Bogotá / Karibikkueste – erste Tage in Kolumbien

Für die vorletzte Maiwoche hatten sich dann 18 Studenten aus Michigan bei uns auf der Farm eingeniste. Es war die erste Freiwilligengruppe, die während meiner Zeit die Farm aufsuchte. Sie sollten im Garten helfen, Bäume auf der Farm pflanzen und im Stall zur Hand gehen. Da das Freiwilligenhaus nicht solche Kapazitäten aufweist, schliefen sie in den Schlafräumen der grösseren Gebäude, wo sonst die Schüler aus Quito unterkommen. Die Idee war ein möglichst authentisches Bild der Farm in Versorgung und Lebenstil rüberzubringen. Deshalb machten wir unseren eigenen Käse, eigene Marmelade und aßen alles was möglich war aus dem Garten.  Diese Idee war allerdings mit viel Aufwand verbunden, jeden Tag vor jeder Mahlzeit ernten, waschen und zubreiten. Da wir die zwei Familienmütter der Farm, Lucia und Ruth, als Köchinnen engagiert, hatten hilf ich die ganze Zeit in der Küche und dem Essensraum aus. Es war einen angenehme Abwechslung zur sonst öden  Gartenarbeit. Die gesamte Woche war jedoch anstrengender als jede andere Arbeitswoche zuvor. Umsomehr freute ich mich auf den anschliessenden langgeplannten Urlaub mit den Jungs. Unsere Zivigruppe, bestehend aus den beiden Kais und Jakob, hatte es nun endlich geschafft den Abschlussurlaub nach Kolumbien anzutreten. Also saßen wir allesamt am Morgen des 23. Juni im Ormeno Bus nach Bogotà. Gegen Mittag erreichten wir dann die Grenze zu Kolumbien, holten uns Aus- und Einreisestempel und weitergings nach Norden, über Pasto und Cali nach Bogotà. Zwischen Grenze und Bogotà sind wir dann 5mal von Polizei und Militär angehalten und kontrolliet worden. Die verschärften Kontrollen waren angeblich notwendig, da der komplette Sueden Kolumbien noch bis vor einigen Jahren von Guerilla und FARC besetzt war. Erst durch strikte Sicherheitsvorkehren und Militäraufkommen wurden die nationalen Straßen sicherer und befahrbar. Völlig ausgelaugt kamen wir am Mittag des 24. Juni in Bogota an und setzten uns ins Taxi in das historische Zentrum von Bogotà. Völlig überrascht von dem Standard auf Busbahnhof und Taxistand. Der Terminal ähnelte einem Flughafen und um ein Taxi zu nehmen musste man sich ein Ticket ziehen, alles etwas professioneller, als wir es von Ecuador gewohnt waren. Der Taxifahrer bracht uns zu einem der Hostals, wir checkten ein und ging zunächst einmal auf Nahrungssuche. Da wir noch immer fast ohne Geld wahren, mussten auch ertsmal kolumbianische Pesos abheben. Da ein US-Dollar 2200 Pesos entspricht, fuehlten wir uns fast wir Millionäre. Denn wann hebt man denn schonmal 400 000 von seinem Konto ab. Effektiv waren es jedoch grade mal 130 Euro. Es war sehr ungewohnt 50 000 COP (kolumbianische Pesos) und 20 000 COP Scheine in den Händen zu halten. Nach einem reichlichen Mittagessen, erkundigten wir noch ein wenig die Stadt; kauften Spaghetti, Tomaten und Soße und kochten in der Hostaleigenen Küche Spaghetti Bolognese zum Abend. Das Nightlife in Bogotà danach noch zu erkunden erwies sich, mit der Busfahrt noch in den Knochen, als dumme Idee. Zum einen war die Partyzone einige Kilometer vom Hostal ernfernt, zum anderen war Sonntag und nicht zu letzt waren wir alle unglaublich muede. Also kurz ein Bier gezischt und dann wieder ins Taxi und zurueck.

Montag – Sightseeing in Bogota

Da der erste Abend in Bogotà bereits einen guten Eindruck vermittelt hatte, beschlossen wir in der sehr modernen südamerikanischen Hauptstadt nicht länger zu verweilen, da sie mit ihren Preisen und Standards sehr an europäische Städte erinnerte. Nur das Sicherheitsaufgebot war merklich höher, doch lieferte es nicht ein Gefühl von Sicherheit. Nach einem selbstgemachten Frühstück im Hostal führen wir mit einer einer Zugähnlichen Seilbahn hinauf auf den nahegelegenen Aussichtspunkt über die Stadt. Unser Glück mit dem Wetter verhielf uns zu einem aussergewöhnlichen Blick über die Hauptstadt. Um nicht allzu unwissend aus Bogotà am späten Nachmittag wieder abzureisen, statteten wir der Altstadt noch einen Besuch ab und sassen dann nach 2stündigen Verhandlungen mit den Busgesellschaften für 60 000 COP im Bus ins 1000km erntfernte Santa Martha an der karibischen See. Die 18h im Bus wurden durch seinen Komfort, Klima und 4 Filmen annehmbar gemacht.

Dienstag – das versteckte  Backpackerparadis Taganga

Gegen Mittag kamen wir in Santa Martha an und fragten uns unseren Weg ins 5km östlich gelegene Taganga. Eine 2400 Seelengemeinde in einer ruhigen Bucht der karibischen See. Überschwemmt von PADI Tauchschulen und Hostals – das kolumbianische Montanita. Wir quartierten uns in einem komfortablen Hostal mit Klima und Kabelfernsehen ein. Nach einem ersten Bad in der der Karibik waren wir jedoch von der Kulisse etwas enttäuscht – wenige Palmen, dreckiges Wasser und harter grauer Strand. Am Abend enttäuschte dann auch noch das Nachtleben von Santa Martha, was aber an einem Montag nicht weiter verwunderlich war.

Mittwoch – Manchester vs. Barcelona

Endlich im Uraub angekommen – konnten wir das erste Mal so richtig ausschlafen und fanden uns auch erst kruz vor Mittag beim Frühstück einer Strandbar. Die Kellnergestalt war jedoch sehr speziell, ein kleiner dicker Koumbianer, der mit wenigen Brocken Englisch und einer sehr unhöfflichen Art der Bedienung glänzte. Völlig entrüstet von der schlechten Bedienung verließen wir kopfschütteln das Restaurant. Den Rest des Tages bis zum Finalspiel der UEFA Championsleague verbrachten wir ganz entspannt in den Hängematten unseres Hotels. Am späteren Nachmittag fuhr ich dann noch mit Kai in die total ueberfuellte Großstadt Santa Martha um für das kommende Abendbrot und Frühstück Brot und Zutaten zu besorgen. Da Taganga als der Tauchspot Kolumbiens gilt und die Preise verhältnissmässig billig waren, erkundigten wir uns um eine billige Tauchtour. Da ich glücklicher Weise meinen Tauchschein dabei hatte, war es kein Problem einen Tour aus 2 Tauchgaengen für 100 000  COP (33 Euro) zu organisieren. Da Kai jedoch noch nie getaucht war, und er es auch einemal ausprobieren wollte, meldete er sich für einen Einführungskurs (120 000 COP – 40 Euro) für den folgenden Tag an. Den Abend ließen wir dann bei deutschem TV und home-made Sandwiches ausklingen.

Donnerstag – Tauchen vor der kolumbianischen Steilkueste

Um 8  in der Tauchschule schaute sich Kai ersteinmal ein Einführungsvideo an, wir bekamen unsere Ausruestung (Anzug, Blei, Automat, Druckluftflasche, Weste, Flossen, Brille), verluden alles ins Boot und fuhren mit 4 Tauchgefährten auf See. An einem einsamen Strand, nur mit dem Boot erreichbar, wollten 3 von unserer Gruppe übernachten, also luden wir ihre Sachen ab und die Gruppe teilte sich. Anfänger blieben am Strand um mit Trockenübungen zu beginnen und sich im seichten Wasser an die ungewöhnliche Weise des Atmens zu gewöhnen.Wir, die restlichen 3 fuhren mit einem erfahrenen Taucher weiter raus, vor eine Insel. Wir bauten unsere Ausrüstung zusammen, checkten die Ausrüstung und begaben uns ins Wasser. Nach einer kruzen Besprechung stiegen wir auf 10m ab. Das türkisblaue Wasser wurde von dem strahlenden Sonneschein erhellt und die zahllosen Fische strahlten in ihrer vollen Farbenpracht. Von mikroskopisch kleinem Plangton bis hin zu einer 100cm langen Moräne war alles dabei; Clownfisch, Neons, Kugelfische, Kraben, Flundern, blaue Hornhechte, Langusten und allerlei ander Fischarten. Wir tauchten einen seichten Abhang bis auf 20m ab und verbrachten dort, von der leichten Strömung getragen, den Rest des Tauchgangs. Kurz vor dem Aufstieg war dann auch einem Flasche leer und ich musste bei unserem Profitauchen am Notapperat nuckeln. 5m vor der Wasseroberfläche legten wir dann noch den 3minütigen obligatorischen Sicherheitsstop ein und tauchten nach 40min wieder an der Oberfläche auf. Danach ging es mit dem Boot zum Mittag zurück zur einsamen Hütte am Strand. Nach einer einstündigen Ruhepause tauschten wir die leeren Druckluftflaschen gegen Volle aus und machten uns auf den Weg an einen anderen Tauchspot. Und stiegen ein zweites Mal in die Fluten hinab. Tauchten durch ein paar Steinhöhlen und zu einer 15m Kante, die senkrecht nach unten führte. Da an dieser Klippe kalte und warme Strömungen aufeinander trafen sammelte sich ein noch größeres Spektrum an Fischen und Getier, deren Treiben lustig anzusehen war. Da eine unserer Tauchgefährten Druckprobleme hatte, verharrten der Neuseeländer und ich am Boden der Klippe und setzten alsbald unseren Weg stromaufwärts fort. Der steinige Untergrund bot hervorragenden Unterschlupf für Kraken, Oktopusse und Langusten. Riesige Korallenbäume, Schwämme, farbenfrohe Tentakeltierchen und tellergrosse Muscheln bedeckten die Steinflächen. Als mein Tauchbuddy dann Probleme mit seinem Automaten bekam und wir am Ende unserer Luft waren, begannen wir den Aufstieg – natürlich mit Sicherheitsstop. Danach stiegen wir zurück ins Boot und erreichten gegen 3 den Strand von Taganga. Am Nachmittag trafen wir dann auch auf Jakob und Kai, die sich keinen Tauchkurs gegönt hatten, sondern  den Tag an einem einsamen Strand im Nationalpark Tayrona verbracht hatten.

Freitag – Cartagena, die erhoffte Partystadt

Da Taganga außer Tauchen, Kiffen und einem Haufen Backpackern nichts zu bieten hatte, verließen wir am Morgen unseres 6. Reisetages das Küstendörflein. Mit dem Taxi ging es zum Busterminal der nahegelegenen Großstadt Santa Marta – von dort aus auch direkt weiter nach Baranquilla und unser vorerst naechstes Reiseziel Cartagena. Die sehr schön aufgearbeitete Kolonialstadt war bekannt für schöne Latinas, zauberhafte Strände und ein sehr lebhaftes Nightlife. Nachdem wir 10km ausserhalb angekomme waren, bestätigte sich jedoch das Gegenteil – dreckig stickige und versüffte Vorstadtviertel, die nicht zu einem Aufenthalt einluden. Wir nahmen ein Taxi und bahnten uns den Weg durch den Freitagnachmittagsverkehr zum Stadtzentrum, das das völlige Gegenteil bot. Doch kaum aus dem Taxi ausgestiegen, wurden wir auch schon von Prostituierten, Kokainverkäufern, Geldwechslern und Bettlern belästigt. Schwerlich konnten wir sie abschütteln und unsere Suche nach einem Hostal fortsetzten. An fast jeder Straßenecke lungerten Verkäufer und Prostituierte. Im hostirschen Zentrum, ganz nach kolonialem Schachbrettmuster, zogen wir dann widerwillig zu viert in zwei Zimmer mit Doppelbetten. Das erste Mal in diesem Urlaub hatten wir begründete Hoffnung auf ein aktives Nachtleben. Wir schmissen uns in Schale um dann nach 15min Fussmarsch wieder enttäuscht zu werden. Die Partyzone war wie ausgestorben und die Clubs leer.  Nach ein paar Bier zogen wir nocheinmal ein paar Runden im Stadtzentrum und landeten in einem Club, der von aussen mit guter Musik lockte, sich aber dann als Puff herrausstellte. Zum Glück konnten wir von dort aus direkt ins gegenüberliegende Hard Rock Café flüchten. Der Lifeauftritt einer kolumbianischen Rockband brachte dann doch noch etwas Spannung in den Abend. Schließlich fanden wir dann auch noch einen Schuppe der genau unseren Musikgeschmack traf. Von Reggeaton, über Salsa bis hin zu Elektro, war alles dabei. Dort verbrachten wir denn Rest der Nacht. Doch noch zufrieden fielen wir dann um 4 ins Ehebett.

Samstag – Playa Blanca, weißer Karibikstrand

Eine weitere Nacht wollten wir nicht in diesem Hotel bleiben, doch einen Plan B gab es noch nicht. Da wir aber noch an den Playa Blanca (weißer Strand) wollten, zogen wir den Ausflug dahin, einer weiteren Nacht in Cartagena vor. Nach einem Stadtrundgang, durch das historische Zentrum und an der Strandpromende entlang, setzten wir uns ins Taxi und fuhren in ein Dorf, namens Pasacaballos, dort setzten wir mit einer Fährer auf einen Insel über und ließen uns dann 1h durch eine karge Sandlandschaft mit dem Moped zum angeblich schönsten Karibikstrand Kolumbiens schoffieren. Dort angekommen, offenbarte sich ein Anblick von weißem Sand, Kokospalmen und türkisklarem Wasser – ein Traum. Doch waren wir leider nicht die ersten, die diesen Ort entdeckt hatten. Scharen von nationalen Turisten übersähten den schmalen Strand. Weiterhin hatten sich zahllose Buden etabliert, die Hängematten, Mahlzeiten und Lebensmittel anboten. Suchend nach einem etwas ruhigeren, abgelgerenen Abschnitt schlenderten wir am Strand entlang und trafen auf Hugo. Einem Geschäftsmann, der eine Strohhütte direkt am Strand hatte, Mahlzeiten, Zimmer und Hängematten anbot. Wir quartierten uns für eine Nacht in seiner Hütte für 10 000 COP (5 USD) ein, und sprangen erstmal in das badewannenwarme Wasser. Einfachmal nichts tun – das war die Divise des restlichen Tages. Da nach dem klaren Sonnenuntergang kein Licht gab, blieb auch nichts weiter übrig als sich auf die vorstehende Nacht in der Hängematte vorzubereiten. Fehlende Mückennetze machten die Nacht jedoch zur Qual. Auch die Hängematte als solche bietet nicht die ideale Schlafmöglichkeit. So verbrachten wir die hälfte der Nacht, uns umherzuwälzen und Mücken zu bekämpfen.

Sonntag – Rückfahrt im Speedboot mit 375PS

Völlig übermüdet schliefen wir den folgenden Tag erstmal ein paar Stunden am Strand. Da wir nicht schonwieder die überteuerte Kost essen wollten, die Hugo anbot, suchten wir nach einer günstigeren Altrnative. Gillberts Finca am Strand war da gerade richtig. Ein paar Strandspaziergänge und Badeausflüge später saßen wir um 4 in einem der lanchas rapidas (Schnellboote) zurück nach Cartagena, da wir nicht wieder die ewig lange Zuckelei mit Moped, Fähre und Taxi durchmachen wollten. Wir holten unser Gepäck ab, duschten uns nocheinmal im Hostal und saßen im Restaurant nebenan um zu Abend zu essen. Bereits beim Betreten, wurden wir von einer Gruppe junger Damen angelächelt, angemacht und bekamen „Mi Amor“, und „Mi Carino“ hinterhergerufen. Schnell war klar, dass es ‚freischaffende Künstlerinnen‘ waren. Da ich noch völlig verschwitzt war, verzog ich mich ins Bad um mir das Salz des Vortages von den Händen und aus dem Gesicht zu waschen. Völlig in Gedanken zog ich die Klotür nur hinter mir zu, ohne sie zu verriegeln. Eine der Prostitierten nutzt diese Gelegenheit jedoch schamlos aus und stand innerhalb von Sekunden in dem kleinen Bad. Ich völlig erschrocken, bat sie draußen zu warten. Doch schnell wurde klar, dass sie nicht aufs Klo musste, da sie das Klo nicht verlassen wollte, versuchte ich sie erst leicht hinaus zu schieben. Doch sie ließ sich davon wenig beeindrucken und laberte auf mich ein, dass sie ja nicht teuer wär und wir es schnell erledigen könnten und keiner davon mitbekäme. Das war dann genug – kraftvoller bugsierte ich sie aus der Tür und trocknete mir die Händ und das Gesicht. Als ich dann auch noch (entschuldigt meinen Wortlaut) ‚hija de puta‘ leise vor mich hinmurmelte, war vor der Tür die Hölle los. Offensichtlich hatte die junge Dame diesen Auspruch mitbekommen und spielte sich tierisch auf und drohte ihren Zuhälter zu holen und mir die Mafia auf den Hals zu hetzten. Ich schlängelte mich an ihr vorbei und setzte mich zu den Jungs an den Tisch zu meinem Pollo à la Plancha (Hühnerbein). Ohne weitere Zwischenfälle saßen wir im Taxi zum Busterminal und waren an den Verhandlungsschaltern der Busunternehmen nach Medellín angekommen – schon saß der nächste Schock in unseren Knochen 98 000  COP (45 USD) sollte die 12h Fahrt kosten. Doch da nur zwei Unternehmen diese Route fuhren, konnten wir diesen hoffnungslos überteuerten Preis nicht drücken und mussten in den sauren Apfel beißen und saßen um 19 Uhr im Bus Richtung Süden, die Karibik hinter uns lassend.

Montag – das Highlight der Reise, Medellín

Gegen 7 stiegen wir bereits am nächsten Morgen im Nordterminal Medellíns aus dem Bus. Das nächste Taxi brachte uns in das Stadtviertel Patio Bonito, eine Urbanization, die mit ihrem Baustil und ihrer Sauber- und Sicherheit an ein amerikanisches Vorstadtviertel erinnerte. Dicke Autos waren vor der Haustür geparkt und Kinder rannten spielend auf der Straße herum. In mitten dieser Ubanization befand sic das Hostal Black Sheep, des neuseeländischen Besitzters Kelvin. Da das gesamte Hostal um 8 jedoch noch schlief, gab es noch keine freien Betten. Wir luden unser Zeug ab und nutzten erstmal das hostaleigene HighSpeed Internet. Im nahegelegenen Supermarkt deckten wir uns dann mit Füchten und Zutaten wir Spaghetti Bolognese ein und machten uns das beste Frühstück seit Tagen. Obstsalat mit Yogurt und Müsli, soviel wir essen konnten und natürlich die Brötchen mit Marmelade. Da der Großteil unserer Reisegruppe fast garnicht geschlafen hatte, verbrachten wir den ganzen Tag im Hostal, schlafend, mit den Backpackern schnackend, im Internet und bei DW – TV (Deutsche Welle). Mal wieder deutsches Fernsehen mit aktuellen Themen. Des weiteren konnte ich mich um die UNI Bewerbungen in Deutschland kümmern. Medellín, die Stadt an sich, kam an diesem Tag allerdings etwas zu kurz, da wir ausser den Weg zum nächsten Supermarkt nichts sahen.

Dienstag – Metrofahren in Medellín

Dies sollte sich jedoch am nächsten Tag ändern. Nach dem Reste-Frühstück vom Vortag begaben wir uns zur nächsten S-Bahn Station und wollten die Stadt auf diese Weise erkunden. Das gesamte Ambiente, die Leute und Sauberkeit wirkten sehr zivilisiert und organisiert – ganz anders als in Ecuador. Die Leute warteten vor dem Einsteigen, bis alle ausgestiegen waren, man drängelte und schubste nicht. Da dem S-Bahn System ein Seilbahnsystem angeschlossen war. Fuhren wir zunächst zur Talstation der Seilbahn und stiegen dann in die Gondeln um, in denen wir dann über die ärmeren Hangviertel der Randstadt schwebten. Danach ging es zur nächsten Seilbahn, die andere Hangseite hinauf – und alles für 1500 COP (0,80 USD). Als Bilderbuchturisten, mit Flip Flops, Blümchenbadehose und Hemd fielen wir in der 2Mio. Metropole ziemlich auf und ernteten entrüstete Blicke der Einheimischen. Am Universitätspark verließen wir das S-Bahn System und schlenderten durch die Innenstadt und es ging zurück zum Hostal. Da wir noch am selben Abend in den nächste Bus nach Calí sitzten wollten, packten wir unsere Sachen, und hingen den restlichen Nachmittag noch vor dem Internet und Flachbildplasma. Noch schnell Pizza gegessen und schon standen wir vorm Schalter der Cooperativa Galaxia, die uns über Nacht ins 12h entfernte Cali bringen sollte. Es war eine sehr ermüdende Art des Reisens. Eine Nacht im Hostal, die nächste im Bus. Trotz der Geräumigkeit war ein Duchschlafen im Bus fast unmöglich, da die Fahrt im rollenden Eisschrank von Entschleunigungs Hubbeln und Polizeikontrollen gestört wurde. Allerdings war es eine sehr effiziente Art zu reisen, da man nicht tagsüber im Bus saß und Hostalkosten sparte.

Mittwoch – letztes Reiseziel, Cali

Da die Busfahrt schneller als geplant verlief saßen wir bereits um 4 Uhr morgens am Terminal der südlichsten Großstadt Kolumbiens. Was nun? Ins nächste Hostal – da berechnete man uns vielleicht noch die vergangene Nacht. Direkt weiter nach Süden – einstimmig abgelehnt. Also verharrten wir bis um 5 im Terminal und begaben uns dann im Taxi auf Hostalsuche. Die ersten beiden waren voll. Glücklicher Weise bekamen wir von unserem Taxifahrer einen Tipp auf ein neu eröffnetes Hostal im Stadtzentrum. Nach einigem Suchen fanden wir das Hostal Pelikan Larry von dem Stuttgarter Günter. Er hatte auch noch vier Betten im 8ter Schlafsaal und wir legten uns erstmal wieder schlafen. Günter hatte vor sieben Monaten das Wohnhaus in ein Hostal verwandelt und fehlt deshalb in jeglichen Reisführern. Nach dem wir ausgeschlafen hatten, zogen Jakob und ich los um den nächsten Supermark zu finden und für das Frühstück einzu kaufen. Ach einer halben Stunde stießen wir auf einen kleinen Tante Emma Laden, der alles bot was wir brauchten. Am Nachmittag fuhren wir dann noch in den Zoo der Stadt, der angeblich bekannt als bester Zoo Kolumbiens war. Er hatte auch alles zu bieten, was ein Zoo zu bieten haben muss – Aquarium, Anthilopen, Krokodile, Raubkatzen, Bären, Vögel und und und….. Auch wenn mal wieder klar wurde, wie schrecklich die Tierhaltung, vor allem von Raubkatzen und Bären in den kleinsten Gehegen, eigentlich ist. Am Nachmittag suchten wir noch das Stadtzentrum auf und schlenderten über die Avenida Sexta (6. Querstraße), die bekannt für ihr Nachtleben und die zahlreichen Restaurants war. Pünktlich zum typisch deutschen Grillabend kamen wir um 6 im Hostal an und der Grill lockte mit saftigem Schweinebauch, zarten Steaks, Hühnerbeinen und Würstchen nach deutschem Rezept. Dazu eisgekühltes Club Colombia, das einheimische Bier, Kartoffel-, Gurken- und Tomatensalat. Da wurde die Vorfreude auf Grillabende in Deutschland umso größer. Vollgefressen schafften wir es dann auch nicht mehr den nahegelegenen Salsaclubs einen Besuch abzustatten.

Donnerstag – das Naturbad des Rio Pance

Da wir an unserem letzten Urlaubstag noch einmal raus aus Cali wollten und uns Günter die Naturbäder des Rio Pance ans Herz gelegt hatte, fuhren wir für 20 000 COP nach Pance, einem Dörfchen ausserhalb der Metropole Cali und mussten dann noch 1h bergauf zum Wasserfall Chorreo Indio laufen. Dort erwartete uns dann ein Hotel, dem das Naturbad angeschlossen war. Obwohl völlig ausgestorben, verlangten sie einen Eintritt von 5000 COP. Nach ein paar Runden im natürlichen Teich um den Wasserfall waren wir allerdings auch schon zu Eiszapfen geworden, da das eiskalte Quellwasser aus den den umliegenden Andenzügen direkt ins Tal plätschert. Etwas enttäuscht von diesem Ausflug kehrten wir zum Hostal zurück und klagten Günter unser Leid. Da wir bis hier hin noch nicht die typisch kolumbianische Kost probiert hatten, wollten wir es dann doch noch am letzten Tag doch noch tun. Nach halbstündiger Suche fanden wir ein Restaurant das um 4Uhr nach Mittag noch Mittagstisch anbot, das sich allerdings vom ecuadorianischen Hähnchen in keinster Weise unterschied. Da wir noch eine Nachtfahrt zurück zur Grenze hatten, ging es zurück zum Hotel, unter die Dusche und zum Busterminal. Dort kratzten wir unsere letzten Pesos zusammen um noch die 32 000 COP für die Fahrt in die Grenzstadt Ipiales zu bezahlen. So saßen wir im letzten Bus auf unserer kolumbianischen Reise.

Freitag – Rückfahrt zur Farm

Zwei Polizekontrollen später kamen wir dann in Ipaliales an, sprangen ins Taxi und kamen an der kolumbianischen Emmigrationsbehörde an. Stempelten unsere Ausreis ab und liefen über den Grenzfluss nach Ecuador. Dort bekamen wir unseren Einreisestempel und fuhren weiter nach Tulcán, der nördlichsten ecuadorianischen Stadt. Wie erwartet wurden wir von den aufdringlichen Busfahrern belagert, die uns eine Fahrt nach Quito andrehen wollten. Letztendlich nahmen wir eine der seriöseren Cooperativas Flota Imbabura. Nach 3h kamen wir dann mit Jakob und Kai auf der Farm an, wo uns Stuart und die restlichen Freiwilligen schon empfingen. Der Nachmittag war auch schon mit Fussball und anschließendem Pizzaessen ausgeplant, da Alex, Simon und Jack den nächsten Tag die Farm in Richtung Norden verließen und Kolumbien bereisten. Es war also wieder eine der Nächt an dem wir uns von Langzeitfreiwilligen verabschieden mussten.

Jakob und Kai blieben dann noch eine Nacht auf der Farm und wir fuhren am Samstagmorgen auf den Indigenenmarkt nach Otavalo um uns mit Geschenke für die Verwandten und Bekannten zu Hause einzudecken. Viel Zeit bleibt den beiden Kais und Jakob nicht mehr. Der eine Kai fährt noch nach Kuba für zwei Wochen, der andere vorzeitig nach Hause um sich um seine UNI – Bewerbungen zu kümmern und Jakob fliegt noch aufs Besuchsreise in die Staaten. Ich werde ausser meinem Aufstieg auf den nahegelegenen Cayambe Vulkan keine weiteren Reisen unternehmen und die letzten Wochen noch auf der Farm genießen.

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