kai jedoch noch nie getaucht war, und er es auch einemal ausprobieren wollte, meldete er sich für einen Einführungskurs (120 000 COP – 40 Euro) für den folgenden Tag an. Den Abend ließen wir dann bei deutschem TV und home-made Sandwiches ausklingen.

Donnerstag – Tauchen vor der kolumbianischen Steilkueste

Um 8  in der Tauchschule schaute sich Kai ersteinmal ein Einführungsvideo an, wir bekamen unsere Ausruestung (Anzug, Blei, Automat, Druckluftflasche, Weste, Flossen, Brille), verluden alles ins Boot und fuhren mit 4 Tauchgefährten auf See. An einem einsamen Strand, nur mit dem Boot erreichbar, wollten 3 von unserer Gruppe übernachten, also luden wir ihre Sachen ab und die Gruppe teilte sich. Anfänger blieben am Strand um mit Trockenübungen zu beginnen und sich im seichten Wasser an die ungewöhnliche Weise des Atmens zu gewöhnen.Wir, die restlichen 3 fuhren mit einem erfahrenen Taucher weiter raus, vor eine Insel. Wir bauten unsere Ausrüstung zusammen, checkten die Ausrüstung und begaben uns ins Wasser. Nach einer kruzen Besprechung stiegen wir auf 10m ab. Das türkisblaue Wasser wurde von dem strahlenden Sonneschein erhellt und die zahllosen Fische strahlten in ihrer vollen Farbenpracht. Von mikroskopisch kleinem Plangton bis hin zu einer 100cm langen Moräne war alles dabei; Clownfisch, Neons, Kugelfische, Kraben, Flundern, blaue Hornhechte, Langusten und allerlei ander Fischarten. Wir tauchten einen seichten Abhang bis auf 20m ab und verbrachten dort, von der leichten Strömung getragen, den Rest des Tauchgangs. Kurz vor dem Aufstieg war dann auch einem Flasche leer und ich musste bei unserem Profitauchen am Notapperat nuckeln. 5m vor der Wasseroberfläche legten wir dann noch den 3minütigen obligatorischen Sicherheitsstop ein und tauchten nach 40min wieder an der Oberfläche auf. Danach ging es mit dem Boot zum Mittag zurück zur einsamen Hütte am Strand. Nach einer einstündigen Ruhepause tauschten wir die leeren Druckluftflaschen gegen Volle aus und machten uns auf den Weg an einen anderen Tauchspot. Und stiegen ein zweites Mal in die Fluten hinab. Tauchten durch ein paar Steinhöhlen und zu einer 15m Kante, die senkrecht nach unten führte. Da an dieser Klippe kalte und warme Strömungen aufeinander trafen sammelte sich ein noch größeres Spektrum an Fischen und Getier, deren Treiben lustig anzusehen war. Da eine unserer Tauchgefährten Druckprobleme hatte, verharrten der Neuseeländer und ich am Boden der Klippe und setzten alsbald unseren Weg stromaufwärts fort. Der steinige Untergrund bot hervorragenden Unterschlupf für Kraken, Oktopusse und Langusten. Riesige Korallenbäume, Schwämme, farbenfrohe Tentakeltierchen und tellergrosse Muscheln bedeckten die Steinflächen. Als mein Tauchbuddy dann Probleme mit seinem Automaten bekam und wir am Ende unserer Luft waren, begannen wir den Aufstieg – natürlich mit Sicherheitsstop. Danach stiegen wir zurück ins Boot und erreichten gegen 3 den Strand von Taganga. Am Nachmittag trafen wir dann auch auf Jakob und Kai, die sich keinen Tauchkurs gegönt hatten, sondern  den Tag an einem einsamen Strand im Nationalpark Tayrona verbracht hatten.

Freitag – Cartagena, die erhoffte Partystadt

Da Taganga außer Tauchen, Kiffen und einem Haufen Backpackern nichts zu bieten hatte, verließen wir am Morgen unseres 6. Reisetages das Küstendörflein. Mit dem Taxi ging es zum Busterminal der nahegelegenen Großstadt Santa Marta – von dort aus auch direkt weiter nach Baranquilla und unser vorerst naechstes Reiseziel Cartagena. Die sehr schön aufgearbeitete Kolonialstadt war bekannt für schöne Latinas, zauberhafte Strände und ein sehr lebhaftes Nightlife. Nachdem wir 10km ausserhalb angekomme waren, bestätigte sich jedoch das Gegenteil – dreckig stickige und versüffte Vorstadtviertel, die nicht zu einem Aufenthalt einluden. Wir nahmen ein Taxi und bahnten uns den Weg durch den Freitagnachmittagsverkehr zum Stadtzentrum, das das völlige Gegenteil bot. Doch kaum aus dem Taxi ausgestiegen, wurden wir auch schon von Prostituierten, Kokainverkäufern, Geldwechslern und Bettlern belästigt. Schwerlich konnten wir sie abschütteln und unsere Suche nach einem Hostal fortsetzten. An fast jeder Straßenecke lungerten Verkäufer und Prostituierte. Im hostirschen Zentrum, ganz nach kolonialem Schachbrettmuster, zogen wir dann widerwillig zu viert in zwei Zimmer mit Doppelbetten. Das erste Mal in diesem Urlaub hatten wir begründete Hoffnung auf ein aktives Nachtleben. Wir schmissen uns in Schale um dann nach 15min Fussmarsch wieder enttäuscht zu werden. Die Partyzone war wie ausgestorben und die Clubs leer.  Nach ein paar Bier zogen wir nocheinmal ein paar Runden im Stadtzentrum und landeten in einem Club, der von aussen mit guter Musik lockte, sich aber dann als Puff herrausstellte. Zum Glück konnten wir von dort aus direkt ins gegenüberliegende Hard Rock Café flüchten. Der Lifeauftritt einer kolumbianischen Rockband brachte dann doch noch etwas Spannung in den Abend. Schließlich fanden wir dann auch noch einen Schuppe der genau unseren Musikgeschmack traf. Von Reggeaton, über Salsa bis hin zu Elektro, war alles dabei. Dort verbrachten wir denn Rest der Nacht. Doch noch zufrieden fielen wir dann um 4 ins Ehebett.

Samstag – Playa Blanca, weißer Karibikstrand

Eine weitere Nacht wollten wir nicht in diesem Hotel bleiben, doch einen Plan B gab es noch nicht. Da wir aber noch an den Playa Blanca (weißer Strand) wollten, zogen wir den Ausflug dahin, einer weiteren Nacht in Cartagena vor. Nach einem Stadtrundgang, durch das historische Zentrum und an der Strandpromende entlang, setzten wir uns ins Taxi und fuhren in ein Dorf, namens Pasacaballos, dort setzten wir mit einer Fährer auf einen Insel über und ließen uns dann 1h durch eine karge Sandlandschaft mit dem Moped zum angeblich schönsten Karibikstrand Kolumbiens schoffieren. Dort angekommen, offenbarte sich ein Anblick von weißem Sand, Kokospalmen und türkisklarem Wasser – ein Traum. Doch waren wir leider nicht die ersten, die diesen Ort entdeckt hatten. Scharen von nationalen Turisten übersähten den schmalen Strand. Weiterhin hatten sich zahllose Buden etabliert, die Hängematten, Mahlzeiten und Lebensmittel anboten. Suchend nach einem etwas ruhigeren, abgelgerenen Abschnitt schlenderten wir am Strand entlang und trafen auf Hugo. Einem Geschäftsmann, der eine Strohhütte direkt am Strand hatte, Mahlzeiten, Zimmer und Hängematten anbot. Wir quartierten uns für eine Nacht in seiner Hütte für 10 000 COP (5 USD) ein, und sprangen erstmal in das badewannenwarme Wasser. Einfachmal nichts tun – das war die Divise des restlichen Tages. Da nach dem klaren Sonnenuntergang kein Licht gab, blieb auch nichts weiter übrig als sich auf die vorstehende Nacht in der Hängematte vorzubereiten. Fehlende Mückennetze machten die Nacht jedoch zur Qual. Auch die Hängematte als solche bietet nicht die ideale Schlafmöglichkeit. So verbrachten wir die hälfte der Nacht, uns umherzuwälzen und Mücken zu bekämpfen.

Sonntag – Rückfahrt im Speedboot mit 375PS

Völlig übermüdet schliefen wir den folgenden Tag erstmal ein paar Stunden am Strand. Da wir nicht schonwieder die überteuerte Kost essen wollten, die Hugo anbot, suchten wir nach einer günstigeren Altrnative. Gillberts Finca am Strand war da gerade richtig. Ein paar Strandspaziergänge und Badeausflüge später saßen wir um 4 in einem der lanchas rapidas (Schnellboote) zurück nach Cartagena, da wir nicht wieder die ewig lange Zuckelei mit Moped, Fähre und Taxi durchmachen wollten. Wir holten unser Gepäck ab, duschten uns nocheinmal im Hostal und saßen im Restaurant nebenan um zu Abend zu essen. Bereits beim Betreten, wurden wir von einer Gruppe junger Damen angelächelt, angemacht und bekamen „Mi Amor“, und „Mi Carino“ hinterhergerufen. Schnell war klar, dass es ‚freischaffende Künstlerinnen‘ waren. Da ich noch völlig verschwitzt war, verzog ich mich ins Bad um mir das Salz des Vortages von den Händen und aus dem Gesicht zu waschen. Völlig in Gedanken zog ich die Klotür nur hinter mir zu, ohne sie zu verriegeln. Eine der Prostitierten nutzt diese Gelegenheit jedoch schamlos aus und stand innerhalb von Sekunden in dem kleinen Bad. Ich völlig erschrocken, bat sie draußen zu warten. Doch schnell wurde klar, dass sie nicht aufs Klo musste, da sie das Klo nicht verlassen wollte, versuchte ich sie erst leicht hinaus zu schieben. Doch sie ließ sich davon wenig beeindrucken und laberte auf mich ein, dass sie ja nicht teuer wär und wir es schnell erledigen könnten und keiner davon mitbekäme. Das war dann genug – kraftvoller bugsierte ich sie aus der Tür und trocknete mir die Händ und das Gesicht. Als ich dann auch noch (entschuldigt meinen Wortlaut) ‚hija de puta‘ leise vor mich hinmurmelte, war vor der Tür die Hölle los. Offensichtlich hatte die junge Dame diesen Auspruch mitbekommen und spielte sich tierisch auf und drohte ihren Zuhälter zu holen und mir die Mafia auf den Hals zu hetzten. Ich schlängelte mich an ihr vorbei und setzte mich zu den Jungs an den Tisch zu meinem Pollo à la Plancha (Hühnerbein). Ohne weitere Zwischenfälle saßen wir im Taxi zum Busterminal und waren an den Verhandlungsschaltern der Busunternehmen nach Medellín angekommen – schon saß der nächste Schock in unseren Knochen 98 000  COP (45 USD) sollte die 12h Fahrt kosten. Doch da nur zwei Unternehmen diese Route fuhren, konnten wir diesen hoffnungslos überteuerten Preis nicht drücken und mussten in den sauren Apfel beißen und saßen um 19 Uhr im Bus Richtung Süden, die Karibik hinter uns lassend.

Montag – das Highlight der Reise, Medellín

Gegen 7 stiegen wir bereits am nächsten Morgen im Nordterminal Medellíns aus dem Bus. Das nächste Taxi brachte uns in das Stadtviertel Patio Bonito, eine Urbanization, die mit ihrem Baustil und ihrer Sauber- und Sicherheit an ein amerikanisches Vorstadtviertel erinnerte. Dicke Autos waren vor der Haustür geparkt und Kinder rannten spielend auf der Straße herum. In mitten dieser Ubanization befand sic das Hostal Black Sheep, des neuseeländischen Besitzters Kelvin. Da das gesamte Hostal um 8 jedoch noch schlief, gab es noch keine freien Betten. Wir luden unser Zeug ab und nutzten erstmal das hostaleigene HighSpeed Internet. Im nahegelegenen Supermarkt deckten wir uns dann mit Füchten und Zutaten wir Spaghetti Bolognese ein und machten uns das beste Frühstück seit Tagen. Obstsalat mit Yogurt und Müsli, soviel wir essen konnten und natürlich die Brötchen mit Marmelade. Da der Großteil unserer Reisegruppe fast garnicht geschlafen hatte, verbrachten wir den ganzen Tag im Hostal, schlafend, mit den Backpackern schnackend, im Internet und bei DW – TV (Deutsche Welle). Mal wieder deutsches Fernsehen mit aktuellen Themen. Des weiteren konnte ich mich um die UNI Bewerbungen in Deutschland kümmern. Medellín, die Stadt an sich, kam an diesem Tag allerdings etwas zu kurz, da wir ausser den Weg zum nächsten Supermarkt nichts sahen.

Dienstag – Metrofahren in Medellín

Dies sollte sich jedoch am nächsten Tag ändern. Nach dem Reste-Frühstück vom Vortag begaben wir uns zur nächsten S-Bahn Station und wollten die Stadt auf diese Weise erkunden. Das gesamte Ambiente, die Leute und Sauberkeit wirkten sehr zivilisiert und organisiert – ganz anders als in Ecuador. Die Leute warteten vor dem Einsteigen, bis alle ausgestiegen waren, man drängelte und schubste nicht. Da dem S-Bahn System ein Seilbahnsystem angeschlossen war. Fuhren wir zunächst zur Talstation der Seilbahn und stiegen dann in die Gondeln um, in denen wir dann über die ärmeren Hangviertel der Randstadt schwebten. Danach ging es zur nächsten Seilbahn, die andere Hangseite hinauf – und alles für 1500 COP (0,80 USD). Als Bilderbuchturisten, mit Flip Flops, Blümchenbadehose und Hemd fielen wir in der 2Mio. Metropole ziemlich auf und ernteten entrüstete Blicke der Einheimischen. Am Universitätspark verließen wir das S-Bahn System und schlenderten durch die Innenstadt und es ging zurück zum Hostal. Da wir noch am selben Abend in den nächste Bus nach Calí sitzten wollten, packten wir unsere Sachen, und hingen den restlichen Nachmittag noch vor dem Internet und Flachbildplasma. Noch schnell Pizza gegessen und schon standen wir vorm Schalter der Cooperativa Galaxia, die uns über Nacht ins 12h entfernte Cali bringen sollte. Es war eine sehr ermüdende Art des Reisens. Eine Nacht im Hostal, die nächste im Bus. Trotz der Geräumigkeit war ein Duchschlafen im Bus fast unmöglich, da die Fahrt im rollenden Eisschrank von Entschleunigungs Hubbeln und Polizeikontrollen gestört wurde. Allerdings war es eine sehr effiziente Art zu reisen, da man nicht tagsüber im Bus saß und Hostalkosten sparte.

Mittwoch – letztes Reiseziel, Cali

Da die Busfahrt schneller als geplant verlief saßen wir bereits um 4 Uhr morgens am Terminal der südlichsten Großstadt Kolumbiens. Was nun? Ins nächste Hostal – da berechnete man uns vielleicht noch die vergangene Nacht. Direkt weiter nach Süden – einstimmig abgelehnt. Also verharrten wir bis um 5 im Terminal und begaben uns dann im Taxi auf Hostalsuche. Die ersten beiden waren voll. Glücklicher Weise bekamen wir von unserem Taxifahrer einen Tipp auf ein neu eröffnetes Hostal im Stadtzentrum. Nach einigem Suchen fanden wir das Hostal Pelikan Larry von dem Stuttgarter Günter. Er hatte auch noch vier Betten im 8ter Schlafsaal und wir legten uns erstmal wieder schlafen. Günter hatte vor sieben Monaten das Wohnhaus in ein Hostal verwandelt und fehlt deshalb in jeglichen Reisführern. Nach dem wir ausgeschlafen hatten, zogen Jakob und ich los um den nächsten Supermark zu finden und für das Frühstück einzu kaufen. Ach einer halben Stunde stießen wir auf einen kleinen Tante Emma Laden, der alles bot was wir brauchten. Am Nachmittag fuhren wir dann noch in den Zoo der Stadt, der angeblich bekannt als bester Zoo Kolumbiens war. Er hatte auch alles zu bieten, was ein Zoo zu bieten haben muss – Aquarium, Anthilopen, Krokodile, Raubkatzen, Bären, Vögel und und und….. Auch wenn mal wieder klar wurde, wie schrecklich die Tierhaltung, vor allem von Raubkatzen und Bären in den kleinsten Gehegen, eigentlich ist. Am Nachmittag suchten wir noch das Stadtzentrum auf und schlenderten über die Avenida Sexta (6. Querstraße), die bekannt für ihr Nachtleben und die zahlreichen Restaurants war. Pünktlich zum typisch deutschen Grillabend kamen wir um 6 im Hostal an und der Grill lockte mit saftigem Schweinebauch, zarten Steaks, Hühnerbeinen und Würstchen nach deutschem Rezept. Dazu eisgekühltes Club Colombia, das einheimische Bier, Kartoffel-, Gurken- und Tomatensalat. Da wurde die Vorfreude auf Grillabende in Deutschland umso größer. Vollgefressen schafften wir es dann auch nicht mehr den nahegelegenen Salsaclubs einen Besuch abzustatten.

Donnerstag – das Naturbad des Rio Pance

Da wir an unserem letzten Urlaubstag noch einmal raus aus Cali wollten und uns Günter die Naturbäder des Rio Pance ans Herz gelegt hatte, fuhren wir für 20 000 COP nach Pance, einem Dörfchen ausserhalb der Metropole Cali und mussten dann noch 1h bergauf zum Wasserfall Chorreo Indio laufen. Dort erwartete uns dann ein Hotel, dem das Naturbad angeschlossen war. Obwohl völlig ausgestorben, verlangten sie einen Eintritt von 5000 COP. Nach ein paar Runden im natürlichen Teich um den Wasserfall waren wir allerdings auch schon zu Eiszapfen geworden, da das eiskalte Quellwasser aus den den umliegenden Andenzügen direkt ins Tal plätschert. Etwas enttäuscht von diesem Ausflug kehrten wir zum Hostal zurück und klagten Günter unser Leid. Da wir bis hier hin noch nicht die typisch kolumbianische Kost probiert hatten, wollten wir es dann doch noch am letzten Tag doch noch tun. Nach halbstündiger Suche fanden wir ein Restaurant das um 4Uhr nach Mittag noch Mittagstisch anbot, das sich allerdings vom ecuadorianischen Hähnchen in keinster Weise unterschied. Da wir noch eine Nachtfahrt zurück zur Grenze hatten, ging es zurück zum Hotel, unter die Dusche und zum Busterminal. Dort kratzten wir unsere letzten Pesos zusammen um noch die 32 000 COP für die Fahrt in die Grenzstadt Ipiales zu bezahlen. So saßen wir im letzten Bus auf unserer kolumbianischen Reise.

Freitag – Rückfahrt zur Farm

Zwei Polizekontrollen später kamen wir dann in Ipaliales an, sprangen ins Taxi und kamen an der kolumbianischen Emmigrationsbehörde an. Stempelten unsere Ausreis ab und liefen über den Grenzfluss nach Ecuador. Dort bekamen wir unseren Einreisestempel und fuhren weiter nach Tulcán, der nördlichsten ecuadorianischen Stadt. Wie erwartet wurden wir von den aufdringlichen Busfahrern belagert, die uns eine Fahrt nach Quito andrehen wollten. Letztendlich nahmen wir eine der seriöseren Cooperativas Flota Imbabura. Nach 3h kamen wir dann mit Jakob und Kai auf der Farm an, wo uns Stuart und die restlichen Freiwilligen schon empfingen. Der Nachmittag war auch schon mit Fussball und anschließendem Pizzaessen ausgeplant, da Alex, Simon und Jack den nächsten Tag die Farm in Richtung Norden verließen und Kolumbien bereisten. Es war also wieder eine der Nächt an dem wir uns von Langzeitfreiwilligen verabschieden mussten.

Jakob und Kai blieben dann noch eine Nacht auf der Farm und wir fuhren am Samstagmorgen auf den Indigenenmarkt nach Otavalo um uns mit Geschenke für die Verwandten und Bekannten zu Hause einzudecken. Viel Zeit bleibt den beiden Kais und Jakob nicht mehr. Der eine Kai fährt noch nach Kuba für zwei Wochen, der andere vorzeitig nach Hause um sich um seine UNI – Bewerbungen zu kümmern und Jakob fliegt noch aufs Besuchsreise in die Staaten. Ich werde ausser meinem Aufstieg auf den nahegelegenen Cayambe Vulkan keine weiteren Reisen unternehmen und die letzten Wochen noch auf der Farm genießen.

Land und Leute

Veröffentlicht in Up To Date am Mai 14, 2009 von paulnaglatzki

Nun geht das Jahr langsam dem Ende zu, die letzten Monate sind vorbeigezogen, als wären sie nie dagewesen. Ich wollte es erst nicht wahr haben, aber wie mein einjähriger Mitbewohner Alex zu sagen pflegt: „Es ist die Routine, die die Zeit verfliegen lässt!“ Und da frag ich mich wirklich: Wo sind die letzten 8 Monate geblieben? Die 10 Wochen die mir hier in Ecuador noch bleiben sind gezählt und fast restlos ausgeplannt. In zwei Wochen geht es mit unserer langeingesessenen Zivitruppe, bestehend aus Kai N., Jakob und Kai H., auf zweiwöchige Kolumbienreise. Aus diesem und anderen Anlässen sah ich es für angebracht mal einen kleinen Einblick in das eigentliche Farmleben, die Menschen hier und die Mentalität zu geben.

Von Haferschleim bis Wäschewaschen – die Farm, ihre Bewohner und das Leben

Ich hatte nach den ersten Tagen meines Aufenthaltes hier ja schon ein bisschen was zur Farm mitgeteilt, doch über die Zeit haben sich die Dinge etwas geändert und ich habe einen tieferen Einblick in die Zusammenhänge bekommen. Inzwischen leben hier auf der Farm vier Familien, jede mit ihrem eigenen Haus und je mit 2-6 Kindern. Hinzu kommt Stuart, der einzige festangestellte ‚Gringo‘ (meist weiß und Nichtecuadorianer) aus England mit seiner kanadischen Freundin aus Kanada. Stuart, Leiter des gesamten Freiwilligenprogrammes, wohnt bereits seit sieben Jahren in Ecuador und lebt seid knapp vier Jahren hier auf der Farm. Er hat das Freiwilligenprogramm initiiert und leitet den organischen Gemüsegarten. Weiterhin übernimmt er administrative Aufgaben und greift somit dem Administrator Gebriel unter die Arme. Gabriel wohnt mit seiner Frau Narzissa schon mehre Jahre hier auf der Farm, gemeinsam haben sie drei Kinder und ein Baby, das vor einem Monat das Licht der Welt erblickte und auf Jimmy Sebastien getauft wurde. Er kümmert sich hauptsächlich um die Anleitung der anderen Arbeiter, der Organisation der Arbeit (Aussaat/Feldarbeit/Ernte) und kümmert sich um die finanziellen Ein- und Ausgänge. Sein Nachbar, Aladio und seine Frau Ruth sind für die Tiere der Farm verantwortlich. Diese jungen Eltern, um die 30, füttern bereits 6 Kinder durch. Aladios Tag beginnt bereits um halb 6 im Stall, da die Kühe aus ihren Verschlägen geholt werden müssen und gemolken werden. Sein ältester Sohn Manolo (11) hilft ihm dabei so gut er kann. Das Melken und auf die Weide treiben dauert meistens bis um 7, danach muss Manolo in die Schule und der ‚Lechero‘ (Milchmann) kommt mit seinem Kühltransporter angerast und lädt die frisch gemolkene Milch und die Milch des Nachmittags des Vortages auf. Zwischen 40l und 50l liefern die aktuell sechs Milchkühe, die für 30cts. pro Liter an den Molkereibetrieb verkauft wird. Danach muss der Stall gesäubert, die 200 Meerschweinchen gefüttert und ausgemistet werden und gegen 3 ist es meist schon wieder Zeit die Kühe von der Weide zu holen und erneut zu melken. Da Aladio studierter Veterinär ist, sagt er zumindest, ist er der beste Mann für diesen Job. Da die Kühe geimpft werden und Geburtshilfe bei Geburtstkomplikationen geleistet werden muss. So sind bereits vier Kälbchen, seit meiner Ankunft, zur Welt gekommen. Unsere vereinzelten Kühe sind mittlerweile zu einer stolzen Herde von 20 herangewachsen. Neben dem Freiwilligenhaus befindet sich das Wohnhaus der Familie von Lucia und Fredermann, sie haben ebenfalls sechs Kinder. Fredermann war bei meiner Ankunft noch Administrator, doch da er für 3 Monate nicht aufzufinden war und seine ganzen Pflichten auf der Farm vernachlässigt hat, musste er diesen Job abgeben. Angeblich soll er eine andere, besserbezahlte Arbeit im Norden des Landes gefunden haben und dort für gutes Geld Bäum geschlagen und transportiert haben. Im Moment ist er wieder zurück und baut das zukünftige Haus der Familie ausserhalb der Farm. Lucia, eine sehr eigene und spezielle Mutter, ist Kopf der Küchenbrigade, wenn Schülergruppen auf die Farm kommen. Sie weiß es für 100 Leute zu kochen und die Unterkunft zu organisieren. Nichtsdestotrotz hat sie der Farm schon so einige Probleme mit ihrer Art bescherrt und viel Geld in den Sand gesetzt. Da weder sie noch ihr Mann auf der Farm arbeiten ist es unverständlich, dass sie hier noch kostenlos wohnen dürfen. Aber dafür soll bald eine Lösung gefunden werden. Alle drei Familien stammen ursprünglich aus der Intagregionen und kannten sich bereits vorher. Vertraglich ist das Arbeitgeber–Arbeitnehmer–Verhältnis geregelt; die Familien können hier kostenlos leben, Strom und Wasser bekommen sie bezahlt und bekommen obendrauf noch einen Lohn von $220 im Monat, das liegt sogar noch über dem Mindestlohn von $200. Die Familie um Jesus und seine Frau Elsa wird nicht von der Fundacion angestellt. Sie sind verantwortlich für die Brombeerfelder der Farm. Ein externer Auftraggeber bezahlt Jesus für die Arbeit mit den kostbaren Beeren. Die 1000 organische Pflanzen der Sorte ‚Castilla‘ müssen gepflegt, veredelt, bewässert und geunkrautet werden. Wöchentlich, meist Dienstags, werden dann bis zu 40kg der reifen Beeren geerntet und von uns mit zum Verkauf genommen, wo wir sie dann für $3 das Kilo an den Mann bringen. Neben dem Gemüsegarten, den Feldern, dem Vieh und den Brombeeren gibt es dann noch eine Baumschule, die Kapazitäten für 300 000 Bäume liefert. Im Moment wachsen die Bäum ohne Pflege vor sich hin, da es keinen gibt der sich um diese kümmert. Doch lange wird das nicht gut gehen. Es müssen mindestens zwei vollzeitbeschäftigte Leute die Bäume unkrautfrei und feucht halten um maximalen Ertrag zu gewährleisten. Bei richtiger Handhabung können wir so bis zu 100 000 Bäumchen im Jahr produzieren. Regelmäßig kommen Clienten und kaufen zwisch 400 und 2000 Bäumen am Stück. Das Sortiment reicht von Erlen, Eukalyptus und allerlei heimischen Bäumen über Sträucher bis hin zu Früchtebäumen, wie Zitrone und ähnlichem. Zwischen dem ganzen Gewusel stecken wir, die Freiwilligen. Mit unserem eigenen Haus und der Länge unseres Aufenthaltes haben wir uns eine Art Status und Zuverlässigkeit erarbeitet und werden von den Arbeitern mehr als Mitarbeiter, als Touristen gesehen. Unsere Arbeit beschränkt sich hauptsächlich auf den Gemüsegarten, die Pflege der 50 Hühner und die erst kürzlich wieder in Gang gebrachten Bienenstöcke. Selten helfen wir bei größeren Projekten auf der Farm aus und arbeiten mal mit den Arbeitern zusammen, dennoch grüßt man sich, redet, tauscht Neuigkeiten aus und spielt Fussball – ein sehr entspanntes angenehmes Verhältnis. Mein gewöhnlicher Wochentag beginnt um viertel 7 mit einer kleinen Frühsporteinheit und dem Gang zum Stall um 2l frische Milche zu holen. Danach mach ich mich daran, das Frühstück zu machen, während der Rest im Haus meist noch schläft. Das normale Frühstück besteht meist aus Haferschleim, Brötchen, hausgemachter Brombeermarmelade, heißer Milch, frischgepresstem Saft und Honig. Ab und zu gibt es auch mal Rüherei, Kochbananen, Käse oder Milchreis um dem öden Haferschleim eine Abwechslung zu bieten. Um 7 wird dann der Rest des Haus aufgeweckt, je nach dem wieviele Freiwillige sich gerade im Haus befinden. Die allmorgentliche Gesprächsfreudigkeit hält sich jedoch in Grenzen, da die meisten Neulinge den frühen Start in den Tag nicht gewöhnt sind. Gegen halb acht werden die Gummistiefel angelegt und Richtung Garten gestiefelt. Die gesamte Farm ist zu dieser Zeit bereits seit einer Stunde auf den Beinen. Man grüsst die Kinder, die sich auf den Weg hinunter in die 30min entfernte Schule machen. Die erste Tat am Morgen widmet sich den Hühner, diese erwarten einen bereits hungrig am Eingangstor des Freiluftverschlages. Füttern, Wasser auffüllern und Eier einsammeln steht auf dem Plan. Des weiteren muss darauf geachtet werden, dass alles in Ordnung ist; die Hühner gesund, vollzählig und an ihrem Platz, keiner Löcher im Zaun und ähnliches. Da wir vor kurzem erst 35 neue Hühner bekommen haben, ist die Eierkapazität noch nicht kompletausgeschöpft. Im Moment legen sie in der Woche ca. 40 – 50 Eier gelegt, hinzu kommen alle 6-7 Wochen ein neuer Satz Kücken. Nachdem die Hühner versorgt sind beginnt die eigentlich Arbeit im Garten. Zusammen mit der unserer ecuadorianischen festangestellten Aushilf Gimena geht es an die Arbeit. Die 35 Jahre alte Gimena ist Bewohnerinn der Kommune Guillero Grande, nahe der Farm, und kommt jeden Tag um im Garten auzuhelfen. Sie hat allerlei Erfahrung in der organischen Landwirtschaft, weiß es mit Tieren umzugehen und kann dir für jede x-biliebige Krankheit eine Heilpflanze zubereiten. Die Arbeiten belaufen sich meist auf Unkraut jeten, Beete mit Kompost anreichern und umgraben, verpflanzen, Saatbeete anlegen, Schnecken fangen und anderes was anfällt. Da wir mit dem Mondzyklus säen, kann nur zu bestimmter Zeit ein Saatbeet angelegt und verpflanzt werden. Um Kontrolle über Erde und Wasser bei den neuen Keimlingen zu haben, säen wir die Samen zuerst in Holzkisten und verpflanzen sie mit einer gewissen Größe in die Beete des Gartens. Um maximalen Ertrag bei unseren Pflanzen zu bekommen, versuchen wir jede Gemüseart nur einmal aller 4 Jahre in das gleiche Beet zu pflanzen. Da jede Gemüsefamilie andere Nährstoffe aus dem Boden bezieht, kann sich so die Erde mit der Zeit regnerieren und wird nicht zu sehr ausgelaugt. Das Sortiment unseres 1600m² Garten ist groß:

Brokkoli Blumenkohl Romanesko Zwiebeln Frühlingszwiebeln Knoblauch Chilli Koriander Petersilie Bohnen 10 versch. Salate Porée Zucchini Grünkohl Weiskohl Rotkohl Rosenkohl Mohrrüben Rote Beete Radisschen Kohlrübe Fenchel Dill Pfefferminze Zitronenmelisse Kartoffeln Selerie Spinat Mangold Roter Mangold Erbsen Mais Feigen Passionsfrucht Baumtomate Zitronen Ruckula Mashua Krauskohl Avocado

Da wir seid kurzem auch ein neues Gewächshaus (12m X 6m) haben, sind die ersten Tomatenpflanzen in der Erde und bereits 15cm groß. Hoffentlich kann ich noch in meiner Zeit hier die erste organische Tomate aus unserem Garten essen. Des weiteren sind Paprika und Chillipflanzen im Gewächshaus zu finden. Unsere Chillis, der Sorte ‚Ricotta‘, sind die schärfsten, die ich jemals probiert habe. Bereits ein stecknadelkopfgroßes Stück führt zu atemnot und brennenden Lippen. Gegen 11 beginnt Alex dann meist Gemüse für das bevorstehende Mittagessen zusammenzusammeln. Um 12 geht dann der Rest ebenfalls zum Mittag und nach einer einstündigen Pause geht es weiter, nocheinmal drei Stunden. Am Ende des Tages wird der ganze Garten und die Saatbeete bewässert und um 4 ist Feierabend. Danach geht dann jeder seiner eigenen Wege, Alex gibt unserem Kumpel Alonzo in Tabacundo eine Stunde täglich Englisch. Ich bin meistens in Cayambe dem Nachbarort im Internet und danach im Fitnessstudio zu finden. Gegen 8 treffen wir uns dann wieder zuhause und es gibt meistens Hackfleisch oder Würstchen, um unsern Proteinhaushalt zu stärken. Um das Haus sauber und ordentlich zu halten, wird jeden Montagmorgen eine Putzeinheit eingelegt, in der geputzt, gefegt und aufgeräumt wird. Da Montag meistens neue Freiwillige kommen müssen die Betten hergerichtet werden und ausserdem sollen sie ein ordentliches Haus vorfinden. Dienstag ist dann der große Tag der Ernte. Alles was reif zum Verkauf ist, wird geerntet, gewaschen und in Kisten verladen und gegen Mittag kommt der blaue PickUp Truck von Edwin und es geht nach Cayambe zum Verkaufen. Eine willkomme Abwechslung im öden Gartenalltag. Da wir direkt an Familien und Restaurants liefern, hat es nicht wirklich Marktschreierqualitäten, aber man tritt direkt mit dem Endverbraucher in Kontakt und bei lockerer Atmosphere werden die Salate, Brokkolis, Brombeeren und Co. unter die Leute gebracht. Da wir mit unseren organischen Produkten zwischen kommerziellen Markt- und Supermarktpreisen liegen, bieten wir ein relativ günstiges Angebot, direkt nach Hause. (zB. ein Brokkoli mittlerer Größe kostet 50cts, ein Pfund Möhren 35cts.). Nachdem dann hoffentlich gegen Ende des Tages die Ladefläche leer ist, wird abgerechnet. Pro Woche nehmen wir, ohne die Brombeeren, also nur aus dem Garten zwischen $40 und $50 ein. Manchmal, wenn Stuart nicht da ist, schmeißen Edwin und ich den Laden auf Rädern, das endet dann schonmal gerne im Chaos, aber irgendwie stimmt dann am Ende alles doch überein. Es ist ein anderes Erlebnis mal auf der anderen Seite der Verkaufsverhandlungen zu stehen und um den Preis zu feilschen. Mittwochs kommen meist einige unserer Kunden aus Cayambe und wir spielen auf Kleinfeld 5 gg. 5 bis der Ball kaum noch zu sehen ist. Da dann der Abend aber meist noch jung ist, bleibt Zeit um Marmelade zu kochen. Das Pfund Brombeeren, dass wir wöchentlich pro Kopf erhalten, wird alle zwei Wochen zu dem köstlich süßen Brotaufstrich verarbeitet. Abhängig von Anzahl der Freiwilligen kochen wir so zwischen 3 und 7 Pfund Marmelade. Das organische Produkt hat es sogar schon bis nach Quito in das Haus einiger befreundeter Frewilliger geschafft; marktreif ist es allerdings noch nicht. Bei Bedarf und viel übriger Milch machen wir auch Käse. Mit Hilfe eines langwierigen, fragilen Prozesses der Erhitzung und Abkühlung und dem ‚Cuajo‘ (Laab) entstehen so aus 4l Milche 600g gewöhnlicher Eci-Käse, den man im Laden für 1,50 kaufen kann. Da wir ohne Thermometer die Temperatur auf 36°C (+/- 2°C) abschätzenmüssen, gingen einigen Käsen zahlreiche Missversuche voran. Aber es werden weniger – Missversuche. So hat fast jeder Tag seine Vormittags- und Nachmittagsaktivitäten. Alle zwei Wochen muss ich dann auch einen Waschtag einlegen, wo Socken, Unterwäsche, Hosen, T-Shirts und Ähnliches erst im Eimer zum Einweichen und dann auf dem Waschstein landen. Jede Woche graut es mich vor der einstüdigen Prozedur, das macht die Vorfreude auf eine Waschmaschine und einen Trockner wenigstens noch größer. Meistens trifft man am Waschstein auf einige der anderen Frauen, die gerade vor den Waschbergen ihrer gesamten Familie stehen. So vergeht die Zeit schnellerund man kommt mal zum Spanisch sprechen. Nach den nachmittaglichen Aktivitäten und dem Abendbrot fallen wir dann spätestens um 10 ins Bett; schauen vielleicht noch den einen oder anderen Film oder sitzten am Feuer. Doch nach einem vollem Tag harter Arbeit bleibt auch kein Elan mehr für späte Nächte. An regnerischen Vor- oder Nachmittag ist es meist unmöglich im garten zu arbeiten ohne innerhalb von Minuten durch zu sein. Entweder verlagert sich die Arbeit ins Gewächshaus oder wir ziehen uns ins Haus zurück und ich übersetzte die Website der Fundacion ins Deutsche um noch mehr potenzielle Interessenten anzusprechen. Bald werden auch die ersten Teile auf www.fbu.com.ec zu finden sein.

Nie pünktlich und unzuverlässig – die Ecis und ihre Busse!

Schon während meiner ersten Tage in Quito und Llano Chico wurde mir bewusst, dass man es hier mit der Pünktlichkeit nicht so genau nimmt. Angefangen bei Verabredungen, die 30min zu spät kommen, bis hin zu Bussen, die, wenn sie denn nach Plan fahren, generell eine halbe Stunde zu spät kommen. Anscheinend interessiert es aber auch keinen ob der Bus nun halb vier oder halb fünf, oder überhaupt kommt. Egal, wie lange gewartet wird, man stellt sich in Reihe und Glied an und wartet bis man an der Reihe ist in den Bus einzusteigen. Generelle Faustregel bei der Hauptverkehrslinie Ecovia in Quito – stehen mehr als 30 Leute vor einem in der Reihe, muss man später im Bus stehen. Der Ecovia ist eine der Hauptbusadern durch Quito und bringt einen vom Norden der Stadt innerhalb einer halben bis dreiviertel Stunde in den Süden Quitos. Egal wieviele Stationen man fährt, ob eine oder alle, kostet es immer 25cts. Da man als großer weißer Ausänder aka ‚Gringo‘ unter der maximal 1,70 großen Ecis ziemlich aufhält, wird man nicht selten mit einem gebrochenen ‚hello!‘ oder ‚how are you?‘ gegrüßt. Auch die weibliche Fraktion werten die ‚Gringos‘ meist tuschelnd und kichernd aus. Gringo-Sein ist somit nicht nur nervend, sondern lässt einen auch automatisch zum Ziel von Taschendiebstählen werden. Bei einem Tageslohn von durchschnittlichen $10 ist ein kleiner Nebenverdienst meist verlockend. Unbeachtet verschwindet so das sichergeglaubte Handy oder Portmonnaie aus der Hosentasche. Man glaubt es nicht, aber bei einem unerwarteten Bremsmanöver in dem chaotischen Verkehr fallen die eingänglich überfreundlichen Passagiere völlig überraschend in die Gringos und lassen dabei blitzschnell das Diebesgut mitgehen. Wer seine Wertsachen im Rucksack auf dem Rücken im Bus mitsich führt, ist diese unter Garantie los. So verlor ich meinen iPod in den ersten Wochen in Quito. Mit einem Skalpell wird die Tasche geöffnet und in Ruhe nach Brauchbarem gesucht. Den Rucksack auf er Brust, entgegen seinem Sinn (siehe Wortlaut) zu tragen, ist zum einen sehr offensichtlich, das man es zu verbergen hat, verängstigt ist und zum andern sieht es einfach bekloppt aus. Deshalb den Rucksack immer seitlich über die Schulterhängen und im Auge behalten. Bei Überlandbussen, vor allem nachts, sollte größeres Gepäck in die Stauräume unter der Passagierkabine genutzt werden, was nur unter eigener Aufsicht von den Busbegleitern dort verstaut wird. Bei seriösen Busunternehmen bekommt die Tasche einen Aufkleber mit Nummer und man selbst den Abriss. Am Ende der Fahrt – ohne Abriss kein Gepäck. 100% habe ich das Vertrauen in die ‚Bodegas‘ (Stauräume unterm Bus) noch nicht gewonnen, da bei einem vermeintlichem Halt schnell die Klappe geöffnet ist und die Tasche unaffindbar wird, aber passiert ist nach meinem Wissen noch nichts. Kleines Handgepäck sollte auch immer auf dem Schoß oder dem freien Nebensitz abgelegt und stetig im Auge behalten werden. Taschen von ehemaligen Freiwilligen die unterm Sitz verstaut waren, wurden vom Hinterplatz aufgeschnitten und ausgeräumt. Auch über dem Sitz sind sie vor keinem sicher, schnell ist die Tasche entwendet, durchwühlt und wieder an ihrem Platz. Vor allem beim vermeintlichen wegnicken oder der Dunkelheit. Doch mit etwas Vorsicht ist man relativ gut gerüstet. Da Ecuador relativ klein ist, kann man innerhalb von 24h das gesamte Land von Norden nach Süden durchqueren. Das perfekt ausgebaute Bussystem bringt einen überall hin, wo es eine Straße gibt. Daumenregel –eine Stunde Busfahren – $1, bei seriöseren Unternehmen etwas mehr. Der halbstündige Bus der mich fast täglich von der Farm über Tabacundo ins das 10km entfernte Cayambe bringt kostet 22cts.; fährt aber dementsprechendes Schneckentempo. Der pure indigenen Bus ist meist überfüllt und dröhnt mit Reggeaton, Cumbia oder anderer Ecimusik. Aufrecht stehen oder angenehm Sitzen ist meist ebenfalls nicht möglich. Da ich hier in einer ziemlich ländlichen Region lebe, bekommt man das Stadt-Land-Gefälle des Bildungsstandarts zu spüren. Jugendliche in Quito und andere Großstädte gehen nach der ‚Escuela‘ (Grundschule) meist noch zum ‚Colegio‘ (weiterführende Schule). Ich glaube, es gibt sogar eine Schulpflicht, die entweder wenig oder garnicht durchgestetzt wird. Die ländliche Bevölkerung schickt ihre Kinder meist in die kleinen, meist 30 Kinder starken, Schulen. Diese werden von einem Lehrer geführt. In den Altersgruppen von 6 bis 10 wird alles zusammen unterrichtet. Das bei dem 5stündigen da nicht allzuviel zu Stande kommt, erklärt sich von selbst. Nach der 6. Klasse gehen die Kinder dann entweder ins lokale ‚Colegio‘, in die etwas teureren ‚Colegios‘ in die Großstadt oder aufs Feld um zu arbeiten und Geld zu verdienen. Da in Großteil der anderen Freiwilligen in Quito an ‚Colegios‘ arbeitet und ich so einen Einblick in das gesamte Bildungssystem bekommen konnte, war schnell festzustellen, dass es nicht mit einem westeuropäischen Standart zu vergleichen ist; angefangen bei den unmotivierten, unterbezahlten Lehrern über die dürfitgen Lehrpläne, bis hinzu den langweiligen Unterrichtsgestaltungen. Wenn Englisch gelehrt wird, dann ebenfalls dürftig. So können ein Großteil der Colegioabsolventen sich nicht mal ordentlich auf englisch vorstellen, geschweige den ein Gespräch führen. Das führt vor allem bei den Freiwilligen zu Frustration und Ratlosigkeit, da, wenn es Fortschritte gibt, sie nur sehr langsam zu erkennen sind und man bei Lehrern auch wenig auf hilfreiche Unterstützung trifft. Auf Grund der unzureichendenen Bildung mangelt es den Ecis (wie wir die Ecuadorianer liebervoll getauft haben) an Konfliktfähigkeit und an fehlendem Wissen für profunde Konversationen. Unvermeindlich trifft man ständig auf neue Leute, sie stellen sich vor, man selbst stellt sich vor und es folgen meist die gleichen Fragen; Woher? Warum? Wie gefällts? Was machst du hier? Was machst du zu Hause? Und Fragen die sich darauf aufbauen. An der Länge des Gesprächs lässt sich meist der Bildungsstand und das Interesse des Gegenüber ablesen. Das wiederum zeichnet sich auch im Wortschatz ab, der bei den meisten, vor allen ländlichen Bewohnern, sehr beschränkt ist. Ein und das selbe Wort hat so zahlreiche Bedeutungen, je nach dem in welchem Zusammenhang es gebraucht wird. Fachbegriff sind meist unbekannt oder werden nicht gebraucht. Dennoch sind die Ecis immer nett und zuvorkommen, sowohl Gringos gegenüber als auch untereinander. So reden sich bereits die Arbeiter untereinander immernoch mit ‚Sie‘ an, obwohl sie schon jahrelang zusammen arbeiten. Es sei eben so hier auf dem Land, sagen sie selbst.

Abwrackurlaub in Tena und Puyo

Veröffentlicht in Up To Date am Mai 7, 2009 von paulnaglatzki

Nach einem erneuten Wochenende, dem letzten des verregneten Aprils, auf der Farm stand nun der 1. Mai bevor. Da dieser hier ebenfalls als ‚Tag des Arbeiters‘ begangen wird und glücklicherweise auf einen Freiag fiel, stand wiedermal fest – weg! Nach einigen Diskusionen mit Stuart, dass ich denn nie im Garten am Arbeiten sei, entließ er mich dann aber doch zum langen Wochenende. Doch Wohin? Nach langem hin und her entschieden sich Kai und ich für das Gebiet am Rande des Amazonasbecken. Die Stadt Tena, in der Provinz Napo, und die etwas südlich gelegenen Stadt Puyo, Provinzhautstadt der Provinz Pastaza, waren dabei die Hauptziele des dreitägigen Ausflugs. Um eine Übernachtung zu sparen, saß ich erst am Freitagmorgen um 5 im Bus nach Quito, dort traf ich auf Kai und um 8 saßen wir im Bus nach Tena. Da die altbekannte Route über den Andenpass von ‚La Virgin‘ führte, verschliefen wir einen Großteil der Fahrt. Auf 300 Höhenmetern in Tena angekommen, empfing uns das unter der drückend schwülen Hitze leidende Tena mit verdreckten Straßen und stinkenden brennenden Müllhaufen. Hier wollten wir nicht bleiben. Laut unserm Reiseführer gab es hier auch nicht allzuviel zu sehen. Doch wir waren am Verhungern, also in den nächsten ‚Comedor‘ (billiges Restaurant) und das ‚quarto de pollo con arroz‘ (viertel Hühnchen mit Reis) war schnell bestellt. Schließlich konnte ich Kai noch überreden, in den ‚Parqué Amazonico‘ (Amazonaspark) auf einer Halbinsel im Rio Pano zu gehen. Der eine Dollar wurde schon auf der Überquerung der Hängebrücke in den Park gerecht, als uns ein Kapuzineräffchen zum Anfassen nahe begrüsst. Auf der anderen Seite des Flusses waren kleinen Lehrpfade angelegt, die an einem Vogelstrauß, einigen Affengehegen, Anakondaterrarien mit herumspringenden Hühnern und viel Grün vorbeiführten. Unter anderem gab es auch ein freilebendes Tapir, das sich aber von Kais Anwesenheit gestört fühlte und ihm das auch deutlich zur Kenntniss gab. Wir bestiegen eine 4stöckige Aussichtsplattform, Kais und meine Höhenschätzungen varrierten dabei von 10 und 25m. Das wacklige Dinge, was beim leisesten Windhauch umzufallen droht, ragte gerade so über die Spitzen der Baumriesen emport und bot eine Sicht auf die sich aufbäumenden Anden im Westen und das flache, sich im Dunst verlaufende Amazonasbecken, im Osten. Nach langen Experimenten und Diskusionen über die Höhe stiegen wir die 97 Stufen wieder hinab und setzten unseren Weg begeitet von Affen aller Art durch den Park fort und verließen ihn dann schließlich über die selbe Hängebrücke, auf der wir gekommen waren. Kurze Zeit später saßen wir in einem Gefährt, dass uns ins nahegelegene Misahualli bringen sollte, da wir nicht in Tena bleiben wollten. Von dem stinkenden, angeblichen Bus, blätterte die Farbe ab und die Sitze waren so schmal, dass nicht mal zwei für einen Durchschnittsdeutschen gereicht hätten. Aber die Landschaft und die kleine Dörfchen und Hängebrückchen entlang des Rio Napos entschädigten für die Strapazen. In Misahualli angekommen wurde einem gleich bewusst, dass man sich in einem ‚Feriado‘ (Feiertag) befand. Das ganze Dorf war im Park am saufen und tanzen. Eine Band spielte und die Straßenverkäufer drehten ihre Runden. Nach einer kurzen Runde durch die wenig vorhandenen Hostal, erwies sich, dass das sehr touristische Dörfchen bis auf das letzte Bett ausgebucht war. Nur einige Bruchbuden zu überteurten Preis waren noch zu finden. Also entschieden wir uns, dass was Misahualli zu bieten hat – einen schönen Strand an der Flussmündung des Rio Napo und des Rio Misahualli – zu erkunden und verbrachten da den ganzen Nachmittag. Die reißende Strömung machte ein Gegenanschwimmen unmöglich und konnte einem schnell zum Verhängniss werden. Den Strandtag rundeten wir dann noch mit einem Fussballspiel gegen drei unterernäherte Ecibrüder ab. Gegen Einbruch der Dunkelheit setzten wir uns den letzten Bus zurück nach Tena und quartierten uns in einem 5 Dollarhotel ein. Hellwach wussten wir nicht so recht, was wir mit dem angebrochenen Abend anstellen sollten, völlig unüberlegt endeten wir mit einer Flasche ‚Zhumir‘ (Billigalkohol) in unserem Hotelzimmer. Angetrunken zogen wir dann los um zu sehen, ob das Nachtleben in Tena den ersten Eindruck ablöste. Doch ein paar Discoschuppen und Biere später landeten wir doch wieder im Hotel und schliefen unseren Rausch aus. Diese Aktion rächte sich am nächsten Tag, als wir völlig verkatert aufwachten und einfach nur aus Tena verschwinden wollten. Mit voller Rechtfertigung hatten wir auf unseren vorherigen Touren die Finger vom Alkohol gelassen. Der gesamte Tag war nun im Eimer. Nach 4 weiteren Stunde im Bus kamen wir in Puyo an und es machte einen besseren Eindruck. Wir stiegen zwar in einem Vorort aus dem Bus, fanden aber schnell ins Zentrum und quartierten uns im 4. Stock eines günstigen Hostals ein. Der Blick vom Balkon und das Kabelfernsehn war genau was wir an diesem Vormittag brauchten. Da wir uns kaum auf den Beinen halten konnten, dösten wir bei ecuadorianischem Fernsehen, was keinesfalls stimmungshebend ist, 3h vor uns hin. Aber alsbald zwang uns der Tatendrang wieder auf die Straßen Puyos und seine Rundwanderwege, entlang des Rio Puyo. Da es zum Samstag viele ‚Quiteños’ und ‘Guayaquileños’ (Bewohner Quitos und Guayaquils) in die touristischen Orte des Landes zieht, waren diese Pfade mit nationalen Touristen  übersäät. Je länger wir doch am Fluss entlangliefen, umso verlassener wurde es und wir endeten bei der Feststellung, dass wir so langsam genug von Ecuador und von den Menschen hier hatten und uns nach der Heimat, unseren Leuten, heimischem Bier und Grillparties sehenten. Wieder zurück an der Uferpromenade des Rio Puyo verbrachten wir den Rest des Nachmittags ‚El Comercio‘ (Ecuadorianische Zeitung) zu studieren und die vorbeieilenden Leute zu beobachteten, die in Taxis und ihre Autos sprangen, um den bevorstehenden Regenschauen zu entfliehen. Der Himmel zog sich dunkel zu und die Blitz zuckten über dem Blätterdach des umliegenden Regenwaldes, doch mehr als eine Hand voll Tropfen ließen sich nicht blicken. Auf unserem Rückweg zum Hostal aßen wir noch ein ausgezeichnetes ‚pollo asadero‘ (gegrilltes Hähnchen) und so fand der Abend auch ein schnelles Ende. Am nächsten Morgen wollten wir schon früh im 5stündigen Bus nach Hause sitzten, doch völlig pleite kann man natürlich auch kein Ticket kaufen. Wir liefen in ganz Puyo umher, auf der Suche nach einem Geldautomaten, der mit Geld befüllt war. Da es Monatsbeginn war und die Lohnüberweisung gerade stattgefunden hatten, gab es an keinem Automaten Geld. Nach verzweifeltem Suchen fanden wir eine Bank, an der wir nach langem Warten dann endlich an Geld kamen und unser Ticket kaufen konnten. Doch damit sollte das Abendteuer noch nicht zu Ende sein. Als wir am Busbahnhof in Puyo ankamen und unser Ticket nach Quito gelöst hatten, mussten wir eine weiter Stunde warten, bis unser Bus kam. Dieser war nur auf der Durchreise und schon mit Passagieren aus den vorherigen Städten, die ebenfallls Tickets hatten, besetzt. Wie es sich dann herrausstellte, wurden dabei Sitze doppelt verkauft und der Bus war somit mit mindestens 10 Passagieren überbelegt. Auch Kais und mein Sitz waren bereits belegt. Da wir jedoch als erstes in den halbvoll Bus stiegen, sicherten wir uns zwei andere Sitze und bewegten uns nicht vom Fleck. Die Diskusionen zwischen Busbegleiter, Fahrer und den Passiegeren ohne Sitze endete in Beleidigungen, Beschimpfungen und fast in Handgreiflichkeiten, da diese auf ihre bezahlten Sitze bestanden. Nach einer guten Stunde wilden Diskutierens ohne Ergebniss lösste sich das Gedränge auf, da einige Passagiere freiwillige auf ihren Sitzanspruch verzichteten und den nächsten Bus nahmen. Mit guter Verspätung begab sich der Bus auf den Weg durch die Touristenstadt Baños, der Provinz Tungurahua und durch die Andenkordilleren nach Norden in die Landeshauptstadt und auf die Farm.