Da 4 weitere Freiwillige am Montag der letzten Januarwoche ankamen, mussten noch mehr Betten besorgen und auf die Zimmer verteilen. Gegen Mittag trafen dann Martino (Italien -2 Wochen), Andrew und Rebecca (Alaska – 1 Woche) und Lucy (England – 1 Woche) ein. Nach ein paar einführenden Worten von Stuart ging die Arbeit dann auch schon für uns alle los. Da viele der letzten Freiwilligen das Spanischangebot nutzten, war unser Spanischlehrer Tito die gesamte Woche auf der Farm vollzeitbeschäftigt. Demzufolge hatten wir eine Person mehr am Mittagstisch zu füttern. Zu Spitzenzeiten in dieser Woche waren wir 12 Personen aus 6 verschiedenen Ländern, was zum einen sprachlichen und kulturellen Austausch mit sich brachte. Am Mittwoch machte ich mich dann auf den Weg nach Quito um mich Donnerstagfrüh mit Elin (Schweden – 6 Monate) zu treffen und sie auf die Farm zu bringen. Sie ist eine Langzeitfreiwillige der selben Organisation, wie auch Alex und ich; eben „nur“ für ein halbes Jahr. Abwechslung brachte mal wieder die Baumschule, da wir am Freitag ein Inspektion hatten, mussten wir diese in Schuss bringen. Dies stellte sich aber alsbald als Problem raus, da 120 000 Bäumchen reorganisiert und von Unkraut befreit werden mussten. Folglich machten wir nur das nötigste, soviel wir halt konnten. Zwischenzeitlich beluden wir noch einen LKW mit 2000 Bäumchen. Am Wochenende machten wir mit den neuen Freiwilligen eine Tour nach Otavalo und zu dem nahegelegenen Vulkansee Cuicocha. Nach eine Tour über den mal wieder überfüllten Markt von Otavalo brachen wir über Quiroga nach Cuicocha, zur Kraterlagune, auf. Da das Wetter super war und ich meine Badehose dabei hatte, sprangen wir ins kühle Nass auf 3000m und erkundeten die Umgebung um die Lagune. Am Abend fuhren wir dann nach Cayambe verbrachten den Abend tanzend in der Discothek ‚La Choza‘. Da der Sonntag der letzte Tag für den Großteil der derzeit Kurzzeitfreiwilligen war, wollten wir noch etwas machen und nicht völlig verkatert im Bett verbringen. Also beschlossen wir, zu den nahegelegenen Kraterlagunen Lagunas Mojanda hinaufzusteigen. Der ursprüngliche Plan bestand darin, eines der vorbeifahrende Trucks anzuhalten und bis zu den Kraterseen hinauf zu trampen, das Problem war nur, das es keine Trucks gab. Nach 2h mühsamsten Aufsteigens riefen wir ein Camionetta, das uns bis ganz oben bringen sollte. Unglücklicher Weise wollte unser Fahrer nur ¾ des Weges nach oben fahren. Also mussten wir die letzten 4km und 400 Höhenmeter zu Fuss überwinden. Am größten See angekommen, schwamen wir im superkalten Wasser auf 4000m. Doch alsbald machten wir uns Sorgen um unseren Rückweg, da es bereits 4 Uhr Nachmittags war und der Abstieg mindestens 3h dauerte. Zum Glück kam ein PickUp vorbei und nahmen uns mit. Am folgenden Tag machten sich Alex und ich auf den Weg nach Quito, da wir die folgende Woche Halbjahresseminar mit den ganzen anderen Freiwilligen hatten. Um halb 10 Uhr morgens trafen wir uns allesamt in Cumbaya und fuhren mit dem Taxi in das Seminarhaus von San Patricio in Lumbisi. Es folgten 3 Tage intensivstes Auswertungsseminar mit unserer Freiwilligengruppe. Jeder musste zunächst sein Projekt und seine Arbeit in einer Präsentation darstellen, was aber nach der dritten Präsentation über Colegiós ziemlich langweillig wurde. Zum Glück war unsere ueber die Farm etwas auflockernd. Weiterhin folgten Einschätzungen der bisherigen Erlebnisse in der Familie und im Projekt, Erwartungen an das kommende Halbjahr und was verbessert werden kann. Der ein Großteil der Freiwilligen in Schulen arbeitet, lagen die Schwerpunkte auf der Lerneinstellung der Schüler. Fast keiner der Freiwilligen konnte von einem wirklich merklich sichtbaren Erfolg oder Fortschritt seiner Schüler berichten. Es gab hier und da Ansätze die Umstände zu bessern, doch letztendlich ist das gesamte Schulsystem mehr oder weniger ein Disaster, viel zu ändern gibt es da, seitens der Freiwilligen, nicht. Am 4. und letzen Tag wurde dann über die Zukunft der Fundación VASE gesprochen. Unter anderem ging es um die Ausdehnung der Fundación, ein Werbevideo und einige soziale Gruppenprojekte. Alles in allem ein relativ positives Seminar, da die langgezogenen Phasen mit kleinen Zwischenaktivitäten aufgelockert wurden. Da wir das ursprünglich 5-tägige Seminar durch zügiges Arbeiten auf 4 Tage verkürzen konnten, bekamen wir den Freitag frei. Doch was tun, mit einem langen Wochenende?! – Reisen! Nur die Frage – Wohin? Nach längerem hin und her fiel Kai’s und meine Wahl auf Baños, Touristenhochburg Ecuadors 4h südlich von Quito, auf 1800m. Bekannt für seinen zahlreichen Wasserfälle und heißen Quellen, wie der Name Baños (Bäder) ja schon sagt. Ich rief also Elin und Shane auf der Farm an, ob sie nicht auch mit kommen wollten und schon waren wir Freitagmorgen zu 5. unterwegs, da Alex auch noch kurzfristig mitkam. Gegen Mittag bezogen wir unser Hostal und wollten die ersten Quellen besuchen, die jedoch geschlossen waren. Also stiegen wir den 768 treppenstuffenhohe Berggrat hinauf, zur Jungfrau von Baños. Da die steinerne Statue wie eine Schutzheilige über die Stadt wacht, hat man einen perfekten Ausblick auf das im Tal von Nebelwald liegende Städtchen. Am Abend, nach einigen Mojitos ging es dann in einen der zahllosen Clubs. Dort trafen wir dann auf die 15 englischen Schüler mit denen wir Mitte Januar bereits 1000 Bäume in Peribuela gepflanzt hatten. So waren wir einen Gruppe von 20 Gringos, die Baños unsicher machten. Nach stundenlangem tanzen zu Reggeaton ging es dann auch nach Hause, da wir am nächten Tag Fahrräder ausleihen wollten und die Wasserfallroute abfahren wolllten. Gegen Samstagmitag saßen wir dann auf unseren Drahteseln auf dem Weg nach Westen, immer bergab, in Richtung Puyo. Doch bereits nach den ersten 500m hatten wir die erste Panne, ein Nagle im Reifen. Zum Glück hatte uns der Fahrradverleih zwei Ersatzreifen mitgegeben, sodass wir das kaputte Rad schnellstens reparieren konnten, und unsere 12 personenstarke Gruppe die Fahrt wieder aufnehmen konnte. Es ging an zahllosen und unterschiedlichsten Wasserfällen vorbei, bis dann auch ich ein Loch im Reifen hatte, und wir den letzten Ersatzschlauch dafür verwendeten. Eine weiter Panne konnten wir uns nicht leisten, da es weder Flickzeug, noch Erssatzreifgen gab. Doch nach einer weiteren halben Stunde die Serpentinenstraße hinab war der nächste Reifen platt. Da es zu allem Übel auch noch wie aus Kannen goß, blieben drei Weitere in einer Schützhütte zurueck. Wir nahmen jedoch die letzten 5Km in Angriff, der Regen stoppte, die Wolken rissen auf und die Sonne begleitete uns für den Rest des Tages. Am Wasserfall Pailón del Diablo angekommen, war das Ende unserer Radtour gekommen, wir ließen unsere Räder stehen und machten uns zu Fuss hinab zum Wasserfall des Rio Pastaz, dort führte eine wacklige Hängebrücke über die reißenden Wassermassen, die nur 5 Leute zur gleichen Zeit tragen konnte. Von dort bekam man einen überwältigenden Eindruck über den 100m hohen Wasserfall. Danach stiegen wir zum oberen Teil des Wasserfalles auf. Auf Grund der unzähligen Touristen, aus Ecuador und aller Welt, konnte man den Wasserfall von verschiedenen kuenstlich angelegten Balkons aus bewundern. Des weitern führte ein kleiner Tunnel in der Felswand, hinauf, direkt hinter den Wasserfall, wo man nach Sekunden bereits total durchnäßt war. Das Rauschen und der dichte Nebel machten sehen und hören fast unmöglich. Nach dieser Dusche im Wasserfall machten wir uns auf den Rückweg, zurück zu unseren Fahrrädern und nach einem ausgiebiegem Mittagessen ging es dann zusammen mit unseren Fahrrädern in einem LKW zurück nach Baños. Da das klare Wetter immernoch anhielt, konnten wir Blicke auf den aktiven, qualmenden Vulkan Tungurahua (5029m) erhaschen. Den Abend verbrachten wir dann in einer der typischen Eci-Discos. Gegen 4 Uhr morgens entschlossen wir uns dann noch einen Abstecher in die heißen Quellen zu machen. Also Badesachen an und ab ins Taxi. Zu aller Überraschung waren die Bäder sehr voll, um nicht zu sagen überfüllt. Wir gesellten uns zu der Menschenmaße und schliefen fast in dem angenehm warmen Wasser ein. Der Plan sah vor, den Sonnenaufgang in den heißen Quellen zu verbringen, doch als bis halb 6 noch immer kein Licht am Horizont zu sehen war, verließen wir die Bäder und kehrten ins Hostal zurück. Am nächsten Tag stand die Rückreise bevor, wir quälten uns aus dem Bett, besichtigten noch ein Museum, welches Geschenke an die Jungfrau von Baños ausstellte und fuhren am Nachmittag zurück auf die Farm.
Cuicocha, Cayambe, Lagunas Mojanda und Halbjahres Seminar
Veröffentlicht in Up To Date am Februar 10, 2009 von paulnaglatzkiFertigstellung des Freiwilligenhauses und Wochenendausflug nach Chachimbiro
Veröffentlicht in Up To Date am Februar 10, 2009 von paulnaglatzkiDie vorletzte Januarwoche wurde dem neuen Freiwilligenhaus gewidmet. Das Ziel war es, die gesamte Koch- und Esseinrichtung in einen größeren Teil des Hauses zu verlegen. Dazu musste die neue, riesige Küche entrümpelt werden, gestrichen und gewischt werden. Ausserdem brauchten wir einen neuen Schrank mit Arbeitsfläche und Waschbecken, sowie einen Tisch für unseren Herd. Dazu hatten wir unseren Hausmeister (àka Alleskönner) Hairo, er zimmerte uns die benötigten Möbel, machte die Klempnerarbeiten, reparierte das Elektriksystem und stopfte die Löcher im Dach. Während die letzten Streicharbeiten dann in der Küche abgeschlossen wurden, verlagerte sich die Drecksarbeit ins neue Wohn-/Ess-/Chill-outzimmer. Der riesige Kamin wurde gereinigt und zum Laufen gebracht und ein paar Möbel aus einem alten Schrank zusammengezimmert. Ein bischen Farbe und ein gemopter Fussboden machten alles gemütlicher. Schliesslich wurden ein paar neue Betten in die Zimmer verteilt, um die neuen Freiwilligen aufzunehmen. Zum Glück bekamen Alex und ich Hilfe von zwei weiteren Freiwilligen. Zum einen ist der Langzweitfreiwillige Shane (Irland – 2 Monate) angekommen und zum anderen Lilly (USA – 1 Woche). Gegen Ende der Woche war dann ein Ende zu erkennen und Freitag waren wir fertig und weihten das neue Haus mit einer Flasche Puntas, einer Kiste Bier und einem großen Feuer ein. Zu Besuch kamen Stuart, seine Freundin Amy und mein Kumpel Alonzo aus Tabacundo. Nachdem ich aus dem Fitnessstudio zurückkam, machten wir Naranjiasaft und mixten es mit Puntas, ein 75%iger Alkohol aus Zuckerrohr. Bei Feuer, Alkohol und Alex’s Gitarre brachten wir so bis früh um 2 zu. Am nächsten Morgen ging es dann um 8 auf in Richtung Chachimbiro; Termalbäder im Norden von Ibarra ca. 3h nördlich von der Farm. Nach 2h kamen wir dann in Ibarra an und nahmen den nächsten Bus in Richtung Urcuqui und Chachimbiro. Um 1 kamen wir dann an den heißen Quellen an, buchten unser Wochenende für 25USD pro Person, inklusive 3 Mahlzeit, Zimmer und Zugang zu allen Bereichen am Samstag und Sonntag. Nachdem wir die Umgebung erkundet hatten und unser Zimmer bezogen hatten, begannen wir zwischen den zahlreichen, unterschiedlich temperierten Pools hin- und herzuwechseln. Gegen Abend besorgten wir uns dann eine Kiste Bier und tranken Bier in den Quellen. Da mein Kumpel Alonzo ebenfalls mit uns gekommen war, sprachen wir fast ausschliesslich Spanisch. Nach dem Abendbrot gingen wir dann in die Karaokebar und da wir die einizigen Gäste waren, hatten wir freie Musikwahl und tanzten zu Salsa, Merengue und Elektronik bis zum Abwinken. Da die Becken die ganze Nacht geoeffnet waren, gingen wir danach noch in die heißen Quellen und schlugen die Zeit fast bis zur Morgendämerung tot. Sonntag füllten wir mit einige Saunagängen, Schlammbädern und ein paar sportlichen Aktiväten im Schwimmerbecken. Gegen 3 nahmen wir dann ein Camionetta zurück nach Ibarra und von dort aus zurück zur Farm.
Drei neue Freiwillige und 20 Schüler aus Quito
Veröffentlicht in Up To Date am Februar 10, 2009 von paulnaglatzkiMitte Januar war es dann mal wieder soweit, wir bekamen unsere zweite Schulklasse aus Quito. Ursprünglich sollten über das gesamte Schuljahr verteilt jeder zweite Woche mindestens 60 Schüler die Farm besuchen kommen und dort an Unterricht im Praxisverbund teilnehmen. Bislang blieben diese jedoch aus, nur zwei Schulklassen haben bis jetzt die Farm aufgesucht. Die Gründe dafür sind unterschiedlich, hautsächlich liegt es aber daran, dass der Bildungsminister die Zusammenarbeit mit NGO (None Profit Organizations – Nicht Gewinnbringende Vereine) und Schulen zum großen Teil unterbunden hat, da es in den vergangenen Jahren wohl ziemliche Probleme dabei gab. Aber vorraussichtlich werden gegen Ende des Schuljahres wieder mehr Klassen kommen, da es zum einen eine große Hilfe auf der Farm ist und zum andern eine Haupteinnahmequelle unserer NGO FBU ist. Ausserdem ist es abwechslungsreich, ein paar neue Gesichter auf der Farm zu sehen, Spanisch zu sprechen, Fussball zu spielen und andere Projekte mit den Schuelern, ausserhalb des Gartens, zu starten. So waren wir zum Beispiel mit der letzten Klasse auf 3500m des nahegelegenen Vulkans Fuya Fuya und haben dort in der endlosen Grasslandschaft 220 Bäume gepflanzt. Dazu mussten wir zu erst musste eine Fläche von 2mx2m vom meterhohen Grass befreien und danach an dem steilen Hang ein Loch von 30cmx30cmx30cm graben. Die fruchtbare Schwarzerde bietet dort ideale Startbedingungen für die Yagual-Büsche, die wir dort pflanzten. Die restliche Woche verlief relativ zügig, da die Gartenarbeit von 3 neuen Freiwilligen aufgelockert wurde. Zusätzlich zu Alex, Sarah und mir, kam Shane (Irland – 2 Monate) und Max und Mono (Belgien – 1 Woche), so waren wir zu sechst und haben einiges im Garten erledigen können. Am Freitagabend wurden wir dann von den Schülern auf einen gemütlichen Abend bei Kaminfeuer und Reggeaton eingeladen. Da Alex und ich weder zu Reggeaton, noch zu Salsa oder Merengue tanzen konnten, versuchten uns die 17jährigen ein paar Schritte beizubringen, was sich aber als hoffnungslos herrausstellte. Am Samstagmorgen ging es dann nach einer langen Nacht erneut zum Bäumepflanzen in ein Naturreservat; Bosque Protector de Jerusalem, 1h Busfahrt von der Farm. Der an Steppenwald erinnernde Wald, in Mitten eines Tales, bestand hauptsächlich aus Trockenbüschen und mannshohem Grassland. Auch hier pflanzte jeder Schüler 10 neue Yagual-Büsche.
Minga in Peribuela – 1000 Bäume mit neuer Heimat
Veröffentlicht in Up To Date am Januar 11, 2009 von paulnaglatzkiNoch am selben Tag meiner Rückkehr aus dem Urlaub ging es auch gleich in den Garten, da es reichlich zu tun gab. Während der Zeit über Weihnachten und Neujahr hatte dort nämlich keiner wirklich gearbeitet und dementsprechend wuchterte das Unkraut. Donnerstag arbeiteten wir dann auch nochmal im Garten und am Freitag ging es schon wieder auf Reisen, zur Wiederaufforstungsaktion ins 2h entfernte Peribuela. Mit Stuarts Unternehmen, CanopyCo, wollten wir an diesem Wochenende 1000 Bäume in die Erde setzten. Dafür gab es noch einiges zu organisieren. Wir mussten die Bäume, Unterkunft und Verpflegung für 17 englische Schüler, die uns bei diesem Event untersützten, organisieren. Wir transportierten die Bäume aus der Baumschule unserer Farm mit einem Camionetta (Kleintransporter mit Ladefläche; PickUp) in die 2h entfernten, abgelegenen Felder der Gemeinde Peribuela. Da wir das gesamte Wochenende dort verbrachten, hatten wir eine Unterkunft besorgt in der wir und die englischen Schüler essen und übernachten konnten. Nach dem Stuart, Alex und ich am Freitag alle Vorbereitungen für die Pflanzungen am nächsten Tag getroffen hatten und die Schlafräume aufgeteilt waren, hieß es: Warten auf die englischen 18 und 19jährigen, die direkt an diesem Abend aus Quito kommen sollten. Gegen halb neun trafen die 12 Mädels und 5 Jungen ein, es gab Abendbrot und danach wurde sich bei Lagerfeuer und Bier rege unterhalten. Der nächste Tag began bereits halb 7. Nachdem alle gefrühstückt hatten, ging es auf den Ladeflächen mehrerer Camionettas hinauf zum Wiederaufforstungsgebiet. Ungefähr 30 Leute der Gemeinde Peribuela hatten sich uns angeschlossen um an der Minga (Gemeinschaftsarbeitseinsatz) teil zu nehmen. Mit Spitzhacken, Spaten und Eisenstangen bewaffnet liefen wir dann das letzte Stück zur 3 Hektar großen Fläche. Die zu bepfanzende Hangseite war einst gerohdet worden und lag nun seid 15 Jahren brach, das natürliche Ökosystems war zerstört und außer Büschen und Gräsern war dort nix zu finden. Mit der Wiederaufforstung soll die Wiederherstellung des natürlichen Ökosystems, des Nebelwaldes, beschleunigt und in Gang gebracht werden. Als wir am Bestimmungsort angekommen waren, ging es auch sogleich los. Paarweise wurde aller 3m ein Loch im steinigen Untergrund gegraben, das Bäumchen eingesetzt und mit Erde stabilisiert. So wurden innerhalb von 2h 800 Aliso Blancos (Weiße Erlen), 170 Pumamakis (landestypischer Baum) und 30 Cedros (Zedern) in die Erde gebracht. Ecuadorianer als auch wir Gringos arbeiteten super im Team. Alles verlief schneller und reibungsloser, als wir zuerst angenommen hatten. Nach einer kleinen Erfrischungpause kehrten die ecuadorianischen Helfer zurück in die Gemeinde und wir und die Schülergruppe aus England fuhren im Camionetta weiter den Berg hinauf. Gegen Mittag kamen wir an einer kleinen Hütte Rande des natürlichen Nebelwaldes an und es gab Mittagessen. Danach machten wir uns auf den Weg durch den noch in takten Nebelwald hinab zu einem Wasserfall. Unterwegs wanderten wir auf einem kleinen Pfad an 150 Jahre alten altotropischen Bäumen vorbei und es ging durch dichtes Unterholz und Farngestrüpp, bis wir an dem eiskalten Wasserfall ankamen. Einige Mutige wagten ein Bad in dem kühlen Naß, aber da es sonnig und heiß war, tat ein Erfrischung gut. Nach einer guten Stunde machten wir uns auf den Rückweg zurück zur Hütte, wo auch schon das Camionetta wartete und uns wieder zurück zur Unterkunft brachte. Am Nachmittag spielten wir dann noch Fussball, Karten und ließen uns die Höhensonne auf den Bauch scheinen. Der Abend klang dann mit Lagerfeuer, Gitarrenmusik von Alex, Puntas (90prozentiger Schnaps aus Zuckerrohr) und Bier aus. Am nächsten Morgen ging es dann leicht verkatert auf die Farm zurück, während die Engländer noch einen Abstecher auf den Markt von Otavalo machten und dann ebenfalls nach Quito zurückkehrten.
Ecuadors Küste in 11 Tagen – Von Atacames nach Guayaquil
Veröffentlicht in Up To Date am Januar 11, 2009 von paulnaglatzkiNach dem Weihnachten gut überstaden, das Freiwilligenhaus aufgeräumt, der Garten halbwegs versorgt, die Hühner gefüttert und die Sachen gepackt waren, ging es Freitagabend, dem 26.12., in Richtung Quito los. Ich traf mich mit meinem Reisegefährten Kai in der Mariscal, nahe der Busstation von Trans Esmeraldas und wir schlugen noch die letzten 3h bis zur Abfahrt um 23 Uhr mit einem ausgiebigem Besuch Internetcafé tot. Danach starten wir unsere Reise in Richtung Atacames in der Provinz Esmeraldas am nördlichen Ende der ecuadorianischen Küste.
Samstag, 27.12., Atacames – Esmeraldas – Mompiche
Nach 7h in Atacames angekommen, fuhren wir noch am selben Morgen direkt weiter nach Süden, in das 3h entfernte Küstendörfchen Mompiche. Etwas abseits von der Küstenstraße standen ein paar Bambushütten aufgereiht an der Küste. Der einheimische Colito nahm uns sogleich unter seine Fittiche und besorgte uns direkt am Strand eine billige Bleibe. Nach einer kurzen Erholungspause in den Hängematten auf der Terrasse mit Meerblick ging es am Nachmittag auf eine Bootstour an der Küstenlinie von Mompiche entlang. Vorbei an Steilküsten mit Blaufusstölpeln, einem schwarzen Strand, traumhaften Kokospalmenstränden bis hin zu einer Flussmündung, wo es Delphine zu sehen geben sollte – es aber keine zu sehen gab. Nach einem Stop auf einer von der Ebbe freigelegten Insel von 30m Durchmesser ging es auch wieder zurück. Am Abend gingen wir noch ein wenig am Strand spazieren, tranken aus einer Kokosnuss, die frisch vom Baum gefallen war und gönnten uns zum Abendbrot frischgefangene Langusten in Kokosnusssoße. Da wir hochlandverwöhnte Urlauber keine Moskitos kannten, wurden die ständigen Begleiter zur nervigen Plage und ohne den Mückenschutz „Off!“ wär der Urlaub auch nur halb so schön gewesen. Also „Off!“ auf den Körper, das eisgekühlte Bier und die Cola auf den Tisch und den Abend am Lagerfeuer mit Cola-Bier ausklingen lassen. In Mompiche begann dieser allabendliche Brauch.
Sonntag, 28.12., Mompiche – Chamanga – Pedernales – Coco Solo – Cojimies
Da wir nicht sonderlich lange am Vortag aufgeblieben waren, wachten wir, wie an fast jedem Tag der Reise, bereits gegen 8 auf; kauften Brötchen, Marmelade und Früchte und hatten so ein super Frühstück für weniger als 2 Dollar. Danach setzten wir uns wieder in den Bus weiter Richtung Süden, ohne jegliches Ziel. Die nächst größere Stadt war Chamanga an einer Meeresbucht. Das heruntergekommene und dreckige Shrimpfarmer Städtchen wirkte jedoch nicht sehr einladend und diente uns nur als Umstiegsort in den nächsten Bus nach Pedernales. Doch auch hier gab es nicht wirklich etwas, was einladend auf uns wirkte. Zwar um einiges Belebter und größer, aber dennoch staubig, hektisch und abstoßend. Also ging es auf nach Norden, in entgegengesetzter Richtung, auf eine Landspitze nach Cojimies. Eine 40km lange befestigte Sandstraße entlang, mit einer Landschaft, die ohne die Palmen, an die Steppen Afrikas erinnerte. Auch die heruntergekommen Industriestadt Cojimies war weniger belebter und man bekam den Eindruck in einer Geisterstadt des wilden Westesn zusein. Nach längerem Suchen und dem Befragen der wenigen Einheimischen, fanden wir Cabanas (Zimmer mit Bad), die unserem Preislimit und unseren Ansprüchen genügten. Wiedermal im Sonnenuntergang badend, gesellte sich ein junger Einheimischer zu uns und wollte neugierig alles über uns wissen, da sie offensichtlich nicht oft ausländische Besucher in ihrem Städtchen bekämen. Zum Glück hatten wir bereits zuvor in Pedernales Brötchen und Mangos gekauft, da von Restaurants weit und breit in Cojimies nix zu sehen war. Nach ein paar Spielen Offizierskat zogen wir die Moskitonetze über uns und verabschiedeten uns vom Tag.
Montag, 29.12., Cojimies – Pedernales – Jama
Wie verließen unsere Cabanas gegen 11, stiegen auf einen Buss und flogen mit 60 Sachen auf dem Dach der klapprigen Schrottmühle den Weg zurück von der Landspitze nach Pedernales. Stiegen dort mit orginaler Sturmfrisur in den Bus, der uns weiter Richtung Süden, nach Jama, brachte. Unterwegs ließen wir riese Meerwasserbecken zur Shrimpszucht, sowie Trockenwälder und tropische Wälder links und rechts liegen und erreichten nach 90min Bus fahren Jama. Das Städtchen, das von Bananen- und Kokosplantagen lebt, liegt 4km von der Küste entfernt in der Provinz Manabi. Eine Habitacion (Übernachtungsgelegenheit) fand sich schnell in einem großen Einfamilienhaus, das von einer älteren Dame, die wir Mamita tauften, nicht weit vom Dorfplatz. Für das einzige Zimmer, welches sie zu vermieten hatte, wollte die Mamita zuerst 20 Dollar haben, nach guten Zuredem hat sie dann aber auf 10 Dollar eingelenkt. Danach fuhren wir noch an den Strand, aßen Fisch und ließen den Tag in der Abendsonne mit Colabier auf dem Balkon der Mamita ausklingen. Unterm Strich war es der billigste Reisetag, mit 15 Dollar pro Person.
Dienstag, 30.12., Jama – Canoa
Am 4. Tag erreichten wir eines der Zwischenziele unserer Reise – Canoa. Wir hatten zuvor schon viel von der Partystadt gehört, die unter anderem auch zu den besten Surfspots der Welt zählen sollten. Dort angekommen fanden sich aber zuerst nur Betonhäuser und triste Straßenzüge, als wir dann zum Strand hinunterliefen, wurden die Betonblöcke durch Bambushotels abgelöst und die öden Gassen verwandelten sich in belebte Partymeilen. Nachdem wir aussichtlos die gesamte Hostalstrandfront nach einem freien Zimmer abgesucht hatten, begaben wir uns in die zweite Reihe hinter dem Strand. Aufgrund des bevorstehenden Silvesters gab es weit und breit keine freien Habitaciones und wenn, dann waren sie, aufgrund der Hochsaison, maßlos überteuert. Am Ende quartierten wir uns verhältnismäßig teuer im Canoa’s Inn ein. Da sich Kais Husten und Schnupfen, den er schon seit Monaten mit sich herumschleppte, nicht besserte, beschlossen wir am nächsten Tag ins Krankenhaus im 5km entfernten Bahia de Caráquez zu fahren. Nach dem vorletzten Sonnenuntergang des Jahres spielten wir noch etwas Volleyball und erkundeten das Nachtleben Canoas. Ausgelassen feierten die Gringos zu Reggeaton und Cocktails. Hier und da mal ein besoffener Eci im Rinnstein, aber viel mehr war nicht, zu dem man sich hätte hinreißen lassen können. Also gingen wir ins Bett um uns für den nächsten Tag auszuruhen.
Mittwoch, 31.12., Canoa
Da Kais Krankheit nicht besser wurde, war ein Besuch im Krankenhaus unumgänglich, also wieder in den Bus, mit der Fähre über die Bucht von Caráquez übergesetzt und in die Notaufnahme des nächsten Krankhauses. Dort erwarteten uns 20 Schwestern und Ärztinnen, die uns zuerst kichernd musterten und erst nach mehrmahligem Fragen die Behandlung begannen. Es endet mit der Verschreibung von weiteren Antibotikas und Hustensaft. Da wir nun einmal in Bahia waren, und die Stadt an sich nicht klein war, machten wir einen Rundgang am Strand der Hotelstadt, die etwas Mallorcafeeling aufkommen ließ und beobachteten die Wasserskifahrer, Wakeboarder und Bananabootfahrer. Am Nachmittag setzten wir wieder auf der Fähre über und liefen in Richtung Canoa zurück, in der Hoffnung einen Bus oder Camionetta anzutreffen, das uns die 20km mit zurücknahm. Nach einer Stunde hielt dann endlich ein Auto und nahm uns mit. Am Abend, als wir gerade beim Abendbrot im Cafe Flor saßen, viel dann der Strom in gesamt Canoa aus und wir schauffelten den Rest bei Kerzenschein in uns hinein. Später am Abend lief dann alles wieder und der Beat wurde in den Strandbuden wieder aufgedreht. Wir schlenderten durch die Straßen, aber die Silvesterstimmung fehlte irgendwie, die Leute waren nicht wirklich am Feiern und die erwarteten Strandfeuer blieben auch aus. Also füllten wir die verbleibenden Stunden mit ein paar Cocktails. Kurz vor 12 versammelte sich dann alles auf den Straßen und die Ano Viejos (lebensgroße Puppen aus Pappmaschée) wurden auf die Straßen geschleppt und angebrannt. Laut dem Brauch verkörpert jede Puppe ein negatives Ereigniss oder eine unbeliebte Person des letzten Jahres und wird somit im alten Jahr verbrannt und soll vergessen werden. Wenn diese dann lodern, wird einzeln darüber gesprungen. Ein paar Böller und Raketen sind auch geflogen, aber eher weniger. Danach stürmten die ganzen Leute wieder zurück in die Discos und an die Bars um zu tanzen und zu saufen. Wir blieben noch ein Weilchen und machten uns dann zurück ins Hotel.
Donnerstag, 1.1., Canoa – Bahia de Caráquez – Portoviejo – Manta – Puerto Lopez
Am Neujahrsmorgen wurden wir bereits um 11 aus unserem Hotel rausgeschmissen und fuhren nach Bahia um von dort den Bus nach Puerto Lopez zu nehmen. Dort angekommen, gab es wegen des Feiertages angeblich garkeine Busse. Der Taxifahrer bot uns sogar eine 40-Dollartaxifahrt an. Nach kurzer Diskusion kam dann aber doch ein Bus, jedoch nach Portoviejo. Man sagte uns, dass von dort aus Busse zu unserem Ziel fahren würden, also wir in den Bus rein und nach Portoviejo gefahren. Dort gab es dann aber auch keine Bussenach Puerto Lopez, sondern nur nach Manta, der 3. größten Stadt an Ecuadors Küste. Man versicherte uns wieder, dass es von dort Busse nach Puerto Lopez gäbe. Dort angekommen, wie sollte es anders sein, gab es natürlich keine. Im Busterminal trafen wir auf zwei Schweizerinnen, die ebenfalls auf dem Weg dort runter waren und auch nicht weiterwussten. Nach langem hin- und herüberlegen entschieden wir uns für ein 40 Dollar Taxi, da wir nicht in Manta bleiben wollten. Nachdem wir im 100 km entfernte Puerto Lopez angekommen waren und uns einquartiert hatten, suchten wir eins der nächsten Tourbüros auf um uns über Touren auf die Isla de la Plata, „das Galapagos für Arme“, zu informieren. Die Insel liegt 1,5h vor der Küste von Puerto Lopez und bietet allerlei Vögel und eine interessante Unterwasserwelt. Der Tagesausflug mit geführter Tour auf der Insel und Schnorcheln am Korallenriff kostete 40 Dollar. Ohne zuzusagen wollten wir uns am nächsten Tag nochmals erkundigen.
Freitag, 2.1., Puerto Lopez – Isla de la Platta – Puerto Lopez
Da alle Touren bereits um halb 10 begannen und wir uns immernoch nicht schlüssig waren, mit welchem Tourbüro wir fahren sollten, saßen wir bereits um 8 beim Frühstück und wollten uns danach auf die Suche machen. Während wir aßen kam eine Frau an und bot uns die Tour für ebenfalls 40 Dollar an, doch wir konnten noch einen 5 Dollarrabatt aushandeln. Wir bezahlten und um halb 10 stiegen wir ins Boot und fuhren in Richtung Isla de la Plata. Nach kurzer Motorpanne erreichten wir die Insel und begannen den Rundgang. Viel zu sehen gab es nicht, außer Trockenwald, Blaufüsstölpeln und Fregattvögeln. Die auf der Insel sehr verbreitete Tölpelart war an den Menschen gewöhnt und nisstet völlig ungestört mitten auf den Trampelpfaden der Insel. Nach dem unspektakulärem Umherlaufen freuten sich dann alle auf den Tauchgang. Im Boot sitzend und Mittag essend, tauchten plötzlich riesige Schildkröten neben dem Boot auf. Wir setzten Maske und Schnorchel auf und sprangen ins erfrischende Nass und konnten die Schildkröten hautnah erleben ohne sie dabei zu berühren. Neben den Amphibien fanden sich zahlreiche bunte Fische und ein Seeaal. Nach dieser Spontanaktion ging es dann zum richtigen Tauchspot. Na einer Felsenküste machten wir das Boot fest und tauchten ab in die Korallenunterwasserwelt mit Elefantenfischen, Kugelfischen und einem farbenfrohen Meer aus tropischen Fischen. Zwischen den Korallen musst man aufpassen nicht anzuecken und sich dabei die Haut aufzuschneiden. Unversehrt stiegen wir ins Boot und machten uns um 3 auf die 90-minütige Rückfahrt, diesmal ohne Motorschaden. Am Abend fiel dann auch noch der Strom aus, aber da wir sowieso vom Tag geschlaucht waren, fielen wir ins Bett.
Samstag, 3.1., Puerto Lopez – Montañita
Vor unserer Weiterreise wollten wir noch den berühmten Strand der ecuadorianischen Küste: Playas de los Frailes (Mönchenstrand) etwas nördlich von Puerto Lopez besuchen. Der nur mit dem Bus zu erreichende Strand befand sich in einer Bucht von Steilklippen umgeben, mit weißem, feinem Sand und türkisblauem Wasser. Wir suchten uns ein ruhiges Plätzchen am wenig besuchten Strand und verbrachten den gesamten Vormittag und frühen Nachmittag da. Ein kleiner Spaziergang auf die Felsklippen wechselte das öde am-Strand Rumliegen ab. Danach ging es zurück und weiter Richtung Süden nach Montañita, das Partydorf schlecht hin. Nachdem wir auf der Fahrt durch den Küstenjungel die Provinz Guayas erreicht hatten, stiegen wir im von Menschen übefüllten Montañita aus und machten uns auf die Suche nach einem Hostal. Wir drängten uns durch die Menschenmaßen von Hostal zu Hostal und erhielten Absage über Absage. Nach guten 15 Hostals fanden wir eines, das nur noch ein Ehebett im Angebot hatte. Zu dem verlangte der Besitzer 15 Dollar pro Person, auf Grund des Wochenendes in der Hochsaison. Da die Suche jedoch aussichtlos schien, handelten wir ihn auf 12 herunter und zogen für eine Nacht ein. Diese war wohl die schlechteste und teuerste Habitacion, die wir auf unserer Reise bezogen. Bei einigen Bieren beobachteten wir dann noch das bunte Treiben in den Gassen der Bambushostalhütten und endeten den Tag.
Sonntag, 4.1., Montañita – La Librtad – Salinas
Das Frühstück verlief wie jeden Morgen recht billig, ein paar Brötchen, die mitgebrachte Marmelade, ein paar Mangos und eine Ananas. Da an diesem Sonntag allgemeine Aufbruchsstimmung herrschte und alles zurück nach Hause fuhr um am nächsten Tag zur Arbeit zu gehen, schlossen wir uns dem Menschenstrom in Richung Bus an und fuhren weiter nach La Libertad und von dort aus an den westlichsten Punkt Ecuadors, Salinas. Da Salinas nur 2h von der größten Stadt Ecuadors, Guayuaquil (2,3 Mio.), entfernt liegt, ist es zur Hochburg von Badetourismus in Ecuador geworden. Riesige Hotelkomplexe, ein Yachthafen und teure Restaurants reihen sich hinter dem hässlichen, überfüllten und vedreckten Strand am Malecon (Strandpromenade), wie man es so nur aus Spanien und Kroatien kennt. Dort fanden wir am Abend dann sogar noch ein ordentliches Volleyballfeld, mit Spielern die sogar die Beachvolleyballregeln beherschten und zockten noch ein paar Sätze. Normalerweise können die Ecuadorianer nämlich nur eine abgewandelte vereinfachte Art des Volleyballs spielen, bei dem so ziemlich alles erlaubt ist, was beim richtigen Volleyball nicht erlaubt ist. Wir wollten danach noch zum westlichsten Punkt von Ecuador, dem Kap von Salinas. Der Zutritt wurde uns jedoch verwehrt, da die Landspitze von der Marine Ecuadors, der Armada del Ecuador, besetzt war.
Montag, 5.1., Salinas – Progreso – Playas
Am vorletzten Tag unserer Reise ging es in den Ort Playas, was soviel heißt wie „Strände“. Wie auch Salinas liegt es nahe der Stadt Guayaquil und wird somit als Wochenend- und Feiertagsausflugsziel der Guayaquilenos genutzt. Da es aber nun unter der Woche war, war es wie ausgestorben und es tummelten sich nur vereinzelte Strandbesucher in der Brandung. Wir fanden nochmals eine günstige Habitacion für 5 Dollar, in der sich allerdings mein Bett mitten in der Nacht verabschiedete und ich auf der Erde schlafen musste. Am Nachmittag schlenderten wir am Strand entlang, an Fischern und riesigen Villen mit Meerblick vorbei bis vor zu einer Landspitze an dem wir den Sonnenuntergang super hätten beobachten können, wenn es nicht bewölkt gewesen wäre. Verzweifelt suchten wir am Abend auch noch nach einem guten Restaurant, was sich aber als aussichtlos erwies und wir in einem der zahllosen Comedores (billige Restaurants)endeten, in denen es Mittag- und Abendessen für jeweils 1,75 gibt, welches dann meist aus einer Suppe und Reis mit Fisch besteht.
Dienstag, 6.1., Playas – Guayaquil – Tabacundo
An unserem letzten Tag hatten wir dann auch allmählich die Schnauze voll von Strand, Sonne, Meer und der ewigandauernden Hitze. Wir verabschiedeten uns von Strand und Ozean und setzten uns in den Bus nach Guayaquil. Da Kai noch einige Tage in Guayaquil verbringen wollte, suchten wir in der Millionenstadt für ihn noch verzweifelt ein Hostal. Glücklicher Weise trafen wir auf zwei ältere Herren, die hohe Sicherheitsangestellte des Bürgermeisters waren. Sie nahmen uns mit zu einem relativ günstigen Hostal etwas ausserhalb der Stadt, das Kai preislich zusagte. Am späten Abend verabschiedete ich mich von Kai und setzte mich in den Bus in Richtung Farm und kam am Mittwochmorgen bei Kälte und in strömendem Regen auf meiner Farm an.
Bilanz
Auf unserer 11-tägigen Reise haben wir sehr viel gesehen, viele Leute kennen gelernt und auch gleich noch die Galapagosreise abgeschlossen. Seit dem ich in Ecuador angekommen war, hatte ich die Idee, einmal die komplette Küstenlinie herunterzufahren, was ich mir hiermit verwirklich hatte. Mein Highlight war das Tauchen am Riff vor der Isla de la Plata und die einsame Ruhe in Mompiche. Da wir unterwegs nur von Sonnenschein begleitet wurden und sich die Gesamtkosten mit 220 Euro auch im Rahmen hielten, hätte es garnicht besser laufen können.
Weihnachten in Ecuador
Veröffentlicht in Up To Date am Januar 11, 2009 von paulnaglatzkiDa nun über Weihnachten weder Stuart noch Freiwilligen auf der Farm waren, wurde ich von unserem Farmkollegen und Kumpel Edwin in sein Haus eingeladen. Wie auch in Deutschland findet sich am 24. die engste Familie zum Mittag und Abendbrot zusammen, in diesem Sinne waren das Edwin, seine Frau Maggi und seine zwei Töchter Michaela (6) und Patchi (5), ein französischer Entwicklunghelfer und Freund der Familie und ich. Das Mittagessen bestand aus einer ecuadorinisch typischen Hühnersuppe und Reis mit Bohne und Huhn. Danach kamen ein paar weitere Familienangehörige aus der Nachbarschaft und man saß, trank und aß ein wenig und es wurde sich munter unterhalten. Die Kinder malten und schauten DVD. Normalerweise gibt es auch einen Weihnachtsbaum am typisch ecuadorianischen Weihnachtsabend, der fehlte jedoch hier. Zwischendurch fuhr ich noch mit Edwin in die Stadt um einiges zu erledigen, dabei konnte man den ähnlichen Weihnachtsstress wie auch in Europa erkennen, die Leute am rumsuchen und rumrennen, um letzte Geschenke zu finden. Der einzige Unterschied bestand darin, dass kein Schnee lag und die Leute nur leicht bekleidet umhersprangen. Vor dem Abendbrot wurden dann noch zwei Hühner geschlachtet und zubereitet. Das Angebot am Abend war groß; es gab Reis, natürlich, in Form der spanischen Hühnchenpaella, Suppe, Obst, mehrer Salate und Gemüse. Nach dem Essen, gegen 9, wurde dann der Wein rausgeholt, Salsa aufgelegt, der Tisch aus dem Weg geräumt, das Feuer im Kamin entzündet und in gemütlicher Runde das Tanzbein geschwungen. Nach europäischer Manier hatte ich auch etwas kleines für die Kinder und Edwin mit gebracht. Doch wie sich herausstellte, war ich der einzige, der etwas zu verschenken hatte, gefreut haben sie sich jedoch trotzdem. Gegen 2 lag ich dann auch im Bett. Am nächsten Tag fuhr ich dann nach Tabacundo und verbrachten den halben Tag mit meinem Kumpel Alonzo in seinem Frucht- und Gemüsehandel, der er auch nix besseres zu tun hatte, als zu arbeiten. Alles in allem sehr entspannte Weihnachten ohne viel Stress und mit etwas Arbeit im Garten.
Endlich…..mein eigenes Zimmer!
Veröffentlicht in Up To Date am Dezember 22, 2008 von paulnaglatzkiTrotz des bereits vergangenen vierten Advents und krampfhaften Versuchen, sich endlich weihnachtlich einzustimmen, bleibt die vorweihnachtliche Gemütlichkeit völlig aus. Die Tage werden von Mal zu mal grauer und es regnet nun schon fast jeden Tag ab Mittag. Da hilft auch die Krone einer überdimensionalen Konifere aus dem Wald nicht, die wir niedergemacht haben und nun als Weihnachtsbaum im Haus von Stuart ihre Dienste leistet. Während der letzten Wochenende ist weniger spannendes passiert, hauptsächlich war ich in Quito und habe dort was mit den Leuten gemacht. Paintballspielen war da nur ein Highlight. Auf einem winzigen Platz mit aufblasbaren Hindernissen Paintball spielen. Für 17 Dollar konnten wir 2h spielen, bekamen 300 Schuss, jeder, und die Ausrüstung gestellt. In der brühtenden Hitze waren wir alle bis auf die Haut durchgeschwitzt. Mein langwirieger Zimmergefährte Alex ist nun auch nach Hause gefahren. Er ist seine Familie für zwei Wochen in den Staaten besuchen und wird am zweiten Januar wieder zurückkehren. Aufgrund dessen, haben wir am vorletzten Sonntag einen Weihnachtsabend mit Stuart, seiner Lebensgefährtin und Carren, einer Freiwilligen aus England, die hier in der Schule für einen Monat unterrichtet, mit hausgeschlachtetem Hähnchen zum Abendessen gemacht. Das Spektakel begann bereits um 3; zuerst haben wir einen riesen Topf mit Wasser zum Kochen gebracht und das Messer geschärft. Dann wurde das zuvor gemässtet Hühnchen eingefangen und Alex hat den Kopf mit einem gekonnten Schnitt vom Körper getrennt. Nachdem es ausgeblutet war, tunkten wir es in kochendes Wasser um das Rupfen zu vereinfachen. Je mehr wir Charlotte, wie wir es schon Wochen zuvor getauft hatten, von ihrem Federkleid trennten, umso offensichtlicher wurde, wie dünn und abgemagert sie eigentlich war, trotz dem wir sie mit tonnenweise Mais und Quinua in den Wochen zuvor gefüttert hatten. Nichts desto trotz, kam sie, nachdem sie fertig gerupft und ausgenommen war, mit Kartoffeln, Zwiebeln und roter Beete in den Ofen und danach auf den Tisch. Etwas zäh trug sie so ihren Teil zum umfangreichen Weihnachtsessen bei. Die vorangegangene Arbeitswoche wurde von zwei Kerlen aus California aufgelockert, die für eine Woche die Farm und die vollorganische Kost genoßen. Ausserdem waren wir mal wieder in Peribuela, bei Stuarts Wiederauffortstungsprojekt zur CO2 Reduzierung, um den Wachstumsprozess der neu gepflanzten Erlen in der dortigen Baumschule einschätzen zu können. Leider hatten bis dahin nur 20% der 2000 gepflanzten Erlenstöcker neue Keime hervorgebracht. Wir machten uns als auf den Weg um Samen zu sammeln und somit die Ausbeute bei den Baumpflänzchen zu erhöhen. Nach einer einstündigen Autofahrt einen der Berghänge hinauf, einer einstündigen Wanderung durch Paramout, Hochgebirgsgrassland, gelangten wir an den Rand eines Nebelwaldes, den es zu durchgequeren galt. Mit Macheten bewaffnet schlugen wir uns unseren Weg durch des dichte feucht-morastige Unterholz zur einer kleinen Lichtung in Mitten des Nebelwaldes vor. Die Lichtung war übersäät mit jungen Erlen in voller Reife. Wir pflückten die Samen und machten uns auf den Rückweg durch den Wald. Die Orientierung in dem dichten Wald bereitete uns Schwierigkeiten, ohne einen der Einheimischen an unsere Seite wären wir noch heute ind dem Wald. Auf dem Rückweg sammelten wir einige kleine Bäumchen, die wir nach der Rückkehr in der Baumschule einpflanzten. Auf Grund der mickrigen Ausbeute bei den Erlenstöckern mussten wir uns was neues einfallen lassen, wie wir zu circa 2000 neuen Erlenbäumen kommen konnten, ohne sie für 25 ctvs. kaufen zu müssen. Wir besorgten uns als 800 Erlentriebe und während der vergangenen Arbeitswoche habe ich dann daraus 1600 Erlenstöcke geschnitten, die wir dann hier in der Baumschule auf der Farm gepflanzt haben. Am 10. Januar werden wir einen Arbeitseinsatz haben, in dem wir 1000 neue Erlen Pflanzen werden. Zur Unterstützung wird eine Studiengruppe aus England auf ihrer Rundreise durch Ecuador vorbeischauen und uns hilfeich zur Seite stehen. In dem Klima an den Berghängn herrschen perfekt Wachstumsbedingungen und der schnellwachsenden Baum kann die optimale Menge an CO2 in Kohlenstoff und Sauerstoff aufspalten.
Während des Wochenende, 5.,6. und 7. Dezember, waren die Fiestas de Quito, eine Art Stadtfest, bei dem angeblich die gesamte Stadt auf den Beinen sein soll. Also bin ich am Freitag nach Quito reingefahren, in voller Erwartung an den Umzügen, Paraden und Straßenfesten teilzunehmen. Doch da es wie aus Kannen goß, wurde der Großteil der Veranstaltungen abgesagt und auf eine Chifa konnten wir wegen des Regens ebenfalls nicht aufsteigen. Eine Chifa ist ein Doppelstockbus, mit Band und sehr viel Alkohol, der mit laueter typisch ecuadorianischer Musik die Straße beschalt, während sie duch die Altstadt von Quito tuckert. Also gingen wir, wie sonst auch üblich, nur abends aus, auf die Partymeile Quitos, der Mariscal. Neben einigen Lifestagebühnen und maßig Leuten war aber nichts anders, als an sonstigen Wochenenden in der Mariscal. Alles in allem habe ich nicht viel von den Fiestas mitbekommen, oder es waren einfach keine oder nur wenige.
Am folgenden Montag, dem 8.12., war es dann soweit, ich konnte endlich mein neues frisch gestrichenes Zimmer beziehen. Ich hab meine gesamten Sachen in den Wandschrank umverfrachtet und mein Bett, was überaus bequem ist, ebenfalls mitgenommen. Mein Eckzimmer hat zwei Fensterfronten, da die eine Front nach Osten gewandt ist, scheint hier jeden Morgen die Sonne in mein Zimmer. Während der nächsten Monate wird es einige Veränderungen im Freiwilligenhaus geben. Das dreigeteilte Haus wird nun in ein komplettes Freiwilligenhaus umgewandelt, da die letzte ecuadorianische Familie in diesem Haus auch ausgezogen ist. Da im nächsten Jahr ca. 8 weitere längerfristige Freiwillige kommen werden, muss die Kapazität unseres Hause unbedingt erweitert werden. Weitere Schlafräume und eine Küche müssen installiert werden. Da nun alle Freiwilligen abgreisst sind und auch der Alex nach Hause gefahren ist, bin ich alleine in dem großen Haus. Etwas unheimlich ist es dann von Zeit zu Zeit schon. Gestern waren der Kai H. Und der Jakob, aus Quito, da und haben mich hier besucht. Um den Sonntag nicht auf der Farm zu vergammeln sind wir nach Otavalo und nach Cuicocha, der Kraterlagune, gefahren.
Pläne für Weihnachten und den ersten Weihnachtsfeiertag gibt es noch nicht, aber ich werde wahrscheinlich hier in Tabacundo zu einem Freund, der auch eine Farm hat, fahren und mit seiner Familie feiern, da sonst keiner hier ist. Am 26. fahr ich dann mit Kai aus Quito für zwei Wochen an die Küste und dort die gesamte Küstenlinie von der nördlichen kolumbianischen Grenze bis Guayaquil im Süden auf der Ruta del Sol hinunterfahren. Spontan werden wir uns dann für einen ansprechenden Küstenort für die Neujahrfeiern entscheiden.
Da dies nun vorraussichtlich mein letzter Blogeintrag vor Weihnachten sein wird, wünsch ich euch allen ein paar erholsame Weihnachtstage, mit viel Schnee und Gemütlichkeit und einen fleißigen Papa Noel. In diesem Sinne Feliz Navidad.
Schneeballschlacht im Eci-Land!? Am Äquator?!
Veröffentlicht in Up To Date am November 24, 2008 von paulnaglatzkiVoller Enthusiasmus bin ich nach Quito gefahren um mir das Spiel, England gegen Deutschland anzuschauen. Zusammen mit Stuart suchten wir eine Bar auf, und trafen ein paar von Stuarts Englandkumpels. Leider löste sich der anfängliche Enthusiasmus auf und wandelte sich in Gliechgültigkeit um, da es ja eher unglücklich für die Schwarz-Weißen ausging. Schnell noch zum Frisör, was sich als Disaster herrausstellte. Während des 3-Dollar-Schnittes schaute die Tante fleißig TeleNovela als ihr angebliches Kunstwerk fertig war und ich nach etwas Gél fragte, klatschte sie mir die Dose vors Gesicht und ich konnte das Schlimmste mit etwas Gél kaschieren. Am Freitagmittag brachen wir, via Quito, nach Riobamba auf. Gegen 8 angekommen und im Hotel eingecheckt, trafen wir uns mit Simon, Hayley, einer Ex-Freiwilligen von der Farm aus Guayaquil, und ihren anderen Freunden. Simon war die vorangegangene Woche an der Küste umhergereist, nachdem er die Farm endgültig verlassen hatte. Abends gingen wir auf Erkundungstour der 160.000 Einwohnergroßen Stadt. Unglücklicher Weise war die Polizei gerade auf der Jagd auf Jungendliche ohne Ausweis. Willkürlich wurden zwei von uns ahnungslosen Opfern geschnappt und in einen Bullenbus gesteckt, nachdem der ganze Rest der Gruppe auf die Uniformierten einredeten, lenkten sie ein und gaben den Weg aus dem Bus frei.
Am nächsten Tag, wollten wir zum höchsten Berges Ecuadors, Chimborazo, 6310m. Ein Taxistunde von Riobamba entfernt und nur mit einem Taxi erreichbar, stellten allerdings für unsere 13köpfige Gruppe ein Problem dar, da wir uns in einem Camionetta, PickUp-Taxi, uns zum Fuss des Riesen schofieren lassen wollten. Nach einstuendigem Suchen fanden wir einen beplankten PickUp mit 3 Schweinen auf der Ladefläche, diese wurden kurz verladen, etwas ausefegt und wir sprangen auf und machten uns auf den Weg. Hinaus aus Riobamba, durch Paramo Landschaft und allmaehlich bekamen wir auch die Höhe zu spüren. Der wolkenverhangen Himmel gab nur ab und zu den Blick auf den schneebedeckten Gipfel frei. Die Graslandschaft wurde von Geröll- und Steinwüste abgelöst und unser Fahrer setzte uns beim ersten Basislager auf 4900m ab. Leichte Schwindelgefühle und wacklige Beine machten mir anfangs zu schaffen, doch schnell hatte ich mich daran gewöhnt und wir machten uns auf den Weg zur Scheegrenze auf 5100m. Nach einer Schneeballschlacht und rutschten wir auf unseren Schuhsolen die vereisten Hänge zurück zum Basislager. Der Rückweg war weniger spaßig, da wir alle durchnäßt und durchforen waren und der eisige Fahrtwind uns auf der Ladefläche ins Gesicht bließ. Am Sonntag ging es bereits um 6 mit dem Bus weiter Richtung Süden. Nach 2h Fahrt erreichten wir den Bahnhof in Alausi, eine der letzten Eisenbahnstrecken in Ecuador, die nur noch touristisch-historischen Wert hat und sich durch das Tal des Rio Bamba bis zu einem Felsen, der Teufelsnase, schlängelt. Die Fahrt auf dem Dach der Diesellok ist alles andere als langweilig. Die ursprüngliche Strecke wurde von Eloy Alfaro ins Leben gerufen und begann in Quito, schlängelte sich Richtung Süden über Riobamba, bis an die Küste. Es war ein Fortschritt in Technik, der viele Arbeiter beim Bau das Leben kostete. Die 8-Dollar teure Fahrt wird jedoch nur noch von Touristen genutzt, und dementsprechend hoch ist die Abzockrate. Nach der zwei-stündigen Fahrt bummelten wir über den Markt und macheten uns allmählich auf den Rückweg nach Riobamba und via Quito, wieder auf die Farm.
Urlaubsfeeling trotz Wolken und Regen an der Küste
Veröffentlicht in Up To Date mit Tags sT am November 20, 2008 von paulnaglatzkiDer letzte Blogeintrag liegt nun schon eine Weile zurück, 2? 3? Wochen? Der letzte Eintrag endete mit einer Vorschau auf den Trip nach Cuenca. Wie geplant fuhren wir am Donnerstagnacht mit einer der besten Busgesellschaften Ecuadors, Panamericana, 10h in den Süden Ecuadors nach Cuenca. Kein Problem bei der Beinfreiheit und den Sitzen, die Betten ähnelten. Bei strömendem Regen am nächsten Morgen angekommen, bezogen wir das zuvor gebuchte Hotel. Da dieses Wochenende, auf Grund der Fiestas, gerade Hochsaison war, wurden die Preise auf das Doppelte angezogen. Für ein Zimmer für uns 5 bezahlten wir horende 60 USD pro Nacht. Tagesüber machten wir Trips in die Umgebung und sahen uns die Stadt an, besuchten den berühmtesten Hutmacher Ecuadors mit einem angschlossenen Hutmuseum, dort werden die berühmten, in mühseeliger Handarbeit gefertigten, Panamahüte für bis zu 120USD verkauft. Abends wollten wir dann an den „Festivos“ teilnehmen, doch so richtig gab es weder Umzüge noch Paraden noch Staßenparties. Auf Grund von Regen wurde dann auch noch die Hauptparade abgeblasen. Trotz dessen liessen wir uns das Wochenende nicht vermiesen und besuchten die zahlreichen Bars und Discotheken mit guter europäischer House- und Dancemusik, zu ebenfalls stolzen europäischen Eintritts- und Barpreisen. Nach einem partyreichen Wochenende trennte sich unsere Gruppe aus 5 Deutschen. Parviz und Ich machten uns auf den Weg nach Montanita, einer kleinen Küstenstadt, berühmt für die Wellen und den schönen Strand. Die andern 3 wollten keine kostbaren Urlaubstage verschwenden und machten sich auf den Weg zurück nach Quito. Wir machten uns ein paar schön Tage in dem ausgestorbenen, sonst lebhaften, Touristenort, mieteten uns ein Surfboard und versuchten auf eigene Faust für 3 Tage die 3m hohen Wellen zu bezwingen. Einige Male klappte es auch, aber es ist unglaublich anstrengend und man bekommt die wirkliche Power der Welle zu spüren. Donnerstag Abend verließen wir die Küste und machten uns mit einem weiteren Nachtbus auf den Heimweg nach Quito. Freitag erledigte ich ein paar organistorische Dinge, brachte meine Kamera zur Reperatur, traf mich mit meiner Koordinatorin und genoß das schnelle Internet in Quito. Am Abend gingen ein paar Freunde und ich ins Kino und sahen uns den neuen Bond, Quantum of Solace, an. Am Samstag fuhr ich dann wieder nach Hause und genoß die Ruhe für den Rest des Wochenendes, da alle anderen der Freiwilligen von unserer Farm in Quito waren. Die folgende Woche war unerwartet Abwechslungsreich, da zusätzlich zu zwei Italienerinnen und eine Japanerin, ein weiteres Ehepaar aus Australien die Farm für eine Woche aufsuchten. Zu 8 erledigten wir Dinge schneller und hatten mehr Zeit, weitere kleine Gewächshäuser zu bauen und einen mobilen Hühnerkäfig zu konstruiren. Am Mittwoch fuhren Alex, Simon und ich mit Stuart in eine Kommune, Peribuela, in der Nähe von dem Berg Cotacachi und besuchten Stuarts Freiwilligenprojekt für CO2 Reduzieren. Mit Hilfe von Spendengelder hat er in mitten von dichtem Urwald eine Baumschule etabliert und bepflanzt nun gerodete Fläche mit Bäumen um den Urzustand wieder herzustellen. Wir wanderten in den endlosen Urwäldern umherr, bahnten unseren Pfad mit Macheten durch das Unterholz und gelangten zu einem Wasserfall. Weiterhin pflanzten wir neue Bäume und nahmen Maß an den bereits gepflanzten Bäumen. Am folgenden Tag war Stuart mal wieder in Quito um allerlei Papierkram für unsere Organisation zu erledigen und wir arbeiteten im Garten mit einer Ecuadorianerin und stellten BIOL, einen natürlichen Flüssigdünger, her. Wir mixten allerlei Kuhscheiße mit kleingehackten Pflanzen, Hefe, Zucker und ein paar Sulfate. In ein paar Tagen ist die Mixture fertig und kann im Garten verteilt werden. Das folgende Wochenende war das letzte für Simon, während seines 10wöchigen Aufenthalt waren wir sehr gute Freunde geworden, haben sehr viel unternommen und es war schon etwas traurig, Abschied von ihm zu nehmen. Als Abschiedsparty machten wir eine italienisch Nacht, mit typischer italienischer Musik und typischer Kleidung, soweit es ging. Wir luden ein paar Freunde ein und waren am Ende 13 Personen. Jeder sollte ein italienisch typisches Gericht zubereiten. Dies Idee führte dazu, dass wir soviel Zuessen, dass wir aus allen Nähten platzten. Wir begannen mit Lasagne, gingen über in vegetarische Lasagne und darauf Pasta, Simon und ich machten Risotto. Alex versuchte sich an der Zubereitung von Gnokki, was sich als sehr langwierig und nicht ganz leicht herrausstellte. Nach 3h hatte er dann eine Hand voll für jeden zubereite. Nach zwei weiteren Pizzas wurde alles dann von einem Tiramisu auf Himbeer-Sorbée gekrönt. Alles in allem ein gelungener Abschied für Simon, zufrieden rollten wir in unsere Betten, da wir alle am nächsten Tag um 6 aufstehen wollten und ein Teil von uns das Wochenende in Otavalo verbringen wollten, und Simon und ich eine Ex-Freiwillige, Jenny, von der Farm in Intag besuchen wollten. Intag ist eine Provinzregion in einem Andenausläufer nördlich von meiner Farm der zur Küste hinab abfällt. Nach einer 2h Busfahrt durch tiefsten Hochwald gelangten wir in die 300 Seelengemeinde Pucara auf 2000m Höhe. Jenny hatte für uns eine Familie gefunden, bei der wir übernachten konnten uns fütterten und uns auf herzlichste Willkommen hießen. Nachdem wir kurz eingecheckt hatten, machten wir uns auf den Weg in die Zuckerrohrfelder, wo die Rohzuckerherstellung vom landestypischen „Panela“ gerade in vollem Gange war. Die geernteten Zuckerrohrstangen werden ausgepresst und der Saft solange aufgekocht, bis der größte Teil des enthaltenen Wassers verdampft und einen zähflüssige Maße entsteht. Diese wird in Halbkugeln gegossen und kühlt aus.Danach in Rohzuckerblättern eingewickelt, und ist fertig zum Verkauf. Die Herrstellung von circa 40 Halbkugen dauerte den ganzen Tag, während des langwierigen Abkochens werden immerwieder Proben genommen und mit Puntas, einem 80% Schnaps, angemischt und abgeschmeckt. Die 5 Brüder, Besitzer der Manufaktur, waren bereits seit um 4 auf den Beinen und ziemlich Gut im Strom mit ihren halbstündlichen Kurzen. Am Abend besuchten wir dann das Dorfspektakel der Hahnenkämpfe. Ein buntes Treiben, bei dem die bis zu 1000USD teuren Hähne bis zum bitteren Ende gegen einander kämpfen und der Sieger mit den Gewinnen der Bieter zufrieden nach Hause gehen. Die meist blutigen Ausgänge der Kämpfe, sind oftmals weniger schön anzusehen, aber die Begeisterung bei den Ecuadorianern umso größer. Am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg in die nahegelegenen heißen Quellen, Nangulvi. Bei 65°C heißen Wasser ließen wir uns die Sonne auf den Pelz scheinen und sprangen zur Abkühlung ins eiskalte Flusswasser. Gegen Mittag mussten wir das Dörfchen auch schon wieder verlassen, da es gute 3h dauerte um wieder nach Hause zu kommen. Da der Hinweg, aufgrund des überfüllten Buses, weniger interessant war, entschlossen wir uns zurück zu trampen. Als bald fanden wir einen LKW mit leerer Ladefläche, der uns anbot bis nach Otavalo, Ausgangspunkt für den Nachhausweg, mitzunehmen. Der Weg schlängelte sich durch Hochwälder, vorbei an Wasserfällen und kleinen einzelnen Hütten. Das Wetter schlug, wie in Ecuador üblich, schlagartig von strahlendem Sonnenschein in strömenden Regen um, was nicht weiter störte, da der LKW mit einer Plane abgedeck war.nach guten 3h Fahrt kamen wir in Otavalo an. Da es Simons letzte Tage waren, verabschiedeten wir uns, da er in Richtung Norden aufbrach und ich runter nach Süden, zurück auf meine Farm, fuhr. Die folgende Arbeitswoche begann gleich mit einem Kraftakt ->Kartoffelernte<-. Es galt 4 Reihen zu ernten und diese dann in den 250m entfernte und 20m höher gelegenen Schuppen zu verfrachten. Ausbuddeln und Eintüten – kein Problem. Aber dann die 50kg schweren Säcke auf dem Rücken hinaufzutragen, war weniger entspannend. Nach 2h schweißtreibenden Schleppens befanden sich alle 12 Säcke dann an ihrem Betsimmungsort.
In den kommenden Wochen ist das Freiwilligenhaus nun etwas dünn mit Freiwilligen besiedelt. Dies gibt etwas Zeit sich mehr mit den Farmarbeitern anzufreunden und das Spanisch zu verbessern. Trotz allem bleibt der Wille, jeden Abend etwas Spanisch zu lernen, eine Ilusion. Morgen fahren Alex, Stuart und Ich dann nach Quito um uns das Freundschaftsspiel: England vs. Deutschland anzuschauen.
Soviel, wie moeglich sehen!
Veröffentlicht in Up To Date am Oktober 25, 2008 von paulnaglatzkiDas nun schon etwas zurückliegend Wochenende mit zwei Tagestrips war einerseits anstrengend und andererseits sehr entspannend. Dem ursprünglichen Plan zufolge wollten wir am Samstag nach Oyecachi, in sehr abgelegeneThermalbäder, und am Sonntag Cuicocha, eine Kraterlagune und mehreren Insel, besuchen. Als wir Samstagmorgen gegen 7 in Cayamba ankamen, von wo aus unserer Bus um halb 8 abfahren sollte, ankamen, lag eine komplette Änderung des Busplanes vor. Da es nur einen Bus nach Oyacachi und zurück gab, waren wir von diesem abhängig und der Busfahrer entschied erst gegen 14:30 abzufahren. Da dies 7h wartend in Cayambe mit sich brachte und wir den gesamten Tag vor uns hatten, entschlossen wir kurzfristig den Viehmarkt in Otavalo zu besuchen und danach weiter nach Cuicocha, der Kraterlagune hinter Otavalo, zu fahren. Gegen 8 auf dem Viehmarkt angekommen, drängten wir uns durch muhende Kühe, kläffende Hund, grunzenden Schweinen und nervigen Hühnern und ihren Besitzern, die ihre Ware lauthals anpriesen. Nach einem kurzen Rundgang über den Poncho Plaza von Otavalo stiegen wir in den Bus nach Quiroga, nahe der Lagune. Zufällig trafen wir einen der jüngsten Arbeiter unserer Farm, Christiano, der im selben Bus auf dem Weg in sein Heimatdorf Cotacachi war. Er half uns den Weg zu finden. Mit einem der Camionettas, eine Art Taxi, fuhren wir die letzten Meter hinauf zur Lagune. Bei strahlendem Sonnenschein, in 3400m Höhe, entschieden wir uns für ein kurzes Erfrischungsbad, was sich als sehr erfrischend herrausstellte, starteten wir unsere Rundwanderung um die 4km x 6km große Lagune. Cuicocha ist ein inaktiver Vulkan der vor 3 Mio. Jahren seine Spitze abgesprengt hat und in einer kleinen Nacherruption drei kleine Hügel auf zwei Inseln in der Mitte des Sees geformt hat. Nach und nach hat sich die Lagune durch die umliegenden Wasserfälle und Regen gefüllt und hat sich zu einer atemberaubenden Landschaftkulisse, am Fusse des Berges Cotacachi, entwickelt. Die 15km lange Wanderung um den See dauert 4h, entlang des schmalen Grat 400m über dem Wasserspiegel. Am Ausgangspunkt angekommen, nahmen wir an einer Bootstour um die Inseln teil, die sich als eher langweilig äusserte. Auf dem Rückweg trafen wir ein junges Ehepaar die uns auf dem Rückweg mit nach Otavalo mitnahmen, da es keine Bus mehr gab. Von dort nahmen wir dann einen Bus nach Hause. Völlig ausgelaugt fiel ich ins Bett und der nächste Tag begann ebenfalls um 6, da wir den versäumten Trip nach Oyacachi nachholen wollten. Wir entschlossen uns, kurz vor 8 am Bus anzukommen und eventuellen Planänderungen vorzubeugen, was sich als richtige Entscheidung herrausstellte, da der Bus bereits um 8 abfuhr und wir ihn gerade so noch erreichten. Ein weiteres Beispiel für die Planlosigkeit und Willkür der ecuadorianischen Busfahrerm war mal wieder der Gringopreis für uns. Er knöpfte uns für die 90min Hinfahrt 3 USD Dollar ab, was sich aber erst auf dem Rückweg als Beschiss herrausstellte, der er nur 1,50 USD verlangte. In Oyacachi angekommen, lösten wir jeweils ein zwei Dollartagesticket und betraten die Quellen über eine, der unzähligen wackligen Hängebrücken, nachdem uns der Indigene am Einlass fragte ob wir denn Badehosen hätten!? :-/ Nach der zurückliegenden Wanderung und der anstrengenden Arbeitswoche, war es sehr entspannend, mal einen Tag der Entspannung und Ruhe zu genießen. Als einzige Gringos in mitten von quichua-sprechenden Indigenen, kamen wir uns ziemlich unheimlich vor. Zwischen den heißen Quellen umherrchillend, sprangen wir hin und wieder in den 3°C kalten Fluss. Um halb 3 fuhr der Bus dann wieder zurück, es dauert jedoch 2,5h da wir einen kleinen Zusammenstoß auf der schmalen Straße mit einem PickUp hatten. Da es alles andere als Versicherung oder ähnlichem gibt, wurde des abgebrochenen Rücklicht, nach einer längeren Diskusion, bezahlt und wir folgten die schmale Hangstraße hinab nach Cayambe und zurück auf unsere kleine Farm. Für die nächste Woche waren zwei neue Freiwillige angekündigt, die im anderen Haus für die eine Woche einzogen. Es stand eine weitere Woche bevor, in der wir 7 hungrige Mäule dreimal am Tag stopfen mussten. Jedoch ist es jedesmal ein neues Erlebniss, da man neue Leute kennen lernt und Erfahrungen in und ausserhalb Ecuadors austauscht. Weiterhin kann man zu 8, Stuart eingeschlossen, viel mehr im Garten erreichen und ich konnte mich mal vom Garten lösen, und mich anderen Aufgaben auf der Farm widmen und mit Ecuadorianern zusammenarbeiten. Eines der Gebäude brauchte dringend ein neues Dach, also half ich beim Bau des Dachstuhls und beim Eindecken. Da jeden Tag ein anderer Arbeiter auf dem Dach arbeitete und keiner so wirklich Ahnung hatte, regte sich jeder neue Arbeiter über die Arbeit seines Vorgängers auf. Der Dachstuhl wurde aus Eukalyptusrundhölzern zusammen gezimmert und danach mit den gesäuberten 150 Jahre alten Dachpfannen eingedeckt.
Zusätzlich zu den 2 weiteren Freiwilligen kamen am Montag 55 Schüler aus Quito und quartierten sich für eine Woche in einem der Seminarhäuser ein. Sie arbeitet auf der Farm, gingen Heu ernten und halfen im Stall. Von Montag an spielten wir dann jeden Tag ab um 4 für 2h Fussball; Gringos vs. Ecis bis zum Dunkelwerden! Sehr anstrengend, enthusiastisch und mit viel Spaß verbunden! Ein weiter Vorteilwar das ich etwas spanisch sprechen konnte. Es scheint, dass sich mehr und mehr Möglichkeiten bieten, mein Spanisch zu verbessern. So auch am folgendenen Wochenende, als wir einen weiteren Tagesausflug nach Cochasqui, einem Dorf mit Pyramiden aus der der Prä-Inka Zeit Quitu-qara von vor 2500 Jahren anschauten! Aber eher langweilig. So vergeht Wochenende für Wochenende ohne das wir einen Tag verschwenden. Nächste Wochendende werde ich vorraussichtlich in den Süden in die Stadt Cuenca zum Gründungsjubileum fahren und dort für ein paar Tage an den Festivalen teilnehmen. Danach werden wir die Wochen an die Küste, nach Montanita, fahren und dort ein paar Urlaubstage verbringen. Mal schauen, wie das wird!